Hesse | Aus Liebe verzettelt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Hesse Aus Liebe verzettelt

Roman
14001. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95818-023-9
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

ISBN: 978-3-95818-023-9
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Stunk im Hause Heiermann! Für den einen ist die beste Erfindung der Welt der Tampon oder das Internet. Für Heidi sind es die kleinen, selbstklebenden gelben Zettel, mit denen sie ihren Alltag organisiert. Haftzettel kleben schließlich hervorragend auf Windschutzscheiben, Webcams, Mikrowellen und auf der Stirn des unpünktlichen Ehemannes. Und unpünktlich ist Bernd in der letzten Zeit ständig. Kann es wirklich sein, dass Heidi bereits auf der Abschussliste steht und Bernd sie mit seiner neuen Kollegin betrügt? Bald häufen sich die Indizien, die für seine Affäre sprechen. Als dann noch die gesamte Familie mit besagter Kollegin ein verlängertes Skiwochenende verbringen soll, ist sie sicher: Bernd will sie eiskalt gegen das rothaarige Biest austauschen. Doch so leicht lässt man sich nach zehn Jahren Beziehung, zwei Kindern und ruinierter Figur nicht abservieren ...

Angelika Hesse, geboren 1971, lebt mit ihrer Familie am Niederrhein. Seit sie denken kann, schreibt sie Geschichten. Diese waren anfänglich noch bebildert, wurden dann im Laufe der Jahre immer länger und länger und füllten schließlich ganze Schnellhefter. Nach der Schule absolvierte sie eine solide kaufmännische Ausbildung, arbeitete in der Buchhaltung, im Einkauf und viele Jahre als Personalberaterin. Dann kam die Lust am Schreiben mit voller Wucht zurück und sie tat, was sie tun muss ...schreiben. Ihr erster Jugendroman 'Grüne Schnüre mit Apfelgeschmack' erschien 2011 als eBook, 2012 folgte 'Meine Familie, der tägliche Wahnsinn und ich', ein humorvoller Frauenroman im Kolumnenstil. Und da ihr die Protagonistin Heidi und die Personen um sie herum solchen Spaß machten, schrieb sie weiter über sie.
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2. Kapitel


Als ich beim Italiener eintreffe, haben Steffi, Claudia und Ines bereits ihr Essen vor sich stehen und tauschen den neuesten Klatsch aus. Bei unserem unregelmäßig stattfindenden Frauenabend ging es ursprünglich um die Organisation der Elternarbeit im Kindergarten. Inzwischen wird aber nur noch getratscht und gelästert, gut gegessen und mit jeder Menge Wein nachgespült.

»Na endlich, da bist du ja«, begrüßt mich Steffi.

»Bernd, ihr kennt das ja«, sage ich und winke nach dem Kellner. »Einmal Penne al Arrabiata extrascharf«, ordere ich, ohne in die Karte zu schauen. »Und einen Viertelliter Pinot Noir.«

Mein Magen hängt auf den Knien. Heute Mittag gab es wieder nur Kinderkost: Kartoffelpüree mit Minifrikadellen aus Bio-Hackfleisch, selbst gemacht, versteht sich. Mit Kindern wird man zur Lusche, in jeder Beziehung: Nicht zu viel Salz, nicht so viel Zucker, keine künstlichen Geschmacksverstärker. Ich hasse Hausmannskost. Für Bernd muss es dann abends Fleisch, Fleisch und noch mal Fleisch sein. Einmal im Leben habe ich es gewagt, ihm einen Biogemüseburger zu servieren. »Was soll das sein? Gebratene Kamelkacke mit Stroh?«, maulte er.

Ich bleibe sowieso auf der Strecke, ernähre mich hauptsächlich von Butterbroten und Schokolade. Umso mehr freue ich mich jetzt auf meine Leibspeise, scharf, tomatig, anständig gewürzt, auf einem sauberen Teller mit frischem Rucola und geriebenem Parmesan, nett angerichtet. Das Beste daran: Ich muss den Teller später nicht mal wegräumen.

»Frank hat sich nun endgültig von Corinna getrennt«, bringt mich Steffi auf den aktuellen Stand.

»Traurig, nicht?«, meint Claudia. »Hat es wieder zwei erwischt. Das ist jetzt schon das dritte Paar, das sich innerhalb kürzester Zeit getrennt hat, und die Kinder sind wieder die Leidtragenden.«

»Er ist ausgezogen, man munkelt, er hat schon eine Neue«, flüstert Ines.

»Ich wusste nicht, dass Frank ein Fremdgänger ist. Schade, ich dachte, die beiden kriegen sich wieder ein. Frank hat Corinna eigentlich immer vergöttert«, sage ich.

Dass es in Franks und Corinnas Ehe kriselt, haben wir in den letzten Monaten alle mitbekommen. So was spricht sich im Kindergarten blitzschnell herum.

»Papa schläft jetzt bei mir im Kinderzimmer«, erzählte Maximilian, der Sohn von Corinna und Frank, beim Sankt-Martins-Umzug im Kindergarten.

»Natürlich hat Frank Corinna vergöttert. Man muss sich nur Corinnas Klamotten und Schmuck angucken. Letztes Jahr hat er ihr den nagelneuen Audi vor die Tür gestellt. Und es war sie! Sie hat ihn zuerst betrogen. Angeblich nicht nur einmal! Wusstet ihr, dass sie was mit Jochen, dem Vater von Anna, hat?«, fragt Claudia.

»Mit dem Jochen? Dem Vater von Anna aus dem Kindergarten? Angelas Mann? Bist du sicher?«, frage ich ungläubig.

Jochen ist keine eins siebzig, untersetzt, arbeitet beamtet bei der Stadt und ist so ziemlich der letzte Mensch, der in meinen erotischen Träumen eine Hauptrolle spielen würde.

»Ja, der Jochen. Ich weiß es aus sicherer Quelle. Jochens Schwester ist in meinem Pilates-Kurs. Sie hat sich furchtbar über ihren Bruder aufgeregt. Behaltet es für euch. Angela weiß davon nichts.«

»Das wird aber nicht lange dauern, bis Angela es mitkriegt, wenn Jochens Schwester es schon in ihrem Pilates-Kurs rumtratscht und Frank und Corinna sich offiziell getrennt haben«, bemerke ich bitter.

Ines runzelt die Stirn. »Ist Angela nicht schwanger? Ich dachte, Jochen wird zum zweiten Mal Vater?«

»Ist zum zweiten Mal Vater geworden, Lilli-Lou ist fünf Wochen alt. Angela und Jochen werden dann wohl die Nächsten sein, die sich trennen«, stelle ich fest.

»Arme kleine Anna «, sagt Claudia.

»Armer Maximilian«, sagt Steffi.

»Armer Frank«, seufzt Ines. »Dabei sieht er so unverschämt gut aus.«

»Arme Angela«, sage ich und meine es aus tiefstem Herzen ehrlich, auch wenn ich Angela für eine linke, herzlose Kuh halte. Wir waren mal enger befreundet, trafen uns mit den Kindern mindestens einmal in der Woche. Angela betonte ständig, wie froh sie sei, dass Anna und Sara sich so gut verstehen würden. Dennoch hielt Anna es nicht für nötig, Sara zu ihrem fünften Geburtstag einzuladen. Ein Schlag ins Gesicht für mein Kind. Für Sara brach natürlich eine Welt zusammen. Am liebsten hätte ich Angela und Anna ordentlich den Marsch geblasen, stattdessen versuchte ich Schadensbegrenzung: »Sara-Schatz. Anna durfte sicher nur eine bestimmte Anzahl von Kindern einladen. Trag ihr das nicht nach.«

Innerlich war ich stinksauer und regelte die Sache auf meine Weise. Ich fuhr vormittags in den Kaufhof, wo ich Annas Geburtstagskorb vermutete. Vielleicht war es gemein, die Polly Pockets, Fillys, den Topmodelkram und die Freundschaftsbänder auszutauschen, aber ich fand, Anna habe die Abreibung verdient! Angela erzählte mir Wochen später, Anna hätte aus unerfindlichen Gründen sehr merkwürdige Dinge zum Geburtstag geschenkt bekommen, und fragte, was die Mütter sich wohl dabei gedacht hatten, einem fünfjährigen Mädchen Matchboxautos, Fußballhandsuche, Plastiksägen und Bücher über Autos und den Beruf des Feuerwehrmannes zu schenken. Ich hätte gerne die Gegenfrage gestellt. »Was hast du dir dabei gedacht, mein Kind nicht einzuladen?«, beließ es aber bei meiner kleinen Rache. Seitdem kassiert sie von mir eine Abfuhr nach der anderen, wenn sie um ein Treffen bittet.

Ob Jochen erkannt hat, was für ein egoistisches, oberflächliches und herzloses Weib er geheiratet hat? Dennoch, sie tut mir leid. Mit dickem Bauch betrogen zu werden, wünscht man nicht einmal seinem schlimmsten Feind. Aber was in drei Teufels Namen, mag die bildschöne Corinna in die Arme des kleinen, unscheinbaren Jochen getrieben haben? Frank und Corinna waren äußerlich das perfekte Paar. Sie hatten eine echte Bilderbuchhochzeit mit Kutsche, zweihundert Gästen, Feuerwerk, allem, was dazugehört. Ich sehe sie noch vor mir: Corinna, hochschwanger, mit roten, gesunden Wangen in einem traumhaften Empirekleid in Cremeweiß. Frank im edlen Armani-Anzug, beide total happy und verliebt. Mit der Hochzeit wurde das schicke, freistehende Einfamilienhaus mit riesiger Glasfront und Feng-Shui-Garten eingeweiht. Er verdient gut als Projektleiter in einem Pharmaunternehmen. Sie ging nach der Geburt in ihrer Rolle als Mutter total auf, arbeitete nur noch stundenweise von zu Hause. Porsche, Putzfrau, Babysitter, alles da. Im Vergleich dazu glich meine eigene Hochzeit einer Grillparty.

»Bist du dir sicher, dass du den Knallkopf heiraten willst?«, fragte meine Freundin Linda damals, als ich ihr die frohe Botschaft überbrachte, dass Bernd mir einen Antrag gemacht hatte.

»Natürlich bin ich sicher«, rief ich entrüstet. Er war schließlich der Mann meines Lebens.

Bernd lief mir vor zehn Jahren auf der Silvesterparty einer Kollegin über den Weg. Es war kurz vor Mitternacht, als ich, schon voll bis obenhin, meine Taschentücher für den Jahreswechsel bereithielt. Für mich als Single über dreißig gehörte Silvester neben dem vorangegangenen Weihnachtsfest und meinem damit verbundenen Geburtstag zu den schwärzesten Stunden des Jahres. Er sprach mich an, fragte, wie spät es sei. Keine originelle Anmache, aber wer braucht kurz vor zwölf schon Originalität? Ich legte den Turbogang ein, knutschte ins neue Jahr und ließ die Taschentücher stecken.

Nach der Party liefen wir durch die Stadt, versuchten ein Taxi anzuhalten, gaben es schließlich auf und frühstückten in einem Stehcafé am Bahnhof. Wir redeten und redeten. Es gab keine Gesprächspausen, die Chemie stimmte, und wir verabschiedeten uns erst, als die Sonne aufging und die ersten Bahnen wieder fuhren. Wir tauschten Adressen und Nummern. Einige Tage später fuhr er für drei Wochen in die USA. Ich hörte nichts mehr von ihm. Fast hätte ich ihn als einmalige Silvester-Knutsch-Bekanntschaft zu den Akten gelegt, doch dann erhielt ich eine Karte aus Las Vegas.

Wir trafen uns noch am Abend seiner Rückkehr. Wir gingen essen, ins Kino, telefonierten stundenlang, näherten uns an. Genau einen Monat nach unserem Kennenlernen, am 31. Januar, übernachtete er zum ersten Mal bei mir. Wir schliefen miteinander. Morgens fuhr ich übermüdet und superhappy ins Büro. Nach der Mittagspause stand ein riesiger Strauß roter Rosen auf meinem Schreibtisch. Die halbe weibliche Belegschaft zerfloss vor Rührung, als ich die kleine, beigefügte Karte vorlas:

Ab diesem Moment war klar, wir gehören zusammen. Ein Jahr später zogen wir in unsere erste gemeinsame Wohnung. Bernd war humorvoll, bodenständig, ehrlich und zielstrebig. Er wusste, was er wollte und wie sein Leben abzulaufen hatte. Er hatte einen Plan, und ich war stolz, Teil dieses Planes zu sein. Bernd war kein Ich brauche meine Freiheit-Typ. Er las die Kleinanzeigen freiwillig, schaute zukunftsorientiert nach Dreizimmerwohnungen, die vorzugsweise im Erdgeschoss lagen oder zumindest einen Aufzug besaßen.

»Ein drittes Zimmer können wir gut brauchen, als Büro oder so«, meinte er, als wir unsere 100-m²-Traumwohnung gefunden hatten.

»Ein Bürozimmer, in dem wir Wasserkästen lagern oder einen zusätzlichen Schuhschrank reinstellen können, wäre praktisch«, nickte ich eifrig, strich gedanklich die Wände des Zimmers bereits in zartem Gelb und überlegte, auf welcher Seite sich eine Wickelkommode am besten machen würde.

Ich war entschlossen, diesen Traummann nicht von der Angel zu lassen. An unserem zweiten Jahrestag fand ich ein kleines Kästchen...


Hesse, Angelika
Angelika Hesse, geboren 1971, lebt mit ihrer Familie am Niederrhein. Seit sie denken kann, schreibt sie Geschichten. Diese waren anfänglich noch bebildert, wurden dann im Laufe der Jahre immer länger und länger und füllten schließlich ganze Schnellhefter. Nach der Schule absolvierte sie eine solide kaufmännische Ausbildung, arbeitete in der Buchhaltung, im Einkauf und viele Jahre als Personalberaterin. Dann kam die Lust am Schreiben mit voller Wucht zurück und sie tat, was sie tun muss.schreiben.
Ihr erster Jugendroman "Grüne Schnüre mit Apfelgeschmack" erschien 2011 als eBook, 2012 folgte "Meine Familie, der tägliche Wahnsinn und ich", ein humorvoller Frauenroman im Kolumnenstil. Und da ihr die Protagonistin Heidi und die Personen um sie herum solchen Spaß machten, schrieb sie weiter über sie.



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