Higgins Clark | Schwesterlein, komm tanz mit mir | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Higgins Clark Schwesterlein, komm tanz mit mir


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-641-10060-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

ISBN: 978-3-641-10060-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



"Attraktiver Mann sucht junge Frau, die Musik liebt und gerne tanzt…" Auf solche und ähnliche Zeitungsannoncen antworten die Freundinnen Erin und Darcy, weil sie einer Kollegin bei einer Untersuchung über Kontaktanzeigen helfen wollen. Sie treffen sich mit Kandidaten und tauschen ihre Erfahrungen aus. Bis Erin eines Tages spurlos verschwindet …

Mary Higgins Clark (1927–2020), geboren in New York, lebte und arbeitete in Saddle River, New Jersey. Sie zählt zu den erfolgreichsten Thrillerautoren weltweit. Ihre große Stärke waren ausgefeilte und raffinierte Plots und die stimmige Psychologie ihrer Heldinnen. Mit ihren Büchern führte Mary Higgins Clark regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten an. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den begehrten Edgar Award. Zuletzt bei Heyne erschienen: »Denn du gehörst mir«.
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3


MITTWOCH, 20. FEBRUAR


Am Mittwoch abend traf Darcy pünktlich um halb sieben in Nona Roberts’ Büro ein. Sie hatte am Riverside Drive einen Termin mit einem Kunden gehabt und Nona angerufen, um ihr vorzuschlagen, gemeinsam ein Taxi zum Restaurant zu nehmen.

Nonas Büro war eine vollgestopfte Kabine in einer ganzen Reihe vollgestopfter Kabinen im neunten Stock des Gebäudes von Hudson Cable Network. Es enthielt einen etwas ramponierten, mit Papieren und mehreren Aktenordnern beladenen Eichenschreibtisch, dessen Schubladen nicht mehr richtig schlossen, Regale mit Nachschlagewerken und Bändern, ein sichtlich unbequemes Zweiersofa und einen Chefdrehsessel, von dem Darcy wußte, daß er sich nicht mehr drehte. Auf dem schmalen Fensterbrett ließ eine Pflanze, die Nona ständig zu gießen vergaß, müde die Blätter hängen.

Nona liebte dieses Büro. Darcy fragte sich insgeheim, wieso es sich eigentlich nicht durch spontane Entzündung selbst verbrannte. Als sie kam, war Nona am Telefon; also ging sie hinaus, um Wasser für die Pflanze zu holen.«Sie fleht um Gnade», sagte sie, als sie zurückkam.

Nona hatte den Anruf eben beendet. Sie sprang auf, um Darcy zu umarmen.«Ich hab halt keinen grünen Daumen.»Sie trug einen khakifarbenen Wolloverall, der die Linien ihres schlanken Körpers getreulich nachzeichnete. Ein schmaler Lenderg ürtel mit einer weißgoldenen Schnalle in Form verschr änkter Hände umschloß ihre Taille. Ihr mittelblondes Haar mit grauen Strähnen war streng geschnitten und reichte kaum bis zum Kinn. Ihr lebhaftes Gesicht war eher interessant als hübsch.

Darcy war froh zu sehen, daß der Kummer in Nonas dunkelbraunen Augen fast völlig einem Ausdruck trockenen Humors gewichen war. Nona war frisch geschieden, und das hatte ihr hart zugesetzt. Wie sie es ausdrückte:«Es ist schon traumatisch genug, vierzig zu werden, ohne daß der Ehemann einen wegen eines einundzwanzigjährigen Gänschens sitzenläßt.»

« Bißchen spät geworden», entschuldigte sich Nona.«Treffen wir Erin um sieben?»

« Zwischen sieben und Viertel nach sieben», sagte Darcy, deren Finger danach juckten, die toten Blätter der Pflanze abzuzupfen.

« Also fünfzehn Minuten für den Weg, vorausgesetzt, ich werfe mich vor einem leeren Taxi auf die Fahrbahn. Großartig. Eins möchte ich noch machen, bevor wir gehen. Komm doch mit und schau dir die mitfühlende Seite des Fernsehens an.»

« Ich wußte gar nicht, daß es eine hat.»Darcy griff nach ihrer Umhängetasche.

Alle Büros waren um einen großen Mittelraum herum angeordnet, in dem Sekretärinnen und Schreibkräfte an ihren Schreibtischen saßen. Computer surrten, Faxmaschinen ratterten. Am Ende des Raumes saß ein Sprecher vor einer Kamera und verlas Nachrichten. Nona winkte einen allgemeinen Gruß, als sie vorbeiging.«Hier gibt es keine einzige unverheiratete Person, die nicht für mich auf Bekanntschaftsanzeigen antwortet. Ich hab sogar den Verdacht, daß ein paar vermutlich verheiratete Typen sich ebenfalls heimlich mit attraktiven Chiffrenummern treffen.»

Sie führte Darcy in einen Vorführraum und machte sie mit Joan Nye bekannt, einer hübschen Blondine, die nicht älter aussah als zweiundzwanzig.«Joan macht die Nachrufe», erkl ärte sie.«Sie hat gerade einen wichtigen fertig und bat mich, ihn mir anzusehen.»Sie wandte sich Joan Nye zu.«Ich bin sicher, er ist prima», sagte sie beruhigend.

Joan seufzte.«Hoffentlich», sagte sie und drückte auf den Knopf, um den Film abzuspielen.

Das Gesicht der großen Filmschauspielerin Ann Bouchard füllte den Bildschirm. Die einschmeichelnde Stimme von Gary Finch, dem Moderator von Hudson Cable, klang angemessen gedämpft, als er zu sprechen begann.

« Ann Bouchard gewann ihren ersten Oscar im Alter von neunzehn Jahren, als sie 1928 in dem Klassiker ‹Gefährlicher Weg› für die erkrankfe Lillian Marker eingesprungen wahr...»

Auf Filmausschnitte der bemerkenswertesten Rollen von Ann Bouchard folgten Glanzlichter aus ihrem Privatleben: ihre sieben Ehemänner, ihre Häuser, ihre durch alle Zeitungen gehenden Kämpfe mit Studiochefs, Auszüge aus Interviews aus ihrer langen Karriere, ihre emotionale Reaktion, als sie einen Preis für ihre Lebensleistung erhielt:«Ich war gesegnet. Ich bin geliebt worden. Und ich liebe euch alle.»

Dann war es zu Ende.«Ich wußte gar nicht, daß Ann Bouchard gestorben ist», rief Darcy aus.«Mein Gott, noch letzte Woche hat sie mit meiner Mutter telefoniert. Wann ist das passiert?»

« Überhaupt nicht», sagte Nona.«Die Nachrufe auf ber ühmte Leute machen wir im voraus, genau wie die Zeitungen. Und wir bringen sie regelmäßig auf den neusten Stand. Wenn dann das Unvermeidliche passiert, brauchen wir nur noch die Einleitung nachzudrehen.»Sie wandte sich zu Joan Nye um.«Das war super und hat mich fast zu Tränen gerührt. Ach, übrigens, haben Sie auf irgendwelche neuen Bekanntschaftsanzeigen geantwortet?»

Joan grinste.«Das kann Sie teuer zu stehen kommen, Nona. Neulich hatte ich eine Verabredung mit irgendeinem Trottel. Blieb natürlich im Verkehr stecken. Ich stellte mein Auto in der zweiten Reihe ab, um rasch hineinzulaufen und ihm zu sagen, ich käme gleich wieder. Draußen war schon ein Polizist dabei, mir ein Strafmandat zu verpassen. Schließlich fand ich sechs Blocks entfernt eine Garage, und als ich zurückkam -»

« ? war er weg», vermutete Nona.

« Woher wissen Sie das?»fragte Joan mit aufgerissenen Augen.

« Weil das einigen anderen auch schon passiert ist. Nehmen Sie’s nicht persönlich. Und jetzt müssen wir uns beeilen.»An der Tür rief Nona über die Schulter:«Geben Sie mir den Strafzettel. Ich kümmere mich darum.»

Im Taxi auf dem Weg, um Erin zu treffen, dachte Darcy dar über nach, warum jemand sich so benahm. Joan Nye war wirklich attraktiv. War sie zu jung für den Mann, den sie getroffen hatte? Als sie die Anzeige beantwortete, mußte sie ihr Alter angegeben haben. Hatte er eine Vorstellung im Kopf, der Joan nicht entsprach?

Das war ein beunruhigender Gedanke. Als das Taxi sich stoßweise durch den Verkehr in der 72. Straße schlängelte, sagte sie:«Nona, als wir anfingen, diese Annoncen zu beantworten, hab ich es für einen Spaß gehalten. Jetzt bin ich nicht mehr so sicher. Es ist wie ein Rendezvous mit einem Unbekannten, aber ohne die Sicherheit, mit dem Burschen bekannt gemacht zu werden, weil er der beste Freund von jemandes Bruder ist. Kannst du dir vorstellen, daß irgendein Mann, den du kennst, so etwas macht? Selbst wenn Joans Kandidat aus irgendeinem Grund die Art, wie sie sich anzieht, oder ihre Frisur nicht leiden konnte, hätte er doch bloß rasch einen Drink nehmen und dann sagen können, er müsse ein Flugzeug erwischen. So wäre er sie losgeworden und hätte sie nicht mit dem Gefühl zurückgelassen, genarrt worden zu sein.»

« Machen wir uns nichts vor, Darcy», erwiderte Nona.«Nach allem, was ich so höre, sind die meisten Leute, die solche Anzeigen aufgeben oder beantworten, ganz schön unsicher. Viel beängstigender finde ich, daß ich gerade heute einen Brief von einem FBI-Agenten bekommen habe, der von dem Projekt gehört hat und mit mir sprechen will. Er möchte, daß wir eine Warnung aussprechen, weil diese Anzeigen ein Tummelplatz für sexuelle Psychopathen sind.»

« Was für ein entzückender Gedanke!»

Wie gewöhnlich bot das«Bella Vita»Geborgenheit und Wärme. Das wunderbar vertraute Aroma von Knoblauch lag in der Luft. Man hörte das leise Summen von Gesprächen und Lachen. Adam, der Besitzer, begrüßte sie.«Ah, die schönen Damen. Ich habe einen Tisch für Sie.»Er wies auf einen Tisch am Fenster.

« Erin müßte jede Minute kommen», sagte Darcy zu ihm, als sie Platz genommen hatten.«Es überrascht mich, daß sie noch nicht da ist. Sie ist so pünktlich, daß ich richtige Komplexe bekomme.»

« Vermutlich steckt sie im Verkehr fest», sagte Nona.«Laß uns Wein bestellen. Wir wissen ja, daß sie Chablis trinkt.»

Eine halbe Stunde später schob Darcy ihren Stuhl zurück.« Ich gehe und rufe Erin an. Ich kann mir nur vorstellen, daß irgendeine Änderung nötig war, als sie das Collier ablieferte, das sie für Bertolini entworfen hat. Und wenn sie arbeitet, vergißt sie die Zeit.»

In Erins Wohnung war der Anrufbeantworter eingeschaltet. Darcy kehrte an den Tisch zurück und stellte fest, daß Nonas ängstlicher Gesichtsausdruck ihre eigenen Gefühle widerspiegelte.« Ich habe hinterlassen, daß wir hier auf sie warten und daß sie anrufen soll, wenn sie es nicht schafft.»

Sie bestellten das Essen. Darcy liebte dieses Restaurant, doch heute abend merkte sie kaum, was sie aß. Alle paar Minuten schaute sie zur Tür und hoffte, Erin werde hereinst ürzen mit einer völlig vernünftigen Erklärung, warum sie zu spät kam.

Doch sie kam nicht.

Darcy lebte im obersten Stockwerk eines Sandsteinhauses in der 49. Straße, Nona in einer Eigentumswohnung am Central Park West. Als sie das Restaurant verließen, nahmen sie getrennte Taxis und verabredeten, wer zuerst von Erin höre, werde die andere anrufen.

Sofort, als sie nach Hause kam, wählte Darcy erneut Erins Nummer. Eine Stunde später, unmittelbar vor dem Schlafengehen, versuchte sie es noch einmal. Diesmal hinterließ sie eine eindringliche Nachricht:«Erin, ich mach mir Sorgen um dich. Es ist Mittwoch, dreiundzwanzig Uhr fünfzehn. Egal, wie spät du nach Hause kommst, ruf mich auf jeden Fall noch an.»

Schließlich fiel Darcy in einen unruhigen Schlaf.

Als sie um sechs Uhr früh erwachte, war ihr erster Gedanke, daß Erin nicht angerufen hatte.

Jay Stratton starrte...


Higgins Clark, Mary
Mary Higgins Clark (1927–2020), geboren in New York, lebte und arbeitete in Saddle River, New Jersey. Sie zählt zu den erfolgreichsten Thrillerautoren weltweit. Ihre große Stärke waren ausgefeilte und raffinierte Plots und die stimmige Psychologie ihrer Heldinnen. Mit ihren Büchern führte Mary Higgins Clark regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten an. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den begehrten Edgar Award. Zuletzt bei Heyne erschienen: »Denn du gehörst mir«.



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