E-Book, Deutsch, 210 Seiten
Hetmann Wo König Arthur schläft
Neuauflage 2002
ISBN: 978-3-86826-306-0
Verlag: Königsfurt-Urania Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Keltische Märchen
E-Book, Deutsch, 210 Seiten
ISBN: 978-3-86826-306-0
Verlag: Königsfurt-Urania Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Frederik Hetmann wurde 1934 in Breslau geboren, flüchtete als Kind in den Westen. Er veröffentlichte Romane und Sachbücher für Kinder und Jugendliche. Dabei zehrte er von seinen zahlreichen eigenen Reisen. Er wurde vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Deutschen Jugendbuchpreis, dem Wetzlarer Phantastik-Preis und einem Villa-Massimo-Stipendium. 2006 starb Frederik Hetmann in Limburg.
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Wünschegold
Es war einmal vor langer Zeit ein König in Erin, der hatte drei Söhne. Eines Tages ging der König mit der Königin spazieren, um sich die Wellen und die Felsen am Strand anzuschauen.
Nachdem sie eine Zeit umhergegangen waren, kam von weit draußen auf der See ein Segelboot herein.
Als das Boot anlegte, sahen sie vor sich einen grauhaarigen, alten Mann, der sprach zu ihnen:
»Es wundert mich doch, dass Ihr nicht einmal aufs Meer hinausfahrt. Da gibt es Dinge zu sehen, dass ihr Euch wundern würdet.«
»Wie können wir aufs Meer hinausfahren, wenn wir weder ein Schiff noch ein Boot haben?«, sagte der König.
»Dann steigt bei mir ein«, sprach der Alte zu dem König, »und die Königin könnt Ihr auch mit an Bord bringen.« Der König und die Königin nahmen diese Einladung an, und sie segelten eine ganze Weile, bis wieder Land in Sicht kam. Der Alte hielt auf die Küste zu.
»Wollt Ihr nicht einmal aussteigen?«, fragte er den König. Der stand auf und wollte an Land gehen.
»Das wundert mich aber«, sprach da der Alte, »Ihr seid doch ein König und solltet wissen, was gute Sitten sind. Dennoch fällt es Euch nicht ein, dass man der Königin den Vortritt lässt.«
Der König schlug sich an den Kopf und gab dem Alten recht. Darauf trat er beiseite und ließ seine Frau ans Land steigen.
In diesem Augenblick aber stieß der Alte sich mit der Sohle seines Stiefels so kräftig von einem Felsen ab, der nahe dem Ufer aus dem Wasser ragte, dass das Boot neun Meilen in die offene See hinausschoss.
Der König war erstaunt und erschreckt. Aber der Alte sagte nur:
»Habt Ihr Euch etwa nicht immer schon einmal heimlich gewünscht, ohne Eure Frau, die Königin, ein Abenteuer zu erleben? Macht Euch um ihre Sicherheit keine Gedanken. Ehe sie es sich versieht, wird sie zurückversetzt sein auf Euer Schloss. Das steht in meiner Macht.«
Das Boot fuhr dann tagelang mal in diese, mal in jene Richtung, bis sie an die Insel der Einsamkeit kamen. Hier ankerte das Boot, der König stieg aus und wanderte über die Insel dahin, bis er zu einem Schloss kam. Er trat ein. Niemand war darin außer einer Frau, die war so schön wie eine Nacht, in der Mond und Sterne scheinen. Sie hatte langes schwarzes Haar, ihre Arme schimmerten wie poliertes Elfenbein, ihr Mund war wie ein rotbackiger Apfel, von dem es einen verlangt zu kosten, und wenn man ihre Fingerspitzen betrachtete, war man sicher, dass sie viele Bewegungen voller Zärtlichkeit ausführen konnten.
Die Frau bereitete dem König ein Essen. Sie saßen an einem Tisch, teilten Speis und Trank, und als sie sich gestärkt hatten, erhob sich die Frau und zog die Schleife des Gürtelbandes auf, das ihr Gewand zusammenhielt. Sie machte eine Bewegung mit den Schultern, und das Gewand glitt über ihren Körper herab und fiel auf den Boden.
»Nun legt Euch zu mir«, sagte sie leise zu dem König von Erin.
Der König fand ihr Benehmen etwas seltsam, denn in seinem Land waren es die Männer, die eine solche Aufforderung aussprechen, wenn sie das Bedürfnis nach Liebe haben.
Es war aber so, dass ihr Anblick jeden Gedanken in ihm auslöschte, und so trug er sie zu einem Lager und schlief mit ihr.
Am nächsten Morgen, als er aufwachte, stand schon das Frühstück bereit. Und als sie gegessen und getrunken hatten, gingen sie hinunter zum Strand, um nach dem Boot zu schauen. Aber da waren kein Schiff und kein Boot mehr zu sehen, weder verankert an Land, noch draußen auf dem Meer.
Dem König von Erin blieb keine andere Wahl, als auf der Insel der Einsamkeit zu bleiben, und da es sonst dort wenig zu tun gab und sich auch keine anderen Vergnügungen boten, spielte er mit der Königin der Insel alle Spiele der Liebe. Nach geraumer Zeit wurde die Königin der Insel der Einsamkeit schwanger, und als die rechte Zeit dafür um war, gebar sie einen Sohn.
Als das Kind nun drei Monate alt war, sprach die Königin:
»König von Erin, Ihr könnt nun heimsegeln, wenn es Euch gefallt.«
»Aber wie soll ich heimfahren, da es doch kein Schiff gibt.«
»Ein Schiff ist bereit«, sagte die Königin, »aber ehe Ihr aufbrecht, sollt Ihr ein Zeichen machen, an dem Ihr Euer Kind selbst dann noch wiedererkennt, wenn Ihr es lange nicht gesehen habt.«
»Gut«, sprach der König, »wir werden dem Kind die kleine Zehe des rechten Fußes abschneiden. Das wird ihm nicht allzu weh tun, und es ist für das ganze Leben ein untrügliches Zeichen.«
So also geschah es. Der König ging dann zum Strand, und dort stand tatsächlich ein seetüchtiges Schiff für ihn bereit. Er nahm Abschied und lenkte sein Schiff heim in das Land, aus dem er gekommen war.
Während der Zeit aber, da der König von Erin auf der Insel der Einsamkeit gelebt hatte, galt er als tot. Die Nachricht sprach sich herum, und auch der Weiße König hörte davon.
Der dachte bei sich: »Jetzt ist die rechte Zeit, um eine Flotte zu sammeln, nach Erin zu segeln und dieses Land zu erobern.«
Bis aber eine große Flotte gebaut war, vergingen sieben Jahre. Der König von Erin war längst schon wieder in seinem Reich, und sein Sohn war auf der Insel der Einsamkeit zu einem Knaben herangewachsen, der, wie jung er auch noch sein mochte, bei allen Wettspielen große Geschicklichkeit bewies.
Der Weiße König segelte mit seiner Flotte gegen Erin, und den König von Erin forderte er auf, entweder mit ihm um die Krone dieses Reiches zu kämpfen oder hinfort Tribut zu entrichten.
Der König von Erin ließ antworten, er sei noch nie tributpflichtig gewesen, und die Krone müsse sich der Weiße König schon im Kampf nehmen.
Als des Königs drei Söhne aber davon hörten, dass es vielleicht eine Schlacht geben werde, rannten sie von daheim fort und versteckten sich an einem Ort, an dem niemand sie finden konnte.
Dies alles wusste die Königin von der Insel der Einsamkeit, denn sie hatte die seltene Gabe, auch Dinge zu sehen, die sich weit in der Ferne zutragen. Nicht immer hatte sie diese Gabe, aber doch manchmal.
»Nun«, sagte sie zu ihrem Sohn, dem sie den Namen »Wünschegold« gegeben hatte, »es ist angenehm, hier zusammenzusetzen, aber bei deinem Vater, dem König von Erin, sieht es ganz anders aus. Er ist in großer Bedrängnis.«
»Was ist mit ihm?«, fragte der Junge.
»In aller Welt hat man angenommen, er sei tot. Das hörte auch der Weiße König. Nun hat er eine Flotte ausgerüstet und ist gen Erin gesegelt, um das Land in Besitz zu nehmen. Dein Vater hat niemanden, der ihm hilft, und morgen wird der Kampf mit dem Weißen König beginnen.«
»Hat er nicht drei Söhne, die älter sind als ich?«, fragte Wünschegold.
»Das spielt keine Rolle«, sagte seine Mutter, »ich bin daran schuld, dass er in diese unangenehme Lage geraten ist. Ich sollte ihm jemanden schicken, der ihm hilft.«
»Dann lass mich gehen«, sagte Wünschegold.
»Recht so«, sprach seine Mutter.
Am nächsten Morgen also sattelte er eine Stute und preschte davon, nach Erin. Als der König von Erin, sein Schwert unter dem Arm, vor sein Schloss trat, um dem Heer des Weißen Königs zu begegnen, sah er einen Reiter, der, über das Meer hin, auf ihn zukam. Da sprach er bei sich:
»Es bleibt Zeit abzuwarten. Wollen doch sehen, wohin dieser Mann reitet, der sein Pferd über die Wellen gehen lassen kann. Es stehen schon Männer genug gegen mich, aber wenn sich auch noch dieser Reiter auf ihre Seite schlägt, dann sind es einfach ihrer zu viele.«
Als der Reiter die Flotte des Weißen Königs erreichte, stürzte er sich auf sie, wie sich ein Falke auf kleine Vögel stürzt oder der Fuchs unter die Hennen fährt. Es gab einen Haufen abgeschlagener Köpfe, einen Haufen mit Leibern und einen dritten Haufen mit ihren Waffen. Wünschegold tötete alle, verschonte keinen, bis er zum Weißen König kam. Den nahm er unter den Arm und schleppte ihn mit vor den König von Erin.
»Wollen wir diesen Menschen töten, oder soll er Euch Tribut zahlen, bis an sein Lebensende?«, fragte Wünschegold den König von Erin.
»Ich will ihn nicht mutwillig um sein Leben bringen«, antwortete der König von Erin, »wenn er mir Tribut zu zahlen verspricht, soll er am Leben bleiben. Ach, hätte ich doch nur auch einen so tüchtigen jungen Mann zum Sohne, wie du einer bist.«
Da zog der Junge den rechten Schuh aus und zeigte dem König, dass an diesem Fuß die kleine Zehe fehlte und erzählte seine Geschichte.
Der König von Erin erkannte seinen Sohn und war froh. Der Weiße König versprach, Tribut zu entrichten, und machte sich davon. Wünschegold wollte auf der Stelle zu seiner Mutter zurückkehren, aber sein Vater bat ihn, doch noch zwei oder drei Tage bei ihm in Erin zu verbringen.
Am nächsten Tag veranstaltete der König eine große Jagd, und als sie aufbrachen, sah die Königin Wünschegold lange an und sprach:
»Der Junge gefällt mir. Ich möchte ihn immer um mich haben, solange er in Erin ist.«
Da freute sich der König, dass die Königin Wünschegold so gern mochte, und er bat ihn, den Tag über bei ihr zu bleiben. Als der König mit seinen Männern fort war, ging die Königin zu einem alten Druiden und sagte:
»Ich werde Euch den Kopf abschlagen lassen, wenn Ihr mir nicht sagt, wie ich Wünschegold umbringen kann.«
»Ihr seid das böseste Weib, das mir je begegnet ist«, antwortete der Druide, »Ihr wollt den Jungen töten, der Euren Mann und das Königreich gerettet hat.«
»Wenn ich ihn nicht töte, bekommt er das Königreich, und meine Söhne gehen leer aus.«
»Nun gut«, sagte der Druide, »ich will Euch sagen, was Ihr tun müsst. Auf der Insel, wo der Junge aufgewachsen ist, gibt es kein Steilufer, alles...




