E-Book, Deutsch, Band 3, 376 Seiten
Reihe: Nightmare
Hock Nightmare
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7557-2137-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Morgenglanz
E-Book, Deutsch, Band 3, 376 Seiten
Reihe: Nightmare
ISBN: 978-3-7557-2137-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Julia Hock ist Erschaffer, das blöde Arschloch, die hochnäßige Prinzessin, ein Herzensbrecher oder schlicht und ergreifend einfach nur Autorin. Geboren wurde sie 2002 in Aschaffenburg und hat schon als kleines Kind für ihr Leben gern gelesen. Von Fantasyliteratur war sie immer ein großer Fan und nun ist 2021 der dritte, finale Band ihrer Trilogie Nightmare erschienen. Instagram: @wordsaremycolours
Autoren/Hrsg.
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KAPITEL 1
»Denkst du nicht, der Boxsack hat für heute genug abbekommen?«
Ich ignorierte Luna und meine Faust traf nochmals, härter als zuvor. Das Einzige, was ich sah, war der dunkelrote Stoff vor mir und meine Hände, die mit aller Wucht auf ihn einprügelten.
So konnte ich runterkommen, atmen, weitermachen.
Einige Minuten vergingen und ich war völlig durchgeschwitzt und fertig, sowohl körperlich als auch mit den Nerven.
Das Mondmädchen hatte sich neben mir auf eine Matte gesetzt und beobachtete mich dabei, wie ich meine Boxhandschuhe auszog. Ich tat weiterhin so als wäre sie nicht da. Ich war ihr keine Rechenschaft schuldig.
Zwei Tage waren vergangen, seit dem Bericht von Mayra über meine angeblich falschen Machenschaften mit den Rebellen und dem Anruf von Jake, dass Luke ins Schloss gekommen ist.
Die Rebellen des Untergrunds hatten sich nur spärlich dazu geäußert und von meinen Leuten bekam ich nur unsichere Blicke zugeworfen, auf die ich gut verzichten konnte.
Zumindest reagierten jetzt alle bei jedem noch so kleinen Befehl meinerseits. Wahrscheinlich hatten sie Angst mich zu reizen. Und das war ich. Reizbar.
Mit einem Handtuch trocknete ich meinen Nacken ab und stöhnte, weil Luna immer noch nicht gegangen war: »Was?« Es war mitten in der Nacht, die Halle sollte also leer und sie in ihrem Bett sein.
»Du bist nicht die Einzige, die nicht schlafen kann, Mel«, damit stand sie auf und verließ noch vor mir die Trainingshalle.
Ich atmete tief durch und schaltete dann das Licht aus, bevor ich die Tür hinter mir schloss.
Der Haferbrei schmeckte noch fader als sonst und die Gespräche am Frühstückstisch klangen auch nicht sonderlich interessant, weswegen ich gar nicht erst zuhörte. Das konnte ich mittlerweile sehr gut, Dinge ausblenden und vollkommen in meinem Trübsal blasenden, immerzu vom Schlimmsten ausgehenden, Kopf versinken.
Erst als sich eine raue Stimme direkt an mich wandte, horchte ich auf: »Miss Morgen, Eleonora, ich würde Sie gerne privat sprechen.« Johns gepiercte Augenbraue zuckte kurz und er sah uns erwartungsvoll an. Anscheinend meinte er damit jetzt gleich.
Ich schob den Rest des Essens von mir und bereitete mich mental darauf vor, die nächste schlechte Nachricht zu hören. Wahrscheinlich kam jetzt so eine Aussage, wie:
Die Anführerin der Rebellen und ich folgten John durch die Tunnel. Ich hatte mich mittlerweile an die Lichtverhältnisse hier unten gewöhnt und konnte auch ungefähr abschätzen, wie viel Uhr wir hatten. Nichts blockierte meinen Weg an die frische Luft und trotzdem war ich, seit wir hier unten angekommen sind, nicht mehr draußen. Nach Mayras Ansprache konnte ich mich auch erst einmal von Spaziergängen verabschieden.
Ich war jetzt offiziell unberechenbar. Gefährlich. Eine waschechte Rebellin.
Das Zimmer, das wir betraten, war relativ groß und es sah aus, als wäre es eine Art Besprechungsraum. Der Tisch nahm am meisten Platz ein und wir setzten uns.
John bildete die Spitze, Eleonora rechts von ihm, ich links.
Die Mienen der Beiden waren wieder einmal verschlossen wohingegen ich ein einziges, offenes Buch zu sein schien. Mir konnte man den Schlafmangel und die Sorgen ansehen, bevor ich auch nur ein Wort gesagt hatte.
»Ich habe euch ein paar Tage Bedenkzeit gegeben, aber da sich von eurer Seite nichts gerührt hat, ist es wohl an mir, das Thema anzusprechen«, er machte eine Pause und sah jeden von uns bedacht an. »Wir können diese Sache nicht so auf uns sitzen lassen. Immerhin rückt das auch die Rebellen in ein schlechtes Licht.«
Ich war so fassungslos, dass ich nichts sagen konnte. Machte er sich im Ernst Sorgen, ob der Ruf seiner geliebten Schützlinge geschädigt wurde? Ich war hier diejenige, die keinen Fuß mehr auf freien Boden setzen konnte.
Eleonora, die mein Entsetzen bemerkt hatte, griff schnell ein, bevor ich wahrscheinlich noch etwas Falsches gesagt hätte: »Wie willst du genau dagegen vorgehen?«
»Es wird nichts bringen, die Aussage der Königin zu widerlegen, keiner würde uns glauben«, sagte er und das klang nur logisch. »Deswegen sollte Melrose sich direkt an die Königin wenden.« Er sah Eleonora an, als hätte ich überhaupt kein Mitspracherecht.
»Wie bitte?«, fragte ich.
»Wir könnten ein Video drehen und dich und die weiteren Königlichen zeigen. Vielleicht würde das einen Teil der Bevölkerung zum Nachdenken bringen und sie wenden sich von Mayra ab.«
»Oder wir bekräftigen ihre Aussage und verspielen unseren Vorteil, dass Mayra nichts von der Unterstützung der Königlichen weiß«, erwiderte ich schon fast schnippisch.
»Du willst das also einfach so im Raum stehen lassen?«, hakte dieses Mal Eleonora nach und ich schluckte schwer.
»Nein, natürlich nicht.«
»Dann musst du vor die Kamera treten und zu denen da draußen sprechen«, stellte John fest und duzte mich das erste Mal, was mich aufhorchen ließ. Anscheinend hatte er sich mit meiner Anwesenheit hier unten abgefunden.
Mein Kopf rauchte, weil ich die ganze Zeit überlegte und doch zu keinem Entschluss kam, was nun das Beste war. Alles hatte seine Vor- und Nachteile.
»Wir sollten diese Sache so früh wie möglich durchziehen«, erinnerte mich die Anführerin der Rebellen, »bevor Mayra die Nightmares so formt, wie sie sie haben will.«
Ich starrte auf die Tischplatte. Mir war bewusst, dass die beiden auf eine Reaktion meinerseits warteten.
»Okay, dann sage ich es jetzt, falls dir das die Entscheidung erleichtert«, fing John an und ich sah zu ihm auf. »Ich habe euch beobachtet.« Ich folgte jeder noch so kleinen Bewegung seinerseits, wartete darauf, dass er weitersprach. »Ihr habt etwas drauf, was das Kämpfen angeht, aber ihr könnt noch einiges an Techniken lernen, was zum Beispiel das Anschleichen angeht.« Ich war ganz Ohr, mir schon fast sicher, was der Mann vor mir andeuten wollte. »Du kämpfst für dasselbe Ziel, ihr kämpft für dasselbe Ziel wie wir. Deswegen möchte ich dir meine Hilfe anbieten, unter der Bedingung, dass ihr mit uns trainiert und unserem Trainingsplan folgt. Keine Ausnahmen, klare Regeln und dieses Video an den Rest da draußen.«
Er hielt mir seine Hand entgegen und ich blinzelte ein paar mal, um sicher zu gehen, dass das gerade real war. Seine raue Hand hing vor mir in der Luft wie eine geschliffene Klinge und ein Seitenblick verriet mir, dass Eleonora schon vor mir von diesem Angebot wusste und die Entscheidung allein bei mir lag.
»Welche Regeln?«, fragte ich und ein Lächeln bildete sich auf dem Gesicht des Nightmares mir gegenüber.
»Du denkst taktisch, das gefällt mir.«
»Und du weichst meiner Frage aus.«
»Ich behalte meine Truppe im Griff, sie werden nur meinen Befehlen folgen. Konkrete Pläne werden unter uns dreien besprochen, keine Ausnahmen. Wir stimmen ab, wer überstimmt wird, muss sich den anderen anschließen.«
Das gefiel mir gar nicht. Sie waren beide Rebellen und hatten vermutlich gleiche Ansichten und Herangehensweisen, was hieß, dass ich mich oft nur mit großer Anstrengung würde durchsetzen können, wenn wir nicht einer Meinung waren.
Trotzdem war es ein Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte. Ich hatte selbst gesehen wie topfit und diszipliniert die Untergrundrebellen waren. Ihre Hilfe war gut zu gebrauchen.
Ich schlug ein und schüttelte seine Hand. Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
»Das war eine kluge Entscheidung.«
Als ich in unseren Schlafsaal trat, war das Frühstück schon lange vorbei. Um mich herum tummelten sich jede Menge Nightmares, die anscheinend nichts groß mit sich anzufangen wussten.
Luna stach heraus, weil sie als Einzige mit geschlossenen Augen auf ihrer Pritsche lag.
Als ich an ihr vorbeilief, sah sie mich an, als hätte sie zwischen dem ganzen Stimmengewirr genau meine leisen Schritte herausgehört. Doch noch bevor sie den Mund weit genug aufmachen konnte, um mich etwas zu fragen, drangen Schreie an mein Ohr.
Ich sah um mich und alle im Raum verstummten allmählich. Die Geräusche kamen aus dem gegenüberliegenden Saal.
Ich drückte die wie zu Eis erstarrten Nightmares beiseite und kämpfte mir einen Weg durch sie hindurch, bis ich im anderen Zimmer ankam und sah, was diesen Tumult hier ausgelöst hatte.
Ein Mädchen, das ich vorher noch nie gesehen hatte, stand in der Mitte eines Kreises aus Leuten, neben ihr Jessica, unsere Heilerin, der sie den Lauf einer Pistole an die...




