E-Book, Deutsch, Band 3, 89 Seiten
Reihe: Saja
Heyn Saja
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7565-6571-9
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Geheimnis des silbernen Spiegels
E-Book, Deutsch, Band 3, 89 Seiten
Reihe: Saja
ISBN: 978-3-7565-6571-9
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Schon in meiner Jugend und als junge Erwachsene habe ich gern Kurzgeschichten geschrieben, mich aber auch in die Welt der Bücher vertieft und alles andere beim Lesen vergessen. Anfangs schrieb ich Geschichten für Erwachsene, tauschte mich in Autorenclubs aus und trug ein paar Texte auf Lesungen vor. Doch dies änderte sich, als unsere wunderbare Tochter in mein Leben trat. Saja entstand in meinen Gedanken, nahm mehr und mehr Charakter an, und das Schreiben wurde wieder zu meinem Hobby.
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Kapitel 1: Der silberne Spiegel
Es war ein windiger Herbsttag, als Saja müde in der Schule saß und versuchte, den Ausführungen ihrer Lehrerin in Besonderer Zauberei zu folgen. Frau Sockel redete nun schon seit einer gefühlten Ewigkeit, und Saja hatte Mühe zu verstehen, worum es überhaupt ging.
„… sind kleine, schnelle Bewegungen wichtig, sonst geht das nicht bei Wind …“, hörte sie sie sagen, da sah sie Kora vor sich, die gedankenversunken auf einem Blatt Papier malte. Hör zu, ermahnte sie sich selbst. Wenn nicht einmal Kora zuhörte, dann wusste sie nicht, wen sie nachher fragen sollte, was sie alles verpasst hatte. Oder war das einfach nur eine langweilige Stunde? Nein, dachte Saja, die Zauber, die wir in Besonderer Zauberei lernen, sind nicht langweilig, sondern gehören der tieferen, vielleicht sogar gefährlicheren Magie an.
„… kältere Tage, weniger Licht, und die Blütenzauberer haben es umso schwerer, ihre Zauber auszuführen“, drang Frau Sockels Stimme an ihr Ohr.
Aber das ist nun auch nichts Neues. Das weiß doch jedes Baby, dass für Blütenmagie meistens Sonne nötig ist, um gut zu zaubern, dachte Saja genervt.
„… Bewegungen, wie ich sie gerade gezeigt habe, können aber das fehlende Sonnenlicht ausgleichen.“
Saja schreckte hoch. Welche Bewegungen waren gemeint? Wieder glitt ihr Blick zu Kora. Sie konnte erkennen, dass sie nun nicht mehr kritzelte, sondern Symbole auf ihr Blatt malte. Was das wohl bedeuten mochte?
„… silbern. Das ist wichtig. Vergesst das niemals.“
Oh, dachte Saja, jetzt habe ich schon wieder etwas Wichtiges verpasst. Silber? Hat sie wirklich Silber gesagt? Was ist damit? Zu dumm, dass sie nicht zugehört hatte!
Es klingelte, und Saja atmete auf. Rasch ging sie vor zu Kora und schaute auf deren Zeichnung. „Was ist das?“
„Hm, so stelle ich mir den Zauber vor, über den Frau Sockel gesprochen hat“, antwortete Kora, die also doch zugehört hatte. Gerade wollte sie genauer nachfragen, da kam Nina angesprungen: „Kommt, gehen wir raus!“
Die Luft draußen war frisch und erholsam. Der herbstliche Wind wehte durch ihre Haare und Sajas Müdigkeit verflog. Warum konnte Frau Sockel nicht ein bisschen weniger einschläfernd reden? Es war so schwer, ihr zuzuhören. Kora zog fröstelnd ihre Arme um sich und sagte: „Uh, kalt, lasst uns reingehen.“
„Oh, bitte nicht“, meinte Saja, „da ist es so voll und so stickig.“
„Ich weiß, wo es nicht stickig ist“, erklang da eine Stimme, die Saja nicht so gern hörte. Goldera baute sich vor ihnen auf und fügte hinzu: „Unten im Keller.“
Obwohl auch Nina eine Grimasse beim Auftauchen der Mitschülerin zog, hellte sich ihr Gesicht beim Wort Keller auf: „Jepp, ‘ne gute Idee – wenn auch von dir. Lasst uns schauen, was es heute dort gibt. Außerdem mag ich das Dino-Skelett! Vielleicht haben wir Glück und es leuchtet heute!“
„Tse, Nina“, höhnte Goldera, „immer fern von großen Zielen. Die Eifrigen unter uns versuchen lieber, einen Edelstein daraus hervorzuzaubern.“
„Haha“, erwiderte Nina, ohne eine Spur Belustigung. „Du glaubst doch nicht ernsthaft an dieses Märchen!“
„Es ist kein Märchen!“, empörte sich Goldera. „Vor ein paar Jahren hat eine Schülerin es geschafft. Und das ganz ohne Sonnenlicht. Man muss nur besonders begabt sein, dann geht es.“
„Das haben schon ganz andere als du versucht“, stieg Kora in Ninas Spott ein. „Ohne Sonnenlicht hast du keine Chance, da hilft auch der Zauber von grade nicht, zu dunkel da unten.“
„Und ob ich …“, begann Goldera. Kora wandte sich zu Saja um und sagte, ohne weiter auf Goldera zu achten: „Zumindest ist der Kellerraum den meisten zu düster, so dass wir dort unsere Ruhe haben werden, richtig, Saja?“ Aufmunternd schaute sie ihre Freundin an.
Diese zuckte mit den Schultern: „Naja, ok.“
In Wirklichkeit war es der Keller meisten zu gruselig, doch kaum jemand sprach das aus. Nahezu täglich veränderte sich der Raum, indem neue Sachen auftauchten und vorher Dagewesene wieder verschwanden. Niemand holte sie oder brachte sie dorthin, der Raum gab sie einfach und nahm sie wieder. Und manchmal waren es Sachen, die unheimlich waren.
Saja trottete den anderen hinterher. Auf den Treppen nach unten roch es muffig, doch als sie den Kellerraum betraten, war die Luft angenehm frisch. Goldera war ihnen gefolgt. Sie setzte sich auf eine Bank, die heute dort stand, und tönte: „Ich weiß, wie die legendäre Schülerin diesen Edelstein aus dem Skelett gezaubert hat. Es gibt einen Eintrag im Buch der Schüler, wenn man zwischen den Zeilen liest, dann kann man es herausfinden.“
„Ach ja?“, meinte Nina genervt. „Dann zeig doch mal.“
„Ich habe meinen Zauberstab nicht dabei. Außerdem muss man allein in diesem Raum sein, das weiß doch jeder“, erklärte Goldera abschätzig. Saja blickte zu Kora; diese zog die linke Augenbraue hoch. Zusammen gingen sie im Raum umher.
„Was ist das?“, fragte Kora leise. Saja ging zu dem hohen Gegenstand, der – wie die Bank – heute zum ersten Mal hier war.
„Ist das ein Spiegel?“, fragte Saja und ging näher heran. Sie posierte mit ihrem Zauberstab, konnte ihr Spiegelbild jedoch nicht sehen. Die Oberfläche war matt.
„Ich sehe weder dich noch mich“, sagte Kora. Saja wedelte mit ihrem Zauberstab vor der Oberfläche herum.
„Was macht ihr da?“, fragte Goldera laut und kam zu ihnen. Nina trat neugierig neben Kora.
„Lasst mich sehen!“ Goldera drängelte sich an Nina vorbei und stieß dabei Saja an, die nach vorne stolperte, wobei ihr Zauberstab in den geheimnisvollen Spiegel geriet. Der Raum verdunkelte sich. Saja griff erschrocken nach hinten und spürte die Körper der anderen Mädchen dicht bei sich.
Schon wurde es wieder hell. Allerdings anders hell als im Keller. Saja sah sich um. Hier und da schimmerte es bläulich. Sowohl auf dem Boden als auch an den Wänden.
Waren das überhaupt Wände?, fragte sich Saja.
„Wo sind wir denn?!“, rief Goldera erschrocken. „Was hast du gemacht, Saja?!“
„Sie hat gar nichts gemacht“, fuhr Nina sie an. „Du bist diejenige, die hier rumgeschubst hat.“
„Leise, pst“, versuchte Kora dazwischenzugehen. „Wir waren im Keller, jetzt sind wir … hier, wo immer das ist. Das ist bestimmt nicht gut.“
„Ich dachte, es wäre ein Spiegel, aber ich konnte mich nicht darin sehen“, flüsterte Saja und sah sich vorsichtig weiter um.
„Ich hatte ja nicht gerade Zeit, da reinzuschauen; ich hätte euch sicher sagen können, was es ist. Aber Miss Voreilig hier musste ja gleich den Zauberstab einsetzen“, empörte sich Goldera.
„Seid leise. Streiten wir uns nicht“, mahnte Kora mit zittriger Stimme.
Nina trat vor sie alle und zeigte auf die Umgebung: „Hat jemand diesen Ort schon einmal gesehen?“
Alle schauten einander an, jeder schüttelte verwundert den Kopf.
„Und nur Saja hat ihren Zauberstab dabei, auch richtig?“, ergänzte Nina. Jeder schaute in das Gesicht, beziehungsweise die Hand der anderen, und ja, nur Saja hatte ihren Zauberstab dabei. Sie hielt ihn hoch und verzog das Gesicht.
Goldera schnaubte: „Nicht, dass der uns weiterhelfen würde. Wir sind Blütenzauberinnen, schon vergessen? Wir können nicht zur Verteidigung zaubern.“
„Aber echt, ey“, fuhr Nina sie an und ihre Stimme war nun nicht mehr so leise, „wer sagt denn, dass wir uns verteidigen müssen. Vielleicht müssen wir nur den richtigen Zauber finden und schon sind wir wieder zurück. Hast du irgendwas gezaubert, bevor wir hier gelandet sind, Saja?“, wandte Nina sich an Saja.
„Nein“, antwortete sie.
Goldera schnaubte erneut, doch sagte nichts. Nina entspannte sich: „Wir sind durch einen Spiegel in der Schule gefallen. Was kann da schon Schlimmes auf uns warten, also ehrlich!“
„Stimmt“, meinte Kora, und Saja hörte, wie erleichtert sie von Ninas Rede war, „wer würde schon einen gefährlichen Spiegel in einen Schulkeller stellen, in den alle Schüler reingehen dürfen. Also, was machen wir? Warten … wir einfach, bis der Zauber wieder weggeht?“
Goldera schnaubte zum dritten Mal: „Reingestellt?!“ Auch sie sprach nicht mehr leise, doch ihre Stimme hatte einen deutlich beunruhigten Unterton: „Der Raum offenbart diese Dinge, niemand stellt etwas dort hinein. Das müsstet ihr doch wissen!“
Nina überging diesen Einwurf: „Die Frage ist, wie wir hier wieder rauskommen. Einfach abwarten? Ich weiß nicht, ich glaube eher, es ist ein Rätsel. Alles ist sooo … bläulich, also ich habe keine Ahnung, aber … gehen wir ein Stück! Vielleicht finden wir was.“
„Hier hoch?“, schlug Saja zaghaft vor. Ihr war nicht wohl bei der Sache, aber herumstehen brachte sie auch nicht weiter.
„Vielleicht gibt es irgendwo einen Zwillingsspiegel, mit dem wir wieder zurückkommen“, überlegte Goldera und schaute sich um.
Kein schlechter Gedanke, dachte Saja, hatte aber keine Lust, es laut auszusprechen und Goldera damit eine Bestätigung zu geben. Vorsichtig setzten sie Fuß vor Fuß. „Warum ist der Untergrund so weich?“, fragte Kora und griff nach Sajas Arm.
„Schwer hier zu gehen, wenn man ständig einsinkt“, maulte Goldera.
Sie versuchten, auf dem weichen Boden voranzukommen. Schließlich...




