Heßelmann | Der letzte Mörder | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 260 Seiten

Heßelmann Der letzte Mörder

Der dritte Padua-Krimi
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7407-0300-4
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der dritte Padua-Krimi

E-Book, Deutsch, 260 Seiten

ISBN: 978-3-7407-0300-4
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kaum aus seinem Urlaub auf Mallorca zurückgekehrt, wird Commissario Berlingui eine neue Kollegin vorgestellt, Sottotenente Loretta Dugiorni, Absolventin der Accademia Militare di Modena. Eine junge, strebsame und auffallende Persönlichkeit. Sie ist in seinem Fall "Zementschlacht", der ihm fast das Leben gekostet hatte, einigen merkwürdigen Dingen nachgegangen und hat nochmals nachgeforscht. Ihr überraschendes Ergebnis präsentiert sie zusammen mit Ispettore Collasso in ungewöhnlicher Umgebung: "Der letzte Mörder". - Commissario Berlingui zwischen Erstaunen und Bewunderung.

1958 Duisburg, Niederrhein. Seit 1980 Buchhändler in der Nähe von Stuttgart. Nun im Ruhestand. Seit 1991 schreibe ich Bücher. Was zunächst ein abendlicher Ausgleich für den Alltag war, wurde in wenigen Jahren zu einer Leidenschaft. Das Gefühl mit den eigenen Gedanken und Worten Menschen und Situationen zu erschaffen, ist im Moment des Schreibens unübertroffen. Dann aus diesen Büchern vorzulesen und die Zuhörer fesseln zu können erst recht. Kaum drei Jahre alt, die ersten Märchenplatten, dann Jim Knopf, die ersten (Kinder)-Krimis von Enid Blyton und später die von Jean-Bernard Pouy. Eine von Anfang an spannende und überaus fesselnde Welt, in der ich versank und die ich als Kind mit eigenen Figuren ergänzte. Meine Phantasie war angeregt. Das gilt auch heute noch. Ich wurde Buchhändler, schreibe seit 30 Jahren, erwecke Personen und Handlungen zum Leben und mache daraus Bücher, die ich gerne selber lese. Das ist in meinen Augen entscheidend: Man sollte die eigenen Bücher mögen.
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10. Oktober, 7 Uhr 45


„Ah, Piero! Fast bin ich versucht, zu sagen. Ich hoffe, Sie haben sich gut erholt und Abstand gewinnen können. Sie müssen mir alles irgendwann mal haargenau erzählen. Laura und ich haben uns vorgenommen, dort auch einmal Urlaub zu machen. Tut mir leid, wenn ich jetzt keine Zeit für eine derartige Plauderei habe …“ Sfarzi hüpfte ungeduldig von einem Bein aufs andere, so nervös war er, was Berlingui verblüffte, weil er ihn gar nicht so kannte, dies ihm jedoch gleichzeitig erklärbar wurde, wenn das Bild in seinem Augenwinkel nicht trog. Laura war es nicht, das sah er, dafür eine andere gut aussehende Frau, hatte Sfarzi etwa …?

„… aber ich möchte Ihnen schnell jemanden vorstellen, der in den letzten Wochen versucht hat, mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Das ist Signora Sottotenente Loretta Dugiorni, nahezu frisch von der , sie hat sich als frischgebackener Leutnant zusammen mit Ispettore Collasso auf ihre vielen Aufzeichnungen gestürzt und den Fall, den Sie leider nicht gänzlich abschließen konnten, durchgearbeitet und eine unerwartete Variante zutage gefördert.“

Endlich nahm Sfarzi Luft und Berlingui konnte die junge Frau, die neben ihm stand, etwas mehr in Augenschein nehmen. Tatsächlich in der Uniform der Carabinieri. Sogar mit dem weißen Täschchen über der Schulter, in dem immer ein Paar Handschellen waren. Aber ohne die übliche Kopfbedeckung. Sofort stockte ihm ein wenig der Atem, denn er glaubte, einer Zwillingsschwester seiner zukünftigen Schwiegertochter Alessia gegenüberzustehen. Allerdings mit vortrefflich blau gefärbten halblangen Haaren – ging das bei den Carabinieri? – und, wenn auch nur ein wenig, älter als sie.

Berlingui musste sich räuspern, um fortzufahren: „Entschuldigen Sie bitte meine Verblüffung, aber in … wie soll ich sagen … dieser Umgebung haben wir selten mit … äh … Kolleginnen zu tun. Vor allem mit diesem …“

Wieder räusperte er sich – lieber jetzt. Sicherheitshalber. Signora Sottotenente Loretta Dugiorni war auch ein guter Grund dafür. Nur etwas mehr als einen halben Kopf kleiner als er war sie allein durch ihre Größe eine echte Persönlichkeit und ihr strahlendes Lächeln hatte zugleich etwas Herzliches wie auch etwas von einer gesunden Distanz. Ihre Nase hätte zu einer Griechin gepasst, lang, schön und gerade, wie von einem Lineal gezogen. Breite, makellos in Form gezupfte Augenbrauen. Darunter fröhliche, vor allem aber wache Augen.

und eine weiche und zugleich selbstbewusst klingende Stimme, die er hoffte noch öfter hören zu können, „es freut mich, Sie endlich kennenzulernen. Ich habe in den letzten Wochen so viel von Ihnen gehört. Aber Sie nun endlich persönlich zu treffen, ist doch etwas anderes.“

Es würde ihm schwerfallen, dieser unvermutet weiblichen Ausgabe eines Carabiniere, obendrein mit der guten Figur einer Sportschwimmerin, jemals zu widersprechen oder ihr einen Wunsch auszuschlagen. Schon waren die maximal drei oder vier Sekunden, die ihm für diese Urteilsfindung zur Verfügung standen, vorbei, denn:

„Piero, ich sehe, Sie werden sich verstehen. Daher haben Sie sicher Verständnis, wenn ich Ihnen Signora Dugiorni – natürlich mit einem schlechten Gewissen – jetzt quasi überlasse und ich an meinen Schreibtisch zurückkehre. Obwohl ich Ihnen jetzt viel mehr Zeit widmen müsste. Aber die letzten Tage … Sie verstehen sicher … also … was ich damit sagen möchte: Signora ist heute eine viel bessere Tagesbegleitung als ich, vor allem eine nicht so ungeduldige. Ich darf noch anmerken, dass sie ihren Abschluss mit besten Noten gemacht hat und fließend Koreanisch, Englisch, Französisch, und was für diesen Fall auch wichtig war, fließend Deutsch spricht. Darüber hinaus werden Sie nicht nur heute miteinander zu tun haben. Sie werden jetzt sozusagen vorab informiert und sind dann auf dem gleichen Wissensstand wie ich. Und Collasso stößt sicher auch noch im Laufe des Tages dazu. Es wundert mich, dass er nicht schon hier ist. Somit treffen wir uns demnächst wieder. Nein, was rede ich denn?! Gleich morgen früh, damit wir über alles Weitere sprechen.“

Über alles Weitere. Morgen früh. Warten wir’s ab! Die vorherigen drei oder vier Sekunden hatten jedenfalls eine Vertragsverlängerung mit unbestimmter Laufzeit erhalten. Berlingui hob die Augenbrauen und versuchte ein ehrlich gemeintes Lächeln, das Loretta mit einem wesentlich ehrlicheren beantwortete.

„Ein frischgebackener Leutnant also.“ Berlingui klang wirklich beeindruckt. „Und nun hier bei uns?! Ob das gut für Ihre Karriere ist?“, kommentierte er mit einem humorvollen Unterton.

„Es hat sich so ergeben.“

„Wissen Sie, wir haben hier wenig Frauen. Wenn meist nur den Büros. Nur wenige sind als Polizistinnen auf Streife oder mit uns unterwegs. Somit sind Sie auf jeden Fall ein Gewinn – auch optisch.“ Wahrscheinlich sah sie, wie er nun rot wurde, und er wandte sich deshalb ab. „Nehmen Sie doch Platz!“

„Danke, aber …“

Er überhörte den beginnenden Einwand und schob einen Stuhl zurecht.

„Woher kommen Sie?“

„Meine Familie stammt aus Apulien. Aus der Nähe von Gallipoli. Klingt, als wenn wir nun alle hier leben würden. Aber eigentlich bin nur ich diejenige, die nun nicht mehr in Sannicola lebt, weil ich meinen Kopf bezüglich meines Berufswunsches durchgesetzt habe. Insgeheim wollte ich nämlich schon immer zur Polizei. – Am liebsten in eine Hundestaffel“, ergänzte sie mit einem kurzen Lachen, „ich mag Tiere. Unsere Familie hat genug davon in Süditalien. Dort hat sie größere Ländereien. Vielleicht haben Sie schon mal etwas von der Abtei des Heiligen Moritz gehört?“

„Nein, tut mir leid. – Und nun in Padua.“

„Nach meiner Ausbildung in Rom habe ich in Genua statt einer Hunde-, die Hubschrauberabteilung und das Taucherzentrum besucht. Nichts gegen das Fliegen, aber das Tauchen hat mir besonders gut gefallen. Daher die blauen Haare, mit denen ich Sie wohl erschreckt habe. Das Meer hat es mir angetan.“

Der Commissario lächelte, weil ihm nicht sofort eine Antwort einfiel. Erschreckt hatte sie ihn nicht. Eher ertappt, in seiner anscheinend konservativen Einstellung. So schüttelte er nur den Kopf und meinte:

„Das sieht gut aus. Ich sagte ja, in unserer Umgebung, damit meinte ich die Abteilung, haben wir selten mit Kolleginnen zu tun. Seit zwanzig Jahren bin ich mehr oder weniger mit Männern und Ispettore Benito Collasso unterwegs, den Sie ja schon kennengelernt haben.“

„Er hat mir unendlich viel beigebracht und geholfen. Die praktische Tätigkeit der Polizei sieht doch ganz anders aus, als an den Schulen der Carabinieri gelehrt wird. – Und er hat mir sehr viel von Ihnen erzählt. Über Ihre intuitive Art, Fälle aufzuklären.“

Berlingui fühlte sich unerwartet geschmeichelt und wurde ein weiteres Mal rot, ging aber über dieses Lob hinweg und meinte stattdessen:

„Sie fliegen Hubschrauber? Sind in der Taucherstaffel gewesen? Sprechen Koreanisch? Was haben Sie noch vor in Ihrer Karriere?“

„Ich habe immer schon gerne gelernt. Das Wissen dann anwenden zu dürfen, ist nicht immer einfach, wie ich in den letzten Monaten erfahren habe. Aber als ich das Angebot bekam, wollte ich wenigstens versuchen, alles nach und nach anzuwenden. Gut, Hubschrauber musste ich hier nun nicht fliegen und zum Tauchen bin ich leider noch nicht gekommen, auch meine militärischen Kenntnisse, die man während der Ausbildung erhält, sind hier eher ungeeignet“, lächelte sie verschmitzt, „aber ich denke, die psychologische Ausbildung hat mir in diesem Zusammenhang ganz gut geholfen. – Ich würde gerne mit Ihnen über all das mal reden. – Wenn Sie Zeit haben!?“

Nun lächelte der Commissario, erstens weil ihm plötzlich eingefallen war, wer Silvia Esposito war, nämlich die neue Abteilungssekretärin, die wenige Wochen vor dem Attentat ihren Dienst begonnen hatte, und zweitens, weil Signora Dugiorni immer noch nicht Platz genommen hatte. So entschied er sich, auch weil er seine alte Sucht nach dem besten Espresso der Welt wieder spürte, für einen anderen Ablauf:

„Vielleicht darf ich Sie zu einem Kaffee einladen? So könnten wir anfangen, über alles zu reden.“

„Gerne! Ich kann zwei Tassen besorgen. In Benitos Büro steht ja diese kleine . Warten Sie einen Augenblick!“

„Nein! Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich denke, heute dürfen wir uns noch etwas Besonderes leisten. Es gibt hier ganz in der Nähe eine kleine Bar. Filippo macht dort wirklich den besten Espresso weit und breit.“

Kaum hatte er seinen Satz beendet, ärgerte ihn die Wahl. In Filippos Bar in der gab es mit Sicherheit den...



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