Hennen / Corvus | Die Phileasson-Saga - Himmelsturm | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 480 Seiten

Reihe: Die Phileasson-Reihe

Hennen / Corvus Die Phileasson-Saga - Himmelsturm

Roman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-641-15735-7
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 480 Seiten

Reihe: Die Phileasson-Reihe

ISBN: 978-3-641-15735-7
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der zweite Band des großen Phileasson-Epos

Sagen und Mythen ranken sich um die legendäre Rivalität zwischen Asleif Phileasson, den sie nur den Foggwolf nennen, und Beorn dem Blender. Nun soll eine Wettfahrt entscheiden, wer von beiden der größte Seefahrer aller Zeiten ist und sich König der Meere nennen darf. In achtzig Wochen müssen die beiden Krieger den Kontinent Aventurien umrunden und sich dabei zwölf riskanten Abenteuern stellen. Abenteuern, die nur die abgebrühtesten Helden zu bestehen vermögen. Es ist der Beginn des größten und gefährlichsten Wettlaufs aller Zeiten ...
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1  HIMMELWÄRTS

Eiswüste, – vierzehnter Tag im Goimond

»Das ist keine gute Idee«, raunte ihm Galayne zu, als der Eissegler eine Kehre machte, das Segel flatterte und das Gefährt mit knirschenden Kufen langsam zum Stehen kam.

Beorn betrachtete skeptisch den Hügel. Er war groß. Mehr als sechzig Schritt im Durchmesser, und seine Kuppe erhob sich ein ganzes Stück höher als ihre Mastspitze. Grob behauene Eisblöcke standen in weitem Kreis um den Hügel. Sie erinnerten den Thorwaler an die stehenden Steine alter Kultplätze. Das Eis um sie herum war flach wie ein gefrorener See. Es konnte keinen Zweifel geben, dass dieser Hügel künstlich angelegt worden war.

Der Kapitän schwang die Beine über Bord und sprang auf das Eis hinab, wo er federnd landete. Schwert und Axt schlugen an seinem Waffengurt gegeneinander.

Seine Ottajasko schlug Keile ein und zurrte die kostbaren Segler fest. Bald waren die Boote gesichert. Sie handelten ohne Befehl. Sie waren gut aufeinander eingespielt. Und doch sah er in den harten Gesichtern den Unwillen, den diese verdammte Wettfahrt tief in ihre Herzen gepflanzt hatte. Ein verdammtes Mammut zu fangen, war keine Aufgabe, mit der man die härteste Mannschaft Thorwals glücklich machte. Und die Kämpfe gegen die Verdammten Schneeschrate hatten sie einiges Blut gekostet.

Beorn hatte vorgestern mit dem Elfen darüber gesprochen. Seine Mannschaft brauchte Plündergut. Ein wenig Gold würde ihre Stimmung heben. Das war dringend notwendig, bevor sie in den Himmelsturm eindrangen. Dort sollten sie ganz bei der Sache sein. Es wäre besser, wenn sie mehr zu verlieren hätten als nur ihr Leben.

Galayne war zögerlich mit der Geschichte über ein Hügelgrab im Eis herausgerückt. Beorn wurde nicht schlau aus dem Elfen. Wenn er den Ort für gefährlich hielt – warum hatte er überhaupt davon gesprochen? Er hätte doch nur schweigen müssen. Der Hügel lag abseits des Kurses, den die merkwürdige goldene Linie am Himmel vorgab. Ohne Galayne hätten sie ihn niemals gefunden.

»Bereit?«, rief Beorn.

Seine Recken hatten ihre Schilde erhoben und ihre Äxte gezückt. Lenya trat an seine Seite. »Es erwächst nichts Gutes daraus, den Frieden von Toten zu stören«, flüsterte sie ihm zu. »Wir sollten dieses Grab meiden.«

»Ich werde mich reuevoll an deine Warnung erinnern, wenn uns etwas zustoßen sollte.« Auch er hob seinen Schild von der Reling des Eisseglers. Seine Hand schloss sich fest um die Querstange unter dem Schildbuckel. Sie würden jetzt tun, worin sie die größte Erfahrung hatten: Plündern! Und nichts und niemand würde sie aufhalten!

»Ihr bleibt hinter mir!«, rief er gegen das leise Singen des Windes an. »Wohin immer wir gehen, ich stehe vorne, das wohl.«

Olav, der Steuermann, bedachte ihn mit einem breiten Grinsen. Sein schwarzer Bart war steif vor Frost. »Willst wohl die besten Stücke für dich, Blender.«

»Genauso ist es. Schließlich bin ich nicht so geizig bei den Mädels wie du. Das muss ich heute wieder reinholen.« Entschlossen ging er seinen Kriegern voran. Es tat gut, endlich etwas Greifbares vor sich zu haben und nicht immer weiter ins Ungewisse zu segeln.

Galayne hielt sich an seiner Seite. Der Elf war in der Eiswüste kaum mehr als ein Schemen. Stiefel, Hose, sogar seine Lederrüstung, alles war weiß. Nur sein Helm, dessen vorgewölbtes, von kleinen Atemlöchern durchbrochenes Visier wie eine kurze Hundeschnauze wirkte, war silbern. Er war der Einzige, der in dieser schneidenden Kälte einen Helm trug. Seltsam, dass ihm das Metall nicht an den Wangen festfror. Doch das war nicht das einzig Seltsame an der schlanken Gestalt. Die Männer und Frauen der Ottajasko mieden Galayne. Er hatte etwas Unheimliches an sich.

An der Nordseite fand sich ein Einschnitt in der Hügelflanke. Stufen aus Eis führten hinab zu einer eingeschlagenen Tür.

»Siehst auch du es?«, fragte der Elf ihn unvermittelt.

»Was? Dass uns jemand die Arbeit mit der Tür abgenommen hat? Schlechtes Zeichen. Wir sind wohl nicht die ersten Plünderer.«

»Die Treppe sollte zugeweht sein.« Galayne klang herablassend. »Es gibt keine Schneeverwehungen an der Wetterseite des Hügels und bei den aufragenden Steinblöcken. Ein mächtiger Zauber wurde gewoben, um dieses Grab zu schützen.«

Beorn deutete mit der Axt auf die eingeschlagene Tür. »Mir scheint, dieser Zauber schützt nur vor Schneetreiben.«

»Was du zu tun gedenkst, ist wie in das Maul eines schlafenden Ungeheuers zu steigen, Drachenführer«, raunte Galayne.

»Und schlafende Ungeheuer beißen nicht«, ergänzte Zidaine. Die schlanke Fechterin hatte zu ihnen beiden aufgeschlossen. Als Einzige trug sie keinen Schild. Sie vertraute ganz auf ihr Rapier, und Beorn wusste nur zu gut, was sie mit dieser schnellen Klinge anzurichten vermochte.

Ohne sich weiter um die Bedenken des Elfen zu scheren, stieg er die weiten Treppenstufen in den Schacht hinab. Es war angenehm, dem ewigen Wind zu entkommen.

Das Tor zum Grabhügel war ebenfalls aus Eis gefertigt. Schwere Schläge hatten es zersplittern lassen. Vorsichtig stieg Beorn über die Trümmer hinweg und trat in eine Eiskammer, die nur durch das Licht aus dem Schacht erleuchtet wurde.

Sie war beklemmend eng. Seltsam unregelmäßige Säulen stützten die gewölbte Decke.

Hallar, der im Schildwall stets zu seiner Linken kämpfte, schob sich neben Beorn und gab ihm Deckung. Nervös sah sich der blonde Krieger um.

»Hier ist nichts.« Beorn war enttäuscht. An der gegenüberliegenden Wand befand sich ein gewölbter Durchgang, hinter dem Treppenstufen durch einen Eistunnel abwärts führten. Dort unten war Licht!

»Der Raum spricht nicht zu dir?«

Beorn nahm sich vor, mit Galayne über dessen herablassende Art zu reden. Ganz gleich, wie nützlich der Elf sein mochte, er sollte sich ihm gegenüber vor versammelter Mannschaft nicht so überheblich geben.

»Hier!« Er deutete auf etwas schwarz Verbranntes, das halb in einer Eissäule eingeschlossen war.

Beorn trat näher. Da lag ein aufgeschlagenes Buch mit verkohlten Seiten, von dem nur wenig mehr als der lederne Einband geblieben war. Ein Teil der Säule war wohl ursprünglich ein Lesepult gewesen. Jetzt bemerkte er auch zerlaufene Farben an den Wänden der Kammer.

»Sieht aus, als habe sich jemand über das Buch geärgert«, bemerkte Hallar leichthin. »Schade. Ich hätte gut was gebrauchen können, um mir den Arsch abzuwischen.«

Raues Gelächter erklang.

Nur Galayne war gar nicht amüsiert. Der Elf nahm seinen Helm ab. Seine himmelblauen Augen schienen Beorn durchbohren zu wollen. »Dieses Buch war vielleicht der größte Schatz in diesem Grab. Ein mächtiger Zauber hat es beschützt.«

»Half wohl nicht gegen eine Fackel«, spottete Hallar.

Galayne deutete auf die Säulen. »Seht ihr es denn nicht? Diese Säulen stören die Harmonie der Kammer. Die Decke war bemalt, ebenso die Wände. Das ist geschmolzen und sofort wieder gefroren. Wer immer hierhergekommen ist, hat großes Glück gehabt, nicht lebendig in einer der Eissäulen eingeschlossen worden zu sein. Dieses Grab wehrt sich gegen Eindringlinge.«

Die Scherze verstummten. Eine beklommene Stimmung machte sich breit. Genau dagegen hatte er mit diesem Plünderzug ankämpfen wollen, dachte Beorn verärgert. »Ihr habt es gehört. Fasst nichts an, bevor unser Elf es gestattet. Weiter jetzt!«

Entschlossen trat er in den Eistunnel und diesmal war ihm willkommen, dass Galayne Hallar vom Platz an seiner Seite verdrängte. Das Licht dort unten beunruhigte ihn. Dieses Grab schien es schon lange zu geben. War es möglich, dass andere Plünderer inmitten der lebensfeindlichen Eiswüste nur eine Stunde vor ihnen hergekommen waren? Unwahrscheinlich! Außer ihm war nur Phileasson in dieser Einöde unterwegs, und der lag Tage zurück. Aber wer hatte dann dort unten ein Licht für sie entzündet?

Vom Ende der Treppe blickten sie in eine Kammer, in der vier Altäre aus Eis standen. Sie waren auf die Ecken des kleinen Raumes hin ausgerichtet. Unter der gewölbten Decke schwebte eine Kugel aus Licht. So etwas hatte Beorn noch nie zuvor gesehen. Decke und Wände der Kammer waren geschwärzt, doch hoben sich vereinzelt funkelnde Kristalle vom Dunkel ab. Der Storch … der Hund und der Held … Beorn erkannte einige der Sternbilder. Doch wo sich das Gehörn hätte befinden sollen, war nur ein fremdes Muster, und die Symbole des Zwölfgötterkreises fehlten gänzlich.

Die Plünderer, die vor ihnen in den Grabhügel eingedrungen waren, waren nicht weiter als bis zu dieser Kammer gekommen. Einer lag gleich auf der Schwelle. Mehrere fingerdicke Eiszapfen hatten ihn durchbohrt. Etwa einen Schritt vor Beorn war ein Elf inmitten der Bewegung erstarrt und blickte mit angstweiten Augen über die Schulter. Zwei Eiszapfen ragten aus seinem Rücken. Die Gewänder des Elfen erinnerten Beorn an einen Geweihten. Auf die Brust des weißen Wamses war mit Goldfaden eine geflügelte Sonne gestickt.

An der gegenüberliegenden Wand, dicht neben einem Altar, stand ein dritter Elf, ebenfalls erstarrt. Wut verzerrte sein Gesicht. Er hielt einen Streitkolben in der erhobenen Hand, und es sah aus, als habe er den Altarstein zerschmettern wollen.

»Willst du zuerst eintreten?«, fragte Galayne mit süffisantem Lächeln.

Beorn hob den Schild. Es brauchte mehr als drei Tote und ein paar Altäre aus Eis, um ihn zu beeindrucken.

»Nicht!« Zum ersten Mal klang der Elf geradezu erschrocken. Er legte ihm die Hand auf die Schulter und hielt ihn zurück....


Corvus, Robert
Robert Corvus, 1972 geboren, studierte Wirtschaftsinformatik und war in verschiedenen internationalen Konzernen als Strategieberater und Projektleiter tätig, bevor er mehrere erfolgreiche Fantasy-Romane veröffentlichte. Er lebt und arbeitet in Köln.

Hennen, Bernhard
Bernhard Hennen, 1966 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Vorderasiatische Altertumskunde. Mit seiner »Elfen«-Saga stürmte er alle Bestsellerlisten und schrieb sich an die Spitze der deutschen Fantasy-Autoren. Bernhard Hennen lebt mit seiner Familie in Krefeld.



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