E-Book, Deutsch, 148 Seiten
Hindrichs / Rommel Pflegerische Versorgung bei COVID-19
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7486-0404-4
Verlag: Altenhilfe in Vincentz GmbH & Co KG
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 148 Seiten
ISBN: 978-3-7486-0404-4
Verlag: Altenhilfe in Vincentz GmbH & Co KG
Format: EPUB
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Die Corona-Pandemie stellt Pflegeeinrichtungen vor große Herausforderungen. Die zentrale Frage: Wie sind Pflegebedürftige und Pflegekräfte in stationärer und ambulanter Langzeitpflege zu schützen? Fundierte Antworten finden PDL und Pflegekräfte in diesem Praxishandbuch. Kurz und knapp mit vielen Leitfäden, Checklisten und Ablaufdiagrammen. Die Themenpalette reicht vom Basis-Wissen der Pandemie-Planung bis zum Krisen- und Quarantänemanagement während eines COVID-19 Ausbruchs. Das Autorenteam berichtet aus der Beratungspraxis. Es bringt auf den Punkt, welche Maßnahmenoptionen bei betroffenen und nicht-betroffenen Einrichtungen umgesetzt wurden. Profitieren auch Sie von diesen praktischen Erfahrungen. Mit den Themen: Das 1 x 1 des Pandemie-Wissens; Pflegerische Versorgung vor Ausbruch und bei Verdacht einer COVID-19 Infektion; Pflegerische Versorgung bei COVID-19 Ausbruch; Dokumente und Verfahrensanweisungen
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Kapitel 2 – Pflegerische Versorgung vor Ausbruch und bei Verdacht einer COVID-19 Infektion 2.1 Management einer Pandemie Zu Beginn der Pandemie-Krise gingen die meisten von uns von einer kurzen Dauer der Maßnahmen aus und einer relativ schnellen Rückkehr zur Normalität. Mittlerweile ist uns allen klar, dass es sich nicht um einen kurzen Sprint handelt, sondern dass wir uns in einem Marathonlauf befinden, dessen Länge wir nicht kennen und schon gar nicht dessen Ziel und Ende. Wobei immer deutlicher wird, dass wir noch eine ziemlich weite Strecke vor uns haben. Weil sich aber jeden Tag die Parameter und Erkenntnisse ändern, gleicht das Arbeiten in der Corona-Pandemie einem „Segeln auf Sicht im Nebel“. Einer der wichtigsten Erkenntnisse aus der bisherigen Arbeit unter den Bedingungen der Pandemiekrise ist es, dass wir unsere Mitarbeiter und Kollegen nicht überfordern können und dürfen, wenn wir erfolgreich diese Krise überwinden wollen. Die Mitarbeiter und Kollegen können Maßnahmen und Veränderungen zusätzlich zu ihrem Alltagsgeschäft nur in „homöopathischen Dosen“ umsetzen und verinnerlichen, damit diese erfolgreich implementiert werden können. Wer alle Maßnahmen an einem Tag auf einmal einführen und umsetzen möchte, überfordert seine Mitarbeiter und Kollegen und wird damit scheitern. Deshalb gilt auch bei der Umsetzung aller Maßnahmen zur Prävention und der Vorbereitung auf einen Ausbruch der Grundsatz, der auch den Maßnahmen der Politik zugrunde liegt „Zeit zu gewinnen“. Daher sind wir davon überzeugt, dass der radikale „Lock down“ und mit ihm die zunächst konsequente Schließung der Einrichtungen in der Langzeitpflege nach außen die einzige, sehr wichtige und richtige Entscheidung war, um die Personengruppe der hochbetagten pflegebedürftigen Menschen erfolgreich zu schützen. Die prophylaktische Planung des Umgangs und die Reaktion für den Fall einer Pandemie wurden in den letzten Jahren, sogar Jahrzehnten, zunehmend vernachlässigt. Zwar gab es gesetzlich geforderte Vorgaben für Pandemie-Planungen und Konzepte, diese wurden aber in der Praxis mehr oder weniger als „lästige“ bürokratische Anforderung für einen doch eher unwahrscheinlichen Fall eines Infektionsausbruches in Form einer Pandemie angesehen. Die häufigsten Infektionsgeschehen bzw. Ausbrüche der letzten Jahre, die für den Praxisalltag in der Langzeitpflege relevant waren, sind die Influenza (saisonale Grippe), Norovirus, Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) bzw. Multi-Resistente Keime (MRE) insgesamt. Mit dem Auftreten des SARS-COVID-19 Virus im Winter 2019 zunächst in China haben wir alle nicht geahnt, welche Virenwelle bzw. epidemiologischer „Tsunami“ da auf uns zurollt. Eine Schockwelle der Erkenntnis nach der anderen führte und führt weiterhin dazu, dass wir im Alltagsleben überwiegend nur reagieren, statt proaktiv das Risikomanagement zu gestalten. Wir sind „akut“ damit beschäftigt, planerisch, organisatorisch, strategisch mit der Pandemie und ihren Auswirkungen auf unser aller Alltagleben zu kämpfen und zeitnah nach umsetzbaren Lösungen zu suchen. In diesem Kapitel stellen wir Ihnen die Informationen, Instrumente und Bausteine für einen einrichtungsindividuellen Pandemie-Plan im Einzelnen auf Grundlage des Nationalen Pandemie-Plan (NPP) vor und fügen im Kapitel 4 eine passende Checkliste als Hilfestellung zur praktischen Umsetzung an. Organisation und Kommunikation im Krisenmanagement Im einem Pandemie-Fall gilt es, die gesamte Organisation der Einrichtung auf Krisenmodus umzustellen. Analog zu dem Nationalen-Pandemie-Plan (NPP) ist jede pflegerische Einrichtung gesetzlich verpflichtet, einen eigenen Pandemie-Plan vorweisen zu können, der im Fall einer Pandemie unverzüglich an die entsprechende Infektionsgefahr angepasst werden muss. Der einrichtungsindividuelle Pandemie-Plan1 sollte zu den vier Pandemie-Bereichen, Verringerung von Morbidität und Mortalität, Sicherstellung der pflegerischen und medizinischen Versorgung, der Aufrechterhaltung der Versorgungsbereiche der Einrichtung und dem kontinuierlichen Informationsmanagement passen, konkret Angaben, Festlegungen und Umsetzungsmaßnahmen enthalten. Krisen-Team-Pandemie Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt in den Einrichtungen der Langzeitpflege2 einen Krisenstab/Krisenteam zum Pandemie-Krisenmanagement zu bilden. Das Krisen-Team-Pandemie sollte sich aus den Leitungskräften der verschiedenen Bereiche der Einrichtung zusammensetzen und somit die unterschiedlichen Qualifikationen abbilden, um so die pflegefachliche, medizinische und hygienische Fachkompetenz und die Personaleinsatzplanung zu bündeln. Dies garantiert kurze und schnelle Entscheidungswege, damit beim Ausbruch einer Infektion unmittelbar und schnell gehandelt werden kann, denn die wichtigste Variable im Kampf gegen ein Infektionsgeschehen sind „Schnelligkeit und Zeit zu gewinnen“. Dem Bereich der Hauswirtschaft kommt dabei eine überaus wichtige Rolle im Rahmen des Hygienemanagements zu und deshalb gehört die Hauswirtschaftsleitung zwingend zum Krisen-Team-Pandemie. Mit der Festlegung des Krisen-Team-Pandemie können von Anfang an die Verantwortung, Aufgaben und Maßnahmen so auf mehrere Schultern verteilt werden, dass die Gefahr, dass der Einrichtung als Ganzes die „Puste ausgeht“ oder ein „Burn-out“ einzelner Personen droht, weitestgehend verhindert werden kann. Ergänzend gehören dazu auch die klaren Absprachen zur Kommunikation und zu Kommunikationswegen, z. B. zum Gesundheitsamt, zur Heimaufsicht und zu weiteren Institutionen bzw. Behörden. In diesem Zusammenhang haben die Erfahrungen der letzten Wochen gezeigt, dass es sehr hilfreich ist, wenn mindestens ein Mitglied dieses Krisen-Team-Pandemie immer vor Ort ist, um schnelle Entscheidungen treffen und umsetzen zu können. Idealerweise hat diese „Stallwache“ die Qualifikation zur Verantwortlichen Pflegefachkraft. Vertretungsmanagement Im Rahmen der Bildung des Krisen-Team-Pandemie sollte gleichzeitig eine Vertretungsregelung für die jeweiligen Führungskräfte bei möglichen Ausfällen verbindlich festgelegt werden, so dass die Einrichtung als Organisation jederzeit handlungsfähig bleibt, indem jederzeit eine Person mit Entscheidungsfähigkeit und Entscheidungskompetenz vor Ort ist. Dabei sollte festgelegt, wer im Falle eines Ausfalles • Befugnisse erhält • Aufgaben übernimmt • Bestellungen durchführt • Personalverantwortung übernimmt Für folgende Führungskräfte der unterschiedlichen Funktionsbereiche sollte schriftlich eine fixierte Vertretungsreglung getroffen werden: • Einrichtungsleitung • Pflegedienstleitung • Hauswirtschaftsleitung • Wohnbereichsleitung Kommunikationsmanagement Neben der Organisations- ist die Kommunikationsstruktur bei einer Pandemie sowohl nach innen als auch nach außen eine der tragenden Säulen des einrichtungsinternen Pandemie-Plans. Dieser regelt dabei alle Maßnahmen der Vorsorge vor Ausbruch, als auch die Maßnahmen, die im Akutfall bei Ausbruch eines Infektionsgeschehens (im Rahmen einer Pandemie) in der Einrichtung ergriffen werden müssen. Kommunikation innerhalb der Einrichtung Die Kommunikationsstruktur muss im Falle einer Pandemie für die gesamte Einrichtung angepasst werden. Hierbei muss der Fokus auf einem zielgerichteten, kurzen, schnellen täglichen Kommunikationsaustausch zwischen und innerhalb der einzelnen Funktionsbereiche liegen. Anpassung Besprechungen und Dienstübergaben vor Ausbruch Zur Reduktion bzw. Vermeidung der Ansteckungsgefahr, sollten alle regelhaften Besprechungen und Meetings durch das Krisen-Team-Pandemie überprüft werden und auf ein unbedingt erforderliches Minimum reduziert werden. Wo immer möglich sollten diese „virtuell“ per Telefon, Online-Meetingplattform etc. abgehalten werde. Die Dienstübergaben auf und in den unterschiedlichen Funktionsbereichen sollten mit einem Minimum der erforderlichen Personen stattfinden mit dem Ziel der Reduktion bzw. Vermeidung der Ansteckungsgefahr und eines ressourcenschonenden Personaleinsatzes. Dienstübergaben erfolgen ausschließlich zwischen den beiden schichtführenden Mitarbeitern im Dienstzimmer mit einem Abstand von mindestens 1,5 m. Informationsablauf bei Verdacht bzw. bei bestätigter COVID-19 Infektion Bei Verdacht bzw. bei bestätigter COVID-19 Infektionen ist es wichtig, dass die Information zeitnah und schnell an alle Bereiche...




