Höppner / Cherdron / Wittmann | Jesus, meine Zuversicht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 228 Seiten

Höppner / Cherdron / Wittmann Jesus, meine Zuversicht

3 Studien
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-5078-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

3 Studien

E-Book, Deutsch, 228 Seiten

ISBN: 978-3-7526-5078-5
Verlag: BoD - Books on Demand
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Die hier vorgelegten Studien zu "Jesus, meine Zuversicht" sind aus einem Freundeskreis in Corona-Zeiten entstanden. Persönliche Begegnungen sind im Augenblick nicht möglich. So haben sich die Autoren für diese Publikation entschieden. Vielleicht können die drei Studien, auch über den Freundeskreis hinaus, Anregung sein, unsere Kirchenlieder heute besser zu verstehen.

Jahrgang 1951, früher Pfarrer in der badischen Landeskirche, hat die Exegese von Hiob 19, 25-27, dem biblischen Ausgangstext unseres Liedes, übernommen.
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Eberhard Cherdron



Sicherlich ist das Lied mit der Nummer 526 in unserem Evangelischen Gesangbuch im kirchlichen Raum noch allgemein bekannt.1 Weniger bekannt dürfte es sein, dass dieses Lied aus der reformierten Tradition stammt. Dafür hat die hymnologische Forschung gesorgt, die solche Tradition gerne verschweigt.

Dabei war die reformierte Herkunft des Liedes immer schon benannt. Bisweilen hatte man sogar als Verfasserin die Kurfürstin Luise Henriette von Brandenburg angenommen.2 Dies ging auf das Vorwort des reformierten Berliner Gesangbuchs von 16533 zurück, in dem der Herausgeber, Christoff Runge, die Kurfürstin, die das Gesangbuch in Auftrag gegeben hatte, als Dichterin zu nennen scheint:

„E. Churfl. Durchl. geruhen nun selbst gnädigst zu urtheilen, mit was großer Freude deroselben gnädigsten Befehl ich unterthänigst auffgenommen, den sie mir durch dero Obristen Hoffmeister, Herrn Otto von Schwerin, vor zwey Jahren allbereit thun lassen, daß ich die schönen Lutherischen Gesänge zusammen suchen, und dieselbe nebst des Ambrosi Lobwassers Psalmen, Catechismo und täglichen Gebätlein in ein Buch zusammen drucken und herfür geben sollte, zu geschweigen, daß E. Churfürstl. Durchl. zeither so unablässig, und zwar, da Sie ferne von hier gewesen, um Beschleunigung solches Werckes erinnern, und solches Buch noch mit dero eigenen Liedern, als

Ein ander stelle sein Vertrauen Auf die Gewalt und Herrlichkeit, k.

Gott der Reichtumb deiner Güter, dem ich alles schuldig halt, k.

Jesus meine Zuversicht Und mein Heiland ist im Leben, k.

Ich will von meiner Missethat zum Herren mich bekehren, k.

vermehren und zieren wollen.“4

Die Bedeutung dieses Zitates wird weiter unten noch erörtert. Hier kann nur als erstes darauf hingewiesen werden, dass selbst im neuesten Heft der Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch, in dem dieses Lied nun behandelt wird,5 die reformierte Herkunft des Liedes eher überdeckt wird.

Lukas Lorbeer hat gleich mit dem Einstieg die Richtung vorgegeben: „ Die Worte Hiobs sind in der lutherischen Frömmigkeit des 16. und 17. Jahrhunderts zu einer Art Parole christlicher Auferstehungshoffnung geworden. Auch der Textdichter des Liedes 526 legt sie in diesem Sinne seiner Betrachtung zugrunde und hat ihnen damit zu weiterer Wirkung verholfen.“6

Das klingt nun so, als wenn der Verfasser unsres Liedes ganz einfach in die lutherische Frömmigkeit hinein gehört. Es ist dann folgerichtig, dass Lorbeer für das Verständnis des Hiob-Textes (Hiob 19, 25-27a), dem das Lied verpflichtet ist, auf Luthers Übersetzung verweist, die er in modernisierter Orthographie nach der Lutherbibel von 1545 zitiert: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet, und er wird mich hernach aus der Erden aufwecken. Und werde danach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen. Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder.“

In Erweiterung solcher Betrachtung, soll im Folgenden erst einmal nach der reformierten Tradition des Trostes im Tod gefragt werden. Dabei wird besonders die Interpretation des Hiobtextes im Mittelpunkt stehen, aber auch insgesamt nach den Vorstellungen gefragt werden, die unser Lied prägen.

Die meditatio mortis in der reformierten Tradition

Über die einstige Lutherübersetzung hinaus (die heutigen Lutherbibeln haben längst die Auferstehungshoffnung entfernt),7 ist es sinnvoll zu schauen, wie Calvin diese Hiobstelle ausgelegt hat.

Gleich zweimal kommt er in der Institutio darauf zu sprechen, einmal im Zusammenhang der Überlegungen zur Zusammengehörigkeit der beiden Testamente (II, 10, 19), dann aber auch in der Entfaltung der Gedanken zur letzten Auferstehung. (III, 25, 4)

Die erste Stelle bei Calvin lautet: „Besonders herrlich ist aber das Wort des Hiob: ‚Ich weiß, daß mein Erlöser lebt und daß ich zuletzt aus der Erde auferstehen werde; da werde ich in meinem Fleische Gott, meinen Heiland, schauen. Diese Hoffnung ruhet in meinem Schoß‘. Leute, die ihren Scharfsinn an den Mann bringen wollen, kommen nun zwar mit dem spitzfindigen Einwand, Hiob rede hier nicht von der Auferstehung am jüngsten Tage, sondern von jenem Tage, da Gott ihn, wie er doch erwartete, zum ersten Mal wieder gnädig anschaue. Gut, wollen wir das zum Teil gar zugeben; aber das wird man uns doch, ob man will oder nicht, gestehen müssen, daß Hiob zu solch herrlicher Hoffnung gar nicht hätte kommen können, wenn er mit seinen Gedanken an der Erde klebengeblieben wäre. Er hat also, das müssen wir einsehen, seine Augen zu der zukünftigen Unsterblichkeit erhoben, wenn er doch erwartete, es werde ihm gar noch dann ein Erlöser zur Seite stehen, wenn er bereits im Grabe läge! Denn für den, der nur an das gegenwärtige Leben denkt, ist der Tod die äußerste Verzweiflung. Aber Hiobs Erwartung konnte selbst der Tod nicht zerstören: ‚Und wenn er mich erwürgt‘, hören wir ihn sagen, ‚so will ich dennoch auf ihn hoffen‘!“8

Otto Weber, der Übersetzer, hat eigens vermerkt, dass der Bibeltext nicht nach Luther zitiert ist. Calvin hat sich eher an die Genfer Bibel, die französische Übersetzung von Olivetan, gehalten.

Sie lautet zu Hiob 19, 25-27: „ Pour moi, je sai que mon Rédempteur est vivant; & qu’il demeurera le dernier sur la terre.

Et encore qu’après ma peau, on ait rongé ceci, je verrai Dieu de ma chair.

Lequel je verrai pour moi, &mes yeux le verront, &non un autre: mes reins sont défaillis en mon sein.“9

Im zweiten Abschnitt der Institutio, in dem der Hiob-Text zitiert wird, nähert sich Calvin etwas mehr dem Luthertext an. Das Kapitel III, 25 handelt von der letzten Auferstehung. Auf diese wird verwiesen, wenn Calvin schreibt:

„Auch Hiob, der einem Leichnam ähnlicher ist als einem Menschen, vertraut auf Gottes Macht und hebt sich, als ob er noch voll bei Kräften wäre, ohne Zögern zu jenem Tag empor: ‚Ich weiß, daß mein Erlöser lebt; und am letzten Tage wird er über dem Staube sich erheben‘ – nämlich um da seine Macht auszuüben! - ‚und ich werde danach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen; selber werde ich ihn sehen und kein anderer!‘ Freilich werden diese Stellen von einigen Leuten gar zu spitzfindig verdreht, als ob man sie nicht als Zeugnisse der Auferstehung auslegen dürfte; aber tatsächlich beweisen sie doch, was jene Menschen so gerne umstoßen möchten; denn die heiligen Männer suchen ihren Trost einzig und allein aus dem Gleichnis der Auferstehung.“10

Die Wiedergabe dieses Abschnittes zeigt die Wichtigkeit der Auferstehung des Leibes in der Theologie Calvins. Die Hiobstelle ist ihm dafür Beleg, genauso wie Ez. 37.

Ein anderer Schwerpunkt zeigt sich in Calvins Predigt über Hiob 19,23-27.11 Sie ist natürlich eine Auslegung des Textes der Genfer Bibel, der auf Deutsch von Ernst Kochs übersetzt wurde:

„Ich weiß, daß mein Erlöser lebt und endlich sich erheben wird über die Erde.

Und obgleich die Würmer diese meine Haut verzehrt haben, werde ich doch in meinem Fleisch Gott schauen.

Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und keinen andern.“12

Calvin kennt die verschiedenen Exegesen des Hiobtextes, doch hält er an der Überzeugung fest, dass eine Auslegung Hiobs auch den Gedanken der Auferstehung aufnehmen muss:

„Hiob redet allerdings nicht ausdrücklich von der Auferstehung, aber die Worte lassen sich nur so auslegen, daß Hiob Gott eine Macht zuschreibt, die heute in der alltäglichen Ordnung der Natur nicht in Erscheinung tritt. Er will sagen: Gott erkennt man nicht nur daran, was er uns Gutes tut, nein, auch wenn wir scheinbar Mangel leiden und nur noch den Tod vor Augen sehen, müssen wir daran festhalten: Unser Herr wird allezeit unser Erlöser sein und uns als die Seinen unter seinem Schutze wohl verwahren.“13

Für die Christen ist es noch viel leichter als für Hiob auf die Auferstehung zu hoffen: „Wenn sogar Hiob hat sagen können: Ich werde meinen Gott doch sehen,- was könnte es da für uns heute eine Entschuldigung geben, wo uns Gott so klar und deutlich die Auferstehung verkündet und so herrliche Verheißung davon gibt? Besonders aber gilt das doch, weil er uns Spiegel und Grund der Auferstehung, unsern Herrn Jesus Christus, vor Augen gestellt, den er auferweckt hat, damit wir nicht daran zweifeln, auch dermaleinst derselben unsterblichen Herrlichkeit teilhaftig zu werden..“14

Für Calvin ist diese Hoffnung nicht nur als Hoffnung auf zukünftiges Leben von Bedeutung, er fragt auch danach, was die „meditatio futurae vitae“ für unser irdisches Leben bedeutet. Dies entfaltet er in einem tatsächlich...



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