Hirdt / Montillon | Jupiter 9: DANAE | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 9, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan - Jupiter

Hirdt / Montillon Jupiter 9: DANAE


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-8453-5022-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 9, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan - Jupiter

ISBN: 978-3-8453-5022-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Seit 3000 Jahren reisen die Menschen zu den Sternen. In dieser Zeit haben sich die Erde und die zahlreichen Welten der Liga Freier Terraner zu einer blühenden Gemeinschaft entwickelt. Doch es zieht eine neue Gefahr für die Menschheit herauf. Sie kommt diesmal nicht aus den Tiefen des Universums, sondern aus dem Herzen der menschlichen Zivilisation - direkt vom Riesenplaneten Jupiter. Mit seiner Lebensgefährtin Mondra Diamond und Reginald Bull, seinem ältesten Freund, begibt sich Perry Rhodan an den Ort des Geschehens. Rhodan stellt fest, dass unbekannte Mächte den Jupiter in ein Schwarzes Loch verwandeln wollen. Sie bedienen sich eines uralten Artefakts auf dem Ganymed und eines mysteriösen Gebildes auf der Jupiteroberfläche. Während Perry Rhodan in unbekannte Fernen des Kosmos aufbrechen muss, ringt seine Lebensgefährtin ums Überleben. Das Todesspiel auf der Atmosphärenstation MERLIN steht vor seinem Höhepunkt. Auch Chayton Rhodan setzt seinen Kampf gegen die Drogenbarone fort. Ihrer beider Gegner ist die Stationspositronik DANAE ...

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Verräter


Chayton Rhodan rieb sich die schmerzenden Handgelenke. Mit den Daumen massierte er die Stellen, an denen die Fesseln in die Haut geschnitten hatten. Nur langsam kehrte das Gefühl in seine Finger zurück.

»Wie können wir sie aufhalten?«, fragte er Tarla Phel.

Seine Wächterin betrachtete ihn argwöhnisch. Und sie stand für Chaytons Geschmack wieder entschieden zu nah bei der Waffe, die sie bis vor einer Minute auf ihn gerichtet hatte. Sie war unsicher, ob es richtig gewesen war, ihn zu befreien – das sah er auf ihrem Gesicht.

»Tarla, wir müssen sie aufhalten!«, sagte er deshalb beschwörend. »Wenn sie MERLINS Casino angreifen, landen sie im besten Fall in den Zellen. Wahrscheinlich werden sie aber erschossen oder von den Techno-Jaguaren zerfetzt. Und zwar, bevor sie die Bombe auch nur in DANAES Nähe bringen!«

Entscheide dich endlich, dachte er. Hilf mir oder töte mich.

Als Phel ihm die Fesseln abgenommen hatte, hatte er sich schon als Gewinner gefühlt. Aber ganz so einfach fiel es ihr offensichtlich nicht, sich aus Gabriel Udons Bann zu lösen. Die Mission, die der Rebellen- oder besser Sektenführer angeordnet hatte, war zwar völliger Wahnsinn. Das musste Phel als ehemaliger Flottenoffizierin eigentlich klar sein. Dennoch: Gabriel hatte etwas an sich, das seine Leute ihm treu folgen ließ.

»Hilf mir, Tarla«, bat er eindringlich. »Wir haben doch dasselbe Ziel. Oread Quantrill und dieser ganze Tau-acht-Drogenwahnsinn müssen aufgehalten werden. Das schaffen wir aber nicht, wenn eure Leute tot sind.«

Sie rang mit sich. Sie hasste Drogen. Drogen hatten ihre Schwester das Leben gekostet. Das war der Punkt, an dem Chayton sie packen konnte. Dass er selbst einen Monatsvorrat Tau-acht in der linken Oberschenkeltasche mit sich herumschleppte, musste sie nicht wissen.

»Ich will doch nur mit Gabriel sprechen!« Nun flehte er sie tatsächlich an.

»In Ordnung«, sagte Phel schließlich.

»Danke!« Chayton atmete erleichtert auf. »Wie erreiche ich ihn?«

Phel fischte ein kleines Funkgerät aus einer Tasche. »Wir haben gesicherte Funkverbindungen.« Sie gab ihm das knapp handgroße, technisch völlig veraltete Maschinchen.

Chayton zog den Mund schief. So schlecht, wie die Rebellen organisiert waren, setzte er kein großes Vertrauen in ihre Verschlüsselungstechnik.

Aber im Moment war egal, ob man sie abhörte. Es ging nur noch darum, den Wahnsinnsangriff zu stoppen, bevor Kalwi dabei ums Leben kam. Die seltsame, verwahrloste alte Frau hatte unter der Wirkung von Tau-acht eine Art Zweites Gesicht entwickelt.

Und sie wusste etwas über MERLIN – nicht über die Raumstation, auf der sie sich gerade aufhielten, sondern über deren alte Zentralpositronik. Irgendwann hatte man MERLIN durch DANAE ersetzt. Diese neue Positronik steuerte vom Casino aus das Geschehen auf der Jupiter-Atmosphärenstation. Sie war einer der entscheidenden Faktoren, die Oread Quantrill an der Macht hielten.

Die ursprüngliche Positronik MERLIN gab es allerdings anscheinend noch. Wenn es Chayton gelang, DANAE die Kontrolle über die Faktorei der Kristallfischer zu entziehen und das ursprüngliche Zentralgehirn in seinen alten Rang zurückzuversetzen, war Quantrill plötzlich besiegbar.

Hierfür mussten sie jedoch den letzten Zugang zur MERLIN-Positronik finden. Und nur Kalwi wusste, wo sich dieser befand.

Das Funkgerät fand endlich die Gegenstation. Oder vielleicht nahm Gabriel auch erst nun den Ruf an. Der Kopf des Manns erschien in einem kleinen Holo. Sein erfahrenes Gesicht; die wissenden, braunen Augen; das graue Haar gewellt. Der kurze, graue Bart verlieh ihm etwas sowohl Seriöses als auch Verwegenes. Er wirkte weise und entschieden zugleich, wie der geborene Anführer.

Und doch war er nur ein Irrer, der seine Gefolgsleute in einen sinnlosen Tod schickte.

»Tarla, was ...« Gabriel brach ab, als ihm statt seiner erwarteten Ansprechpartnerin das Gesicht von Chayton entgegenblickte. »Was willst du?«, fragte er nach einer kurzen Pause eisig.

»Ich will, dass ihr den Wahnsinn lasst!«, sagte Chayton nicht minder kalt. »Hör zu, Gabriel. Es könnte mir egal sein, was du mit deinen Leuten machst. Ist es aber nicht.«

Das war gelogen – er brauchte Kalwi, sonst war ihm das Schicksal von Gabriels Sektierern völlig egal. Wahrscheinlich wäre es das sogar gewesen, wenn Tau-acht seine Empathiefähigkeit nicht völlig zerstört hätte. Aber dies war kein Moment für übertriebene Ehrlichkeit.

»Brich den Angriff ab«, sprach Chayton beherrscht weiter. »Lass uns gemeinsam nach einer Möglichkeit suchen, wie wir Quantrill und seinen Leuten richtig wehtun können!«

Gabriel lächelte milde. »Und wieder höre ich die Worte des Versuchers.« Er bewegte die Hand, sodass die Optik einen erweiterten Ausschnitt erfasste.

Chayton sah die Gesichter der anderen Rebellen vorbeiziehen: die Ferronin Tuuk, die so etwas wie Gabriels Leibwächterin war. Ein Arkonide, zwei Menschen, ein Cheborparner.

Chayton bemerkte die Gangmarkierung hinter der Gruppe. Sie waren noch ein paar Decks vom Casino entfernt. Etwa eine Viertelstunde würden sie noch brauchen.

Das Holo schwenkte weiter. Motahn kam ins Bild. Das Mädchen mit dem Hirnschaden trug etwas in ihren Händen, wahrscheinlich die Bombe. Sie sollte gemäß Gabriels Plan den Sprengkörper bis zum Bronzetorbogen im Casino tragen, der DANAE beherbergte. Ein Mädchen ohne Gedanken konnte sich nicht an einen Telepathen verraten. Und davon gab es viele auf MERLIN, seit Tau-acht Mutantenkräfte in den Süchtigen wachgerufen hatte.

Wenn das wirklich der Grund war, warum Gabriel Motahn für diese Aufgabe ausgewählt hatte, war das ein durchaus guter Gedanke. Leider war der Rest des Plans ein komplettes Desaster. Bevor Motahn zehn Schritte ins Casino hineingekommen wäre, hätte jeder ganz konventionelle Sicherheitsmechanismus den Sprengstoff entdeckt und Alarm geschlagen. Da halfen alle Tau-acht-Mutanten in Gabriels Gruppe nichts, trotz ihrer Tarnergabe oder ihrer Fähigkeit, technische Geräte lahmzulegen.

»Hört ihr die Worte des Versuchers?«, erklang Gabriels Stimme aus dem Holo.

Die Optik offenbarte nun die letzten der Widerständler: den zweiten Cheborparner, die beiden Menschen Kuvando und Iamela – und Kalwi. Sie zeigte ihr weitgehend zahnloses Grinsen.

Chayton fluchte im Stillen. Er brauchte nur zehn Minuten mit dieser Frau. Danach konnten die Widerständler seinetwegen zum Teufel gehen.

»Hör zu, Gabriel«, beschwor Chayton ihn. »Ich habe einen Plan. Wir können Quantrill schlagen, und wir können DANAE vernichten. Aber nicht mit einer Bombe. Bitte brich euren Einsatz ab und triff dich mit mir. Ich werde dir alles erklären!«

Gabriel sprach weiterhin nicht mit ihm, sondern mit seiner Gefolgschaft. »Hört den Versucher! Hört seine süßen Versprechen! Er will uns auf den breiten, einfachen Weg führen, den Weg zur Verdammnis! Folgt ihr ihm auf den einfachen Weg?«

»Nein!«, riefen viele Stimmen unisono. »Wir kämpfen für das Licht!«, kam noch ein einzelner Ruf hinterher.

Chayton rollte mit den Augen. Kämpfen für das Licht, und koste es das Leben – dieses Versprechen hatte Gabriel seinen Leuten immer wieder abgenommen, seinen selbst ernannten Soldaten des Lichts.

»Versteh es doch, Gabriel!«, rief er verzweifelt. »Ihr werdet nichts erreichen! Ihr werdet einfach sterben, und das war's!«

»Das nennst du ›nichts erreichen‹?« Das Holo zeigte wieder Gabriel.

Chayton glaubte, er hätte sich verhört. Meinte der Mann das ernst?

Ja. Da war kein Zeichen von Hohn und Spott in seinem Gesicht. Nur Milde und Bedauern.

»Wir gehen ins Licht, so oder so«, sagte Gabriel. »Sterben wir im Kampf für das Licht, wird das Licht uns umfangen.«

Abrupt desaktivierte Chayton das Holo. Es gab nichts mehr zu sagen. Gabriel wollte anscheinend gar nicht mit dem Leben davonkommen. Der Märtyrertod war fest einkalkuliert, und es war seinen Leuten einfach egal, dass sie ihr Leben bei einem sinnlosen Angriff geben würden. Gabriel hatte ihnen dafür eine spirituelle Erlösung versprochen – und sie glaubten ihm.

Mit einem erschlagenden Gefühl der Ohnmacht wandte Chayton sich an Phel. »Sie werden es tun. Obwohl sie nicht die geringste Chance haben ...«

»Sie kämpfen für das Licht«, sagte Phel, als wäre damit etwas erklärt.

»Wir halten sie auf. So oder so!«, entschied Chayton. Erst danach fiel ihm auf, dass er damit Gabriels Wendung zitierte. Grimmig griff er nach Phels Strahler.

Sie ließ nicht los. »Was hast du vor?«, fragte sie, die Waffe fest umklammernd.

»Weiß ich noch nicht. Ich fange sie ab, vielleicht hören sie mir dann zu.«

»Das wird nicht ...«

»Ich muss es versuchen!«, schrie er ihr ins Gesicht. Sie zuckte zurück.

»Entschuldige.« Er zwang sich, sich zu beherrschen. »Ich muss das tun. Komm mit und hilf mir, oder bleib hier. Wie du willst.«

Phel nickte zögerlich. Sie gab die Waffe frei.

Zu zweit machten sie sich auf den Weg zum Casino.

*

Es war zu schaffen. Bei dem Hologespräch waren Gabriel und seine Soldaten des Lichts noch fünfzehn Minuten vom Casino entfernt gewesen. Chayton und Phel konnten in zehn Minuten da sein, wenn nichts dazwischenkam.

Natürlich kam etwas dazwischen.

Sie hatten bereits den Hauptkorridor erreicht, der zum Casino führte – zu dem gewaltigen Raum, der einst die Zentrale des Raumschiffs gewesen war, als MERLIN noch als Ultraschlachtschiff der Terranischen Flotte in Dienst gestanden hatte....



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