Herion | The Way to Your Heart | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 330 Seiten

Reihe: beHEARTBEAT

Herion The Way to Your Heart


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-0523-3
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 330 Seiten

Reihe: beHEARTBEAT

ISBN: 978-3-7517-0523-3
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine emotionale Reise quer durch die USA auf der Suche zu sich selbst.

Amber weiß nicht mehr weiter: Zuerst hat sie ihren Job verloren, um dann auch noch festzustellen, dass sie aus ihrer Wohnung geschmissen wurde. Völlig mittellos und verzweifelt sucht sie einen Unterschlupf für die Nacht - und findet einen schrottreifen, scheinbar verlassenen Mini-Bus. Doch verlassen ist er keinesfalls. Denn plötzlich steht dessen vollbärtiger, eigenbrötlerischer Besitzer Deacon vor ihr. Obwohl dieser wenig begeistert von dem blinden Passagier ist, lässt er Amber bleiben. Zusammen reisen sie quer durch die USA, leisten sich Gesellschaft, spenden sich Trost und kommen einander so schnell näher. Doch mit der Zeit werden beide von ihrer Vergangenheit eingeholt, und die stellt die zarten Gefühle auf eine harte Probe. Werden sie trotzdem zueinander finden?

eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.

Das sagen unsere Leserinnen und Leser:

'Die Kombination aus wundervoller Liebesgeschichte und dem Road-Trip macht das Buch absolut lesenswert, besonders für Fans der USA oder die, die es werden wollen.' (Sumuel, Lesejury)

'Gefühlsbetont, Turbulent und romantisch :o) Das volle Spektrum für ein Liebesroman.' (Tasmaniandevil8, Lesejury)

'Achtung Suchtgefahr! Ich habe das Buch nicht aus der Hand legen können und es regelrecht verschlungen.' (Lea296, Lesejury)



Fabienne Herion, geboren 1994 in Karlsruhe, wohnt in der sonnigen Südpfalz. Seit ihrer glorreichen Idee in der Grundschule den "Der Herr der Ringe" umzuschreiben, begleitet sie die Faszination für Bücher schon ihr ganzes Leben. Ihre Inspiration findet Fabienne vor allem in der Natur bei Burgenwanderungen und auf Entdeckungstouren durch fremde Länder und Kulturen. Ihr erster Liebesroman "The Way to Your Heart" ist im Sommer 2021 bei beHEARTBEAT erschienen. Auf Instagram findet ihr sie unter @fabienneherion oder auf ihrer Homepage https://fabienne-herion.de/.
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Philadelphia


Eine wackelnde Hulapuppe mit Bastrock, eine Miniaturausgabe der Golden Gate Bridge und ein Collegeblock mit verschiedenfarbigen Textmarkern – Erinnerungen an ein Leben, das mir in diesem Moment schon weit weg erschien.

»Wir verstehen, dass diese Situation für Sie nicht leicht ist. Seien Sie versichert, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun werden, um Ihnen den Übergang so angenehm wie möglich zu gestalten«, hatte der Mann am anderen Ende des Landes gesagt.

Ich saß in einem spärlich beleuchteten Raum. Die schlechte Verbindung ließ sein Gesicht auf dem kleinen Bildschirm vor mir grotesk aufflackern. Ich dachte, er wollte mir die Wahrheit sagen – wie unfair das Leben nur allzu häufig sein konnte, wie enttäuschend. Doch ihm kamen keine anderen Worte über die Lippen außer denen, die schon viele meiner Kollegen vor mir hören mussten. Es tut uns leid waren keine davon.

Der Mann am anderen Ende der Leitung verlor ja auch nicht seinen Job. Er war nur irgendein externer HR-Mensch, der uns alle nicht einmal kannte. Nach einem Jahr, in dem ich wirklich hart gearbeitet und alles gegeben hatte, fanden sie keine anderen Worte für mich außer einem Verweis auf die Broschüren vor mir. Sie sollten mir die Motivation geben, nicht in der Niedergeschlagenheit steckenzubleiben, nach vorn zu blicken, eine Perspektive zu haben, auch wenn es mir im Moment so vorkam, als gäbe es kein Licht mehr am Ende des Tunnels.

Also packte ich meine Sachen in einen kleinen Karton und lief zum Aufzug, der mich in eine Welt voller Ungewissheit entlassen sollte.

Die von Sonnenlicht durchflutete Lobby hatte sich an diesem Tag in einen düsteren Ort des Chaos verwandelt. Eine Empfangsdame war dabei, alles, was in Reichweite lag, in Boxen zu verstauen. Sie legte auf besondere Sorgfalt keinen Wert. Bildschirme wurden mitsamt den Kabeln aus ihren Halterungen gerissen.

»Ist doch unglaublich, was hier passiert«, beschwerte sie sich lautstark bei mir. »Sollen sie doch alle zur Hölle fahren! Wenn sie mir meinen Lohn nicht geben wollen, nehme ich mir eben, was ich kriegen kann.«

»Dafür werden Sie aber mehr als ein paar Bildschirme brauchen«, antwortete ich entgeistert.

Unsere Löhne hatten sie schon seit einiger Zeit nicht mehr gezahlt. Wir dachten, es sei temporär – dass es uns, wenn wir nur genug arbeiten würden, bestimmt bald wieder besser ginge. Falsch gedacht. Keinen Cent würden wir jemals davon sehen.

»Sie haben sich verzockt. Sollen alles auf das falsche Pferd gesetzt haben, und wir sind jetzt die Leidtragenden.« Ein etwas älterer Kollege war Zeuge unserer Unterhaltung geworden und stimmte nun in die Anschuldigungen mit ein.

»Ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll«, erwiderte ich.

»Schätzchen, das weiß keiner von uns.«

Das hier hätte mein Neuanfang sein sollen. Philadelphia. Eine fremde Stadt, fernab von allem, was ich kannte. Ich hatte mich auf meinen Job konzentriert, nichts anderes war wichtig gewesen. Ich hatte keine Freunde, und das, obwohl ich diese Stadt schon seit einem Jahr mein Zuhause nannte. Meine Familie war an der Westküste im immer sonnigen Kalifornien geblieben. Und ich hatte keine Bekanntschaften, schon gar keine romantischen.

Und das alles für einen langweiligen Bürojob, bei dem ich den ganzen Tag nichts anderes getan hatte, als ahnungslosen, unbedarften Menschen Versicherungen aufzudrängen, die sie nicht einmal brauchten – nichts, worauf ich wirklich stolz war, doch ein notwendiges Übel. Und nun setzten sie uns, ohne mit der Wimper zu zucken, vor die Tür, weil sie Insolvenz angemeldet hatten.

Seufzend ließ ich die beiden und die sich rasch leerende Lobby hinter mir und ging zum letzten Mal durch die vergoldete Drehtür, hinter der mich der kalte Atem des Winters rücksichtslos empfing.

Ich wollte flüchten, hinein in mein wohlig warmes Zuhause, weg aus dem Trubel der Stadt, dorthin, wo mich niemand sonst finden würde. Nicht, dass mich jemand suchen würde.

Mitleidige Blicke umgaben mich in der Bahn, denn jeder Mitreisende kannte die Bedeutung meines Kartons und meiner hängenden Mundwinkel. Er wäre mir fast aus den Händen gefallen, während ich versuchte, meinen Schal zu richten und den Kragen meiner Jacke in Vorbereitung auf den kalten Heimweg wieder aufzustellen.

Mein Wohnhaus ging in einer nicht enden wollenden Reihe gleich aussehender Bauten aus den Anfängen des Zwanzigsten Jahrhunderts unter – einst schön mit Torbögen und reichen Verzierungen an den Fassaden geschmückt. Leider hatte sich seit langem niemand mehr um die Häuser gekümmert.

Noch nie zuvor war mir meine unmittelbare Nachbarschaft so bewusst aufgefallen wie jetzt. Ein wenig erinnerte mich dieser trostlose Anblick an mich selbst. Alles war längst nicht mehr so strahlend, wie es zu Beginn einmal gewesen war.

Ich bemühte mich, nicht zu weinen. Dennoch verschleierten auf meinem Weg nach Hause immer mehr aufsteigende Tränen meine Sicht. Nicht einmal den Haustürschlüssel konnte ich in meiner Tasche erkennen. Alles war gänzlich verschwommen, und es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis ich es endlich geschafft hatte, diese hässliche Tür aufzuschließen.

Ich ließ meinen Karton auf den Stufen stehen und öffnete die Tür zum warmen Treppenhaus. Fast schon wehmütig beäugte ich die inzwischen irgendwie liebgewonnene Tapete, die sich an vielen Stellen bereits von den alten Wänden löste. Auch hier wäre schon seit meinem Einzug eine Renovierung angebracht gewesen, doch ich hatte mich längst an sie gewöhnt.

Der Gang roch wie meine Wohnung leicht modrig, als hätte sich beinahe unbemerkt ein Teppich aus Verfall über das gesamte Haus gelegt.

Ich stieg die knarrenden Stufen nach oben und begann die alltägliche Suche nach dem passenden Schlüssel, was mit den sich anbahnenden Tränen, die ich immer noch tapfer zurückkämpfte, nicht einfacher wurde. Gedankenverloren stocherte ich damit, nachdem ich ihn gefunden hatte, nach dem Schlüsselloch und bemerkte erst zu spät, dass ich dabei etwas durchbohrt hatte. Konnte es wirklich sein …

»Oh, scheiße«, flüsterte ich, als ich den unscheinbaren Aufkleber näher betrachtete. »Das kann doch nicht … Bitte, nein …« Ich hatte Probleme, zu lesen, was auf dem offiziell aussehenden Bescheid stand. Meine Tränen kannten nun kein Halten mehr. »Scheiße! Fuck! Nein!«

Ich trat mit aller Wut, die sich in mir angestaut hatte, gegen die Tür und heulte auf. Die Tür hielt unbeeindruckt stand.

Ich drehte den Schlüssel im Schloss. Nichts, keine Bewegung.

Sie hatten mich ausgesperrt, einfach so. Mr Blake wusste, dass ich meine Miete seit Monaten nicht zahlen konnte, ich hatte es ihm gesagt. Zunächst hatte er Mitgefühl gehabt – schließlich besaß er gleich mehrere Immobilien, die er allesamt vermietete. Doch selbst das größte Mitgefühl hatte ein Ende, wenn das Geld nicht kam.

Erst mein Job, dann meine Wohnung? Ich war verloren – allein in dieser Stadt, in der ich niemanden kannte. Hätte ich doch nur geahnt, dass dieses verlockende Jobangebot so ein Reinfall sein könnte …

Wie in Trance riss ich mich von der Tür los, rannte wieder nach unten und trat ins Freie. Panik überwältigte mich. Ich fröstelte und rieb meine eiskalten Hände aneinander. Kraftlos sackte ich unmittelbar vor dem Hauseingang in mich zusammen und vergrub mein Gesicht in den Händen. Der einzige Trost dabei war, dass zumindest alle meine relevanten Dokumente noch ihren Platz in meinem alten Zuhause hatten. Bis auf meinen Ausweis war ich also in diesen Belangen nackt.

Atme, denk nach!

Meine Hände verkrampften sich um meinen Kopf, als wollten sie ihn daran hindern, in tausend Teile zu explodieren. Wieso ich? Wieso ausgerechnet ich?

Womit hatte ich es bloß verdient, dass mir andauernd neue Steine in den Weg gelegt wurden? Immer dann, wenn ich allmählich das Gefühl bekam, angekommen zu sein und mein Leben auf die Reihe zu bekommen, passierte so etwas.

Und jetzt? Jetzt saß ich hier auf der nassen, kalten Stufe und hatte nichts. Ich griff nach der Hulapuppe in meinem Karton und musste beinahe lachen.

»Jetzt gibt es nur noch dich und mich«, flüsterte ich dem dicken Mann im Bastrock unter Tränen zu.

Vorsichtig tastete ich nach dem Medaillon an meinem Hals. Nicht viele meiner Erinnerungsstücke hatten den Umzug überlebt. Ich wollte vergessen, verdrängen. Aber das Medaillon hatte ich immer bei mir.

Ich konnte mir ausmalen, dass in wenigen Wochen der Gerichtsvollzieher den Großteil meines Hausrats in Besitz nehmen würde. Nicht dass in meiner Wohnung viel zu holen gewesen wäre. Sie war klein und billig gewesen und hatte bereits eine notdürftige Einrichtung vorzuweisen gehabt. Alte Schränke und Stühle, Reste von Hunderten Mahlzeiten in der Küche, ganz andere Reste im Bad. Aber das hatte mich nicht gestört. Hohe Ansprüche konnte ich mir sowieso nicht leisten.

Mein Bankkonto war leer, also hatte ich keine Möglichkeit, mich in ein Hotel einzubuchen. Und die Familie … Ich konnte nicht … Nein, ich wollte mich nicht bei ihnen melden. So oder so lebten sie am anderen Ende der USA, und ich hatte kein Geld für ein Busticket.

Sofort ließ ich das Medaillon wieder aus den Fingern gleiten und hob meinen Kopf, um mich umzusehen, auch wenn ich beim besten Willen nicht wusste, wonach ich eigentlich suchte.

Mittlerweile war es stockdunkel geworden, und es waren nur noch wenige Menschen auf den Straßen unterwegs. In den Fenstern der Häuser brannten vereinzelt Lichter. Dort saßen Familien beisammen am Tisch, lachten und aßen. Szenen, die ich selbst noch nie erlebt hatte.

Ich war...



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