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Helmig / Boenigk Nonprofit Management


2. Auflage 2019
ISBN: 978-3-8006-5180-1
Verlag: Franz Vahlen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 246 Seiten

Reihe: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

ISBN: 978-3-8006-5180-1
Verlag: Franz Vahlen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



„... sehr guter Wegweiser.“
Verbändereport zur ersten Auflage

Die Bedeutung von Nonprofit-Organisationen wird angesichts der immer schwieriger werdenden staatlichen Finanzierung vieler Aktivitäten stetig steigen. Einhergehend mit dieser Entwicklung und den großen Spendenvolumina, die teilweise damit verbunden sind, nimmt auch der Bedarf an der Professionalisierung des Nonprofit-Sektors zu. Dies sollte jedoch nicht durch eine unreflektierte Anwendung von betriebswirtschaftlichen Instrumenten erfolgen. Dementsprechend zeigt dieses Buch die Besonderheiten des Management von Nonprofit-Organisationen systematisch auf. Nur so kann dem Wunsch von Spendern und sonstigen Anspruchsgruppen von Nonprofit-Organisationen nach effizienter und effektiver Mittelverwendung sowie nach Transparenz, Rechenschaftslegung und Verantwortlichkeit Rechnung getragen werden.

Das Buch richtet sich an Studierende und Wissenschaftler, die sich mit Fragen des Nonprofit Management beschäftigen, sowie an Führungskräfte aus der Nonprofit-Praxis. Es soll Entscheidungshilfen für die Planung und Umsetzung von eigenen Managementaufgaben bieten. Dazu führt es nicht nur in die Grundlagen des Nonprofit Management ein. Es werden vielmehr alle zentralen Bereiche des sogenannten Dritten Sektors vorgestellt. Zahlreiche Beispiele und Fallstudien aus verschiedenen Nonprofit-Branchen veranschaulichen die Konzepte und ermöglichen ein schnelles Umsetzen in die Praxis.

Unter www.nonprofit-management.biz wurde eine umfassende Lernplattform mit Videos, Selbsttests, Fallstudien und Beispielen zu diesem Buch eingerichtet.

Prof. Dr. Bernd Helmig ist Inhaber des Lehrstuhls für Public und Nonprofit Management an der Universität Mannheim. Prof. Dr. Silke Boenigk ist Inhaberin der Professur für BWL, insbesondere Management von Öffentlichen, Privaten & Nonprofit-Organisationen, an der Universität Hamburg.
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Weitere Infos & Material


31Kapitel 2
Historische Entwicklung und Theorien des Nonprofit-Sektors


Lernziele dieses Kapitels

Sie kennen die historische Entwicklung des Nonprofit-Sektors in Deutschland in ihren Grundzügen.

Sie können die wichtigsten theoretischen Erklärungsansätze zur Entstehung von Nonprofit-Organisationen erläutern und ihren Erklärungsgehalt diskutieren.

2.1 Historische Entwicklung des Nonprofit-Sektors


2.1.1 Antike


Die Wurzeln der heutigen Nonprofit-Landschaft werden in der einschlägigen Literatur im Wesentlichen im 19. Jahrhundert gesehen; in der Zeit der Ablösung der ständischen Gesellschaft durch die moderne Bürgergesellschaft (Anheier 2014). Die folgenden vier Abschnitte des Lehrbuchs zeigen jedoch, dass
viele der heute immer noch gültigen Werte und Normen des Nonprofit-Sektors bereits sehr viel früher entstanden sind (zur Historie des Spenden DZI 2018a).

So sind dessen Wurzeln in Deutschland bereits in der griechisch-römischen Antike (ca. 1400 AC bis 600 AD) erkennbar. Dort gab es schon Stiftungen und Vereine, die unter anderem soziale oder bildungspolitische Ziele verfolgten. Auch die Ursprünge von Sport- und Geselligkeitsvereinen sowie erster Museen können in dieser Zeit ausgemacht werden (Bolkenstein 1979; Diem 1960; Pomian 1998; Vieregg 2008). Die Nonprofit-Organisationen der Antike entsprechen dabei jedoch nur bedingt unserem heutigen Verständnis. Soziale Stiftungen dienten in erster Linie der Verehrung von Göttern, Helden und Verstorbenen; Vereine konnten sowohl staats- als auch privatrechtlich organisiert sein (Bolkenstein 1979). Das Konzept einer juristischen Person war noch nicht existent, sodass zur Sicherstellung der Erfüllung des Stiftungszwecks oftmals der Stadtstaat als Verwalter des Stiftungsvermögens fungierte (Hands 1968; Pickert 2005). Die damaligen Museen waren Tempel, in denen Opfergaben ausgestellt und bewundert wurden (Vieregg 2008). In Kriegszeiten führte man diese Ausstellungsstücke jedoch wieder in den Kreislauf ökonomischer Aktivitäten zurück, um mit diesem von den Göttern gewährten Darlehen eine Gefahr für das Vaterland abzuwenden (Pomian 1998, S. 24). Die Nonprofit-Organisationen der damaligen Zeit waren also stark mit dem griechisch-römischen Staat sowie den vorherrschenden religiösen Vorstellungen verknüpft.

32Auch das Aufkommen des Christentums änderte an diesem Sachverhalt zunächst wenig. Die Gründung der Diakonie innerhalb der christlichen Gemeinden bedeutete zwar eine neue, auf der Norm der Brüderlichkeit basierende Art der Nonprofit-Tätigkeit (Bauer 1999). Dennoch sind auch hier der religiöse sowie staatliche Einfluss manifest. Motiviert von den neutestamentlichen sieben Werken der Barmherzigkeit sowie dem Doppelgebot der Liebe, versuchten die Gemeindemitglieder in der Diakonie ihre Nächsten immer mit dem Notwendigsten zu versorgen. Hierfür führten sie die Position der hauptamtlichen Diakone ein und gründeten im dritten und vierten Jahrhundert erste Hospitäler. Insbesondere während der Zeit der Christenverfolgung wurde das diakonische Prinzip sehr konkret gegenüber Christen und Nicht-Christen angewandt, was zum einen den Hass auf das Christentum verstärkte, gleichzeitig aber auch Bewunderung hervorrief und später zur Tolerierung der christlichen Religion im römischen Reich durch Kaiser Konstantin führte.

Am Ende des vierten Jahrhunderts hatte sich das Christentum schließlich als Staatsreligion etabliert. Die Diakonie wurde nun zum Instrument der Politik und übernahm im Auftrag des römischen Kaiserreichs die Aufgabe der Armenfürsorge. Dieser religiös motivierten Nonprofit-Tätigkeit lag ein klares staatspolitisches Kalkül zu Grunde: Die Versorgung der Opfer der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse sollte einen Aufstand dieser Bevölkerungsgruppen verhindern und somit zur Stabilisierung des in das Wanken geratenen römischen Reiches beitragen (Flierl 1992).

Caritas und Diakonie

Die Begriffe Caritas und Diakonie sind heutzutage im Kontext der freien Wohlfahrtspflege sehr bekannt. Der Caritasverband ist für die soziale Arbeit der katholischen Kirche zuständig. Das Diakonische Werk ist sein Pendant auf der evangelischen Seite. Doch was verbirgt sich konkret hinter diesen Begriffen? Welche Auswirkungen haben diese Prinzipien auf Ihre Arbeit? Die Logos beider Verbände können darauf eine gute Antwort geben.

Ob „Flammenkreuz“ bei der Caritas oder „Kronenkreuz“ bei der Diakonie, soziale Einrichtungen, die sich mit einem der beiden Zeichen schmücken, dokumentieren damit ihre Verbundenheit mit einer christlichen Kirche. Caritas und Diakonie bezeichnen von ihrem Ursprung her die gleiche Sache: Beiden geht es um die Beziehung zu anderen Menschen und um das Verhältnis zu Gott. Während sich die Caritas auf das lateinische „carus“ mit der Bedeutung „lieb“, „wertvoll“, „teuer“ bezieht, hebt die Diakonie den Dienst (griechisch „diakonia“) hervor. Beide orientieren sich dabei am Vorbild Jesu, leisten individuelle Hilfe und setzen sich für strukturelle gesellschaftliche Veränderungen ein. Ihr Engagement ist immer auch mit christlicher Verkündigung verbunden. Darauf deutet das Kreuz im Logo der beiden Verbände hin.

Die zwölf Flammen um das Kreuz der Caritas nehmen die Verbindung zu alten Traditionen auf. Ein leuchtender Strahlenkranz kennzeichnet seit der Antike Göttliches. Die Krone der Diakonie will ebenso das Kreuz hervorheben, leitet sich formal aber vom „M“ der Vorgängerorganisation „Innere Mission“ ab.

33Mit den Farben wird diese Bedeutung noch verstärkt. Die Caritas wählte Rot, die Farbe der Liebe. Die Diakonie entschied sich für das himmlische Blau, das im modernen Farbempfinden zusammen mit reinem Weiß hohe Werte symbolisiert. Die Logos von Caritas und Diakonie sind also die Markenzeichen der Nächstenliebe.

Quelle: www.caritas.de; www.diakonie.de

2.1.2 Frühmittelalter


Mit dem Zusammenbruch des römischen Reiches und der einsetzenden Völkerwanderung im vierten und fünften Jahrhundert zerbrach auch die Organisation der römischen Staatskirche und die Diakonie. In dieser Zeit des Wandels sorgten einzelne Personen (z. B. Severinus, Benedikt von Nursia und Gregor der Große) dafür, dass Normen, wie Barmherzigkeit und Nächstenliebe, nicht untergingen. Ihr Engagement in der privaten Wohltätigkeit kann als richtungsweisend für die spätere Entstehung der freien Wohlfahrtspflege bezeichnet werden (Flierl 1992).

Mit dem Beginn des Frühmittelalters (ca. 600 bis 1050) verlagerte sich die politische Macht allmählich nach West- und Mitteleuropa. Waren zunächst die Merowinger das herrschende Geschlecht, wurden diese schließlich um ca. 750 von den Karolingern verdrängt. Karl und Otto dem Großen gelang es mit dem Fränkischen Reich ein stabiles Staatswesen aufzubauen. Beide betrachteten sich als theokratische Herrscher und gingen enge Bündnisse mit der Kirche ein. Insbesondere Otto I. nutzte Reichsbischöfe und Priester, die er als königliche Lehnsherren einsetzte, um sein Reich neu zu strukturieren und legte so den Grundstein für die mittelalterliche Feudalherrschaft (Kinder/Hilgemann/Hergt 2000; Peters 2008).

Die hierdurch entstandene religiös-politische Einheit führte nicht nur zu einem Bedeutungsgewinn der Kirche, die nun wieder als aktives Instrument staatlicher Sozialpolitik wirkte (Flierl 1992). Vielmehr, auch bedingt durch die Lehren des Kirchenvaters Augustinus, der den Dualismus einer weltlichen Zivilgesellschaft und eines Gottesstaates begründete (Colas 2004; Adloff 2005; Schmidt 2007), bildete sich nun auch eine verstärkte Jenseitsorientierung im Christentum aus. Diese mündete nicht zuletzt in ein Verbundsystem von „caritas“ und „memoria“: Wohlhabende, die sicherstellen wollten, dass sie nach ihrem Tod das persönliche Seelenheil erlangten, überließen ihr Vermächtnis Klöstern oder sogenannten „Kirchensprengeln“ (heute: Diözesen) zur Gründung von Einrichtungen der Armen-, Alten- und Krankenpflege. Im Gegenzug erwarteten die Spender von den kirchlichen Institutionen, dass diese in bestimmten Abständen eine Messe für sie lasen und regelmäßig im Gebet ihrer gedenken würden. Diese Stiftungen für das Seelenheil waren während des gesamten Mittelalters präsent (Zimmer/Priller 2007). Zudem wurden im gleichen Zeitraum auch von vermögenden Grundherren zur Missionierung der Landbevölkerung Kirchenstiftungen errichtet (Borgolte 1992).

Nonprofit-Organisationen waren im Frühmittelalter allerdings nicht nur im sozialen Bereich angesiedelt. Auch Vorläufer des Museums sind in dieser Epoche zu finden. So wurden Andenken von Pilgerfahrten bereits von den 34Merowingern in Hofkapellen aufbewahrt. Diese Reliquien standen in engem Zusammenhang mit dem Märtyrer- und Heiligenkult des Christentums und waren zentraler Bestandteil der kirchlichen Schatzkammern im Mittelalter. Da von ihnen eine besondere Schutzfunktion für den einzelnen sowie für Städte und Königreiche ausging, strebten Könige und Fürsten danach, möglichst viele dieser sogenannten „Heiltümer“ (veraltete Bezeichnung...



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