Heßelmann | Keine Zukunft | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Heßelmann Keine Zukunft

Der vierte Mallorca-Krimi
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7407-9701-0
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der vierte Mallorca-Krimi

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

ISBN: 978-3-7407-9701-0
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Zufall führt zur Verhaftung des letzten Verdächtigen aus dem Fall Más Mallorca: in einem Krankenhaus. Er ist an einer gefährlichen Mutation des Noro-Virus erkrankt. Und er ist nicht der Einzige, die Krankheitsfälle häufen sich. Inspector Sanchez Olivero soll der Herkunft des Virus nachgehen und lernt dabei eine attraktive Virologin kennen, die sein Leben, beruflich wie privat, gehörig durcheinanderbringt. Was weiß sie wirklich über diese Mutation? Währenddessen versucht Inés, seine Kollegin und bisherige Freundin, abzuklären, ob ihre neue Liebe funktionieren könnte. Band 4 der erfolgreichen Mallorca-Krimireihe. Mit viel Lokalkolorit und etwas Herzschmerz.

1958 Duisburg, Niederrhein. Seit 1980 war ich Buchhändler in der Nähe von Stuttgart. Nun im Ruhestand. Seit 1991 schreibe ich Bücher. Was zunächst ein abendlicher Ausgleich für den Alltag war, wurde in wenigen Jahren zu einer Leidenschaft. Das Gefühl mit den eigenen Gedanken und Worten Menschen und Situationen zu erschaffen, ist im Moment des Schreibens unübertroffen. Dann aus diesen Büchern vorzulesen und die Zuhörer fesseln zu können erst recht.
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2. September, 9 Uhr 40


Sanchez Olivero schüttelte es, als er den langen Gang zu den Zimmern betrat. Die Mischung der typischen Gerüche eines Krankenhauses war ihm schon immer zuwider. Ihm hatte es schon früher als Jugendlicher gereicht, wenn er in Madrid seine Mutter im Hospital Universitario Ramón y Cajal in der Chirurgie besuchte. Sie hatte dann immer gelacht und gemeint: Das riechst du dann nicht mehr. Doch jetzt war diese Mixtur aus Desinfektionsmitteln, Blut, lauwarmen Getränken, die angeblich Tee oder Kaffee sein sollten, abgestandenem Essen und diversen Ausscheidungen besonders schlimm. Er suchte die Nummern an den Türen ab und blieb vor 207 stehen. Dann drehte er sich zu den zwei Polizisten um und bedeutete ihnen, hier zu warten. Mit einem Schnaufen setzte er sich die Schutzmaske auf, schüttelte den Kopf und betrat den Raum, ohne anzuklopfen.

„Das ging jetzt schneller als gedacht“, meinte er drinnen und sah auf den bleichen Zacarias hinunter, der ihm sein Gesicht nur etwas zuwandte. Sanchez Olivero wartete ein paar Sekunden ab, bevor er ergänzte:

„Heute Nachmittag werden Sie in die Krankenstation des Centro Penitenciario, der Haftanstalt, überführt, da werden Sie wohl ein paar Tage bleiben müssen. Und dann werden wir sehen.“

Langsam faltete er ein Blatt Papier auseinander und hielt es Zacarias vor die Nase. Haftbefehl abliefern und gleich wieder gehen, dachte er. Aber außer einem angewiderten Stöhnen erhielt er keine Antwort. Wahrscheinlich wirkte das Bild, das er mir seiner Atemmaske und dem Papier bot, nicht besonders intelligent, denn er glaubte ein spöttisches Lächeln in Zacarias’ Gesicht zu erkennen. Wieder kam keine Reaktion.

Im gleichen Moment öffnete sich die Tür und eine Frau im weißen Kittel kam rein. Wohl eine Ärztin. Um ihren Hals ein Stethoskop und in ihrer Hand irgendwelche Papiere, die sie ihm mit einem sanften Lächeln reichte. Oder amüsierte sie sich über sein Aussehen?

„¡Buenos días! Carmen Varela, ich bin die Stationsärztin. Das hier sind die Unterlagen von heute Nacht, meine Kollegin Señora Muñoz hat sie mir heute Morgen gegeben. Vielleicht schaut sie aber nachher noch selbst vorbei. Sie hatte ja auch angerufen, sie meinte, sie hätte vielleicht noch was.“ Sie zuckte mit den Schultern und wollte gerade gehen, als sie noch fragte: „Was hat er angestellt?“

Sanchez Olivero schüttelte entschuldigend den Kopf und meinte:

„Danke! Ich darf nur die Papiere übergeben …“ Dann zu Zacarias gewandt: „Das hier ist eine Kopie. Auf der steht, warum aus den Tagen vielleicht ein paar Jahre werden könnten. Mit Ruiz Castedo haben wir auch schon telefoniert. Er stünde zur Verfügung, wenn Sie ihn brauchen.“

Aus dem maliziösen Lächeln wurde plötzlich ein verächtlicher Blick und Zacarias versuchte sich etwas aufzusetzen. Doch nach den weiteren Durchfallattacken in den letzten Stunden war seine Kraft gänzlich verschwunden.

„Wenn ich ihn brauche. Das ist ja wohl der größte Blödsinn, den er verzapfen kann“, wiederholte er kraftlos: „Was hat er Ihnen denn erzählt?“

„Alles, was wir bezüglich unseres Falls wissen müssen. Weitere Angaben darf ich auch Ihnen nicht machen“, antwortete Sanchez Olivero etwas lustlos. Was er über Zacarias erfahren hatte, war genug gewesen, um ihm die Laune zu verderben. Er wollte jetzt nur noch schnell dieses Zimmer verlassen. Das Krankenhaus. Sowie diesen eigentümlichen Geruch, von dem er glaubte, ihn noch in Tagen in der Nase zu haben, und der hier eine besondere Note hatte. Was sollte er mit diesem Adrián Zacarias noch diskutieren. Der würde sich nur herausreden wollen. So fuhr er im selben Ton fort:

„Weswegen Sie verhaftet sind, lesen Sie auf diesem Blatt. Alles andere werden Sie mit Ihrem Anwalt besprechen. Hiermit sind Sie jedenfalls nach Artikel 492 Nummer 2 festgenommen. Ruiz Castedo kann Ihnen den Rest erklären. – Wenn Sie wollen. Den Rest macht der Staatsanwalt.“

„Ich würde zu gern wissen, was dieser Idiot meinte über mich zum Besten geben zu können? – Der steckt doch – egal, was auf diesem Wisch steht – ganz fett mit drin.“

Der Inspector zögerte und strich sich über den Kopf. Das wusste er auch. Dieser Anwalt war vielleicht sogar eine der Triebfedern. Aber das durfte gern im Prozess geklärt werden. Ihm reichte, dass Zacarias und der am Vortag verhaftete Martínez nun keine Mädchen mehr abschleppen konnten.

„Ich sage ja, das können Sie gerne mit ihm klären. Ich übergebe Sie jetzt meinen Kollegen. Wundert mich, dass Sie nicht nach – Erna fragen.“

Zacarias hob nur seine Augenbrauen und schielte zum Fenster hinaus.

„Erna“, echote er wieder tonlos nach ein paar Sekunden, „was wissen Sie schon über Erna?!“

„Dass wir sie auf Menorca auch haben festnehmen lassen“, erwiderte Sanchez Olivero und drehte sich zur Tür: „Vielleicht können Sie sich denken, warum. Ach, was soll’s – auf Wiedersehen.“

„Aber …“, hörte er noch hinter sich, war aber dann schon wieder auf den Gang hinausgetreten und hatte die Tür geschlossen. Er lehnte sich gegen sie und nahm die Maske runter. Dann atmete er tief durch, obwohl die Luft hier nicht viel besser war. Sogleich verzog er deshalb das Gesicht und deutete mit verzogenem Gesicht nach hinten.

„Der gehört jetzt euch. Danke auch.“

Es sollte ohnehin alles klar sein. Gerade als er sich zum Ausgang wenden wollte, um endlich rauszukommen, kam mit schnellen, klackernden Schritten eine junge Frau auf ihn zu. Schwarzer Minirock, weiße Bluse, offene lange dunkle Haare und schwarze High Heels. Ganz schön schick, wie er fand und ziemlich hübsch. Lächelnd bedeutete sie ihm, zu warten.

„Señor Sanchez Olivero?“

Ihr unerwarteter Anblick ließ ihn lediglich nur eine Augenbraue hochziehen und nicken.

„Ich bin Elena Muñoz. Ich hatte angerufen.“

„Sie sind die Ärztin?“ Er klang nicht davon überzeugt. Wo war ihr Kittel? Der Dutt?

„Noch nicht. Ich mache gerade mein praktisches Jahr und war heute Nacht für den Bereitschaftsdienst eingeteilt. Vielleicht ist es interessant für Sie, dass ich gerade gehört habe, dass zwei weitere Personen mit diesen Symptomen eingeliefert worden sind. Eine hier im Son Llàtzer und eine im Son Espases. Leider wissen wir noch nichts Genaues. Aber ich würde behaupten, dass es sich nicht um ein verdorbenes Essen dreht, denn die Leute haben nichts miteinander zu tun. Die beiden Personen sind jetzt Fall zehn und elf. – Innerhalb von drei Tagen. Das deutet eher auf etwas Bakterielles oder gar ein Virus hin. Vielleicht ist ein Produkt betroffen. – Ich hoffte Sie deswegen noch anzutreffen.“

„Ein Produkt. Haben Sie schon gefragt, was gegessen wurde?“

„Natürlich. Aber da gibt es wohl noch keine Übereinstimmungen, falls sich alle richtig erinnern. Sie kommen auch aus verschiedenen Ortschaften. Ich habe ein bisschen Sorge. Natürlich könnte es nur ein unsauber hergestelltes Produkt sein, das in verschiedenen Geschäften verkauft wurde, aber vielleicht hat sich irgendjemand auch an irgendwelchen Lebensmitteln zu schaffen gemacht. Eben, weil sich niemand genau erinnern kann.“

„Sie glauben, dass manipuliert wurde?“

Langsam versuchte er Richtung Ausgang zu gehen, um aus diesem Bau rauszukommen, und tat, als wenn er ihr mit einer Hand den Weg weisen würde.

„Das kann natürlich alles Zufall sein, aber ich finde das sehr seltsam. Normalerweise tauchen solche Erkrankungen lokaler, also in einem Hotel oder nach einem Essen in einer Bar auf, aber in diesem Fall …“

Das klingt, als hättest du in letzter Zeit ziemlich viele schlimme Romane gelesen, die dich auf diese Idee gebracht haben, dachte Sanchez Olivero, nickte, nuschelte aber ein Könnte natürlich sein.

„Wissen Sie, solche Viruserkrankungen, wenn es denn eine ist, was ich aber glaube, funktionieren normalerweise wie ein Kettenbrief. Einer fängt an und dann überträgt sich das nahezu in konzentrischen Kreisen. Aber wie gesagt, dieser Ausgangspunkt fehlt mir hier.“

Sanchez Olivero schaute sie an und blieb stehen. Im Prinzip hatte er nichts verstanden, vor allem nicht, was er damit zu tun haben könnte. Konzentrische Kreise. Okay. Aber Viruserkrankungen. Nicht sein Gebiet. Er hatte Zacarias. Das war das Gute an diesem Virus. Man könnte diesem Ding glatt gratulieren und einen Orden verleihen. Fast hätte er Bravo gesagt. Er öffnete die Tür zum Treppenhaus und wartete, bis sie durchgegangen war. Endlich nochmals bessere Luft.

Also gut. Er würde den Kollegen der científica Bescheid sagen. Die waren sicher froh, wenn sie mal eine besondere Aufgabe zu lösen hatten. Diese wirklich hübsche Ärztin war ja sicher nicht aus Blödsinn darauf gekommen, ihn deshalb anzusprechen. Sie könnte denen das sicher auch erklären. Daher meinte er:

„Ich muss zugeben, dass ich davon absolut keine Ahnung habe, werde...



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