E-Book, Deutsch, Band 2480, 64 Seiten
Reihe: Fürsten-Roman
Heyden Fürsten-Roman 2480
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1833-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
In den Fängen einer Diva
E-Book, Deutsch, Band 2480, 64 Seiten
Reihe: Fürsten-Roman
ISBN: 978-3-7325-1833-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Marlene von Grohnau lässt die Zeitschrift sinken, in der eine Großaufnahme ihren Mann Darius in inniger Umarmung mit der berühmten Opernsängerin Lana Fritzinger zeigt. Das Foto lässt keine Zweifel offen: Darius betrügt seine Ehefrau!
Die Gewissheit versetzt der Fürstin einen Stich ins Herz. Marlene weiß, dass in den letzten Jahren ihrer Ehe viel schiefgelaufen ist, aber trotz allem liebt sie Darius noch immer wie am ersten Tag. Wenn sie jetzt nicht um ihren Mann kämpft, wird sie ihn an eine andere Frau verlieren ...
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Skandal an der New Yorker MET – Lana Fritzinger lässt Zauberflöte platzen!
Die berühmte Operndiva Lana Fritzinger ließ am Sonntagabend die Premiere der Zauberflöte platzen, in der sie unter dem extrovertierten Regisseur Mortimer Abernathy die Partie der Königin der Nacht geben sollte. Abernathy sei zu wenig auf ihre Bedürfnisse eingegangen und habe ihre innovativen Ideen schlicht ignoriert, sagte die Diva unserer Zeitung. Sie habe keine andere Wahl gehabt, als die Konsequenzen zu ziehen und Abernathy ihre Mitwirkung aufzukündigen. Der Star-Regisseur konnte noch nicht zu einer Stellungnahme veranlasst werden. Lana Fritzinger verließ noch in der Nacht zum Montag New York.
Lana Fritzinger legte die »New York Times«, von der sie sich fragte, wie sie überhaupt hierhergelangt war, mit einem mokanten Lächeln zur Seite und erhob sich aus dem zerschlissenen Ohrensessel, als Konrad Ilsenberg seine Garderobe im Schauspielhaus Hamburg betrat. Frenetischer Applaus folgte dem Mann und sorgte für einen Ausdruck vollster Zufriedenheit auf seinem Gesicht.
Lana kannte ihn seit ihrer gemeinsamen Zeit am Wiener Konservatorium. Konrad hatte seine Gesangsausbildung mangels Begabung rasch aufgegeben und war heute einer der gefragtesten und beliebtesten Schauspieler im deutschsprachigen Raum. Sie hingegen hatte eine steile Karriere als Opernsängerin gemacht und war überzeugt, dass sie sich Eskapaden wie die in New York durchaus leisten konnte.
All die Jahre waren Konrad und sie befreundet geblieben, aber Lana Fritzinger wusste, dass Konrad Ilsenberg mehr als nur Freundschaft für sie empfand und sie glühend verehrte, was sie maßlos auszunutzen verstand. Konrad Ilsenberg war immer für sie da, wenn sie ihn brauchte, so wie jetzt.
Der Schauspieler bemerkte Lana erst, als sie nun theatralisch ihre Arme ausbreitete und den alten Freund freudestrahlend umarmte.
»Konrad, du warst großartig heute Abend!«, begrüßte sie ihn.
Ihr aufrichtiges Lob und ihre respektvolle Anerkennung rührten ihn, und Konrad musterte seine Freundin überrascht.
Mit ihren achtunddreißig Jahren war Lana eine voll erblühte, dunkelhaarige Schönheit. Sie war groß gewachsen und von erstaunlich schlanker Gestalt, aber ihre Figur war auch weiblich genug, um einer Wagnerschen Walküre Gestalt verleihen zu können. Die hohen Wangenknochen, gepaart mit dem ungewöhnlich hellen Teint ihrer makellosen Haut, verliehen ihr etwas Exotisches. Mandelförmige, dunkle Augen unterstützten diesen Eindruck noch.
»Lana! Ich hätte eigentlich eher mit dir gerechnet«, spielte Konrad Ilsenberg auf den Artikel in der New York Times an. »Wo warst du?«
Er musterte die hinreißend schöne Frau, die in dem schlichten Designer-Kostüm sehr beeindruckend wirkte und nun einen lauten Seufzer ausstieß.
»Du weißt es also schon«, stellte Lana Fritzinger fest, und ihr schönes Gesicht nahm einen betrübten Ausdruck an. »Ach, ich möchte dich nicht damit belasten. Lass uns lieber deinen Erfolg feiern.«
Trotz der gegenteiligen Behauptung erkannte Konrad, dass sie genau das wollte: ihn mit ihren Problemen belasten. Das hatte sie schon immer getan, und deshalb war sie hier in Hamburg aufgetaucht. Mit einem mitfühlenden Lächeln nahm er ihre schmalen, schlanken Hände und drückte Lana zurück in den Ohrensessel.
»Sag mir, was passiert ist«, forderte er sie aufmunternd auf und zog sich den ledernen Armlehnstuhl heran, der vor dem Schminktisch stand. »Du lässt doch nicht einfach so eine Aufführung platzen, noch dazu eine Premiere.«
»Natürlich hatte ich meine Gründe«, erwiderte die Opernsängerin mit leichter Empörung. »Ich habe diesen Abernathy einfach nicht mehr ertragen, Konnie. Du hättest erleben müssen, wie er mich behandelt hat … Als wäre ich irgend so eine Sängerin aus der Provinz, die kein Mensch kennt. Er hatte doch tatsächlich die Frechheit, meinen Gesang zu kritisieren! Er meinte, ich würde falsch atmen und dadurch die Töne zu sehr quetschen. Ich quetsche keine Töne! Die Proben waren einfach grauenvoll.«
»Was ist denn genau passiert?«, fragte Konrad Ilsenberg behutsam nach.
»Ach, nie war er mit irgendetwas einverstanden, ständig hat er an mir herumgemäkelt und ist cholerisch geworden, wenn ich mich mal um fünf Minuten verspätet habe. Solche Eskapaden würde er nicht dulden und so weiter. Eskapaden! Ich bitte dich! Kannst du dir vorstellen, wie schwierig es ist, in New York ein Taxi zu bekommen? Aber das einzusehen, war Abernathy ja nicht imstande. Ich weiß wirklich nicht, warum dieser cholerische und eigensinnige Mensch als der Opernregisseur gilt. Das war meine erste und letzte Zusammenarbeit mit ihm – das kann ich dir sagen …«
Lana redete sich in Rage, und Konrad begriff recht schnell, dass da zwei sehr von sich überzeugte Menschen aufeinandergeprallt waren, von denen keiner hatte nachgeben wollen. Mortimer Abernathy galt als ebenso exzentrisch wie Lana Fritzinger, die es gewohnt war, dass man sie hofierte und ihr die Aufmerksamkeit entgegenbrachte, die ihr, ihrer Ansicht nach, auch gebührte. Das hatte von Anfang an nicht gut gehen können.
»Verstehst du, weshalb ich einfach die Konsequenzen ziehen musste?«, bat Lana nun um Verständnis. »So kann man nicht mit mir umgehen. Ich bin schließlich nicht irgendein Chormädchen. Ich bin die Fritzinger, Konnie!«
Konrad seufzte.
»Lana, du bist eine der besten Sopranistinnen, die die Welt je gesehen hat. Aber du weißt selbst, dass du als kapriziös und schwierig giltst. Einen so einflussreichen Mann wie Abernathy zu verärgern, könnte dir und deiner Karriere sehr schaden. Eine Vorstellung platzen zu lassen, nur weil man sich ungerecht behandelt fühlt, das macht man einfach nicht!«, warnte er sie, woraufhin Lana allerliebst schmollte.
»Was hätte ich denn tun sollen?«, fragte sie hilflos.
»Mit der Operndirektion reden und deinen Vertrag auflösen«, schlug Konrad vor. »Von jetzt an wird sich jedes Opernhaus gut überlegen, ob es dich buchen will, weil alle immer die Gefahr vor Augen haben werden, dass du sie im entscheidenden Moment einfach im Regen stehen lässt, weil es dir gerade so passt.«
»Jetzt bist du auch noch gegen mich«, stellte Lana verärgert fest.
»Ich bin nicht gegen dich, Lana«, korrigierte Konrad ihre Aussage. »Ich will dich nur warnen. Und als dein Freund musst du mir das zugestehen. Darf ich mir keine Sorgen um dich machen?«
Diese Worte versöhnten die Opernsängerin, und sie umarmte den alten Freund.
»Natürlich darfst du. Du bist wirklich der beste Freund, den ich habe, Konnie.« Dann erhob sie sich mit einem tiefen Seufzer, der mehr als jedes Wort sagte, dass sie dieses Thema jetzt abzuschließen gedachte. »Was hältst du davon, wenn wir deinen Erfolg ein bisschen feiern, Konnie? Komm, ich lade dich zum Essen ein.«
Konrad Ilsenberg schmunzelte über ihren plötzlichen Enthusiasmus.
»Ein wenig spät, oder?«, stellte der Schauspieler amüsiert fest.
»Aber nein, im ›Atlantic‹ geht es um diese Uhrzeit gerade erst los. Und einen Salat wirst du schon noch hinunterbekommen«, war sie überzeugt.
»Na gut«, willigte er ein. »Ich ziehe mich nur rasch um und schminke mich ab. Dann können wir gehen.«
Während er begann, sein Kostüm abzulegen, durchfuhr ihn, wie selbstverständlich es für Lana war, ihn in das Restaurant des Luxushotels einzuladen. Vermutlich logierte sie auch dort. Noch immer war das »Hotel Atlantic« die erste Adresse in Hamburg. Weniger als das Beste kam für Lana Fritzinger mittlerweile nicht mehr infrage.
Kein Wunder, dass sie nur einmal kurz verheiratet gewesen war und ihre Liebhaber stets schnell die Flucht ergriffen oder von Lana abserviert wurden, weil sie ihren Anforderungen nicht entsprachen. Lana sah sich als etwas Besonderes und auch der Mann an ihrer Seite sollte etwas Besonderes sein.
***
In der Tat war das Restaurant des Luxushotels auch zu dieser späten Stunde noch recht gut besucht. Man wies Lana und Konrad einen Tisch zu, an dem sie relativ unbeobachtet speisen konnten, aber dennoch einen guten Überblick über das Restaurant hatten.
Konrad genoss das späte Diner. Er wurde nicht oft zu derart deliziösen Menüs eingeladen. Auch wenn er einer der bestbezahltesten und bekanntesten Schauspieler der Republik war, so ließen seine finanziellen Mittel eine Sterne-Küche nicht zu.
Er und Lana unterhielten sich über die gemeinsame Zeit am Konservatorium in Wien und tauschten gut gelaunt Erinnerungen aus, als das Gespräch plötzlich ins Stocken geriet.
Konrad sah irritiert von seinem Teller auf und bemerkte, dass Lana zum Eingang des Restaurants starrte, wo eben ein spektakulär gut aussehendes Paar eingetreten war und sich suchend umsah.
Der Herr war etwa Mitte vierzig, hochgewachsen und von sportlicher, schlanker Gestalt. Sein männliches Gesicht wirkte ein wenig introvertiert, und er hatte eine markante Nase. Sein volles, dunkles Haar war altmodisch an der Seite gescheitelt. Er wirkte alles in allem sehr weltmännisch, trug einen hellgrauen maßangefertigten Abendanzug und handgefertigte italienische Schuhe, wie Konrad voller Neid feststellte.
Auch die Dame an seiner Seite wirkte mit ihren hochgesteckten, kupferfarbenen Haaren durchaus sympathisch. Sie hatte eine mittelgroße Statur, war schlank und zweifelsohne sehr attraktiv. Das perfekte Oval ihres Gesichts zeigte eine bronzefarbene Haut, schön geschwungene...




