E-Book, Deutsch, Band 2, 273 Seiten
Reihe: Herzkonfetti
Henke Wer mein Herz gefangen nimmt
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96148-773-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Liebesroman | Herzkonfetti - Band 2: Romantik & Humor an einem traumschönen See in Texas
E-Book, Deutsch, Band 2, 273 Seiten
Reihe: Herzkonfetti
ISBN: 978-3-96148-773-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Sandra Henke, geboren 1973, gehört zu den Autorinnen, die sich nicht auf ein Genre beschränken, sondern ihre Leserinnen auf die unterschiedlichste Art begeistern - mit großen Liebesgeschichten, mit »Paranormal Romance« und erotischer Literatur. Unter dem Namen Laura Wulff veröffentlicht Sandra Henke außerdem erfolgreich Thriller. Sie lebt, glücklich verheiratet, in der Nähe von Köln. Mehr Informationen finden sich auf den Websites der Autorin (www.sandrahenke.de), auf Facebook (https://www.facebook.com/sandra.henke.autorin) und auf Instagram (www.instagram.com/sandra.henke.liebesromane). Bei dotbooks veröffentlichte Sandra Henke die Hot-Romance-Trilogie »London Lovers - Geheime Verführung«, »London Lovers - Gefährliche Küsse« und »London Lovers - Verbotene Gefühle«, die Romane »Jenseits aller Tabus«, »Flammenzungen«, »Die Maske des Meisters«, »Opfer der Lust«, »Loge der Lust«, »Lotosblüte« und »Vampire's Kiss - Gebieter der Dunkelheit«, der auch im Sammelband »Shadow Kiss« erhältlich ist, und die Contemporary-Romance-Highlights »Wo mein Herz dich sucht«, »Wer mein Herz gefangen nimmt«, »Wenn mein Herz dich findet« und »Was mein Herz sich wirklich wünscht«, sowie den Sammelband »Fürstenkuss«, der die romantischen Romane »Verbotene Küsse«, »Prinzessin unter falschem Namen« und »Obwohl ich dich nicht lieben wollte« vereint. Unter dem Namen Laura Wulff veröffentlichte Sandra Henke bei dotbooks die Thriller »Leiden sollst du«, »Nr.13« und »Opfere dich«. Gemeinsam mit Kerstin Dirks verfasste Sandra Henke außerdem die erotische Trilogie über die Vampirloge Condannato, die ebenfalls bei dotbooks erschienen ist: »Die Condannato-Trilogie - Erster Band: Begierde des Blutes«, »Die Condannato-Trilogie - Zweiter Band: Zähmung des Blutes« und »Die Condannato-Trilogie - Dritter Band: Rebellion des Blutes«
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
»Man könnte meinen, du wärst in ihn verknallt.«
Carly
Wenn ich nur an Nathan X. Winchester denke, fängt das Blut in meinen Adern an zu kochen. Dabei kenne ich ihn nicht einmal persönlich, doch allein sein Name ist ein rotes Tuch für mich. Abfällig nenne ich ihn Mr. Cash. Er wurde schon mit Dollarzeichen in den Augen geboren. Vielleicht fallen bei ihm sogar Goldmünzen in die Keramikschüssel, wenn er auf dem stillen Örtchen sitzt und das Börsenmagazin liest, wer weiß? Bricklebrit! Wie der Esel im Märchen Tischlein, deck dich!. Und dass er ein Esel ist, steht für mich fest.
Er ist reich, seine Familie ist reich und auch seine Freunde sind reich. Sie alle schwimmen in Geld, während wir in einem Meer aus Sorgen ums Überleben kämpfen. Winchester schert das einen Dreck! Stattdessen schickt er Anzugträger, die uns dazu verführen sollen, ihm unseren letzten wertvollen Besitz zu überschreiben. Aber ich zeige ihm meinen Mittelfinger, denn an mir wird sich dieser Lackaffe die Zähne ausbeißen.
Wütend werfe ich den Waschlappen, mit dem ich gerade aus lauter Langeweile die Bistrotische im Schnellrestaurant abgewischt habe, in das Spülbecken hinter dem Tresen. Lauge spritzt mir ins Auge. Ich fluche leise und blinzele. Warum muss mir immer so etwas passieren? Vielleicht weil ich zu impulsiv bin? Papperlapapp.
»Lass mich raten.« Bear guckt mich durch die Essensluke aus der Küche heraus an. »Du hast schon wieder an ihn gedacht.«
»Winchester ist der Teufel in Person!«
»Übertreibst du nicht ein wenig?«
»Dieser Ebenezer Scrooge zerstört Existenzen, er vertreibt Menschen aus ihrem Zuhause. Da gibt es nichts schönzureden.«
»Genau genommen kauft er den Besitzern ihre Grundstücke ab, das ist ein bisschen was anderes.«
»Ha! Für ein Taschengeld.«
»Sie sind eben nichts mehr wert, seit Scoop Town zugrunde geht. Immer mehr Geschäfte dort geben auf. Inzwischen wohnen wir am Allerwertesten der Welt, Schätzchen.«
Aus tiefstem Herzen seufze ich und lächele verträumt. »Für mich ist der Golden Lake immer noch das Paradies.« Der See liegt allerdings noch einmal eine Stunde von Scoop Town entfernt im Nirgendwo und zwei Stunden von Houston weg.
»Mit der Meinung stehst du alleine da.«
»Offensichtlich nicht, denn dieser verfluchte Bastard Winchester hat leider das Potenzial dieses wunderschönen Fleckens erkannt.«
»Wie redest du denn? Achte auf deine Wortwahl, Carly!«
»Es tut mir leid.« Verlegen streiche ich über meine Kellnerinnenuniform, ein rosafarbenes Kleid mit verboten kurzem Rock und weißer Schürze, als wären wir in den Siebzigern stehen geblieben. »Hier machen zu viele Trucker Pause. Ihre Sprache färbt auf mich ab.«
Oh, Wunder! Ein Kunde – ein Mann, der erfolglos versucht, seine Aknenarben unter einem weit ins Gesicht gezogenen Basecap zu verstecken – betritt das Fast N Tasty, in dem ich als Bedienung arbeite. Nicht mein Traumjob, aber in einer abgelegenen Gegend, in der immer mehr Firmen schließen, darf man nicht wählerisch sein. Bear ist mein Boss. Natürlich ist das nur sein Spitzname, alle nennen ihn so, weil er an die zwei Meter groß ist. Seine riesigen Hände sehen aus, als wären sie zum Holzfällen gemacht, aber nicht zum Kochen. Neulich habe ich die ersten weißen Härchen an ihm entdeckt. Ob sie ihm auch schon aufgefallen sind? Wenn ja, stören sie ihn bestimmt nicht, denn er ist nicht eitel. Meistens trägt er ein Achselshirt, weil ihm immer zu heiß ist, und ein Halsband aus Knochen, Perlen und Lederbändern. Ich habe ihn ins Herz geschlossen! Dieser riesige Teddybär ist einfach zum Knuddeln. Was ich natürlich nicht mache, denn er ist ja mein Chef.
Den Laden an der Interstate 45 zwischen Houston und Dallas führt er jetzt schon seit fünfzehn Jahren. Als er ihn übernahm, lag Scoop Town noch nicht im Sterben. Einmal habe ich ihn gefragt, ob er daran denken würde, das Fast-Food-Restaurant zu schließen. Aufgebracht verneinte er. Er sagte, er sei sicher, dass das nur eine Flaute wäre und sein Geschäft diese mageren Zeiten überstehen und eines Tages wieder florieren würde. Meine Frage hat ihn richtig sauer gemacht, darum schweige ich das Thema jetzt tot.
Auffordernd nickt er mir zu, damit ich um den einzigen Mittagsgast, der uns bisher beehrt hat, herumfliege wie eine Motte ums Licht. Während ich die Bestellung aufnehme, strahle ich professionell mit der Septembersonne um die Wette. Der Gast tut so, als würde er an mir vorbeischauen, aber ich merke, dass er in Wahrheit meinen prallen Hintern anstarrt. Das tun sie alle. Gucken erlaubt, anfassen verboten!, signalisiere ich mit meiner Körperhaltung und meinem Blick. Das habe ich nach all den Jahren, die ich hier arbeite, drauf. Ich kann mich wehren, ich bin kein Opfer! Das wird auch dieser Snob mit dem geheimnisvollen zweiten Vornamen lernen. X, wofür das wohl stehen mag?
Ich gebe die Bestellung an Bear weiter. Mein Magen krampft sich zusammen. Wenn weiterhin so wenig Kundschaft kommt, würde ich bald arbeitslos sein, könnte meine Großeltern nicht mehr finanziell unterstützen und das würde Winchester in die Karten spielen.
Gedankenversunken gieße ich am Tresen für den Gast Kaffee in einen weißen Porzellanbecher. Wie lange wird es das Fast N Tasty noch geben? Hoffentlich so lange, bis Mr. Cash der Atem ausgeht. Ich glaube, ein Ticken zu hören und schaue zu der Wanduhr, die über der Küchendurchreiche hängt, aber sie hat schon vor Wochen den Geist aufgegeben. Es muss meine innere Uhr sein, die mir sagen will, dass die Zeit abläuft. Die Schlinge Winchesters zieht sich immer enger um meinen Hals zusammen. Wenn ich diesen Schnösel in die Finger bekäme, würde ich mit meinen rot lackierten Fingernägeln sein bildschönes Gesicht ...
»Verdammt!« Kaffee läuft über den Rand des Bechers und bildet eine Lache auf der Arbeitsfläche. Schnell stelle ich die Kanne zurück auf die Warmhalteplatte und wische mit einem feuchten Tuch das Malheur auf. In der Küche schnalzt Bear. Der kriegt aber auch alles mit! Entschuldigend lächele ich ihn an. Er schüttelt den Kopf, während er für den Gast ein Steak brät. Kulinarische Feinheiten darf man bei uns nicht erwarten. Aber diejenigen, die hier hereinkommen, wollen im Grunde eh nur schnell satt werden und wieder raus auf die Straße, um rasch weiterzufahren. Früher kamen viele Gäste von weither, um sich im Spielcasino zu amüsieren. Doch die Zeiten wurden schlechter, sodass die Menschen ihr Geld zusammenhalten mussten und Spaß nichts mehr kosten durfte. Das Casino machte dicht und unsere Kundschaft blieb aus. Ich kann Bears Hoffnung auf eine Wende nicht teilen, so sehr ich mich auch bemühe.
In meiner Vorstellung laufe ich herum wie Michonne in der TV-Serie The Walking Dead, das Schwert auf dem Rücken, jederzeit bereit, es zu zücken. Denn ich muss Granny und Grandpa verteidigen. Grace und Ethan sind schwach und drohen eher einzuknicken als ich. Dabei wollen sie auch nicht fort. Der Golden Lake ist unsere Heimat. Unser Herz hängt an diesem Fleckchen Erde.
Nun hängt alles von mir ab. Ich bin für Mr. Cash die letzte Bastion.
Aber es ist ein Kampf wie David gegen Goliath. Während er ein Heer aus Soldaten hat, habe ich nichts weiter als meinen Willen, gegen ihn zu gewinnen und dort wohnen zu bleiben, wo ich aufgewachsen bin und eine unbeschwerte Kindheit erlebt habe. Mein Schwert besteht aus Standhaftigkeit und ich schieße mit Mut. Niemand kann uns zwingen, an ihn zu verkaufen.
Plötzlich werden meine Augen feucht. Nanu, woher kommen denn die Tränen? Ich will mein Zuhause nicht verlassen. Hier bin ich glücklich, hier will ich bleiben, aber die Zeichen stehen schlecht.
Als zwei weitere Kunden innerhalb einer Stunde das Fast N Tasty betreten, überlege ich, ob ich den heutigen Tag im Kalender rot ankreuzen soll, aber wir haben gar keinen. Fröhlich flattere ich um sie herum. Ich flirte, lache und schäkere, was das Zeug hält. Während ich meine Reize einsetze, damit sie wiederkommen, gebe ich ihnen das Gefühl, die tollsten Typen im Universum zu sein. Das habe ich drauf, das gehört zu meinem Job.
Ich bilde mir nichts darauf ein, aber ich sehe ganz gut aus. Bis auf meinen J.Lo-Hintern mag ich alles an mir. Andere bezeichnen ein ausladendes Gesäß mitunter als Sinnbild von Weiblichkeit und finden das sexy, ich allerdings schäme mich für meinen XL-Po. Aber was soll’s? Ich kann’s nicht ändern. Der Rest ist okay. Mein Busen ist mehr als eine Männerhand voll, meine Taille ist schlank, ohne dass meine Hüftknochen scharf hervorstechen, meine Nase ist klein, meine Lippen sind dagegen voll und meine Augen groß wie die von Sailor Moon und meine braunen Haare, die mir bis zu den Schulterblättern reichen, schimmern im Sonnenschein, als hätte jemand Goldstaub darauf gestreut.
Was nutzt mir all das?, frage ich mich, während ich den Neuankömmlingen Eistee und Cola mit mehr Eiswürfeln als Flüssigkeit serviere. Eine Sparmaßnahme von Bear. Das Glas sieht voll aus, ist aber zu einem Großteil nur mit gefrorenem Wasser gefüllt. Die Männer bemerken den Schwindel nicht, weil meine üppige Kehrseite sie ablenkt, oder es ist ihnen egal. Die Abkühlung kommt ihnen wohl recht, denn tagsüber knacken die Temperaturen immer noch die 30-Grad-Marke und die Klimaanlage des Restaurants rasselt, stöhnt und ächzt, weil sie in den letzten Zügen liegt.
Was nutzt es mir, ganz gut auszusehen?, grübele ich erneut. Mir bringt Schönheit nichts. Seit einer Ewigkeit bin ich Single, weil alle jungen Männer wegziehen, um in Houston, Dallas, Austin oder San Antonio zu arbeiten. Hier...




