E-Book, Deutsch, Band 26, 400 Seiten
Reihe: Atlan-Blauband
Hess / Shepherd / Patton Atlan 26: Im Mikrokosmos (Blauband)
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-3325-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Kristallprinz: Die Varganen
E-Book, Deutsch, Band 26, 400 Seiten
Reihe: Atlan-Blauband
ISBN: 978-3-8453-3325-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
8000 Jahre vor Beginn der irdischen Zeitrechnung: Atlan, Kristallprinz und offizieller Thronfolger des riesigen Arkon-Imperiums, wurde seines Throns beraubt. Seit der Ermordung seines Vaters, regiert Imperator Orbanaschol III über Tausende von Sonnensystemen. Orbanaschols Ziel ist, den geflüchteten Atlan zu beseitigen und den 'Stein der Weisen' zu finden. Denn von diesem Relikt erhofft er, die Unsterblichkeit zu erlangen. Im Kampf gegen den falschen Imperator und dessen Häscher wird der junge Kristallprinz mit den Hinterlassenschaften der geheimnisvollen Varganen konfrontiert. Zu alledem greifen Giftgas atmende Maahks mit ihren Raumschiffen das Sonnensystem an und setzen dabei ihre neue Geheimwaffe ein. Atlans Gegenwehr scheitert, und er gerät mit seinem Todfeind in den Bann des Molekularverdichters ... Enthaltene ATLAN-Heftromane Heft 187: 'Duell der Zwerge' von Dirk Hess Heft 188: 'Im Bann des Mikrokosmos' von Conrad Shepherd Heft 189: 'Irrfahrt ins Nichts' von Conrad Shepherd Heft 190: 'Licht des Vergessens' von Harvey Patton Heft 191: 'Die Prinzessin und der Sonnenträger' von Peter Terrid
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1.
Atlan: Unzählige Schreckgespenster bekämpften mich auf meinem langen Weg zurück aus der chaotischen Tiefe der Besinnungslosigkeit. Albträume, gezeugt von ungenannten Ängsten; amorphe Gebilde mit feurigen Augen und schwarzen Polypenarmen; Schuppenwesen, die auf mich eindrangen, an mir zerrten, mich umtanzten und mir ihren Geifer ins Gesicht schleuderten. Die bizarren Visionen verblassten, ich kam nur langsam zu mir.
Erste Empfindung: Schmerz. Glühende Nadeln schienen in jeder Pore meiner Haut zu stecken, sämtliche Gliedmaßen waren von einer ziehenden Schwäche erfüllt.
Zweite Empfindung: Ich lebte und atmete. Und diese Erkenntnis war etwas, das ich gar nicht genug würdigen konnte.
Nur zögernd klärte sich mein Verstand. Ringsum war nichts als Schweigen. Das Denken fiel mir schwer in dieser Stille. Ich öffnete die Augen, sah, dass sich über mir ein rot glühender Himmel spannte, der mehr einer dichten Wolkendecke glich. Ein heißer Windstoß strich über meine Haut, zerrte an meinem Haar. Vergeblich suchte ich eine Sonne, die diese mörderische Hitze ausstrahlte und mich in Schweiß badete. Dann merkte ich, dass ich völlig nackt war.
Was ist geschehen? Wo bin ich?
Ich schob die Beantwortung dieser Fragen zunächst auf. Nacheinander spannte ich alle Muskeln – meine Glieder gehorchten mir. Ich streckte eine Hand aus, tastete umher und presste sie auf etwas Nachgiebiges und doch Festes. Merkwürdiges Lager! Ich rollte meinen Körper herum – und ein keuchender, erschreckter Laut löste sich aus meiner Kehle. Ich hing nämlich in rotglühenden Nebelbänken, die mit dem heißen Wind dahintrieben und von Zeit zu Zeit den Blick auf etwas tief unter mir freigaben, was mir im Moment als Konglomerat aller Nuancen der Farbe Rot erschien.
Ich erschrak zum zweiten Mal. Ein Zittern durchlief mich, während ich gegen das Gefühl ankämpfte, aus großer Höhe in die Tiefe zu stürzen, wo ich unweigerlich zerschmettern musste. Diese Angst war es, die mich aufrüttelte. Ich war jetzt hellwach, die Gedanken klar; kühle Überlegung gewann die Oberhand über meine Empfindungen. Ich erkannte die Symptome, war schwerelos. Das bedeutete zunächst einmal für mich, dass ich nicht abstürzen würde. Und damit verlor sich auch die Angst für eine Weile.
Ich drehte mich mit einer gleitenden Bewegung wieder herum und richtete mich auf. Kein Problem, sich mit der Schwerelosigkeit abzufinden. Doch was bewirkte diese? Was hielt mich in der Luft? Ein Antigravfeld? Die Erklärung war so einleuchtend, dass ich unwillkürlich nickte. Erneut richtete ich meine Blicke nach unten. Noch war nichts eindeutig zu erkennen. Es schien, als hätte mein Sehzentrum die Fähigkeit verloren, die Impulse zu koordinieren, die es über die Augen empfing.
Verwirrt konzentrierte ich mich, zwang meine Wahrnehmung dazu, sich den hier herrschenden Verhältnissen anzugleichen. Schließlich gelang die Adaption. Ich fühlte Erleichterung, als die einzelnen Teile in die richtige Dimension rückten und sich zu einem auswertbaren Bild zusammenschoben.
Unter mir erstreckte sich eine offenbar endlose Ebene, ebenso rötlich wie alles hier. Ich sah, dass der Boden aus rötlichen Sanddünen bestand, die sich um erratische Felsblöcke gebildet hatten. Von einer Flora war nichts zu erkennen, jedenfalls nicht von jenem Punkt aus, von dem ich die Szenerie betrachtete. Ich befand mich etwa dreihundert bis vierhundert Meter über dem Boden, war aber nicht völlig sicher. Etwas anderes fesselte meine Aufmerksamkeit weit mehr – in unregelmäßigen Abständen erhoben sich schwarze, säulenähnliche Gebilde aus der Ebene und verschwanden in dem leuchtenden Dom über mir. Leider war keines nahe genug um mich erkennen zu lassen, was sie darstellten.
Merkwürdiger Planet, durchfuhr es mich.
Wer sagt dir, dass dies ein Planet ist?, wollte der Logiksektor nüchtern wissen. Der Einwand hatte durchaus seine Berechtigung. Ich befand mich in einer derart fremden Umgebung, dass es eigentlich nur eine einzige Erklärung dafür gab …
Richtig, antwortete der Extrasinn. Du befindest dich in einem völlig fremden Kontinuum!
Mit einer fahrigen Bewegung wischte ich mir den Schweiß von der Stirn. Wie kam ich hierher? Ich zermarterte mein Gehirn; die Ohnmacht hatte wie ein Albtraum über meinem Bewusstsein gelegen. Aus dem Wust von Erinnerungsfetzen tauchten immer häufiger Namen und Begriffe auf die merkwürdigerweise etwas mit der Produktion von Gnomen zu tun zu haben schienen.
Irgendjemand hatte Gnomen »gemacht« …
Der Begriff »Gnomen« löste eine unmittelbare Erkenntnis in mir aus. Mir wurde klar, dass das richtige Wort »Zwergenmacher« heißen musste. Das einer neu gebildeten Assoziation entsprechende Engramm regte die Reorganisation eines ausgedehnten Systems von Millionen Ganglienzellen an. Blitzartig kam das Verstehen. Ich wusste nun, was mit mir geschehen war. Vor Erregung sickerte salziges Sekret aus meinen Augenwinkeln.
Ich konnte mich jetzt deutlich an alles erinnern …
An Bord des SKORGONS: 2. Prago der Prikur 10.498 da Ark
Seit Tontas tobte bereits die Raumschlacht im Trantagossa-System. Weiterhin vollzogen ganze Raumschiffsgruppen Kurztransitionen, um die Distanzen zwischen den Planeten zu überbrücken. Sämtliche Welten wie auch die Sonne selbst erbebten unter den Schockwellen. Unter normalen Bedingungen waren Transitionen innerhalb von Sonnensystemen aus gutem Grund verboten – im Krieg dagegen waren die damit verbundenen Nebenwirkungen selbstverständlich ein taktischer Vorteil für den Angreifer und wurden gezielt genutzt. Und die Methans mit ihrer von Logik bestimmten Denkweise hatten erst recht keinen Anlass, darauf zu verzichten.
Mit rund 17.000 Schiffen hatten sie ihren Überraschungsangriff begonnen. Trotz der erbitterten Gegenwehr wimmelte es nach wie vor im Trantagossa-System von Walzenraumern. Ohne Rücksicht auf das eigene Leben flogen die Maahks ihre Angriffe. Von den Strukturerschütterungen ohnehin massiv betroffen, bebten die Planeten und Monde auch unter den eingesetzten Waffen des ganzen Spektrums; Glutnester riesiger thermonuklearer Explosionen leuchteten auf Tag- wie Nachtseiten. Mehr als ein Schiff war abgestürzt und hatte mit der einschlagenden Masse eines kleinen Kometen oder Asteroiden weitere Naturkatastrophen zur Folge.
Die auf der Panoramagalerie der SKORGON-Zentrale eingeblendeten Informationen waren positronisch aufbereitet, Ergebnisse von normaloptischer Erfassung und hyperschneller Ortung und Tastung. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb waren es Bilder des Grauens, die wir zu sehen bekamen. Die Empfänger von Normal- wie Hyperfunk trugen zum Chaos bei, kaum überschaubar die Zahl der Notrufe, die längst nicht mehr nur über die dafür bestimmten Kanäle eingingen. Und mitten in diesem Chaos beschleunigte das SKORGON weiterhin mit höchster Leistung, Enorketron war zum Punkt unter vielen geworden.
Es war weit mehr als nur ein Stützpunkt, den die Methans hier und jetzt zu vernichten versuchten. Vielmehr schwankte einer der wichtigsten Eckpfeiler des Großen Imperiums. Die Folgen dieser verheerenden Schlacht ließen sich im Augenblick noch nicht einmal annähernd abschätzen. Mach dir lieber Gedanken um deine Situation, Kristallprinz, zischte der Extrasinn. Mit Heng und Magantilliken hast du gleich zwei Gegner.
Ich nickte unwillkürlich und musterte das Schaubild der Navigationskontrolle. Das SKORGON entfernte sich senkrecht zur Ekliptik von Enorketron, um möglichst unbeschadet die notwendige Mindestgeschwindigkeit für eine Transition erreichen zu können. Bislang war es gut gegangen – Angriffe arkonidischer Raumer hatten wir dank der automatisch abgestrahlten Überrangkennung des Mascanten nicht zu befürchten, während sich die Methans auf die planetaren Ziele konzentrierten oder sich an ausreichend weit entfernten Sammelpunkten befanden. Blieben versprengte Einheiten, die ohne Rücksicht auf alles und jeden schossen.
Meine Hoffnung war, dass das kleine, aber hochwertig ausgestattete SKORGON solchen Angriffen widerstehen würde. Hengs Sonderkonstruktion! Das SKORGON – »der Verschleierte« – war ein eiförmiger, etwa sechzig Meter hoher und vierzig Meter dicker Körper. Die Zentrale lag im Bugdrittel. Es hatte keinen Ringwulst, sondern nur in die Hülle eingelassene Impulsdüsenöffnungen in Äquatorhöhe. Die mattgraue Hülle war von zahlreichen Kuppeln und antennenförmigen Auswüchsen bedeckt. Das ganze Gebilde hatte, als ich es im Hangar auf den zwölf großen, beinahe plump wirkenden Landetellern stehen sah und über die Schleuse im unteren Drittel betrat, eine schwer fassbare Aura der Drohung und der Macht ausgeatmet.
Mascant Amarkavor Heng hatte allen Grund, auf das SKORGON stolz zu sein. Wie er vor dem Start beiläufig berichtet hatte, hatten seine Leute Jahre benötigt, um den Raumer auf den jetzigen Stand zu bringen. Der größte Teil des Volumens wurde von den technischen Einrichtungen beansprucht, aber es gab auch mehrere sehr komfortable Kabinen. Die positronischen und ortungstechnischen Einrichtungen beeindruckten ebenso wie die leistungsstarken Triebwerke, die dem Eiraumer eine bemerkenswerte Beschleunigung und Beweglichkeit verliehen. Die Waffensysteme übertrafen jedes gleich große Schiff, während die Schutzschirme in einer solchen Stärke mehrfach gestaffelt projiziert werden konnten, dass wir uns selbst vor den Maahks nicht zu fürchten brauchten, solange nicht ein...




