E-Book, Deutsch, Band 2, 329 Seiten
Reihe: Heart-of-Soho Trilogie
Henke London Lovers - Gefährliche Küsse
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96898-168-0
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Heart-of-Soho-Trilogie 2: Paula & Reece
E-Book, Deutsch, Band 2, 329 Seiten
Reihe: Heart-of-Soho Trilogie
ISBN: 978-3-96898-168-0
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Sandra Henke, geboren 1973, gehört zu den Autorinnen, die sich nicht auf ein Genre beschränken, sondern ihre Leserinnen auf die unterschiedlichste Art begeistern - mit großen Liebesgeschichten, mit »Paranormal Romance« und erotischer Literatur. Unter dem Namen Laura Wulff veröffentlicht Sandra Henke außerdem erfolgreich Thriller. Sie lebt, glücklich verheiratet, in der Nähe von Köln. Mehr Informationen finden sich auf den Websites der Autorin (www.sandrahenke.de), auf Facebook (https://www.facebook.com/sandra.henke.autorin) und auf Instagram (www.instagram.com/sandra.henke.liebesromane). Bei venusbooks veröffentlichte Sandra Henke die Hot-Romance-Trilogie »London Lovers - Geheime Verführung«, »London Lovers - Gefährliche Küsse« und »London Lovers - Verbotene Gefühle«, sowie die Romane »Jenseits aller Tabus«, »Flammenzungen«, »Die Maske des Meisters«, »Opfer der Lust«, »Loge der Lust«, »Lotosblüte« und »Vampire's Kiss - Gebieter der Dunkelheit«, der auch im Sammelband »Shadow Kiss« erhältlich ist. Gemeinsam mit Kerstin Dirks verfasste Sandra Henke außerdem die erotische Trilogie über die Vampirloge Condannato, die ebenfalls bei venusbooks erschienen ist: »Die Condannato-Trilogie - Erster Band: Begierde des Blutes«, »Die Condannato-Trilogie - Zweiter Band: Zähmung des Blutes« und »Die Condannato-Trilogie - Dritter Band: Rebellion des Blutes«
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Wäre ihr Schwarm Reece Davies nicht in die Buchhandlung Heart of Soho gekommen, hätte Paula ihre Lesung als totales Desaster bezeichnet.
Die meisten Stühle waren leer geblieben. Nur vier Zuhörer hatten sich eingefunden. Eine junge Frau war speziell wegen ihr gekommen und hatte als Begleitung ihre Schwester mitgebracht. Ein leicht angetrunkenes Paar, das die Finger nicht voneinander lassen konnte, war, ihrem anzüglichen Grinsen nach zu urteilen, von dem Begriff erotisch auf dem Plakat im Schaufenster in den Buchladen gelockt worden.
Abgesehen davon waren natürlich auch Maddy, Jared und Luke gekommen und nahmen nun mit etwas Abstand zueinander Platz. Paula sah ihren verlegenen Gesichtern an, dass sie sich aufgeteilt hatten, damit die Reihen voller wirkten. Catherine Oaks saß bereits, die 70-Jährige war gerade erst aus der Rehaklinik entlassen worden und schonte ihr operiertes Knie, wo sie nur konnte.
Madeleine Float, von allen Maddy genannt, war Paulas beste Freundin und die Geschäftsführerin der Buchhandlung, die ihrem Freund Jared Anderson gehörte.
Paula hatte im Vorjahr hier auch die Lesung für ihre Erstveröffentlichung Ungezähmte Leidenschaft – Zur Gefährtin erwählt gehalten, als der Laden noch Mrs Oaks gehört hatte. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg gewesen. Einige Leser hatten sogar stehen müssen, weil es nicht genug Sitzplätze gab. Paula hatte an jenem Abend eine beachtliche Menge Bücher verkauft und signiert.
Damals hatte sie sich als Romanautorin das erste Mal wirklich ernst genommen gefühlt. Bis dahin hatten Selbstzweifel an ihr genagt, weil alle großen britischen Verlage ihr Manuskript über einen dominanten sexy Werwolf und seine devote menschliche Geliebte abgelehnt hatten. Also hatte sie mutig ihr Schicksal in die eigene Hand genommen und die prickelnde Liebesgeschichte als Print-on-demand-Taschenbuch und eBook selbst herausgebracht. Das große Interesse an ihrem ersten Roman hatte sie darin bestätigt, diese Strategie weiterzuverfolgen.
Paula war davon überzeugt gewesen, dass ihre Leser wiederkommen würden, wenn sie die Fortsetzung Ungezähmte Leidenschaft – Die Fährte des Schicksals vorstellte, aber diese Annahme erwies sich nun als falsch. Dabei hatte Maddy die Buchvorstellung extra in den April verlegt. Eigentlich hatte sie bereits im Dezember stattfinden sollen, aber schon da hatte es kaum Anmeldungen gegeben, obwohl ihre Freundin kräftig die Werbetrommel für sie gerührt hatte.
»Das liegt nicht an dir«, hatte Maddy sie beruhigt, »sondern daran, dass im Advent einfach zu viele Veranstaltungen stattfinden und sich gegenseitig Konkurrenz machen. Was hältst du davon, wenn wir deinen großen Abend ins Frühjahr verschieben?«
Paula hatte zu bedenken gegeben: »Aber das Datum der Lesung steht auf allen Flyern, die ich verteilt habe.«
»Ich weiß, dass du es kaum erwarten kannst, deine Neuerscheinung zu präsentieren, aber ich halte es wirklich für besser, die Buchvorstellung zu verschieben. Im Winter bleiben viele Menschen lieber zu Hause. Sobald der Frühling kommt, es länger hell ist und die Temperaturen steigen, werden sie wieder unternehmungslustiger«, hatte Maddy argumentiert und sie damit am Ende überzeugt.
Paula hatte zugestimmt und war voller Hoffnung gewesen. Nun, da sie sich tapfer in den Ohrensessel setzte – ein Flohmarktfund von Mrs Oaks, wie die meiste Ausstattung der Heart of Soho – und ihrem achtköpfigen Publikum die ausgewählten Kapitel vorlas, war sie sehr enttäuscht. Das Desinteresse lag anscheinend nicht am Wetter oder an Konkurrenzveranstaltungen, sondern eben doch an ihr. Ihr erster Roman hatte den Lesern nicht gefallen, das musste es sein. Aber woran mochte das liegen?
Dachten die Leser vielleicht, dass die Liebesgeschichte der Protagonisten in Band eins abgeschlossen war, und sahen kein Potenzial für eine Fortsetzung? Oder fanden sie die beiden Helden nicht sympathisch genug, um noch mehr Zeit mit ihnen verbringen zu wollen? Oder hatte die Handlung sie nicht gefesselt? Hatten die meisten den Roman am Ende sogar abgebrochen? Diese Vorstellung versetzte Paula einen Stich. Sie war ratlos.
Mitunter wirkten Texte ja auch stärker, wenn sie lebhaft vorgetragen wurden, und Paula hielt sich für eine gute Vorleserin. Sie war zudem nicht auf den Mund gefallen und konnte die Menschen unterhalten. In diesem Moment merkte man ihr das jedoch nicht an.
Das geringe Interesse an ihrem neuen Werk machte sie traurig, und das Grübeln darüber, warum kaum Leser erschienen waren, lenkte sie ab. Steif saß sie vor den fast leeren Stuhlreihen und trug die Zeilen hölzern vor. Und das ausgerechnet vor Reece Davies! Dabei wollte sie doch vor ihm glänzen.
Die erotischen Textstellen, die sie herausgesucht hatte, sollten ihn erregen. Er sollte sie als erfolgreiche Romanautorin wahrnehmen und sich zu ihr hingezogen fühlen. Sie wollte ihn begeistern und faszinieren, doch das tat sie im Moment bestimmt nicht.
Paula selbst fand ihren Auftritt schrecklich. Darum sackte sie immer tiefer im Sessel zusammen und versuchte vergeblich, sich hinter ihren espressobraunen, schulterlangen Locken zu verstecken.
Reece war der einzige Zuhörer, der stehen geblieben war. Mit verschränkten Armen lehnte er gegen eine der Säulen, die mit dunklem Mahagoni verkleidet war, ebenso wie die Zimmerdecke, was der Buchhandlung ihren bezaubernden rustikalen und im positiven Sinne antiquierten Charme verlieh.
Er starrte sie mit undurchdringlichem Blick an. Dachte er gerade, was für eine Verliererin sie doch war? Bereute er es, extra wegen ihr nach Soho gekommen zu sein? Eine Sahneschnitte wie er hatte bestimmt Besseres zu tun.
In seinem marineblauen Sakko, seinem weißen Poloshirt und der Jeans sah er wie so oft aus, als käme er gerade vom Segeln. Seine Kleidung wirkte lässig, und er trug keine Namen exklusiver Modemarken zur Schau, doch seine aufrechte Haltung und die Souveränität, die jede seiner Bewegungen ausdrückte, ließen erahnen, dass er aus gutem Hause kam.
Seine Selbstsicherheit wirkte nicht arrogant, sondern natürlich. Er strahlte dieselbe anziehende Überlegenheit aus, die Paula ihren dominanten Romanhelden auf den Leib schrieb. Darum war sie letztes Jahr auch auf ihn aufmerksam geworden. Seitdem träumte sie häufig von ihm, nicht selten mit offenen Augen. Paulas Körper kribbelte angenehm.
Als sie ihr Tablet, von dem sie abgelesen hatte, ausschaltete und den Applaus ihrer wenigen Zuhörer entgegennahm, wäre sie am liebsten in Tränen ausgebrochen, doch sie rang sich tapfer ein Lächeln ab.
Das beschwipste Liebespaar verließ die Buchhandlung sofort, während die junge Frau, Paulas einziger Fan, ein Taschenbuch kaufte und es signieren ließ. Ihre Begleitung erstand kein Exemplar, sondern sagte, sie würde sich das ihrer Schwester ausleihen.
Mit Magenschmerzen dachte Paula daran, dass Maddy sie auf den Werbeflyern vollmundig als Paula Bennett, der neue Stern am Londoner Literaturhimmel angekündigt hatte. Mit dem Umsatz, den sie an diesem Abend gemacht hatte, konnte sie sich drüben in der Carnaby Street nicht mal einen Kaffee leisten.
Dass sich Maddy, Jared und Mrs Oaks mehrere Exemplare signieren ließen, für sich selbst und um sie zu verschenken, machte die Situation auch nicht besser. Immerhin kaufte Jareds Freund, Luke Marshall, gleich einen ganzen Stapel Bücher. Er hatte Anfang des Jahres eine Agentur eröffnet, die dominante Callgirls und Callboys vermittelte, und wollte jedem seiner Mitarbeiter damit eine Freude machen. Aber selbst Reece musste klar sein, dass ihre Freunde ihr die Taschenbücher nur aus Mitleid abnahmen.
Paula schwärmte schon lange aus der Ferne für ihn, hatte sich aber bisher noch nicht getraut, ihn anzusprechen. Das sah ihr gar nicht ähnlich, denn eigentlich war sie aufgeschlossen und kess, doch sein Selbstvertrauen schüchterte sie ein.
Maddy hatte ihn gefragt, ob er zur Lesung kommen wollte, und zu Paulas Überraschung hatte er zugesagt. Doch statt ihren Erfolg mitzuerleben, war er Zeuge geworden, wie ihr großer Traum, mit ihrem zweiten Roman richtig durchzustarten, zerplatzte.
Maddy brachte ihr ein Glas Sekt. Zuerst wollte Paula es ablehnen, weil es nichts zu feiern gab, doch dann kippte sie aus Frust die prickelnde Flüssigkeit in einem Zug runter. Über ihre Champagnerflöte hinweg sah sie, dass Reece sich mit Jared und Luke unterhielt. Sie wirkten vertraut, dabei war Reece doch bloß ein langjähriger Kunde der Heart of Soho. Woher mochten sich die Männer kennen?
Plötzlich kam ihr in den Sinn, was ihre Mutter ihr früher stets gesagt hatte: »Mach das Beste aus jeder Situation.«
Paula konnte an diesem Abend zwar keine neuen Leser gewinnen, aber immerhin war Reece Davies hier. Bisher war sie zu befangen gewesen, um ihn anzusprechen, doch damit war jetzt Schluss. Immerhin war er zu ihrer Lesung erschienen, das musste doch etwas zu bedeuten haben. Zudem war der Alkohol ihr zu Kopf gestiegen, weil sie zu schnell getrunken hatte, und das machte sie mutig.
Mit zittrigen Beinen nahm sie zwei Gläser Sekt und ging zu Reece hinüber. Sie reichte ihm eine der Champagnerflöten, zeigte auf den Büchertisch, der immer noch voll hoher Stapel war, und riet ihm ironisch: »Greif besser schnell zu, sonst sind alle Taschenbücher weg. Wie du siehst, stürzen sich meine Fans darauf.«
»Nein, danke.« Sein Blick glitt über ihr enges schwarzes T-Shirt, auf dem in Pink Großstadtgöre geschrieben stand.
Ihre Brustspitzen wurden hart und zeichneten sich bestimmt durch den Stoff ab. Verlegen sah Paula Jared und Luke hinterher, die sie mit Reece allein ließen und zu Maddy und...




