Hellmich | Frostglühen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 314 Seiten

Hellmich Frostglühen

Spicy Dark Urban Vampir Romantasy in Berlin
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-2264-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Spicy Dark Urban Vampir Romantasy in Berlin

E-Book, Deutsch, 314 Seiten

ISBN: 978-3-6957-2264-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Vampire in Berlin! Lydia, 500 Jahre alt, hat eine klare Jobbeschreibung: Regelverstöße bei Ihresgleichen zu ahnden, damit die Menschen weiterhin nicht mitbekommen, wer da ihre Stadt bevölkert. Als sie auf einer Vernissage der Künstlerin Sophie begegnet, sehnt sich die Vampirin zum ersten Mal nach langer Zeit danach, sich einem Menschen zu offenbaren. Zwischen den beiden funkt es heftig. Kompliziert wird das Ganze, als ausgerechnet Lydias Clanführer ein außergewöhnliches Interesse an seiner Jägerin zeigt ...

Anna Hellmich erzählte schon als Kind sehr gerne spontan entstehende Geschichten. Vampirromane liebt sie seit jeher, vor allem, wenn sie düster und romantisch sind, aber nicht ohne Humor. Ihre Vampire sind eher pragmatisch und frei von Glitzer, irgendwo zwischen Anne Rice und "Trueblood" .
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1
DAS BILD


SOPHIE

Sie hat etwas von einer Kriegerin oder Geheimagentin. Ihr schlanker Körper steckt in einem stinknormalen karierten Tweedkleid, anthrazitfarben und schwarz mit cremeweißen Akzenten, das an der Taille weit wird und ihr bis knapp übers Knie reicht. Sie wirkt in diesem Midi-Kleid wie eine viktorianische Lady, sittsam und verrucht zugleich, wie ein Charakter aus einem Anne-Rice-Roman. Ein weißer, gekräuselter Blusenkragen schaut über den eckigen Ausschnitt hinaus und betont die Wölbung ihrer Brüste. Ein Ledergürtel und gefährlich aussehende schwarze Pumps runden den Look ab.

Mit faszinierender Deutlichkeit ist jedes Detail an ihr erfasst. Der Ausdruck in ihren dunklen Augen jagt mir beim Betrachten des Bildes jedes Mal eine Gänsehaut über den Rücken. Wolodjas Bilder wirken, als würden die gemalten Personen im nächsten Moment aus der Leinwand herausspringen und zu reden anfangen, so lebendig sehen sie aus.

Niemand weiß, wer ihm für die ›Frau in Schwarz‹ Modell gestanden hat. Wolodjas neue Freundin, von der in letzter Zeit alle sprachen, war es wohl nicht; sie habe ich bisher noch nicht kennen gelernt.

Jedenfalls ist es pure Magie, was er da geschaffen hat. Ehrlich gesagt, bin ich längst mehr als ein bisschen verliebt in die geheimnisvolle Fremde. Nicht, weil sie einen tollen Körper hat, sondern weil ich in ihren dunkelbraunen Augen versinke. Ihr Gesicht ist dreieckig, fast ein wenig zu schmal, ihr Mund voll und rot, und das Feuer in ihrem Blick brennt sich durch sämtliche Schichten meiner Seele. Ihre langen, fast schwarzen Haare fallen wie ein glänzender Fächer über ihre Schultern, und ich möchte mit den Händen darüber streichen und erfahren, ob die so seidig sind, wie sie aussehen.

Der Pfirsichton ihrer Haut kontrastiert mit ihrer dunklen Kleidung. Sie hat ein paar verirrte Sommersprossen auf der Nase, die mich zum Schmunzeln bringen, weil bei mir genau an dieser Stelle auch welche sind, aber viel mehr als bei ihr.

Dieses Bild hätte ich allzu gerne in meinem Zimmer, um es jeden Tag anschauen zu können. Irgendein glücklicher Mensch wird es für viel zu viel Geld erwerben und seiner Sammlung hinzufügen. Mir bleibt nur, mich für immer nach der Unbekannten zu sehnen und mir heimlich auszumalen, wie sie nachts an mein Fenster klopft und um Einlass bittet.

Wahrscheinlich besser so, wer weiß, ob ich mein Zimmer jemals wieder verlassen würde, wenn dieses Bild dort hinge.

»Hey, Sophie, wir müssen los. Verabschiede dich von deiner Angebeteten!« Katrina, einer meiner Mitbewohnerinnen, wird langsam ungeduldig. »Dieser Storeroom ist wirklich am Ende der Welt. Komm jetzt, meine Schicht beginnt bald!«

Widerwillig löse ich mich von dem Anblick meiner Traum-Frau und folge Katrina zum Ausgang. »Wie gut, dass wir die Bilder aus dem Atelier überhaupt mitnehmen durften. Stell dir vor, die Polizei hätte sie beschlagnahmt!«

»Ach Unsinn, das hätte sein Galerist niemals zugelassen.«

»Auch wieder wahr.«

Katrina parkt aus und fädelt sich in den dichten Verkehr auf der Pablo-Picasso-Straße ein. Nichts als Grau in Grau gibt es hier zu sehen, ein trister Tag im Januar in einem Jahr, das alles andere als gut begonnen hat.

»Wann kommt Manu heute nach Hause?«, möchte ich wissen.

»Irgendwann später, sie haben mal wieder Personalmangel.«

»Dann treffe ich mich jetzt noch mit Sylvie.«

»Voll okay. Manu ist schon groß, Sophie. Sie wird irgendwann darüber hinwegkommen.«

»Hier, lies das mal: ›Giftmord in Niederschönhausen‹. Tschaikowskistraße, ist das nicht die Ecke, wo eure Party am Samstag stattfinden soll?«Meine Schwester Sylvie hält mir ihr Smartphone vor die Nase.

»Mann, es geht um Wolodja. Alle wissen schon Bescheid.«

Meine Schwester reißt die Augen auf. »Dein Künstler-Kumpel? Was ist mit eurer gemeinsamen Vernissage?«

»Findet trotzdem statt. Es ist genug Platz dort im Atelier. Er hätte nicht gewollt, dass sie seinetwegen verschoben wird.«

»Müssen da denn keine Untersuchungen mehr durchgeführt werden, Spurensicherung oder so was?«

»Bis heute Abend werden die Räume spätestens freigegeben. Dann haben wir immer noch den ganzen Freitag Zeit, um die Bilder aufzuhängen.«

Sylvie schnaubt.

Ich schmunzle in mich hinein und trinke einen Schluck von meinem Chai, während sie mich über den Rand ihrer Kaffeetasse hinweg kritisch mustert.

Wir sitzen in einem von Sylvies Lieblingscafés an der Schönhauser Allee. Meine Schwester macht zwar ihren Master in Charlottenburg, aber sie besucht mich nur zu gerne in meinem Kiez, auch wenn der schon größtenteils gentrifiziert ist, wie sie nicht müde wird zu sagen. Sylvie ist gleich nach dem Abi nach Berlin gegangen, um Architektur zu studieren. Sie kennt die Stadt schon seit ein paar Jahren. Ich hingegen brauchte erst einmal eine Pause von der ganzen Lernerei und habe acht Monate mit Work&Travel in Neuseeland verbracht, bevor ich mir eine WG und einen Job im Prenzlauer Berg gesucht habe, um malen zu können.

Sylvie schaut aus dem Fenster und betrachtet das Treiben auf der Straße, in Gedanken versunken. Ihre orangeroten Haare haben dieselbe Farbe wie meine. Wir werden deshalb oft für Zwillinge gehalten. Wie Zwillinge, die um ihre Individualität ringen, haben wir unsere Lockenpracht völlig unterschiedlich gestaltet. Mein Haarschopf wird durch einen Undercut gebändigt. Sylvie hat heute ihre langen Locken zu einer eleganten Hochsteckfrisur aufgetürmt. Ihre haselnussfarbenen Augen, in diesem Licht beinahe grün, blicken verträumt drein.

Das liebe ich an unserer Schwestern-Zeit: unser gemeinsames Schweigen. Weder fühlt es sich unangenehm an, noch müssen wir die Stille krampfhaft füllen.

Schließlich wendet mir Sylvie ihr Gesicht wieder zu und fragt: »Wie geht es dir mit Wolodjas Tod? Trauerst du um ihn?«

»Nein, ich habe ihn ja kaum gekannt. Aber Manu war richtig eng mit ihm befreundet. Sie ist total fertig. Was uns alle schockiert hat: Seine Freundin ist spurlos verschwunden. Die Polizisten haben Manu gefragt, ob Sara ihn getötet haben könnte. Aber so ein Blödsinn. Die beiden waren ein Traumpaar, sagt sie.«

»Er muss sehr begabt gewesen sein.«

»Ja, das war er. Ich könnte mir seine Bilder stundenlang anschauen.Wahrscheinlichwird der Preis dafür jetzt durch die Decke gehen.«

Sylvie entgeht der sehnsüchtige Unterton in meiner Stimme nicht. »Hättest du eins für dich kaufen wollen?«

»Vielleicht. Aber das ist jetzt sowieso vom Tisch. Die waren vorher schon zu teuer für mich. Jetzt wird es einen Hype geben.«

»Wer bekommt das ganze Geld?«

»Das ist eine gute Frage. Wolodja hat wohl Verwandte irgendwo in der Ukraine. Da ist noch vieles ungeklärt.«

»Und die Freundin wird polizeilich gesucht.«

»Ja. Katrina und Manu glauben, dass Sara vielleicht entführt worden ist.«

»Aber warum das alles? Nach dem, was du mir erzählt hast, war er Künstler und sie studiert BWL oder irgendetwas in der Art. Wer sollte etwas gegen die beiden haben?«

»Das weiß niemand. Deswegen sind die von der Polizei auch ratlos, zumal sie einfach nicht herausfinden, was für ein Gift es gewesen ist, das ihn so dehydriert aussehen ließ.«

»Spooky.« Sylvie schüttelt sich.

»Sag mal, kommst du denn jetzt eigentlich mit am Samstag?«, möchte ich wissen.

Meine Schwester verzieht verlegen ihr Gesicht. »Nein, Süße. Tut mir super leid, aber ich kann auf diese Projektgruppe nicht verzichten. Stell dir vor, die Heckmann hat uns eine Ausschreibung an Land gezogen, wir können unsere Entwürfe dort einreichen! In echt!« Sie schafft es, gleichzeitig zerknirscht auszusehen und leuchtende Augen zu bekommen, als sie mir von ihrer legendären Dozentin erzählt.

Das kommt nicht gänzlich unerwartet; ich bin enttäuscht, aber auch ein bisschen amüsiert. Die Liebe meiner Schwester zur Architektur ist so groß, es ist nicht sicher, ob da jemals ein menschliches Gegenüber Priorität haben kann. »Du kannst auch später noch dazustoßen. Ihr werdet doch nicht bis zum Morgengrauen an eurem Entwurf feilen.«

»Mal schauen, du Geschöpf der Nacht. Es gibt auch Menschen, die ihren Schlaf brauchen, weißt du?«

»Schlafen wird überbewertet«, kontere ich halbherzig. Wahrscheinlich wird Sylvie bei unserer Vernissage nicht auftauchen. Dennoch hat sie ein Herz aus Gold und würde mich nie im Stich lassen, wenn es darauf ankommt.

Auf dem Weg zu unserer Wohngemeinschaft im dritten Stock gerate ich ins Schwitzen. Meine Schicht in der Whiskybar wartet auf mich, vorher soll unbedingt noch eine Skizze für ein Bild fertig werden. Meine Eile auf der Treppe hat mir Seitenstiche beschert. Kurz bleibe ich stehen, um zu verschnaufen.

Manu kommt mir entgegen, den Mülleimer in der Hand, sieht mich da stehen und lacht....



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