E-Book, Deutsch, 360 Seiten
Hoch Royal Horses (1). Kronenherz
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-401-80883-3
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Band 1 der romantischen und royalen Pferde-Trilogie ab 12
E-Book, Deutsch, 360 Seiten
ISBN: 978-3-401-80883-3
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jana Hoch wurde 1992 in Hannover geboren und lebt heute immer noch in der Nähe der Stadt. Seit frühester Kindheit hat es sie begeistert, eigene Welten und Charaktere zu entwickeln und diese auf dem Papier festzuhalten. Die Pferdetrainerin nutzt jede freie Minute zum Schreiben - der perfekte Tag beginnt für sie bei Sonnenaufgang, mit dem Laptop auf dem Schoß und einer Tasse Kakao, und endet auf dem Rücken ihres Pferdes Jamie. Weitere Infos zur SPIEGEL-Bestseller Autorin unter www.jana-hoch.de oder auf Instagram + TikTok unter @janahoch.autorin.
Weitere Infos & Material
Normalerweise hätte ich niemals versucht, nachts in ein Gebäude einzubrechen. Schon gar nicht in ein Luxushotel. Ich wäre nicht wie eine Kriminelle an der Rückfassade entlanggeschlichen, geduckt und mit den Haaren vor dem Gesicht. Und natürlich wäre ich auch nicht auf die Müllcontainer geklettert, um eines der Fenster im Wirtschaftstrakt von außen zu öffnen. Stattdessen hätte ich wohl einfach gewartet, bis Jordan auf sein Handy sah, die unzähligen vergeblichen Anrufe von mir entdeckte und zu mir nach draußen kam. Normalerweise. Aber nach allem, was gerade passiert war, hielt ich es keine Sekunde länger aus.
Ich drückte mich mit der Schulter noch enger an die Fensteröffnung und schob den Arm weiter durch den Spalt des abgekippten Doppelfensters. Als ich auf der Innenseite den Griff zu fassen bekam, begann mein Herz, wild zu schlagen.
Jetzt ganz langsam drehen.
Vorsichtig kippte ich den Griff nach hinten und ignorierte den schneidenden Druck in meinem Oberarm. Komm schon! Meine Augen fingen an zu brennen, doch ich fühlte keine Tränen aufsteigen. Ich musste unbedingt zu meinem großen Bruder. Er würde mir garantiert glauben und irgendeinen Weg finden, mich aus diesem Schlamassel zu holen. Jordan und Greta. Alleine gegen den Rest der Welt. So war es schon immer gewesen.
Einen Fluch unterdrückend, presste ich meinen Arm mit aller Kraft tiefer in den Fensterspalt. Der Hebel bewegte sich. Das Fenster gab ein klackendes Geräusch von sich und der Flügel schwang nach innen auf.
Geschafft! Schwer atmend, zog ich meinen Arm heraus und rieb über die Stelle, wo der Rahmen mir in die Haut geschnitten hatte. Es fühlte sich an, als hätte ich gerade in eine Wildtierfalle gefasst. Ich stützte mich vorsichtig auf dem Container ab, prüfte, ob ich ihn belasten konnte, und beugte mich vor, um ins Innere des Raumes spähen zu können. Es war dunkel und ich konnte nur wenig erkennen. Was war das hier? Vielleicht so etwas wie ein Putzmittelraum? Ich leuchtete mit dem Handy hinein und entdeckte direkt vor dem Fenster ein halbhohes Regal. Wenn ich mit den Füßen zuerst hindurchschlüpfte, konnte ich darauf Halt finden und auf den Fußboden springen. Dann müsste ich mich nur noch vom Wirtschaftstrakt ins Hauptgebäude durchschlagen, die Party suchen, auf der Jordan war, und mich unbemerkt unter die Gäste mischen.
Kinderspiel.
Die gedämpfte Musik und vereinzeltes Lachen hatte ich vom Eingang bereits hören können. Die Party war noch in vollem Gange, vermutlich würde sie bis in die frühen Morgenstunden gehen. Ich wusste, dass ich Jordan den Spaß verderben würde, wenn ich dort auftauchte, aber er würde es verstehen, wenn er erst die ganze Geschichte hörte.
Entschlossen drehte ich mich auf dem Müllcontainer und schob ein Bein in die Fensteröffnung.
»Sag bloß, du versuchst gerade, hier einzubrechen.«
Ich erschrak so heftig, dass der Container unter mir ins Wanken geriet. Schnell zog ich den Fuß zurück und bemühte mich, mein Gleichgewicht wiederzufinden. Eine Gestalt schlenderte durch den Hinterhof direkt auf mich zu. Im Gegenlicht der spärlichen Beleuchtung erkannte ich jedoch nicht mehr als einen Schatten.
Scheiße! Ich sprang auf und wieder erzitterte der Container unter meinen Füßen. Die Silhouette kam näher und langsam konnte ich etwas erkennen. Es war ein blonder Typ. Gut aussehend, vielleicht ein paar Jahre älter als ich. Den Rest erfasste ich eher automatisch: Haare gestylt, perfekt sitzendes schwarzes Hemd … sehr sportlich. Wenn ich versuchte wegzurennen, würde er wahrscheinlich schneller sein. Die Arme vor der Brust verschränkt, hielt er vor mir an und musterte mich kritisch.
»Fangirl versucht, ins hochbewachte London Palace einzubrechen«, sagte er und lächelte überheblich. »Könnte eine gute Schlagzeile geben.«
Fangirl? Was redete er denn da?
»Allerdings wirst du es kaum zu ihm schaffen – selbst wenn du hier einsteigst«, fuhr der Blonde fort. »Die Party findet im Kristallsaal statt, im Seitenflügel des Hotels, der im Übrigen schon seit heute Nachmittag abgeriegelt ist.« Er grinste. »Aber zum Trost: Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich Hals über Kopf in dich verliebt, wenn du ihn auf einer Veranstaltung überfällst, ist auch eher gering. Tut mir leid, dass ich dich deiner Illusionen beraubt habe.«
Entweder der Kerl hatte etwas geraucht oder er wollte mich einfach nur verarschen. Gerade war allerdings der denkbar schlechteste Moment, mich mit irgendetwas aufzuziehen. Das letzte bisschen Humor hatte ich bereits in den vergangenen Stunden aus mir herausgeheult.
»Von wem zum Teufel redest du bitte?«, fragte ich.
Der Blonde lachte leise. »Na, von Prinz Tristan, den du ja offenbar stalkst. Was soll bitte sonst diese zum Scheitern verurteilte Ocean’s-Eleven-Nummer?« Er deutete auf das Fenster, in das ich versucht hatte einzusteigen.
Was? Prinz Tristan war auf der Party? Ich konnte gerade noch ein Stöhnen unterdrücken. Jetzt wurde mir einiges klar. Vor allem, warum mich die Securitygorillas in ihren schwarzen Anzügen vorhin am Eingang nicht reingelassen hatten.
Mein Bruder hatte mir erzählt, dass sein Patenonkel Yorick ihn heute zu einer poshen Party mitnehmen wollte. Aber dass sie so posh war, dass Prinz Tristan, meistgesuchtes Gesicht Londons und einer der Enkel der Queen, auch dabei sein würde, hatte er mir nicht verraten. Aber es wunderte mich nicht wirklich. Yorick hatte oft mit den Royals zu tun, schließlich arbeitete er für die königliche Familie.
Ich selbst hatte Prinz Tristan bisher nur wenige Male in den Medien gesehen. Er galt als extrem kamerascheu, aber ich erinnerte mich noch an seinen auffälligen Look und die bevorzugt gemusterte Kleidung. Nicht zu vergessen die Traube an Mädchen, die auf jedem Bild an seinen Schultern gehangen hatte wie ein schickes Accessoire.
»Verdammt, warum muss Mister Partyprinz ausgerechnet heute hier sein?«, murmelte ich eher zu mir selbst.
Der Typ kam noch näher und stützte die Hände vor mir auf den Container. Seine Mundwinkel zuckten amüsiert. »So solltest du ihn besser nicht nennen, wenn du bei ihm landen willst.«
»Habe ich ja nicht vor.« Ich konnte nicht anders, als die Augen zu verdrehen. Für so eine Diskussion hatte ich gerade wirklich keine Zeit. Ich musste Jordan finden!
»Eigentlich schade für ihn. Du könntest sein Typ sein.« Er musterte mich von oben bis unten, als wöge er seinen letzten Satz ab, und lächelte dann.
»Und das kannst du so genau vorhersagen, weil ihr beide total dicke seid, nicht wahr?«
Der Blonde grinste. »Ganz genau.«
Ich verschränkte die Arme. »Ja klar. Hör zu: Ich muss einfach nur meinen Bruder finden. Und der ist nun mal auf dieser Party.«
»Scheint ja eine innige Geschwisterliebe zu sein, wenn du dafür sogar eine Anzeige riskierst.« Er nickte zu dem offenen Fenster und wie von alleine bohrten sich mir die Fingernägel in die Handflächen. Mein Atem beschleunigte, aber ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen. Nach allem, was heute passiert war, spielte ein Einbruch kaum noch eine Rolle. Ich war sowieso am Arsch.
»Ja. Ist es.«
»Na dann.« Er zwinkerte mir zu und ich wich erschrocken zurück, als er sich mit den Händen abstützte und leichtfüßig neben mir auf den Container sprang. Er setzte sich auf die Kante, ließ die Füße hängen und klopfte neben sich. »Wie heißt dein Bruder denn?«
Ich reagierte nicht sofort, setzte mich dann aber mit mehr als einer Armeslänge Abstand zu ihm hin. »Jordan. Er heißt Jordan Hayes und ist mit seinem Patenonkel hier …«
»Yorick Halldórsson?«
»Ja genau.« Ich nickte überrascht. Und auch die Überlegenheit in den Augen des Blonden wich einem Ausdruck des Erstaunens.
»Interessant«, sagte er. »Dann hast du nicht gelogen.«
»Kennst du ihn etwa?«
»Sagen wir mal, ich kenne eher Yorick.« Ein schiefes Grinsen. »Aber der hat mir Jordan vor einer halben Stunde vorgestellt.«
Ich wartete auf eine Erklärung, doch er ging nicht weiter darauf ein und hielt mir stattdessen die Hand entgegen. »Ich bin Edward.«
Ich zögerte, aber als er die Hand nicht sinken ließ, schüttelte ich sie kurz und zog mich sofort wieder zurück.
»Gre…« Ich stoppte. Ich konnte dem Typ nicht vertrauen. Ich kannte ihn ja gar nicht! »Cylia.«
Sein Lächeln nahm einen spielerischen Zug an. »Soso. Grecylia also. Interessanter Name.«
Ich hätte mich ohrfeigen können.
Cylia? Wirklich? Was Besseres als der Name von Jordans divenhafter Burma-Katze ist dir nicht eingefallen? Idiotisch!
Ich lächelte tapfer. »Ja, ganz genau.«
»Also, Grecylia … Ich sage Grecy, ja?« Edward grinste immer noch. »Was ist denn so Schlimmes passiert, dass du nachts versuchst, in ein öffentliches Gebäude einzusteigen, um deinen Bruder zu finden?« Er machte eine kurze Pause, setzte aber sogleich wieder an. »Nein, lass mich raten. Der Kerl, auf den du stehst, hat mit deiner besten Freundin geschlafen.«
Falsch. Ich habe nämlich keine Freunde mehr.
»Nicht?« Edward sah mich aufmerksam an. »Gut, zweiter Versuch: Du traust dich nicht nach Hause, weil du viel zu spät dran bist und Mama schimpfen wird.«
Ich gab ein verächtliches Schnauben von mir. Er lachte und hob verteidigend die Arme. »Was denn? Alles schon vorgekommen.«
Er ließ seinen Blick von meinem Gesicht zu meinen Füßen und wieder zurückgleiten. Plötzlich kam ich mir merkwürdig durchleuchtet vor. Ganz so, als versuche er mit seinen Augen, die unnatürlich blau wirkten, in meinen Kopf...




