Hilderbrand | Das Fünf Sterne Wochenende | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Hilderbrand Das Fünf Sterne Wochenende


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-455-01759-5
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

ISBN: 978-3-455-01759-5
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Mit Elin Hilderbrand den Sommer zu verbringen ist Glück.' Dora Heldt Hollis Shaws Lebens scheint perfekt: Sie ist erfolgreiche Food-Bloggerin und führt eine glückliche Ehe. Tochter Caroline studiert und geht ihren Weg. Als Hollis' Mann jedoch völlig unerwartet stirbt, ist nichts mehr, wie es war. Doch Hollis hat der Lebensmut nicht verlassen: Sie lädt ihre vier wichtigsten Freundinnen in ihr wunderschönes Strandhaus ein, um zu fünft ein 'Fünf Sterne Wochenende' zu verbringen. Jede der Frauen bringt ihre eigene Geschichte mit, und schon bald kommt es zu einigen überraschenden Bekenntnissen.  Während ein unvergessliches Wochenende seinen Lauf nimmt, treten immer mehr kleine und große Geheimnisse ans Licht und das Leben schlägt die fünf Freundinnen auf neue, unerwartete Weise in seinen Bann.

Elin Hilderbrand studierte Kreatives Schreiben an der Johns Hopkins Universität. Nach einer kurzen Tätigkeit im Verlagswesen und als Lehrerin in New York City zog sie 1994 endgültig nach Nantucket. Sie nahm am Autorenworkshop der University of Iowa teil, erwarb 1998 ihren MFA und veröffentlichte im Sommer ihren ersten Roman, Das Strandhotel, dem 29 weitere Romane folgten, von denen zahlreiche auf der New York Times-Bestsellerliste landeten. Ihr Roman Der beste Sommer aller Zeiten aus dem Jahr 2019 war ihr erster Roman, der es auf Platz 1 schaffte. Sie ist Mutter von drei Kindern und begeisterte Pelotonfahrerin, Hobbyköchin und passionierte Strandgängerin.
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Weitere Infos & Material


Cover
Verlagslogo
Titelseite
Für Michael Carlisle und [...]
Prolog: Nantucket
1. Unfallbericht I
2. Die Einladung
3. Der Riss in der Fassade
4. First Light I
5. Besorgungen
6. Phantom
7. Dichterviertel
8. Die dritte Margarita
9. Das Programm
10. Night Changes I
11. Vorbereitungen
12. Zen-Zustand
13. Happy Hour I
14. Pünktliche Ankunft
15. Am Flughafen
16. Happy Hour II
17. Vorgetäuscht
18. First Light II
19. Haltung des Kindes
20. Beifahrer I
21. Stone Alley
22. Unter Influencerinnen I
23. Roggentoast
24. Beifahrer II
25. Vielleicht: Sofia
26. Buch in der Hand, Füße im Sand
27. Ruhig und präsent
28. Entschuldigt die Störung I
29. Entschuldigt die Störung II
30. Fallen lassen I
31. Intime Aussprache
32. Auf ex
33. Intermezzo
34. Mein kleiner Kohlkopf
35. Happy Hour III
36. Captain's Table
37. Night Changes II
38. Was im Box passiert
39. Peperoni-Pizza
40. Should I Stay or Should I Go?
41. Alle aus den Federn
42. Fallen lassen II
43. Tisch 20
44. Die Freundschafts-Schaluppe
45. Direkt vor ihren Augen
46. Der heiße Stuhl
47. Unter Influencerinnen II
48. Unfallbericht II
49. Twist
50. Das große Finale
51. Glücklich und zufrieden
Epilog: Nantucket
Danksagung
Biographien
Impressum


1. Unfallbericht I


Es ist früh am Morgen des fünfzehnten Dezember. In der Küche ihres Hauses in Wellesley bereitet Hollis Shaw den Teig für ihre Cheddar-Tartlets vor. Ihr Mann, Dr. Matthew Madden, nimmt den Zehn-Uhr-Flug nach Deutschland – er soll bei einer Kardiologenkonferenz in Leipzig einen Vortrag halten und wird fünf Tage weg sein.

Würde Hollis diese Eingangsszene in einem Video darstellen, wäre sie ein Sinnbild häuslichen Glücks. Sie trägt einen taillierten, rot karierten Pyjama und hat die Haare zurückgesteckt. Neben der Arbeitsplatte aus graugeädertem Marmor, auf der sie ihren Teig ausrollt, steht eine Schale Milchkaffee. Über das Soundsystem laufen Weihnachtslieder. mag Hollis am liebsten und singt mit. Die Küche ist weihnachtlich geschmückt: Tannenzweige winden sich um die verwitterten Holzbalken, und die Kupfertöpfe schimmern in den offenen Regalen. Es gibt einen Küchen-Weihnachtsbaum, den sie mit kulinarischem Schmuck behängt hat, einem kleinen Schneebesen, einem Nudelholz, einer Doughnut-Schachtel aus Porzellan. Vor dem Panoramafenster über der Spüle, in der Hollis das Geschirr abwäscht, sieht man die alten Eichen und Tannen im Garten. Der Ausblick ist wunderbar, ganz besonders heute Morgen, als Schneeflocken, so groß und fluffig wie Wattebäusche, langsam zu Boden sinken. Für Hollis gibt es nichts Schöneres als weiße Weihnachten.

Die Küchenuhr klingelt, und Hollis zieht ein Blech knusprigen Bacon aus dem Ofen. Wie magisch angezogen kommt ihre serbische Hirtenhündin Henrietta hereingeklingelt (Hollis hat ihr Glöckchen ans Halsband gebunden) und hebt die haarige Schnauze.

»Na gut.« Hollis gibt ihr ein Stück Bacon. Den Rest legt sie auf Küchenpapier neben die Quiche mit roter Paprika und geräuchertem Gouda, die sie am Morgen zubereitet hat. Sie schneidet ein Stück Quiche heraus und richtet es mit einigen Streifen Bacon an, kontrastiert durch das köstliche, überraschende Pink einer Cara-Cara-Orange.

Als sie Matthews Schritte auf der Treppe hört, schließt sie die Augen und atmet tief durch, um sich zu beruhigen.

ermahnt sie sich.

Aber wenn sie ehrlich ist, ärgert Hollis diese Reise nach Leipzig. Die halbe Nacht lang hat sie sich darüber aufgeregt. Matthew hält seinen Vortrag morgen Vormittag, da könnte er problemlos rechtzeitig zu ihrer Weihnachtsparty am Samstag zurück sein. Seit sie nach Wellesley gezogen sind, richten Hollis und Matthew jedes Jahr so eine Vorweihnachtsfeier aus, und zwar immer am dritten Samstag im Dezember. Matthew behauptet, er habe gedacht, das wäre später, weshalb er bis zum Ende der Konferenz in Leipzig bleiben und anschließend seinen Mentor Dr. Emanuel Schrader in Berlin besuchen will, der nach einer Parkinson-Diagnose seit Kurzem nicht mehr als Chirurg praktizieren kann.

»Aber du darfst bei unserer Party nicht fehlen!«, hatte Hollis gesagt, als er ihr das mitteilte.

Matthew hatte geschmunzelt. »Wir sind uns wohl einig, dass das Party ist, Zuckerherz. Bei der ganzen vornehmen Wellesley-Prominenz wirst du kaum bemerken, dass ich nicht da bin.«

Er hatte das leichthin gesagt, aber Hollis war dennoch getroffen. Es stimmte, dass sie die Party jedes Jahr praktisch im Alleingang organisierte. Sie bereitete das Essen zu – die Cheddar-Tartlets, die Rinderfilet-Sandwiches, die Minikartoffeln mit Kaviar –, sie polierte die Champagnerflöten, hängte die Lichter in der Einfahrt auf, füllte Tütchen mit selbst gemachten Toffees, die die Gäste mit nach Hause nehmen konnten. Sie verschickte die Einladungen, und tatsächlich ihre Gästeliste von Jahr zu Jahr länger geworden (bis auf das Jahr, in dem sie sich mit Electra Undergrove und deren Clique überworfen hatte).

Trotzdem kann sie sich nicht vorstellen, die Gäste an der Tür zu begrüßen, ohne Matthew an ihrer Seite zu haben. Es ist einfach undenkbar.

Aber offenbar nicht für ihn.

Jetzt kommt Matthew in die Küche. Er trägt einen Anzug, wie immer, wenn er fliegt, und dazu die rote Krawatte mit den schnellbootfahrenden Weihnachtsmännern drauf – die Hollis ihm gekauft hatte! Er summt das Weihnachtslied mit, das gerade läuft, , und streckt Hollis das rechte Handgelenk entgegen, damit sie ihm mit dem Manschettenknopf, einem silbernen Rentier, hilft. Er ist unübersehbar in Weihnachtsstimmung.

Hollis atmet den Duft seines Rasiergels ein, den sie liebt, weil er sie an romantische gemeinsame Abende erinnert und die (immer selteneren) Morgen, an denen sie in seinen Armen aufwacht.

Sie kann nicht glauben, dass er das wirklich durchzieht.

Sie möchte sagen: , oder  – Matthew trinkt seinen Kaffee schwarz und brühend heiß, sie gießt ihn erst in den Becher, wenn ihr Mann direkt vor ihr steht. Doch stattdessen hört sie sich sagen: »Es wäre mir lieber, du würdest es dir noch mal überlegen.«

Als Matthew weg ist – deutlich später als geplant –, rollt Hollis den Teig zu einer Kugel, wickelt ihn in Frischhaltefolie und legt ihn in den Kühlschrank. Die Lust aufs Backen ist ihr vergangen. Matthew hat sein Frühstück nicht angerührt, doch statt den Teller mit Folie abzudecken und für später aufzubewahren – sie hasst Verschwendung, in dieser Hinsicht ist sie ganz Tom Shaws Tochter – kratzt sie das Essen in Hennys Futternapf. Dann reißt sie ein Stück Küchenpapier von der Rolle und tupft sich die Augen. Unglaublich, wie schnell ihr Gespräch zu einem Streit eskaliert ist.

»In letzter Zeit ist dir alles andere wichtiger als ich«, hatte sie gesagt. »Arbeit, Reisen und jetzt Dr. Schrader.«

»Er war mein Mentor, Hollis. Berlin liegt zwei Autostunden von Leipzig entfernt. Es wäre ein Affront, ihn unter diesen Umständen nicht zu besuchen.«

Statt ihm in diesem Punkt recht zu geben, warf sie ihm vor, er würde sich von ihr entfernen, seit Caroline zum studieren ausgezogen war. Sie hatte immer von einer romantischen Ehe geträumt, wie Matthews Eltern sie führten – die beiden schienen bis zum Ende ineinander verliebt gewesen zu sein.

Aber wann hatte es in ihrer Ehe zuletzt Romantik gegeben?, überlegt Hollis. Wenn Matthew seine Reise absagen würde, das wäre eine romantische Geste, aber dazu würde es nicht kommen. Das sah sie an der Anspannung in seinen Schultern und seinem Kiefer. Er konnte es kaum erwarten, aus der Tür zu kommen.

»Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind nur noch eine WG«, sagte Hollis. Fast hätte sie davon angefangen, wie lange sie schon nicht mehr miteinander geschlafen hatten, aber dafür war sie genauso verantwortlich wie er. Tagsüber war sie beschäftigt, und abends fiel sie völlig erschöpft ins Bett.

Matthew benutzte seinen Ärztetrick: Er sah aus, als würde er zuhören, wartete aber nur darauf, dass es vorbei war. Er räusperte sich und sah auf die Uhr. Während er seinen Trenchcoat und die ledernen Fahrhandschuhe anzog, tupfte sie sich die Tränen weg. Matthew ging in die Hocke, um Henny das Gesicht zu kraulen, dann nahm er Hollis fest in den Arm – immerhin etwas.

Kurz bevor er aus der Tür war, drehte er sich noch einmal um. »Du hast dich verändert«, sagte er seufzend. »Und unsere Beziehung hat sich verändert.« Dann trat er hinaus in den Schnee und schloss die Tür hinter sich.

Jetzt hallen die Worte in Hollis’ Ohren nach. Zu gern würde sie behaupten, keine Ahnung zu haben, was er damit meint – aber sie weiß es genau. Seit ihre Website so angesagt ist und sie die Chancen nutzt, die sich aus ihrer neuen Berühmtheit ergeben, ist sie ein anderer Mensch geworden. Ein Mensch, der kaum noch einen Augenblick erleben kann, ohne ihn für seine Newsletter-Abonnentinnen dokumentieren zu wollen. Ständig hat sie jetzt das Handy oder den Laptop oder beides vor der Nase. Ja, sie hat sich verändert, und vermutlich hat sich dadurch auch ihre Beziehung verändert. Aber Matthew muss doch verstehen, wie großartig es für sie ist, sich etwas Eigenes aufzubauen, nachdem sie zwanzig Jahre lang Ehefrau und Mutter war.

Sie ruft ihn an und will sich dafür entschuldigen, sich wie eine Elefantin im Porzellanladen verhalten zu haben, landet jedoch direkt auf seiner Mailbox. Sie probiert es gleich noch einmal – wieder die Mailbox. Sie wartet auf den Piep und sagt: »An meiner Liebe zu dir hat sich nichts geändert.«

Für den Fall, dass Matthew seine Mailbox nicht abhört (hört heutzutage überhaupt noch jemand seine Mailbox ab?), schickt sie ihm eine Nachricht: Ich liebe dich, Dr. M. Du bist mir wichtig. Unsere Beziehung ist mir wichtig.

Sie wartet ein paar Augenblicke, bekommt jedoch keine Antwort. Plötzlich ist es ihr ungeheuer wichtig, dass er sie sagen hört: Wieder versucht sie ihn anzurufen, und wieder landet sie auf der Mailbox.

denkt sie. Sie wird es später noch einmal versuchen, wenn sie davon ausgehen kann, dass er in der Lufthansa-Lounge sitzt. Aber die Aussage bereitet ihr Sorgen. Was wollte er damit sagen?

So zittrig und unsicher zu sein, sieht ihr gar nicht ähnlich. Alles wird gut. Sicher, Matthew verpasst die Party, aber zum Weihnachtsfest mit der Familie wird er längst zurück sein....


Hilderbrand, Elin
Elin Hilderbrand studierte Kreatives Schreiben an der Johns Hopkins Universität. Nach einer kurzen Tätigkeit im Verlagswesen und als Lehrerin in New York City zog sie 1994 endgültig nach Nantucket. Sie nahm am Autorenworkshop der University of Iowa teil, erwarb 1998 ihren MFA und veröffentlichte im Sommer ihren ersten Roman, Das Strandhotel, dem 29 weitere Romane folgten, von denen zahlreiche auf der New York Times-Bestsellerliste landeten. Ihr Roman Der beste Sommer aller Zeiten aus dem Jahr 2019 war ihr erster Roman, der es auf Platz 1 schaffte. Sie ist Mutter von drei Kindern und begeisterte Pelotonfahrerin, Hobbyköchin und passionierte Strandgängerin.

Röser, Cornelia
Cornelia Röser, geboren 1978, lebt als Übersetzerin und Illustratorin in Berlin. Sie übersetzt Romane und Essays aus dem Englischen, zuletzt von Emilie Pine, Emily Segal, Michael Schur und Dylan Farrow.

Elin Hilderbrand studierte Kreatives Schreiben an der Johns Hopkins Universität. Nach einer kurzen Tätigkeit im Verlagswesen und als Lehrerin in New York City zog sie 1994 endgültig nach Nantucket. Sie nahm am Autorenworkshop der University of Iowa teil, erwarb 1998 ihren MFA und veröffentlichte im Sommer ihren ersten Roman, Das Strandhotel, dem 29 weitere Romane folgten, von denen zahlreiche auf der New York Times-Bestsellerliste landeten. Ihr Roman Der beste Sommer aller Zeiten aus dem Jahr 2019 war ihr erster Roman, der es auf Platz 1 schaffte. Sie ist Mutter von drei Kindern und begeisterte Pelotonfahrerin, Hobbyköchin und passionierte Strandgängerin.



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