Höll Allein mit dem Feind
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7363-0090-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-7363-0090-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie gut kennst du deinen Feind? Sobald Leonore Danner den Namen Nathan Cole nur hört, sieht sie rot. Denn er ist der Grund, weshalb ihre Großmutter bald ihren geliebten Lebensmittelladen in Miami verkaufen muss. Fest entschlossen, dies abzuwenden, schmuggelt sich Leonore an Bord seiner Luxusyacht. Doch bevor sie die Sache mit ihrem Erzfeind klären kann, geschieht ein Unfall und beide landen im Meer. Mit nichts als ihren Kleidern am Leib, stranden sie auf einer einsamen Bahama-Insel. Von diesem Zeitpunkt an kämpfen sie ums Überleben, denn die Insel hält so manche Überraschung bereit - genau wie Nathan Cole ... (ca. 400 Seiten)
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1
»Nein!« Leonore Danner knallte den Regenschirm auf die Theke. »Nein, nein, nein!« Rumms. Rumms. Rumms. »Das werde ich nicht zulassen, hörst du, Gran?«
Theresia Danner holte Luft. »Ich weiß nicht, was wir dagegen tun können, Liebes.« Ratlos senkte sie den Blick auf den Brief in ihrer Hand.
Leonore pflückte ihn aus den Fingern ihrer Großmutter und überflog die wenigen Zeilen mit gerunzelter Stirn. »Das werde ich nicht zulassen«, wiederholte sie und versuchte zu ignorieren, wie ihre Unterlippe dabei zu zittern begann. Schlimmer hätte ihr die bittere Realität gar nicht ins Gesicht springen können. Dafür genügten diese schlichten Buchstaben. Leonore hatte gewusst, dass sie mit den Darlehensraten für den Gemüseladen ihrer Großmutter im Rückstand waren. Ein wenig … gut, zwei Monate – aber das konnte doch noch lange kein Grund für die Bank sein, gleich mit einer Versteigerung des Grundstücks zu drohen. Hatten sie nicht jahrelang pünktlich bezahlt?
Angespannt legte sie den Brief und den leicht verbogenen Regenschirm auf der Theke ab, bevor sie sich auf einen der niedrigen Gemüsetische direkt daneben setzte. Genau wie die restliche Einrichtung bestand auch er aus robustem Holz, was dem Gemüseladen ein naturnahes, fast mediterranes Flair verlieh. Ein ungewöhnliches Kleinod inmitten von Downtown Miami.
Ihre Großmutter nahm ebenfalls Platz. »Dass uns gleich drei Lieferungen mit Früchten verderben, war einfach Pech, Leo. Solche Dinge passieren.« Zärtlich wischte sie ihrer Enkelin die rabenschwarzen Haare aus dem Gesicht.
Leonores Kopf ruckte herum. »Pech! Pech?« Sie stieß ein abfälliges Schnauben aus, Wut in den Augen. »Wohl eher Nathan Cole. Würde mich nicht wundern, wenn dieser fiese Mistkerl auch noch dahintersteckt. Der hat seine schmierigen Finger doch überall.«
»Jetzt übertreibst du aber, Leo«, tadelte ihre Großmutter. »Wie sollte Mr Cole denn so etwas bewerkstelligen?«
»Ich weiß nicht, Grandma. Irgendwie.« Aufgebracht sprang Leonore wieder auf die Füße und wanderte über den blitzsauberen Steinboden des Ladens. »Seit ich herausgefunden habe, dass er mit dem Vorstand unserer Bank jede Woche Golf spielt, wundert mich gar nichts mehr. Der Mann sieht nicht nur aus wie der Teufel … er benimmt sich auch so.« Sie ballte die Hände zu Fäusten.
Seufzend rieb sich ihre Großmutter die betagten Knie. »Er ist jung und erfolgreich. Da kümmert es ihn wenig, was mit einem kleinen Gemüseladen wie unserem passiert.«
Leonore biss die Zähne aufeinander. »So jung ist er nun auch nicht mehr, Gran. Er ist vier Jahre älter als ich, und ich bin immerhin schon achtundzwanzig. In unserem Alter ist einem sehr wohl bewusst, was ›unter die Gürtellinie treten‹ heißt. Aber dafür interessiert sich Mr Superreich-Cole ja nicht. Der denkt nur an sein neues Businessgebäude.«
Sie beäugte den Regenschirm, weil sie gute Lust hatte, damit den dunkelbraunen Haarschopf ihres Widersachers zu bearbeiten. Vielleicht würde sie das auch tun – sollte sie es je schaffen, ihm persönlich zu begegnen. Etwas, das ihr trotz aller Versuche bisher nicht vergönnt gewesen war. Unwirsch kreuzte Leonore die Arme vor der Brust. »Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der derart über Leichen geht wie dieser Schickimicki-Arsch.«
Die Türklingel bimmelte, und Leonore und ihre Großmutter blickten sich gleichzeitig um. Eine junge Mutter mit Kinderwagen betrat den Laden. Sie gehörte zu ihrem doch recht beachtlichen Kundenstamm und kaufte regelmäßig bei ihnen ein. Leonore spürte einen Stich ins Herz. Sie wollte ihrer Kundschaft nicht sagen müssen, dass ihr Lieblingsladen für immer die Pforten schließen würde, nur weil sie nicht fähig gewesen wäre, einem skrupellosen Schönling die Stirn zu bieten. Ihr Kinn versteifte sich. So weit würde es nicht kommen. Das würde sie zu verhindern wissen, und wenn sie bis zu ihrem letzten Atemzug dafür kämpfen müsste!
Beherzt straffte sie die Schultern und wischte dabei mit dem Handrücken die Mahnung von der Theke. Sie flatterte in einem Bogen abwärts und landete in einer Kiste mit Melonen, die hinter der Theke auf die Preisauszeichnung warteten.
Obwohl Leonore bemerkte, dass ihre Großmutter ob des fahrlässigen Umgangs mit dem Schriftstück eine weiße Augenbraue lüftete, schritt sie lächelnd ihrer Kundin entgegen. »Hallo, Mrs Farrell. Wie geht es Ivy denn heute?« Sie kitzelte das Baby im Kinderwagen am Bauch und erntete ein breites Grienen. »Hat sich ihr Husten wieder gebessert?«
»Oh ja, zum Glück.« Mrs Farrell ergriff Leonores Hand. »Vielen Dank für Ihren Tipp mit dem Kandis-Zwiebelsaft. Das hat wirklich schnell geholfen.«
Leonore strahlte. »Das freut mich zu hören. Es ist ein Rezept meiner Großmutter.«
»Das stimmt«, bestätigte die. »Und ich habe es wiederum von meiner Großmutter erfahren.« Theresia Danner verschwand kurz im Lager und kehrte dann mit einer prall gefüllten Papiertüte zurück. »Manchmal sind die alten Hausmittel eben die besten.« Sie reichte der Kundin die Tüte. »Hier, die Tomaten, die Sie bestellt hatten.«
»Danke. Die sehen ja wieder toll aus. Richtig schön rot und saftig.«
Leonore nickte lächelnd. »Sie kommen auch direkt aus Italien. Entschuldigen Sie mich einen Moment.« Sie wandte sich der Theke zu, auf der gerade das antike Telefon zu klingeln begonnen hatte. »Gemüseladen Danner«, meldete sie sich freundlich.
»Haben Sie eigentlich schon mal darüber nachgedacht, in einem Callcenter zu arbeiten?«, bekam sie ein freches Angebot. »Ihre Stimme klingt echt sexy. Ich könnte Ihnen gleich einen Job besorgen. Für 3,40 die Stunde.«
Leonore musste lachen. »Das ist mir zu billig«, entgegnete sie Mateo am anderen Ende der Leitung. »Versuch’s mal mit 34 pro Stunde.«
»Das kann ich mir nicht leisten.« Mateo grunzte gespielt enttäuscht. »Hallo Leo! Wie sieht’s bei euch aus? Viel los im Laden?«
»Darüber können wir nicht klagen.«
»Aha. Worüber dann?« Wie immer war ihr bester Freund schnell von Begriff.
Leonore machte ein paar Schritte zum Lagerraum hin, damit sie im Laden nicht zu hören war. »Die Bank hat uns ein Ultimatum gesetzt. Wenn wir nicht innerhalb von zehn Tagen die aufgelaufenen Raten zahlen, versteigern sie unser Grundstück.«
»¿Qué? Das kann nicht wahr sein! So was ist nie und nimmer rechtens.«
»Doch«, antwortete Leonore bitter. »Wenn das Recht durch Nathan Cole ausgelegt wird.«
Mateo gab ein Brummen von sich. »Gegen diesen Mann musst du endlich was unternehmen. Ich kann da gern was organisieren. Du weißt, ich kenne gewisse Leute.«
Trotz der prekären Situation entlockte das illegale Angebot Leonore ein Schmunzeln. Die Worte waren kein leeres Versprechen. Mateo war Kubaner und hatte lange Zeit in einem Viertel von Miami gelebt, das die Polizei selbst am Tag nur ungern betrat. Dadurch pflegte er Kontakte, die Lösungen für jede noch so verfahrene Situation fanden.
Leonore atmete durch. »Vielleicht komme ich bald darauf zurück. Ganz sicher sogar, wenn ich weiterhin keinen Termin bei Mr Cole bekomme. Mit drei Versuchen bin ich schon gescheitert. Aber so leicht gebe ich nicht auf. Warte mal einen Moment, Mateo.« Sie blickte über die Schulter, weil sie die Stimme ihrer Großmutter hörte. »Ich muss leider Schluss machen. Gran braucht mich. Die Ananas-Lieferung scheint endlich gekommen zu sein.«
»Okay, bis bald dann. Wir sehen uns.«
»Ja, bis bald«, verabschiedete sich Leonore, den Blick bereits auf den Lieferanten gerichtet, der neben ihrer Großmutter wartete. Seine betretene Miene verursachte ein flaues Gefühl in ihrer Magengrube. Ohne sich die Unruhe anmerken zu lassen, ging sie auf den Mann zu. »Hallo, Mr Bradshaw, haben Sie die Ananas-Lieferung dabei?«
»Ähm, nein. Kann man so nicht sagen.« Der Lieferant nahm seine Mütze ab, um sich den stoppeligen Kopf zu kratzen. Leonore befiel eine ungute Vorahnung.
»Ich hätte Ihnen die fünf Kisten heute gern gebracht, aber die Zollbehörde hat die Ware direkt im Hafen von Key Biscayne konfisziert.« Er zuckte ratlos die Schultern. »Sie sagten irgendwas von einer Stichprobeninspektion. Die Papiere müssen wohl erst durch die U.S. Food and Drug Administration geprüft werden.«
»Schon wieder die FDA?« Leonore kniff die Augen schmal. »Wie lange wird es dauern, die Papiere zu prüfen? Lassen Sie mich raten. Drei Wochen, so wie beim letzten Mal.« Sie begriff erst, welcher Frust in ihrer Stimme mitschwang, als Theresia eine Hand auf ihren Rücken legte.
»Das kann ich leider nicht sagen, Ms Danner.« Mr Bradshaw fühlte sich sichtlich unwohl. »Es tut mir leid, aber ich glaube nicht, dass die Früchte danach noch …«
Leonore nickte und riss sich zusammen. »Schon okay. Sie müssen sich keine Vorwürfe machen. Danke, dass Sie uns informiert haben.« Gezwungen lächelnd wartete sie, bis der Mann den Laden verlassen hatte. Kaum hatte er die Tür hinter sich geschlossen, marschierte sie in das kleine Büro hinter der Theke. Wutentbrannt riss sie ihre Tasche an sich.
Ihre Großmutter folgte ihr. »Wo willst du denn jetzt hin, Leo?«
Mit kriegerischer Miene steuerte Leonore die Ladentür an. »Den Teufel besuchen.«
Eine halbe Stunde später legte Leonore vor dem riesigen Glasgebäude, das Nathan Coles Firmensitz darstellte, den Kopf in den Nacken und blickte an der in der Sonne glänzenden, verspiegelten Fassade hinauf. Irgendwo dort, ganz weit oben im Penthouse, saß er vermutlich gerade, ihr...




