Hilz | Geschichte des Buches | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2937, 130 Seiten

Reihe: Beck'sche Reihe

Hilz Geschichte des Buches

Von der Alten Welt bis zur Gegenwart
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-406-78811-6
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Von der Alten Welt bis zur Gegenwart

E-Book, Deutsch, Band 2937, 130 Seiten

Reihe: Beck'sche Reihe

ISBN: 978-3-406-78811-6
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Bücher begleiten uns durchs Leben und sind Teil des Alltags. Aber seit wann gibt es die eigentlich und wie sind sie entstanden? Sie sind Gedächtnis und zugleich wichtigster Wissensspeicher der Menschheit. Frühe Formen waren Tontafeln und Schriftrollen, in der Spätantike entstand die bis heute vertraute Gestalt des Buches, zu der in der Gegenwart das E-Book getreten ist. Helmut Hilz schildert anschaulich die Entwicklung der Buchkultur und weckt das Bewusstsein für die große gesellschaftliche Bedeutung des Buches.

Helmut Hilz, wissenschaftlicher Bibliothekar und Historiker, leitet die Bibliothek des Deutschen Museums in München und ist auch als Lehrbeauftragter für Buch- und Bibliotheksgeschichte tätig.
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Die Handschriften des Mittelalters


Byzanz und die islamische Welt.  Südosteuropa und der Vordere Orient gehörten nach der Teilung des Imperium Romanum im Jahr 395 zu dem aus dessen Osthälfte hervorgegangenen Byzantinischen Reich mit Konstantinopel als kulturellem und politischem Zentrum. Anders als im Westen blieb hier die antike Buchkultur lebendig und so ist Byzanz die Überlieferung eines großen Teils der griechischen Literatur zu verdanken. Schriften wurden in Klöstern – etwa auf dem Athos oder im Katharinenkloster auf dem Sinai –, aber auch in weltlichen Werkstätten und der kaiserlichen Bibliothek auf Pergament, seit dem 11. Jh. auch auf das aus dem arabischen Raum importierte Papier, abgeschrieben. Im Mittelpunkt standen zwar religiöse Schriften, doch wurden auch antike literarische und wissenschaftliche Werke kopiert. Ein heute in der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrtes, als Wiener Dioskurides bezeichnetes Kräuterbuch zeigt die Beschäftigung mit den Naturwissenschaften im frühen 6. Jh. Bücher mit reichhaltigen Illustrationen wie dieses standen in Byzanz neben solchen mit einem eher schlichten Erscheinungsbild. Die byzantinische Buchmalerei hat vor allem Russland, aber auch den Westen des Kontinents beeinflusst.

Mit der arabischen Expansion verlor das Byzantinische Reich jedoch nach 632 große Teile des Vorderen Orients. Die Levante gehörte nun zum vom Islam beherrschten Teil der Welt und dessen Kultur prägte, trotz der großen christlichen und jüdischen Minderheiten, immer stärker die Region. Die arabische Schrift war zwischen dem dritten und fünften nachchristlichen Jahrhundert entstanden und verbreitete sich mit der Islamisierung im Vorderen Orient und Nordafrika. In der vorislamischen Zeit gab es auf der arabischen Halbinsel noch keine Bücher, sondern lediglich Inschriften. Erst mit der Hedschra, der Auswanderung des Propheten Mohammed nach Medina im Jahr 622, taucht auch das Wort «kitab» auf, was im Arabischen «Buch» bedeutet. Nach dem Tod Mohammeds 632 wurde die bisher mündlich überlieferte Lehre im Koran schriftlich niedergelegt. Die heilige Schrift des Islam steht damit am Beginn der arabischen Buchkultur.

Mit der Eroberung bislang byzantinischer Gebiete stießen die Araber auf eine reiche, vom Codex geprägte Kultur, und so wurde dieser zur Buchform auch der arabisch-islamischen Welt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde auch der Koran von Anfang an in Form des Codex gestaltet. Leider sind aber von diesem keine frühen Niederschriften erhalten geblieben, so dass diese Frage nicht sicher geklärt werden kann. Eine große Rolle spielte schon bald die aufwändige kalligrafische Gestaltung der Handschriften. Das arabische Alphabet mit seinen 28 Buchstaben, die in über 100 Zeichen dargestellt werden, bildet den Hintergrund für die Entstehung der Kalligrafie in diesem Raum.

Schon im 8. Jh. entstanden weitere Werke in arabischer Sprache, so übersetzte Ibn al-Muquaffa eine ursprünglich aus Indien stammende Sammlung von Fabeln unter dem Titel Kal?la wa-Dimna, die am Beginn der weltlichen Literatur steht. Das Arabische wurde zur Schriftsprache der gesamten islamischen Welt und auch Dichter in Nordafrika und auf der Iberischen Halbinsel verwendeten sie. Die Kulturzentren der arabisch-sprachigen Länder prägte eine blühende Buchkultur mit einer breiten Übersetzungstätigkeit; Werke griechischer Herkunft wurden ebenso ins Arabische übertragen wie solche aus dem Persischen.

Eine so breite und reichhaltige Buchproduktion wurde erst mit der Einführung des Papiers als vergleichsweise billigem Beschreibstoff möglich. Während in der Frühzeit des Islam neben Papyrus vorrangig Pergament verwendet worden war, tauchte schon im Verlauf des 8. Jhs. das Papier in den ersten islamischen Ländern auf. Nach einer Überlieferung wurde das Wissen um dessen Herstellung durch chinesische Gefangene bekannt. Samarkand im heutigen Usbekistan war vermutlich die erste Stadt der islamischen Welt, in der Papier hergestellt wurde. Von Mittelasien wanderte die Kenntnis der Papiermacherei westwärts und erreichte 795 Bagdad. Schon im Verlauf des nachfolgenden Jahrhunderts wurde Papier zum vorherrschenden Beschreibstoff der gesamten arabisch-islamischen Welt. Als Rohstoffe wurden Hanf, Leinen, Baumwolle sowie Lumpen verwendet, da es anders als in China keine der dort neben Textilresten verwendeten Papiermacherpflanzen (Papiermaulbeerbaum, Bambus) gab. Für die Herstellung wurde wie später auch in Europa zum Teil schon die Wasserkraft genutzt.

Die Blüte der arabischen Kultur und Wissenschaften wäre ohne Papier nicht möglich gewesen. Für die Herstellung der Handschriften wurden Tausende von Kopisten benötigt. Bei der Gestaltung von Prachthandschriften arbeiteten aber vor allem auch zahllose Buchmaler und Kalligrafen mit. Letztere genossen höchstes Ansehen, da sie die ornamental verzierten, ansonsten jedoch bilderlosen Handschriften des Koran anfertigten. Werke der Poesie, vor allem aber Bücher zu Astronomie, Medizin, Botanik und Zoologie wurden dagegen zum besseren Verständnis aufwändig illustriert.

Mit der Ausweitung der Buchproduktion wuchs auch die Nachfrage nach der Arbeit der Buchbinder. So soll es in Bagdad im 9. Jh. rund hundert Buchbinderbetriebe gegeben haben. Die Einbandkunst erreichte ein hohes Niveau und kann in ihren Leistungen mit den dekorativen Arbeiten in Moscheen und Palästen verglichen werden. Geometrische Muster stellten das wesentliche Element der künstlerischen Gestaltung dar. Während in Europa der Buchschnitt, d.h. die drei offenen Seitenflächen des Buchblocks, meist ungeschützt blieb, besaßen historische Einbände in der arabisch-islamischen Welt zusätzlich eine Art Klappe zum Schutz des Buchschnitts.

Die gestiegene Buchproduktion spiegelt sich in der Entstehung einer Vielzahl von Bibliotheken wider, die, selbst wenn deren Größe übertrieben wurde, zweifellos den Umfang der zeitgenössischen europäischen Klosterbibliotheken mit ihren wenigen hundert Bänden weit übertrafen. So soll das «Haus der Weisheit» (bait al-hikma), eine Bibliothek und Lehranstalt in Bagdad, 1,5 Millionen, die Fatimiden-Bibliothek in Kairo 600.000 und die Umayyaden-Bibliothek in Córdoba 400.000 Bücher besessen haben.

Seit dem 12. Jh. aber befand sich die Buchkultur in einigen Regionen der arabisch-islamischen Welt im Niedergang. Die Einfälle der Mongolen und der Kreuzritter, aber auch die verstärkte Rolle strenggläubiger Muslime, hinderten die Arbeit der Gelehrten wie der Bibliotheken. Eine Ausnahme bildete al-Andalus, das maurische Spanien, wo bis zur Reconquista weiter eine vielfältige Buchkultur gepflegt wurde, die mit ihrer Übersetzungstätigkeit großen Einfluss auf das christliche Europa des Spätmittelalters nahm.

Das Buch im europäischen Mittelalter.  Umberto Ecos 1980 erschienener Roman Der Name der Rose und dessen Verfilmung prägen bis heute bei vielen die Vorstellung von der Bücherwelt des Mittelalters. Doch spielten Bücher – anders als in der islamischen Welt und in China – bis zum Ende des 11. Jhs. in Europa nur im Leben sehr weniger Menschen tatsächlich eine Rolle. Schon allein weil die Lesefähigkeit im Früh- und Hochmittelalter auf einen kleinen, vorwiegend aus Klerikern bestehenden Kreis begrenzt war, der, um auch andere teilhaben zu lassen, oft laut las. Selbst die größten Büchersammlungen umfassten im Mittelalter nur einige hundert Bände. Gleichzeitig aber wurden einzelne Bücher über viele Jahrhunderte als nahezu sakrale Objekte verehrt und entsprechend gestaltet.

Seit dem 12. Jh. begannen Bücher eine größere Rolle für die Gesellschaft zu spielen und veränderten dabei auch ihr Aussehen. Der wesentliche Grund dafür war die wachsende Bedeutung von Schulen und Universitäten, und mit ihnen wuchs auch die Bedeutung des Buches. Die Handschriftenproduktion stieg nun von Jahrhundert zu Jahrhundert an und erreichte schließlich am Ende des Mittelalters ihren Höhepunkt.

Die Skriptorien.  Mit dem Untergang des Römischen Reichs im 5. Jh. ging im Westen auch die griechisch-römische Buchkultur zu Ende. Die öffentlichen und privaten Bibliotheken verfielen und nur ein Bruchteil der antiken Literatur wurde als überlieferungswürdig angesehen. So ist, um ein Beispiel zu nennen, von der vermutlich reichhaltigen antiken Literatur zur Technik nur ein einziges Werk vollständig erhalten geblieben, Vitruvs De architectura libri decem. Die Überlieferung war im Früh- und Hochmittelalter die Aufgabe der seit dem 6. Jh. entstehenden Klöster und ihrer Schreiberwerkstätten, der...


Helmut Hilz, wissenschaftlicher Bibliothekar und Historiker, leitet die Bibliothek des Deutschen Museums in München und ist auch als Lehrbeauftragter für Buch- und Bibliotheksgeschichte tätig.



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