E-Book, Deutsch, Band 1, 401 Seiten
Reihe: Opposites Attract
Higginson The Opposite of You
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7363-0793-3
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 401 Seiten
Reihe: Opposites Attract
ISBN: 978-3-7363-0793-3
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten - und doch perfekt füreinander sind ...
Mit gebrochenem Herzen und geplatzten Träumen kehrt Vera Delane in ihre Heimatstadt zurück. Um wieder auf die Füße zu kommen, macht sie sich mit einem Food-Truck selbstständig. Dumm nur, dass sie diesen genau gegenüber des Sternerestaurants abstellt, in dem Killian Quinn, der Bad Boy der Kochszene, das Zepter schwingt. Er gilt als arrogant und launisch und ist doch eine Legende. Aber die junge Frau lässt sich von dem schroffen Konkurrenten nicht einschüchtern, und schon bald fliegen die Fetzen - und Funken! - zwischen Vera und dem heißen Sternekoch.
'Ich bin verliebt! In den arrogantesten und launischsten Koch, von dem ich je gelesen habe. Killian Quinn ist mein neuer Book-Boyfriend und einfach wunderbar!' MARYSE'S BOOK BLOG
Auftakt der Serie rund um Gegensätze, Liebe und Food - warmherzig, romantisch und sexy
Rachel Higginson wurde in Nebraska geboren und verbrachte ihre College-Jahre damit, die Welt zu bereisen. Sie verliebte sich in Osteuropa, Paris, Indisches Essen und die wundervollen Strände von Sri Lanka. Heute ist sie verheiratet und hat fünf wunderbare Kinder.
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1. KAPITEL
»Wunderschön.«
Ich schenkte Molly, meiner besten Freundin seit Kindertagen, ein Lächeln. »Das ist sie, oder?«
Molly schob den dichten dunklen Pony aus ihrem herzförmigen Gesicht und enthüllte ihre entschlossene Miene. »Kein Wunder, nach all der Mühe, die ich mir gemacht habe.«
Mein Herz stolperte, mein Puls hämmerte aufgeregt. Das war mein Baby. Mein Leben. Und ich war heute der Eröffnung einen großen Schritt näher. »Nach all der Mühe, die du dir gemacht hast?«
In Mollys strahlenden hellblauen Augen erschien ein amüsiertes Funkeln. Sie wedelte mit dem Pinsel vor meiner Nase herum. »Ja, mit dem Schriftzug, meine ich.« Erneut tauchte sie die Pinselspitze in die dickflüssige rote Farbe auf ihrer vollgeklecksten Palette. »Ohne mich wärst du nichts, Süße. Wen interessiert schon, was du in deinem Wohnwagen zaubern kannst?! Ohne meine perfekte Beschilderung würde dich niemand finden.«
Ich musste unwillkürlich lachen. Molly Maverick war eine wahnsinnig gute Freundin und der einzige Grund, warum ich nach den Ereignissen im vergangenen Jahr nicht völlig durchgedreht war.
»Können wir uns darauf einigen, meinen Food-Truck nicht als Wohnwagen zu bezeichnen? Das klingt ja so, als sei ich im horizontalen Gewerbe unterwegs.«
Mollys Seitenblick verriet ihre Gedanken. »Ein wenig mehr Action in der Horizontalen würde dir guttun.«
Ich wandte mich wieder der in der Sonne glänzenden frischen Farbe zu, und mein ganzer Körper bebte vor Vorfreude. »Der Duft.«
Molly schnaubte unanständig und hielt im Malen inne. »Was?«
»Der Duft zieht die Kunden an. Wie im Zeichentrickfilm. Die Leute müssen nur noch ihrer Nase bis hierher folgen.« Ich zeigte auf die Stelle vor meinen Füßen.
Molly warf den Kopf in den Nacken und lachte lauthals. Ihr langes schwarzes Haar schwang dabei über ihren Rücken. »Wenn du nebenbei ein horizontales Gewerbe planst, solltest du vielleicht nicht mit deinen köstlichen Düften werben.«
Ich zwickte sie in den Arm. »Du bist unmöglich, Molly Maverick.«
»Und trotzdem magst du mich, Vera Delane.«
Wir teilten ein verschwörerisches Grinsen, doch im nächsten Moment blieb mein Blick wieder an der knallroten Schrift hängen, die Molly auf die Seite meines Trucks gezaubert hatte. Ich konnte den Blick nicht davon abwenden. Zumindest nicht lange. Es lag etwas Endgültiges darin, wenn man Dingen einen Namen gab. Ein Name verhieß Hoffnung. Und eine Namensgebung zeugte von Entschlossenheit, als würde man sagen: »Du gehörst mir, Foodie. Ich beanspruche dich für mich.«
Der silbrige Lack meines Food-Trucks schimmerte in der Nachmittagssonne. Nur die breiten Fenster wurden von meiner brandneuen schwarz-weiß gestreiften Markise überschattet, deren Volants in der schwülen Sommerbrise flatterten. Die Schiebefenster waren praktisch, modern und schmucklos, während der Rest meines frisch erstandenen »Wohnwagens« augenzwinkernd mit kitschigem Vintage-Feeling daherkam, von dem ich wünschte, dass es im besten Fall meinen Stil widerspiegelte.
Ja, Foodie war eine Schönheit. Und die frische rote Farbe machte sie noch schöner. Meine unglaublich talentierte Freundin Molly war Künstlerin von Natur aus und Grafikdesignerin von Beruf. Ihre Leidenschaft gehörte der Malerei. Und sie war unfassbar gut darin.
Und deshalb schämte ich mich auch nicht, ihre Begabung auszunutzen. Es hatte ohnehin nicht viel Mühe gekostet, Molly dazu zu überreden. Sie war die Erste, der ich meine verrückte Imbiss-Truck-Idee anvertraut hatte, und die Erste, die mir nach meiner Rückkehr ihre Hilfe anbot.
Ihr Retro-Design-Logo an der Seite meines Wagens würde Kunden aus dem ganzen Viertel anlocken. In meinen kühnsten Träumen sah ich sie schon in Scharen abends aus den Bars und Clubs des trendigen Teils der Stadt zu mir strömen.
Hungrige Scharen.
Das war vermutlich Wunschdenken, aber viel mehr als Hoffnung blieb mir in diesen Tagen nicht. Foodie war mein allerletzter Versuch, die Überreste meiner in den vergangenen Jahren extrem schiefgelaufenen Karriere noch zu retten. Tatsächlich war der Truck – Mein ureigener Food-Truck! – so gut wie alles, was mir von meinen hochgesteckten Zielen, meinem Ehrgeiz und meinen Ersparnissen geblieben war.
Wenn Foodie kein Erfolg wurde, hatte ich auf ganzer Linie versagt.
Und was dann?
Ich starrte gedankenverloren auf den Namen, den ich nach monatelangem Planen, Hoffen und Träumen so sorgfältig gewählt hatte, und versuchte mir vorzustellen, was mich erwartete, wenn dieses Wagnis nicht so lief wie geplant. Oder schlimmer noch, wenn auch dieser Traum in die Brüche ging, so wie alles, worauf ich bisher im Leben gebaut hatte.
Allerdings fiel es mir schwer, so weit in die Zukunft zu blicken. Ich konnte mir nicht vorstellen, was ich machen sollte, wenn Foodie kein Erfolg würde. Nicht, dass ich es nicht versucht hätte.
Ich dachte ständig daran. Die Sorgen und die Versagensangst raubten mir den Schlaf. Oft lag ich nachts wach, starrte an die Decke und versuchte, mir ein Leben vorzustellen, in dem sich nicht alles ums Kochen oder das Entwickeln neuer Gerichte drehte.
Aber es gelang mir nicht.
Kochen war meine Leidenschaft.
Das Leben konnte mir alles nehmen – eine sichere Zukunft, meine Hoffnungen, den Traum, eine bekannte Sterneköchin zu werden, bevor ich dreißig wurde, mein letztes Geld, alles.
Dennoch würde ich mein Ziel, Chefin meiner eigenen Küche zu werden, niemals aufgeben.
Wenn es sein müsste, würde ich sogar auf der Straße in Mülltonnen kochen.
Also, ich meine, bildlich gesprochen.
Wer isst schon was, das aus einer Mülltonne kommt?
»Vera?« Mollys Stimme klang so sanft wie immer, wenn sie mich nicht erschrecken wollte.
Ich blinzelte, bis sich die Welt um mich herum wieder scharf stellte. Ich wusste schon, was sie sagen wollte, noch bevor sie den Mund öffnete, daher kam ich ihr zuvor. »Alles gut.«
»Du warst ganz woanders«, stellte sie mit besorgtem Blick fest.
Ich seufzte und gestand ihr die Wahrheit. »Ich hab eine Scheißangst.«
Mollys Mundwinkel hob sich zu einem selbstgewissen Lächeln. »Dieser Food-Truck wird ein Erfolg. Dein Essen wird fantastisch sein«, versprach sie. »Die ganze Stadt wird sich darum reißen. Die Leute werden stundenlang vor Foodie Schlange stehen, damit sie deine genialen Gerichte probieren können, und du wirst Superkritiken bekommen.«
Ich schenkte ihr ein zaghaftes Lächeln, obwohl mir nicht danach zumute war. »Genau das, was ich immer wollte.« Ich wandte mich ab, ehe sie die Tränen bemerkte, die mir in den Augen brannten. Sarkasmus konnte kaum die Wahrheit meiner Worte verschleiern. Denn all das wünschte ich mir tatsächlich sehnsüchtig.
Oder hatte es mir mal gewünscht.
Früher.
Bevor alles den Bach runterging.
Und jetzt wünschte ich mir all das wieder, in kleinerem Rahmen. Anstelle eines schillernden Fünf-Sterne-Restaurants gab ich mich mit einer neun Meter langen Küche auf Rädern zufrieden. Ich hatte meinen Ehrgeiz zurückgeschraubt. Statt mit einer gut geölten Maschinerie aus Servicepersonal und Köchen zu arbeiten, würde ich Küche und Service im Alleingang übernehmen.
Ich hatte nie vorgehabt, mich mit meinem Ausbildungskredit über beide Ohren zu verschulden, um später in einem restaurierten Imbisswagen zu kochen, für den ich mich zusätzlich verschuldet hatte. Allerdings musste ich vor vier Monaten, nach einem ziemlich heftigen Jahr, wieder zu Hause einziehen und einen Plan B entwickeln.
Foodie war mein Plan B.
Ich hatte eine teure Ausbildung an einer renommierten Schule gemacht, um eine weltberühmte Köchin zu werden. Ich wollte mir einen Platz in einer von Männern dominierten Branche erkämpfen, um in den besten Restaurants der Welt zu arbeiten. Ich hatte mir den Hintern aufgerissen und jede Menge Opfer gebracht für einen Lebenslauf und Ruf, der mir die Türen zu jeder gewünschten Restaurantküche öffnen sollte. Und ich hatte gehofft und gebetet, von den besten Küchenchefs lernen zu können, in ihren Kreisen akzeptiert und irgendwann sogar als eine der ihren betrachtet zu werden. Ich hatte mir Auszeichnungen, Michelin-Sterne und branchenweite Anerkennung gewünscht.
Nichts davon war passiert. Meine Träume hingen in der Warteschleife, weil ich eine falsche Entscheidung getroffen und mich von meinem Ziel hatte ablenken lassen.
Ich fühlte mich immer noch nicht auf dem richtigen Weg.
Ganz gleich, wie hart ich im vergangenen Jahr gearbeitet hatte, um darüber hinwegzukommen, spürte ich immer noch die Last auf meinen Schultern und ein flaues Gefühl in der Magengrube.
Die Vergangenheit hing über mir wie ein Damoklesschwert. Eine nicht mehr greifbare, aber auch nicht zu vergessende Bedrohung. Ich fühlte mich auch jetzt noch verfolgt und unter Druck gesetzt.
Dieser Imbisswagen, so schön und inspirierend er auch sein mochte, war nicht der Weg, den ich im Leben gehen wollte. Er stand für zerbrochene Träume und eine verlorene Zukunft.
Und er war alles, was mir noch geblieben war.
Eine Türglocke bimmelte und zog meine Aufmerksamkeit auf den Laden, auf dessen Parkplatz ich stand. Cycle Life. Der Eigentümer erschien in der Tür und zauberte ein Lächeln auf mein Gesicht, denn er war mir einer der liebsten Menschen auf der Welt. Ein kleiner Businessguru,...




