E-Book, Deutsch, Band 2476, 64 Seiten
Reihe: Fürsten-Roman
Heyden Fürsten-Roman 2476
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1678-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das verirrte Herz eines Prinzen
E-Book, Deutsch, Band 2476, 64 Seiten
Reihe: Fürsten-Roman
ISBN: 978-3-7325-1678-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nicolas Prinz von Beilstein hat sich unsterblich in die bildschöne Xenia de Santos, die Tochter eines reichen Hoteliers, verliebt. Das It-Girl ist der Ehrengast auf jeder Party und wirft das Geld ihres Vaters mit vollen Händen zum Fenster hinaus. Fürst Ambros sieht die Verlobung seines Sohnes deshalb mit wachsender Besorgnis. Er ist davon überzeugt, dass Xenia die falsche Frau für ihn ist, doch wie soll er Nicolas, der nahezu blind vor Liebe zu sein scheint, das klarmachen?
Ambros' letzte Hoffnung ist die unscheinbare Alexandra Wintermann, die schon seit vielen Jahren Gefühle für den Erbprinzen hegt. Sie soll Nicolas von Beilstein davon überzeugen, dass Xenia nicht die richtige Wahl ist. Alexandra ist bereit, den Prinzen auf Xenias wahren Charakter aufmerksam zu machen - doch was ist mit ihren eigenen Gefühlen?
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»Vergiss es, Paps!«, fuhr Prinz Nicolas seinen Vater verärgert an. »Ich werde die Fabrik nicht übernehmen – und wenn sie zehnmal mein Erbe sein wird!«
Ambros Fürst von Beilstein runzelte die Stirn. Dann beugte er sich vor und schlug in dem marmornen Aschenbecher, der auf dem niedrigen Couchtisch vor ihm stand, seine Pfeife aus. Mit Mitte sechzig war der Fürst immer noch ein gut aussehender Mann, groß und schlank. Außerdem war er weltgewandt und zudem außerordentlich charmant. Und diese Eigenschaften hatte sein Sohn von ihm geerbt.
»Aber es ist Tradition«, erwiderte der Fürst zum wiederholten Male wie ein Mantra. »Du wusstest es von Kindesbeinen an, dass du die Fabrik eines Tages übernehmen musst, und es wird Zeit, dass du dich in das Porzellangeschäft einarbeitest. Du weißt …«
Prinz Nicolas unterbrach seinen Vater mit einem tiefen Seufzer und warf seiner Schwester Valerie, die stumm und mit zusammengepressten Lippen neben ihm auf der Couch im Wohnzimmer saß, einen resignierten Blick zu.
»… die Beilsteinsche Porzellanfabrik ist seit fünf Generationen in Familienbesitz«, beendete der Prinz den angefangenen Satz seines Vaters. »Aber ich verstehe nichts von Porzellanherstellung und dergleichen, und ich will auch nichts davon verstehen, Paps! Ich arbeite gern für Diego de Santos.«
»Ach, dieser Wichtigtuer aus Südamerika«, bemerkte der Fürst abwertend.
Der Prinz runzelte erzürnt die Stirn.
»Diego hat sich aus eigener Kraft ein Imperium aufgebaut, Paps! Er konnte nicht auf ein reiches Erbe zurückgreifen. Alles musste er sich selbst erarbeiten, und das war sicher nicht einfach«, erwiderte er voller Leidenschaft und zeigte damit, wie sehr er seinen Arbeitgeber bewunderte. »Schließlich kommt er aus einem Armenviertel von Buenos Aires und hat als Laufbursche in einem Hotel angefangen. Heute gehört ihm das Hotel und noch ein Dutzend andere auf der ganzen Welt! Diego de Santos ist jetzt der König der Luxushotels …«
»Und dieser Mann ist dein Vorbild?« Sein Vater konnte es nicht verstehen. »Willst du denn immer in seinem Schatten stehen? Willst du nicht dein eigener Herr sein?«
»Du kennst meinen Traum, Paps«, entgegnete der gut aussehende, dunkelblonde Prinz lakonisch, und der Fürst nickte.
»Ich werde dir unser Palais bei Hameln jedoch nicht überlassen, damit du daraus ein Luxushotel machen kannst«, meinte Fürst Ambros entschieden.
»Du lässt mir keine Wahl. Dann bleibe ich einer von Diegos Hotelmanagern. Und glaube mir, ich bin es gern.«
»Du verstößt gegen die Tradition, Junge …«
»Dann verstoße ich eben dagegen!«, begehrte Nicolas auf. »Mit liegt nichts an dieser Tradition, die dir und Valerie viel mehr bedeutet.« Der Prinz sah seine attraktive Schwester an und bedachte sie mit einem Lächeln. Er legte seine Hand auf die ihre. »Valerie schuftet sich seit Jahren für die Fabrik krumm. Sie ist doch die viel bessere und vor allem naheliegendere Wahl. Sie sollte deine Nachfolgerin werden.«
Ein dankbares Lächeln glomm in den Augen der Prinzessin auf, das jedoch sofort wieder erlosch, als sie ihren Vater antworten hörte.
»Valerie ist eine Frau …«, entgegnete der Fürst brüsk.
»Leiste ich etwa schlechte Arbeit, weil ich eine Frau bin?« Empört richtete sich die Prinzessin auf und funkelte den Vater erbost an. »Ohne mich wärst du in der Fabrik doch aufgeschmissen. Ich bin es, die sich um das Tagesgeschäft und um die Finanzen kümmert, oder etwa nicht? Und? Schreiben wir etwa keine schwarzen Zahlen?«
»Ich weiß, dass du exzellente Arbeit leistet, Valerie«, ruderte der Fürst zurück. »Darum geht es doch nicht. Nick wird eines Tages den Titel erben, und zu diesem Erbe gehört der gesamte Besitz der Beilsteins – auch die Fabrik. Nick wird das nicht verhindern können.«
»Nur weil mir die Fabrik irgendwann gehören wird, muss ich sie doch nicht leiten«, gab der Prinz zurück. »Oder Alex? Was sagst du dazu?«, wandte sich Nicolas an die junge Frau, die in einem Sessel am Fenster saß und selbstvergessen in einem Zeichenblock malte, den sie auf ihren Knien hielt.
Alexandra Wintermann konnte mit der blonden Schönheit der Prinzessin nicht konkurrieren und wollte es auch nicht. Die beiden jungen Frauen waren Anfang dreißig und die besten Freundinnen. Doch im Gegensatz zur schlanken, hochgewachsenen Valerie war Alexandra, die von aller Welt nur Alex genannt wurde, nicht mehr als mittelgroß. Sie hatte rotblondes, glattes, kurzes Haar, zahlreiche Sommersprossen, die sich über das gesamte, leicht rundliche Gesicht verteilten, und neigte zudem zur Molligkeit, was sie mit weiten Hosen und Blusen in schrillen Farben zu kaschieren versuchte.
Nun schreckte die junge Frau auf und legte den Kohlestift weg. Obwohl sie konzentriert gezeichnet hatte, hatte sie den Streit dennoch aufmerksam verfolgt.
»Nick ist nun einmal Hotelier mit Leib und Seele, Papa Ambros«, stärkte sie dem Prinzen den Rücken. »Du hast ihm doch selbst das Studium und die anschließende Ausbildung erlaubt«, erinnerte sie ihren Ziehvater.
Alexandra Wintermann war die Tochter einer ehemaligen Hausdame. Sie war auf Burg Beilstein, dem Stamm- und Wohnsitz derer von Beilstein, aufgewachsen. Nach dem frühen, tragischen Unfalltod seiner Angestellten hatten der Fürst und seine damals noch lebende Gattin die kleine Alexandra, die den Tod der Mutter hatte miterleben müssen, adoptiert.
Alexandra betrachtete Burg Beilstein als ihr Zuhause, und Nick und Valerie waren wie Geschwister für sie. Sie liebte die beiden ebenso sehr wie den Fürsten, der ihre künstlerische Begabung von Anfang gefördert und ihr auf der Burg ein eigenes Atelier eingerichtet hatte. Jetzt war sie, nach diversen Studien im Ausland, eine bekannte und gefragte Malerin, die von ihrer Kunst leben konnte.
»Ich habe Nicks Ambitionen doch lediglich für ein Hobby gehalten, das ihm irgendwann von ganz allein lästig werden würde«, gestand der Fürst, und sein Sohn lachte auf.
»Paps, ich bin fünfunddreißig Jahre alt, und ich habe meine Berufswahl noch nicht einen einzigen Tag lang bereut.« Nicolas warf einen Blick auf die schöne, vergoldete Pendule, die tickend auf dem Kaminsims stand, und erhob sich. »Es wird Zeit. Ich möchte nicht im Dunkeln starten, und bis Barcelona sind es ein paar Stunden …«
»Du hättest ja nicht selbst fliegen müssen, sondern einen Linienflug nach Hannover nehmen können«, murrte sein Vater.
»Dann hätte mich jemand von dort abholen müssen«, gab der Prinz zurück. »Nein, so ist es einfacher, und ich kann mehr Zeit hier auf Beilstein verbringen. Außerdem ist die Fliegerei mein Hobby, Paps. Trotz unserer Dispute war es schön, wieder einmal ein Wochenende hier zu verbringen. Und jetzt gehe ich packen«, erklärte er bestimmt und wollte den Raum verlassen.
Auch Alex erhob sich. »Ich muss auch ins Atelier.«
»Apropos Atelier …« Nick öffnete ihr die Tür und ließ seine Ziehschwester vorgehen. »Die Lobby des De-Santos-Hotels in Barcelona wird neu gestaltet. Der Innenarchitekt sprach von einem größeren Gemälde, das als Blickfang dienen soll. Hättest du da eine Idee, Alex?«
Sie schenkte ihm ein unbefangenes Lächeln. »Ich kann ja mal darüber nachdenken und dir ein paar Skizzen schicken«, schlug sie vor.
»Ja, mach das. Das wäre schon etwas Besonderes, ein Kunstwerk von Alexandra Wintermann in der Lobby hängen zu haben.«
Alex lachte. »So berühmt bin ich nun auch wieder nicht.«
»Aber du bist auf dem besten Weg dorthin«, versicherte der Prinz ihr im Brustton der Überzeugung, und man konnte hören, wie stolz er auf seine Ziehschwester war.
***
Prinz Nicolas stopfte eben die wenigen Utensilien, die er fürs Wochenende mitgebracht hatte, in eine Reisetasche, als seine Schwester eintrat.
»Schade, dass das Wochenende schon vorbei ist«, meinte die Prinzessin.
»Na ja«, gab der Prinz zögernd zurück und dachte an die ständigen Auseinandersetzungen mit seinem Vater. Fürst Ambros konnte einfach nicht verstehen, dass sein Sohn seinen Beruf liebte und nicht aufgeben wollte. »In Barcelona fühle ich mich mittlerweile auch wie zu Hause«, gestand er und lächelte. »Und wärmer ist es dort allemal!«
Valerie gab das Lächeln zurück und setzte sich auf die Kante des großen Himmelbettes, das mit blauen Samtvorhängen bestückt war. Eine Weile sah sie ihrem Bruder beim Packen zu.
»Stimmt, obwohl in diesem Frühjahr die Temperaturen auch hierzulande ganz annehmbar sind, finde ich. Nur in diesen Gemäuern wird es ja nie so richtig warm«, gab sie zurück und zeichnete mit dem Zeigefinger das Muster auf der Tagesdecke nach.
Nick betrachtete seine Schwester liebevoll. »Hast du etwas auf dem Herzen, Valerie?«
»Nein, nicht wirklich. Eigentlich bin ich nur gekommen, um mich bei dir zu bedanken.«
»Wofür?«, wollte er verblüfft wissen.
»Dafür, dass du mir die Leitung der Fabrik zutraust – anders als Paps.«
Nick seufzte und nahm neben ihr Platz. »Wie blind ist Paps eigentlich? Du hast ihm in den letzten Jahren immer mehr Arbeit und Verantwortung abgenommen. Es ist praktisch Fakt, dass du das Unternehmen schon jetzt fast allein leitest. Paps hat doch im Grunde nur noch repräsentative Aufgaben. Und trotzdem …«
»Du musst ihn verstehen, Nick«, nahm Valerie ihren gemeinsamen Vater in Schutz. »Es ist nun einmal Tradition, dass der Titelerbe auch die Leitung der Fabrik...




