Hermann | Sächsischer Erzbergbau | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Hermann Sächsischer Erzbergbau

Bergstädte & Sachzeugen des Altbergbaus
4. erweiterte Neuauflage 2013
ISBN: 978-3-940860-08-8
Verlag: Hermann, Robin
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Bergstädte & Sachzeugen des Altbergbaus

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

ISBN: 978-3-940860-08-8
Verlag: Hermann, Robin
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses E-Book stellt einen kompakten Überblick über den historischen Erzbergbau in Sachsen dar. Neben einer Einführung in die technischen Grundlagen und bergmännischen Traditionen steht vor allem die Geschichte der Bergstädte und der wichtigsten sächsischen Gruben im Mittelpunkt. Alle relevanten Fakten und Informationen werden in übersichtlicher Form präsentiert und durch zahlreiche Farbabbildungen ergänzt.

Der Autor und Verleger Robin Hermann (*1980) beschäftigt sich vor allem mit der Industrie- und Kulturgeschichte seiner sächsischen Heimat. Nach einem Studium der Germanistik und Grafischen Technik in Chemnitz erfüllte sich der gebürtige Erzgebirger den lange gehegten Wunsch vom eigenen Verlag. Seither publiziert er in regelmäßigen Abständen informative und anschauliche Sachbücher mit regionalgeschichtlichem Bezug.
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3. Der Erzabbau

War die Suche und Erkundung einer Lagerstätte erfolgreich verlaufen, konnte mit der planmäßigen Gewinnung der Bodenschätze, dem sogenannten Abbau, begonnen werden. Je nach Art und Ausprägung der Lagerstätte erfolgte die Erschließung entweder in Form des Seifenbergbaus, im Tagebau oder im Untertagebau. Der Übergang zwischen den drei Verfahren gestaltete sich im erzgebirgischen Altbergbau mitunter fließend. Zum besseren Verständnis sollen diese Techniken im Folgenden näher erläutert werden.

3.1 Abbau von Seifenlagerstätten

Die Gewinnung von Bodenschätzen aus Seifenlagerstätten war eine der frühesten Abbaumethoden im Erzgebirge. Vielerorts entwickelte sie sich zum Ausgangspunkt für einen intensiven Zinnbergbau. Streng genommen handelt es sich dabei eigentlich um eine Form des Tagebaus.1 Aufgrund ihrer herausragenden Bedeutung im erzgebirgischen Zinnbergbau soll die Seifengewinnung jedoch an dieser Stelle separat behandelt werden.

Als Seifen bezeichnet man sekundäre Lagerstätten von Edel- oder Halbedelmetallen, die sich in Sedimenten anreichern. Im Erzgebirge spielten vor allem die Zinnseifen eine große Rolle.

Das in den Seifen enthaltene Zinn stammte ursprünglich aus einer primären Lagerstätte im angrenzenden festen Gestein (Gebirge). Durch äußere Einflüsse war das umliegende Material über Jahrtausende hinweg verwittert und zum Teil abgetragen worden. Der freigelegte witterungsbeständige Zinnstein wurde allmählich talwärts transportiert und reicherte sich dort in den Lockerschuttmassen an. Man spricht in diesem Fall von eluvialer Seifenbildung. Gelangte der Zinnstein in ein fließendes Gewässer und lagerte sich dort in den Sedimenten ab, bezeichnet man die Lagerstätte als alluviale oder Flussseife. Beide Typen kamen in der Region relativ häufig vor.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Entstehungsarten, die jedoch im Erzgebirge und dem Vogtland nicht vorkommen und deshalb an dieser Stelle keine Rolle spielen sollen.

Die Gewinnung des Zinnsteins erfolgte durch das Auswaschen der Seifen. Hierzu legten die als Seifner bezeichneten Arbeiter einen Graben an, der direkt durch die zinnreiche Sedimentzone führte. An den Enden des Grabens errichteten sie wasserdurchlässige Barrieren aus Steinen und Reisig.

Waren diese Vorarbeiten beendet, leiteten sie fließendes Wasser aus einem benachbarten Gewässer ein. Anschließend gruben sie die zinnhaltigen Sedimente an den Böschungen des Grabens mit Breit- oder Spitzhauen ab. Das Material wurde direkt in das fließende Wasser geworfen.

Dort schöpften die Seifner zunächst grobe Bestandteile wie Wurzeln oder Moose mit einer Seifengabel [Abb. 10] heraus. In einem anschließenden, oft mehrere Wochen langen Prozess wurden die leichteren Sedimentpartikel fortgespült, während sich die als Graupen bezeichneten Zinnsteinpartikel aufgrund ihrer höheren Dichte absetzten. In der abschließenden manuellen Feinwaschung wurden die letzten Fremdpartikel ausgewaschen, so dass nur noch der Zinnstein zurückblieb. Der nebenstehende Holzschnitt aus Georgius Agricolas Werk »De Re Metallica Libri XII«2 zeigt einige der beschriebenen Arbeitsgänge.

Die Zinner arbeiteten sich auf diese Weise flussaufwärts vor, bis sie an die primäre Lagerstätte, die eigentliche Quelle des Zinnsteins gelangten und zum bergmännischen Abbau übergingen.

Abb. 5. Darstellung des Seifenbergbaus bei G. Agricola

Als sichtbare Zeugnisse des Seifenbergbaus blieben die sogenannten Raithalden zurück, die aus ausgewaschenen Sedimenten bestehen. Man findet sie noch heute als zum Teil unscheinbare Erhebungen in der Nähe ehemaliger Zinnlagerstätten. Darüber hinaus erinnern auch erzgebirgische Ortsnamen wie Seiffen, Graupen (Krupka) oder Seifersdorf an die Standorte historischer Seifen.

Im heutigen Deutschland spielt diese Form der Rohstoffgewinnung kaum noch eine Rolle. Weltweit gesehen nimmt der Seifenbergbau jedoch nach wie vor einen hohen Stellenwert ein. Ein Großteil des in Brasilien und Malaysia geförderten Zinns stammt beispielsweise aus Seifen. Im südafrikanischen Gebirgszug Witwatersrand befindet sich die größte Goldseifenlagerstätte der Welt.

3.2 Tagebau

Im Bereich des Tagebaus unterscheidet man zwei Technologien. Der Abbau erfolgt entweder in lockerem Gestein (Seifen, flache Braunkohleflöze etc.) oder im festen Gebirge (Steinbrüche etc.). Die Gewinnung findet über Tage statt.

Der Tagebau wird in seiner Tiefe durch den Grundwasserspiegel begrenzt. Dieser variiert regional sehr stark und ist von den geologischen Gegebenheiten abhängig. Ohne geeignete Wasserhaltung kann jedoch meist nur eine Teufe von 15 m bis maximal 20 m erreicht werden. Man konzentriert sich deshalb auf einen möglichst großflächigen Abbau, bei dem riesige Mengen an Material bewegt werden. Moderne Wasserhaltungsanlagen mit aufwendigen Pumpsystemen ermöglichen aber inzwischen einen Abbau bis in mehrere hundert Meter Tiefe.

Der Arbeitsablauf hat sich über die Jahrhunderte hinweg kaum verändert. Zunächst wird die Deckschicht über der Lagerstätte, das sogenannte Hangende abgeräumt. Anschließend beginnt man mit dem Abteufen eines Schachtes, der möglichst bis an die Sohle der Lagerstätte reicht. Am Boden des Schachtes befindet sich der tiefste Punkt des späteren Abbaus. In diesem als Schachtsumpf bezeichneten Raum wird das Grundwasser gesammelt und über Gräben abgeleitet oder mit Pumpen gehoben. Der Abbau selbst erfolgt meist stufen- oder stockwerkartig. Je nach seiner Beschaffenheit kann das Material abgegraben, herausgebrochen oder geschossen (gesprengt) werden.

Lohnenswert ist eine solche Förderung vor allem bei oberflächennahen Bodenschätzen, die in großen, zusammenhängenden Lagern auftreten. Auf diese Weise kann ein Großteil des abgebauten Materials wirtschaftlich genutzt werden. Braunkohletagebaue, Sand- und Kiesgruben sowie Steinbrüche werden diesen Anforderungen am besten gerecht.

Abb. 6. Ehemaliger Erz-Tagebau in Seiffen (Geyerin Pinge)

Im Hinblick auf abbaubare Erze gestaltet sich die Situation aber etwas anders. Derart kompakte und oberflächennahe Lagerstätten kommen hier nur in den seltensten Fällen vor. Den eingangs genannten Bedingungen am nächsten kamen die Imprägnations- und Stockwerklagerstätten der erzgebirgischen Zinnreviere. Im Gegensatz zu den Gangerzen trat der Zinnstein hier sehr fein verteilt im Granit auf. Das Gestein musste also zwangsläufig großräumig abgebaut werden. Im 13. und 14. Jahrhundert geschah dies zum Teil noch im Tagebau (z.B. bei Geyer), wurde jedoch bald vom Tiefbau abgelöst.

Ein für den Bergbau in Stockwerklagerstätten typisches Phänomen war die Entstehung von Pingen. Dabei handelt es sich um Verbrüche unterirdischer Grubenbaue, in deren Folge das darüberliegende Deckgebirge nachgab. Der daraus resultierende Einsturztrichter reichte bis zur Erdoberfläche. [Abb. 20]. Die auf diese Weise aufgeschlossene Lagerstätte konnte nun sowohl im Tagebau (Geyer) als auch in den unter die Pinge vorgetriebenen Stollen (Altenberg) abgebaut werden. Eine Ausnahme bilden die beiden Pingen in Seiffen. Sie sind die Reste von zwei Steinbrüchen, welche schon zu Beginn von oben nach unten abgebaut wurden.

Im Bereich der erzgebirgischen Gangerzlagerstätten wurden die Bodenschätze allenfalls zu Beginn im Tagebau erschlossen. Durch Verwitterungs- und Abtragungsprozesse strichen einige Erzgänge zwar bis an die Erdoberfläche, fielen jedoch meist relativ steil in festes Gestein ein. Zudem hatten die Erzgänge oft nur eine Mächtigkeit von wenigen Zentimetern. Das umliegende taube Gestein enthielt kaum Erz, weshalb ein großflächiger Abbau nicht wirtschaftlich gewesen wäre. Von der Seifengewinnung einmal abgesehen, spielte der Tagebau im erzgebirgischen Silber- und Buntmetallbergbau insgesamt nur eine untergeordnete Rolle.

3.3 Untertagebau

Die vorherrschende Abbaumethode im Erzgebirge war zweifellos der Untertage- oder Tiefbau. Er prägte die Region schon seit dem Mittelalter und weist mit zahllosen Schächten, Stollen und Pingenbrüchen heute die meisten Sachzeugen auf.

Der Abbau der erzhaltigen Gangmasse erfolgte bis ins 20. Jahrhundert hinein überwiegend von Hand. Je nach Verlauf und Verteilung des Erzes im Gestein kamen verschiedene Abbautechniken zum Einsatz. Das hierbei eingesetzte Werkzeug bezeichnete der Bergmann als Gezähe.

Abb. 7. Einsatz von Schlegel & Eisen

In der folgenden Übersicht werden einige der wichtigsten Arbeitsmittel dargestellt, darunter auch Schlägel und Bergeisen. Sie sind zum Symbol für den Bergbau geworden und gehörten zu den unverzichtbaren Werkzeugen bei der Erzgewinnung. Das Bergeisen ähnelt in Form und Funktion einem Spitzmeißel. Anders als dieser wurde es jedoch nicht mit der Hand geführt, sondern über ein Loch auf einen Holzstiel aufgesetzt. Das Eisen saß relativ locker auf dem Stiel und konnte bei Bedarf schnell gewechselt werden. Beim Schlägel handelt es sich um einen Schlaghammer.

Gezähe des Bergmanns im Erzbergbau (Auswahl): 8. Bergeisen; 9. Schlägel; 10. Seifengabel; 11. Keilhaue; 12. Großfäustel; 13. Riemeneisen; 14. Kaukamm (Grubenbeil)

Das Bergeisen wurde mit einer Hand am Gestein oder direkt am Erz angesetzt und kontinuierlich mit dem Schlegel in der anderen Hand bearbeitet.

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