Heym | Wege und Umwege - Einmischung | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 4

Reihe: Stefan-Heym-Werkausgabe, Erzählungen

Heym Wege und Umwege - Einmischung

Publizistik von 1931-1989 - Stefan-Heym-Werkausgabe
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-641-27828-1
Verlag: C.Bertelsmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Publizistik von 1931-1989 - Stefan-Heym-Werkausgabe

E-Book, Deutsch, Band 4

Reihe: Stefan-Heym-Werkausgabe, Erzählungen

ISBN: 978-3-641-27828-1
Verlag: C.Bertelsmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»Dieses Buch macht höchst nachdenklich.« Stuttgarter Zeitung

Der Doppelband »Wege und Umwege« und »Einmischung« enthält eine Auswahl aus dem umfangreichen publizistischen Werk Stefan Heyms: Essays und Porträts, Leitartikel und Berichte, Reportagen, Flugblätter, Aufrufe, Reden, Interviews und Autobiographisches aus sechs Jahrzehnten. Allesamt Äußerungen zu politischen Ereignissen und zur Geschichte ebenso wie zum Leben und Denken der Leute auf der Straße, die tagesbezogen entstanden, aber über den Tag hinaus ihre Frische bewahrt und sich dem Leser heute noch selbst erschließen.

Stefan Heyms scharfsichtige Publizistik, bei C. Bertelsmann als Doppelband erstmals 1998 erschienen, endlich wieder lieferbar als Teil der digitalen Werkausgabe.
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Vorwort


Als Stefan Heym vor kurzem gefragt wurde, ob er gedenke, seine Autobiographie zu schreiben, erklärte er, dazu verspüre er noch keine Lust. Im übrigen könne, wer wolle, markante Erlebnisse, Begegnungen, Erfahrungen seinem schriftstellerischen Werk entnehmen.

Ohne Zweifel, Biographie findet sich in seinen großen Romanen, auf dem weiten Feld, das von den bis zum reicht. Ganz Eigenes ist verarbeitet, hinter ironischem Augenzwinkern verborgen, im , in der . Aber Heymsche Biographie wird deutlicher noch in einem umfangreichen publizistischen Werk, in streitbaren Schriften, Reden, Gesprächen. Da haben wir, typisch für diesen Mann, eine Zurücksicht ohne Vorsicht, eine unfrisierte Art, Auskunft zu geben.

In diesem Buch also steckt Leben, Charakter, aus diesen Seiten tritt das Profil eines wachen Zeitgenossen hervor. Heym ist lebendige Kritik seiner Zeit. Sein Leben ist Polemik im aufklärerischen Sinn sozial-revolutionärer Vorfahren: Was als das Bessere erkannt wird, im kleinen wie im großen, soll als Besseres auch etabliert werden, lieber heute als morgen, wenn es geht, sofort.

Stefan Heym war von Beginn an Erzähler und Publizist. , . Was er im Sommer 1954 im knappen Vorspruch für eine erste Sammlung seiner Artikel und Reportagen notierte, gilt für den Chemnitzer Oberprimaner, der wegen eines politischen Gedichts 1931 von der Schule flog, ebenso wie für den Redakteur des New Yorker , der sich mit den Nazis herumschlug. Kein touristischer Trip, sondern war der Marsch mit der amerikanischen Armee quer durch Frankreich, über den Rhein, bis an die Elbe. Das Headquarter der 12. Armeegruppe zeichnet den Technical Sergeant Nr. 32 860259 mit der Bronze Star Medal aus für seine publizistische Arbeit .

Ungeduld und ein Schuß Hoffnung zuviel auf rasche Entnazifizierung und Demokratisierung ließen ihn früh mit den Realitäten des beginnenden kalten Krieges kollidieren. KZ-Prozesse, über die er 1945 berichtet, finden noch heute statt … Seine erzählen von einer Mission und markieren zugleich den Abschied von ihr.

Danach kommt der Abschied von McCarthys Amerika und wieder das Gewühl des , als er 1952 in der DDR eintrifft. Hier fühlte er sich gebraucht, nützlich, als Geburtshelfer neuen Denkens und Handelns, da sah er sich anerkannt und weitgehend in Übereinstimmung mit den Zielen des Staates, dessen Bürger er wurde. Scharf beobachten, schreiben ohne Schnörkel, sich einen Kopf machen, das hatte er gelernt; eingreifen, sich einmischen, Veränderungen anregen, das war nach seinem Geschmack. Dieser Gesellschaft wollte er Sicherheit geben, Souveränität, mit ihr wollte er sich identifizieren können. Der wechselvolle Alltag diktierte ihm die Themen seiner Aufsätze, Anregungen, Polemiken in die Schreibmaschine, wenig Zeit blieb, die Krawatte geradezuziehen und sich feinzumachen für das offizielle Parkett. Er kümmerte sich ungeniert um die Besoldung von Krankenschwestern und die Mitbestimmung für kleine Angestellte. Im April 1957 schrieb er: .

Er schrieb voller Lust und Laune, wie immer eigentlich, wie heute noch, unerschrocken, forsch respektlos, auch Pathos nicht scheuend, kein Blatt vor dem Mund. Heinar Kipphardt sagte ihm zum 65. Geburtstag: ,

Am 12. Mai 1957 veröffentlichte Stefan Heym, angeregt durch einen Leserbrief, in seiner Kolumne in der den Wortlaut des Göttinger Appells. Achtzehn prominente Wissenschaftler rieten zu einem Verzicht der Bundesrepublik auf Atomwaffen und erklärten zugleich: »Wir bekennen uns zur Freiheit, wie sie heute die westliche Welt gegen den Kommunismus vertritt.« Diesen Passus hatte die DDR-Presse unterschlagen. Heym wetterte: »Seit wann scheuen ausgerechnet wir uns vor dem Abdruck langer Texte … Unsere redaktionellen Schönfärber, die uns die westdeutschen Atomwissenschaftler als eine Kollektion waschechter Antifaschisten vorsetzen möchten – sehen sie denn nicht, daß der Göttinger Appell seine riesige Schlagkraft erst dadurch gewinnt, daß sich der Satz von der westlichen Freiheit darin befindet!«

Die redaktionellen Schönfärber fühlten sich gekränkt und nahmen übel. Zwei Tage später erklärte das Redaktionskollegium der unter der Überschrift Heym habe die Journalisten der DDR beleidigt, Gebot für jeden Redakteur sei, das Wesentliche zu popularisieren, Heym aber betreibe , sein Artikel zeichne sich durch aus. Am 16. Mai stellte sich der Zentralvorstand des DDR-Presseverbandes hinter die RZA-Redakteure, nannte Heyms Formulierung und war zugleich der Meinung, , Heyms Entgegnung blieb ungedruckt: , , , ,

Leser meldeten sich zu Wort. Heyms Kolumne entstanden unmittelbar nach dem 17. Juni 1953, war von Beginn an ein Dialog mit ihnen. schrieb Heym. – schrieb ein Berliner, Heym wehrt sich und will sich nicht den Mund verbieten lassen. Im Juli zieht er noch einmal gegen Bürokraten und Schönfärber vom Leder: Heym zeigte die Zähne, aber es war ein Abgesang. Die Partei wollte sich von ihm nichts mehr sagen lassen, offen schon gar nicht.

Zwei Jahre zuvor, 1956, hatte er sich noch ironisch mit der Westberliner B.Z. angelegt, die meldete Heym damals: Am 18. Mai 1958 schrieb er seinem Chefredakteur:

Die Ausflüge des Schriftstellers Stefan Heym in den Journalismus erscheinen wie Vorstöße. Eingreifen, mitreden, ja, aber er will auch das Feld vorbereiten für eine breite Wirkung seiner Romane. Hartnäckig verteidigt er einmal errungene Positionen.

Die Themen seiner Bücher und die seiner publizistischen Arbeiten laufen vielfach parallel – Antifaschismus, Demokratie und Sozialismus, die Arbeiterbewegung und ihre Geschichte, die Situation eines Autors in dieser Welt. Publizistik, der rasche Gang in die Medien und anschaulich-ausholendes Erzählen durchdringen und beflügeln einander. Aber man wird dem Erzähler nicht gerecht, sieht man ihn, mit dem Blick auf sein journalistisches Werk, stärker als politische Figur denn als literarischen Kopf. Seine Bücher sind mehr als eine epische Umsetzung aktueller Themen, sind mehr als Verpackung und Vehikel für zeitkritische Befunde und polemisch gemeinte...


Heym, Stefan
Stefan Heym, 1913 in Chemnitz geboren, emigrierte, als Hitler an die Macht kam. In seiner Exilheimat New York schrieb er seine ersten Romane. In der McCarthy-Ära kehrte er nach Europa zurück und fand 1953 Zuflucht, aber auch neue Schwierigkeiten in der DDR. Als Romancier und streitbarer Publizist wurde er vielfach ausgezeichnet und international bekannt. Er gilt als Symbolfigur des aufrechten Gangs und ist einer der maßgeblichen Autoren der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Er starb 2001 in Israel.



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