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E-Book

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

Hess ÖKOlogisch!

Fakten, Wissen, Tipps – nachhaltiger konsumieren in der Schweiz
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-03875-366-7
Verlag: Beobachter-Edition
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Fakten, Wissen, Tipps – nachhaltiger konsumieren in der Schweiz

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

ISBN: 978-3-03875-366-7
Verlag: Beobachter-Edition
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Erdbeeren im Dezember, Quinoa aus Bolivien, Wein aus Übersee: Als Konsument steht uns die Welt der Produkte offen. Längst ist jedoch auch klar, dass unser Kaufverhalten einen immensen Einfluss auf die Umwelt hat, nicht nur wenn es um Nahrungsmittel geht, sondern auch was das Reisen und andere Konsumgüter betrifft. Wer sich mit einem nachhaltigeren Lebensstil befassen will, stösst auf viele Fragen und beinahe ebenso viele unterschiedliche Antworten: Wie viel Liter Wasser verbraucht die Herstellung eines T-Shirts? Kann ich überhaupt noch mit gutem Gewissen Fleisch essen? Und wie steht es tatsächlich um den CO2-Ausstoss eines Kreuzfahrtschiffes? Dieser Ratgeber zeigt Fakten auf, bietet spannende Alternativen und befähigt, das Konsumverhalten nachhaltiger zu gestalten.

Stephanie Hess ist Reportage-Journalistin beim Magazin annabelle. Sie schreibt über Nachhaltigkeitsthemen, eindrucksvolle Frauen und Politik. Dabei geht sie der Frage nach, wie sich die grösseren Zusammenhänge im alltäglichen Leben spiegeln. Ihre Spezialität: Erklären, ohne zu predigen.
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Zielgruppe


Alle, die jetzt etwas ändern wollen – für uns selbst und alle künftigen Generationen.


Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Ernährung

Was wir essen, hinterlässt Spuren. Ein Drittel der konsumbedingten Umwelt-belastungen geht in Industrienationen aufs Konto des Essverhaltens. In der Schweiz macht die Ernährung 27 Prozent der gesamten Umweltbelastung aus. Für fast die Hälfte davon sind tierische Produkte verantwortlich. Gewichtig sind zudem: Schokolade, Kaffee und Wein.

Biologische Landwirtschaft

Was genau umfasst biologischer Landbau? Unterscheidet er sich massgeblich von der konventionellen Landwirtschaft? Sind Bioprodukte tatsächlich nachhaltiger? Ist es überhaupt möglich, die Welt ausschliesslich mit biologisch hergestellten Lebensmitteln zu ernähren? Was ist Demeter? Und: Warum kostet Bio so viel?

Drei Buchstaben stehen am Anfang des biologischen Landbaus: DDT. Das Pflanzenschutzmittel mit dem unaussprechlichen Namen Dichlordiphenyltrichlorethan überschwemmte in den 1940er-Jahren die Landwirtschaft aus drei Gründen: Es wirkte gegen Schädlinge, war einfach herzustellen und für Säugetiere unproblematisch – glaubte man zumindest. Jahre später stellte sich heraus, dass DDT und dessen Abbauprodukte hormonell wirksam sind und sich in der Nahrungskette anreichern.

Bei seinem Aufkommen spaltete DDT die Bäuerinnen in zwei Lager: Jene, die den chemischen Errungenschaften offen gegenüberstanden. Und jene, die sich derartigen Eingriffen in die Natur verweigerten. Letztere zog es in alternative Landwirtschaftsrichtungen. Zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft beispielsweise (Demeter) oder zur biologisch-organischen Ausrichtung des Ehepaars Hans Müller und Maria Müller-Bigler. Die Schweizer Biopioniere lehrten in der Bauernschule im Emmental in den 1940er-Jahren eine auf den natürlichen Kreislauf ausgerichtete Landwirtschaft. Damals wurde die zentrale Grundprämisse von Bio gesetzt: Nahrungsmittelproduktion und Schutz der Umwelt müssen bei einem Biobauernhof auf gleicher Stufe stehen. 1997 wurden die Grundlagen der biologischen Landwirtschaft in der Schweizer Bioverordnung festgelegt. Weil sie «besonders naturnah und umweltfreundlich» arbeiten, unterstützt der Bund die Biobauern mit höheren Direktzahlungen.

Gleichzeitig kamen in Deutschland und Österreich ähnliche Bewegungen auf, die sich über die Jahre immer stärker vernetzten. Heute sind Bioverbände in vielen Ländern weltweit aktiv. Organisiert sind sie durch die Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen IFOAM.

Schweizer Bioverordnung und EU-Bioverordnung

Da die Schweiz verpflichtet ist, die EU-Bioverordnung regelmässig nachzuvollziehen, bestehen nur geringe Unterschiede. Der zentralste davon: In der EU werden keine Biodiversitätsförderungsflächen verlangt. In der Schweiz jedoch müssen auf 7 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Elemente wie Hecken, artenreiche Wiesen, Hochstamm-Feldobstbäume und andere naturnahe Lebensräume entstehen. Beide Verordnungen berücksichtigen natürliche Kreisläufe und Prozesse. Sie verlangen, dass chemisch-synthetische Hilfsstoffe und Zutaten vermieden werden. Gentechnisch veränderte Organismen dürfen nicht eingesetzt und Erzeugnisse nicht mit ionisierenden Strahlen behandelt werden, beispielsweise um die Reifung von Obst und Gemüse zu verzögern und Insekten abzutöten.

Die Zahl der Nutztiere auf dem Betrieb muss sich an der Landwirtschaftsfläche orientieren, auf der Hofdünger ausgebracht werden kann. Die Tiere werden möglichst mit selbstangebauten biologischen Futtermitteln gefüttert. Das Futter von Wiederkäuern muss zu mindestens 60 Prozent aus Raufutter bestehen, also aus Heu, Gras oder Silage (Futterpflanzen werden gehäckselt, in ein Silo gefüllt und luftdicht gelagert, um sie zu konservieren). Die Schweizer Bioverordnung schreibt grundsätzlich die Gesamtbetrieblichkeit vor: Der ganze Betrieb sollte also nach Biorichtlinien bewirtschaftet werden, Ausnahmen sind aber möglich. Die EU-Biorichtlinien hingegen verlangen keine Gesamtbetrieblichkeit.

Bio Suisse

Die allermeisten Schweizer Biolandwirtinnen sind dem Verband Bio Suisse angeschlossen, der seine Produkte mit der Knospe auszeichnet. Er stellt bedeutend höhere und laufend neue Anforderungen an die Produzenten als die staatliche Bioverordnung.

Ein Knospe-Betrieb darf beispielsweise keinen sektoriellen Bioanbau betreiben, die Gesamtbetrieblichkeit ist zwingend. Neben der vorgeschriebenen Nutzfläche müssen Bio-Suisse-Bäuerinnen zudem weitere Massnahmen zur Förderung der Biodiversität erfüllen. Der Einsatz von Kupfer als Pflanzenschutzmittel ist zusätzlich eingeschränkt, ebenso das Heizen von Gewächshäusern im Winter. Die Tiere auf Knospen-Höfen müssen mit mindestens 90 Prozent Knospe-Futter ernährt werden. Wiederkäuer erhalten mindestens 90 Prozent Raufutter. Das beigegebene Kraftfutter darf nur aus Europa stammen. Farb- und Aromastoffe sind verboten, beispielsweise Randensaft, um Erdbeerjoghurts röter zu machen. Es werden Nachhaltigkeitsberichte und soziale Mindeststandards verlangt. Zudem bestehen Richtlinien für faire Handelsbeziehungen, die regelmässig überprüft werden.

Im Ausland gelten Vorschriften für nachhaltigen Wasserverbrauch. Flugtransporte sind verboten, und es gelten Importeinschränkungen von Frischprodukten, wenn sie in der Region verfügbar sind. Palmöl wird nur aus wenigen, eigens zertifizierten Anbaugebieten bezogen. Bio-Knospe-Produkte dürfen nicht auf Boden gewachsen sein, der durch Roden von Regenwald entstanden ist. Eine Bewertung des Forschungsinstituts für biologische Landwirtschaft (FiBL) zeigte, dass viele Knospe-Höfe bei den meisten Nachhaltigkeitskriterien gute bis sehr gute Leistungen aufweisen.

Die zentralen Schwerpunkte von Bio Suisse entsprechen im Ernährungsbereich über weite Strecken auch den Nachhaltigkeitskriterien in diesem Buch. Daher werden die Produkte von Bio Suisse oder Demeter aus der Schweiz wie auch von KAGfreiland, denen Bio-Suisse-Richtlinien als Grundlage dienen, oft anstelle eines konventionell produzierten Lebensmittels empfohlen.

Demeter

Der Anbauverband Demeter vertritt die biodynamische Landwirtschaft nach den Prinzipien von Rudolf Steiner, der die spirituelle Weltanschauung der Anthroposophie begründete. Wie bei Bio Suisse steht der Kreislauf des Hofs im Zentrum. Es werden zusätzlich spezifische Naturpräparate aus Kräutern, Mineralien und Kuhmist eingesetzt, um den Boden fruchtbar zu halten, und auf bestimmte Naturzyklen Rücksicht genommen, beispielsweise auf jenen des Mondes.

Demeter erfüllt die Bioverordnung wie auch die Auflagen von Bio Suisse und geht in gewissen Bereichen noch weiter. Im Unterschied zu Biobetrieben ist die Tierhaltung, insbesondere die Haltung von Wiederkäuern, auf Demeter-Betrieben zwingend. Zudem behalten alle Kühe ihre Hörner und männliche Küken dürfen nicht getötet, sondern müssen aufgezogen werden. Auch bei der Verarbeitung landwirtschaftlicher Demeterprodukte gelten strengere Richtlinien: Milch darf beispielsweise nicht homogenisiert werden, und es ist nicht gestattet, bei der Fleischverarbeitung Nitritpökelsalz zu verwenden. Es wird üblicherweise eingesetzt, um die Haltbarkeit zu verbessern, die Farbe zu erhalten und ein charakteristisches Aroma zu erzeugen.

Als Voraussetzung für eine Demeter-Zertifizierung ausserhalb der Schweiz müssen die Produzenten die EU-Bioverordnung oder eine andere staatliche Bioverordnung erfüllen sowie die internationalen Demeter-Richtlinien einhalten. Diese sind teilweise strenger als EU-Bio, sie regeln beispielsweise den Kupfereinsatz restriktiver und besagen, dass kein unberührter Regenwald für eine landwirtschaftliche Nutzung nach Demeter abgeholzt werden darf. Sie schränkt die Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe stark ein. Ein Flugverbot gibt es allerdings – anders als bei der Knospe – nicht.

Integrierte Produktion (IP-Suisse)

Die Integrierte Produktion, das Label mit dem Marienkäfer, ist kein Bio-label. Es bildet vielmehr einen Mittelweg zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft. Als Grundanforderung gilt der ökologische Leistungsnachweis, der gewisse naturschonende Massnahmen fordert. Diesen müssen allerdings alle Landwirtinnen einhalten, wenn sie Direktzahlungen vom Bund wollen. Für die einzelnen Produktionszweige sind bei IP-Suisse jedoch strengere Auflagen zu erfüllen. Bei der Tierhaltung müssen, je nach Tier, beide oder eines der Bundesprogramme RAUS und BTS (siehe Fleisch Seite 41) eingehalten werden.

ÜBRIGENS | Suisse Garantie ist lediglich eine Herkunftskenn-zeichnung. Produkte mit diesem Label wurden in der Schweiz produziert und verarbeitet. Bezüglich Umweltverträglichkeit ist der ökologische Leistungsnachweis oder ein vergleichbares Niveau vorgeschrieben.

Markt

Seit die biologische Landwirtschaft 1997 in gesetzliche Form gegossen wurde, ist der Bio-Marktanteil stetig gewachsen: 2019 erreicht er 10 Prozent....


Hess, Stephanie
Stephanie Hess ist Reportage-Journalistin beim Magazin annabelle. Sie schreibt über Nachhaltigkeitsthemen, eindrucksvolle Frauen und Politik. Dabei geht sie der Frage nach, wie sich die grösseren Zusammenhänge im alltäglichen Leben spiegeln. Ihre Spezialität: Erklären, ohne zu predigen.



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