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E-Book, Deutsch, 676 Seiten
Heß In einem aufstiegsorientierten Unternehmen
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-99048-171-4
Verlag: novum pro Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 676 Seiten
ISBN: 978-3-99048-171-4
Verlag: novum pro Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Cornelius Heß, 1966 in Flensburg geboren, studierte Englisch und Geschichte auf Lehramt. Dabei kam er mit amerikanischer Literatur in Kontakt. Nach Abschluss des 1. Staatsexamens absolvierte er die Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel, wo er anschließend auch arbeitete. Seine Erfahrungen, die er sowohl bei den vielen Bewerbungsgesprächen, als auch bei der Arbeit sammelte, dienen als Grundlage für dieses Buch. Cornelius Heß arbeitet seit vielen Jahren in Kiel als Taxifahrer und hat über diesen Beruf bereits sein erstes Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel 'Taxi - Facetten eines Berufes' und ist ebenfalls im Novum Verlag erschienen.
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2. Partnerschaftsinserat
Nun aber, wo ich meine Ausbildung erfolgreich beendet hatte, wollte ich mich einem Thema zuwenden, das mir bislang immer Probleme bereitete: Auch ich wollte eine Partnerin an meiner Seite haben. Doch, wie finde ich sie? Das erschien mir als eine Frage, die ich nicht beantworten konnte. In meiner Schulzeit dominierten zwei bis drei ältere Sitzenbleiber den Ton. Sie waren Experten im Frisieren von Mopeds und beeindruckten anschließend die Mitschülerinnen. In der Kneipe oder Disco schienen sie ebenfalls die Herren am Tresen zu sein. Dabei wachten sie geradezu eifersüchtig über die um sie herumstehenden Mädchen, respektive Mitschülerinnen, wenn sie auf einem Schulfest auftraten. Dabei kamen sie mir vor wie die Paschas von der Urhorde. Die Mitschülerinnen ließen sich diese Atmosphäre gefallen. Dieser Ton, der hier angeschlagen wurde, war mir zu ruppig. Ich beschloss, mich nicht um eine Frau zu prügeln. Bis zum Abitur änderte sich hieran nichts und ich kümmerte mich darum, meine Leistungen so gut es mir eben gelingen sollte zu erbringen. Daher legte ich dieses Thema in meiner Schulzeit zu den Akten.
Während meiner Ausbildung erlebte ich ein zweigeteiltes Umfeld. Da waren Kolleginnen im Betrieb und es waren Mitschülerinnen in der Berufsschule. Die Kolleginnen waren schon alle vergeben. Um die eine oder andere fand ich es richtig schade, denn sie waren nicht nur nett und freundlich, sondern ich verstand mich mit ihnen auch recht gut. Vor allem sahen sie auch hübsch und attraktiv aus. – C’est la vie!
Dann waren da meine Mitschülerinnen. Eine von ihnen hatte ein Auge auf mich geworfen und wir verabredeten uns für einen Abend in der Disco. Doch an jenem Abend sah ich mich mit zwei Problemen konfrontiert: Meine Kleidung passte ihr nicht, das war das eine. Mit dem Tanzen sah ich das zweite Problem. Was das Problem mit der Kleidung anbelangte, tappte ich aus Unwissenheit herein. Ich zog mich für diesen Abend nach bestem Wissen und Gewissen situationsadäquat an. Doch meinte sie, dass ich im Styling keinen Geschmack aufweise. Was sie damit meinte, vermochte sie mir nicht zu erklären. Ihren Ton erlebte ich als verletzend. Daher bemühte ich mich, möglichst rasch dieses Thema auch zu beenden. Ich merkte mir jedenfalls, dass in meinem Kleiderschrank nicht das lag, was Madame für modern hielt.
Beim Tanzen begann das Problem damit, dass ich die nötigen Tanzschritte nicht ausreichend beherrschte und mit dem Führen haute es erst recht nicht hin. Das Groteske hierbei war, dass sie nicht einmal verstand, was ich hier als Problem sah. Diesen Abend habe ich in sehr unschöner Erinnerung behalten.
Ich beschloss, das Gesamtproblem in zwei Teile zu zerlegen und das mit dem Outfit ungelöst zu lassen, aber das mit dem Tanzen anzupacken. Also buchte ich einen Tanzkurs. Der verlief allerdings frustrierend. Die Phase der Damenwahl erlebte ich als Stress. Die Kursteilnehmerinnen erschienen in kleinen Grüppchen und unterhielten sich alle miteinander sehr angeregt. Ich sah nirgendwo die Möglichkeit, eine von ihnen zum Tanz aufzufordern, ohne die Gruppe zu stören. Ansonsten kam ich mir wie ein Ochse auf dem Viehmarkt vor. – Kein sehr kommodes Gefühl also. Was am Flirt so schön sein soll, konnte ich nicht nachvollziehen. So habe ich dann das Thema Partnersuche abermals beiseitegeschoben.
Nun aber war die Ausbildung beendet und ich hatte viel Zeit. Also konnte ich mich diesem Problem wieder zuwenden und nach einer Lösung suchen. Dabei erschien mir das ganze Problem als ein Dilemma. Gehe ich in eine Disco, dann sehe ich meine Mängel im Tanzvermögen. – Lerne zuerst tanzen. Dann kann ich eine Frau kennenlernen. Ging ich dann zur Tanzschule, erlebte ich wiederum eine Zurückweisung. – Lerne zuerst deine Freundin kennen und lerne dann tanzen. Diesen quälenden Widerspruch vermochte ich nicht zu lösen. Das brachte mich in einen Zwiespalt: Einerseits wollte ich eine Freundin haben, andererseits hatte ich keine Idee, wie ich dieses Problem der Suche lösen konnte. Da brachte mich Kai-Uwe, mein damaliger, ehemaliger Berufsschulkollege und Freund auf die Idee, es doch mal mit einer Kontaktanzeige in der Zeitung zu versuchen. Zunächst war mir diese Geschichte sehr befremdlich. In einer Zeitung sucht man doch Wohnungen oder bietet Jobs an. Aber etwas derartig Persönliches wie eine Freundschaft –, ich musste da denken: „Freundschaftsgesuche.“ Das passte irgendwie nicht. Aber Kai-Uwe räumte meinen Zweifel aus: Heutzutage lebe man in einer immer arroganter werdenden Gesellschaft. In Großstädten leben bis zu 50 % aller Einwohner in Single-Haushalten. Einhundert Jahre zuvor lebte die Gesellschaft noch in Großfamilien. Solche soziokulturellen Umbrüche ziehen automatisch kommunikative Neuerungen nach sich. Wenn ich also dem Medium Zeitung als Suchinstrument skeptisch gegenüberstand, so entsprach das noch dem großfamiliären Bewusstsein, das noch von meinen Großeltern über meine Eltern auf mich einwirkte. Tja, da hatte er recht, absolut recht. So war das auch für mich. Ich war nun überzeugt, verfasste einen entsprechenden Text und gab ihn auf.
Ich erhielt auf dieses Inserat drei Zuschriften. Aus diesen resultierten drei Verabredungen. Die erste Verabredung platzte. – Ich erschien zur vereinbarten Zeit am Ort, aber dort war niemand und es kam auch niemand hin. Zwar fühlte ich mich eine gewisse Zeit lang beobachtet, konnte aber niemanden ausfindig machen. Schließlich fühlte ich mich wie bestellt und nicht abgeholt. Für jemanden, der die Initiative ergreift und eine Annonce aufgibt, ein unpassendes Gefühl. Aber die Rolle desjenigen, der auf „Brautschau“, wie es meine Mutter schon (spöttisch gemeint) nannte, war mir eben nicht auf den Leib geschrieben. Ich war einfach nicht derjenige, der sich umsah, sondern fühlte mich selber wie auf dem Präsentierteller. Wer auf dem Präsentierteller sitzt, muss mit Angriffen rechnen. Daher die Angst. Als ich dann unverrichteter Dinge abzog, hatte ich nur ein Wort im Kopf: „Fehlalarm.“ Als ich zu Hause wieder ankam, sah ich, dass auf meinem Anrufbeantworter eine Meldung aufgezeichnet war. Ich hörte das Gerät ab und war sehr erstaunt. Eine mechanische Stimme teilte mit: „01723885798 – Hallo Inserent. – Ich habe es mir anders überlegt. – Sorry.“
Also doch! Mein Gefühl trog mich nicht! Ich wurde beobachtet. Aber was war das für eine Stimme? Und wieso diese Zahlen vorweg? Ich musste diese Meldung noch dreimal abspielen, bis ich den Sinn dieser Zahlen begriffen hatte. – Es handelte sich dabei um eine Mobilfunknummer. Dieser Mensch hatte per SMS auf meinen Festnetzanschluss gesendet und dadurch diesen Text auf meinen Anrufbeantworter geschickt. Das jedenfalls war kein Akt großen Mutes. Ich hielt mich zwar für kreativ, aber als ich diesen Weg der Nachrichtenübermittlung in Detektivarbeit Stück für Stück entdeckte, erfüllte mich Enttäuschung und Wut zugleich: Solch einen Einfallsreichtum, sich unerkannt aus einer Situation zu stehlen, hätte ich nie und nimmer aufgebracht. Was wurde hier eigentlich gespielt? Ein Spiel zum Kennenlernen? Oder ein Wettrüsten, bei dem es darum geht, dass der gewinnt, dem es gelingt, als Letzter sein Gesicht zu verlieren? Worum ging es hier denn eigentlich? Nach einigem Meditieren über diese Frage kam ich auf die Antwort: „Ich will eine Frau kennenlernen. Ich will den Weg zu meinem Gegenüber finden.“
Anja hieß die Autorin der zweiten Zuschrift. Sie kam aus der gleichen Geburtsstadt wie ich. Das – so dachte ich – könnte uns zueinander bringen. Auch am Telefon klang ihre Stimme angenehm und freundlich. So fasste ich auch rasch Vertrauen zu Anja und in mein Projekt. Wir wollten uns anderentags am Nachmittag vor einer Kneipe treffen, um dann zu sehen, wo es hingehen sollte. – Das Treffen fand auch statt: Wir setzten uns in einen Biergarten. Das war die gute Seite des Erlebnisses. Aber das Treffen war leider von kurzer Dauer. Dort erklärte sie mir, dass sie eigentlich einen Tanzpartner für ADTV-Turniertanz suche, der bereits die „Goldstar“-Qualifikation mitbringe. Das musste ein Grad, wie der „Schwarze Dan“ beim Judo sein und ich fragte sie, was sie denn damit meine. Das sei, so belehrte sie mich, ein Tanzabzeichen, das man jährlich wiederholen könne, also dementsprechend „nur“ eine Gültigkeit für ein Jahr habe. Aber als Voraussetzung, um die „Goldstar“-Prüfung antreten zu können, müsse man die Kurse Bronze, Silber und Gold mit Erfolg abgeschlossen haben. Aber da ich davon offensichtlich keine Ahnung habe … Aber ich wollte das Handtuch noch nicht hinwerfen. Ich war auf der Suche und hörte nun eine Forderung. Ich hatte über den Sport des Gesellschaftstanzes noch nie nachgedacht. Was Anja vorstellte, war eine vollkommen neue Option. Wenn ich eine Partnerin haben wollte, so war es sinnvoll, mit einer gemeinsamen Freizeitaktivität das wir zu dokumentieren. Da war das hier eine gute Idee. Was ich bislang noch nicht konnte, das konnte ich aber lernen. Man denke doch an die vielen Paare, die gemeinsam mit dem Motorrad unterwegs sind, von denen machte häufig ein Teil erst, nachdem sie sich kennenlernten, den Motorrad-Führerschein! Also gut. – Ich würde es lernen wollen. Dazu sei zu bedenken, dass in Anbetracht meiner schmalen Einkommensverhältnisse diese Bereitschaft ein erhebliches Opfer meinerseits darstellte! Aber für Anja waren die Würfel gefallen. Sie blickte mich nur einmal von oben bis unten und wieder nach oben an. Dann sagte sie: „Nee. Irgendwie bist du nicht so ganz mein Typ. Ich suche einen Könner, der Erfahrung hat und...




