E-Book, Deutsch, 291 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
Hof Mondscheinküsse am Meer
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-4691-5
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 291 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
ISBN: 978-3-7517-4691-5
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Herzklopfen und Meeresrauschen
Luise träumt von der großen weiten Welt, doch stattdessen führt sie mit ihrer Mutter einen kleinen Blumenladen in Heiligenhafen. Ihre eigenen Wünsche stellt sie hinten an und fühlt sich zunehmend eingeengt - bis plötzlich Noah in ihrem Leben auftaucht.
Noah verkörpert all das, wonach Luise sich sehnt: Freiheit, Unabhängigkeit, ein Leben ohne feste Verpflichtungen. Doch während sie sich von seiner Abenteuerlust angezogen fühlt, sucht er nach etwas, das er nie hatte - ein Zuhause. Heiligenhafen könnte genau dieser Ort sein.
Als Luises Mutter plötzlich ihre eigenen Pläne schmiedet und ihr Leben umkrempelt, wird Luise klar, dass sie sich längst in ihren eigenen Fesseln verheddert hat. Und als sie Noah schließlich aufgrund falscher Verdächtigungen von sich stößt, droht sie nicht nur ihn, sondern auch sich selbst zu verlieren.
Wird Luise ihr Glück zwischen Heimat und Fernweh finden? Und wird Noah ihr verzeihen?
Ein gefühlvoller Roman über Freiheit, Heimat und die Frage, wo das Glück wirklich liegt.
Band 2 der Ostsee-Liebesroman-Reihe von Kira Hof.
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Ein stechender Schmerz jagte durch meine Fingerkuppe. Fluchend zog ich meine Hand zurück und betrachtete den größer werdenden Blutstropfen. Schnell legte ich meine Lippen um die kleine Wunde an meinem Daumen und blickte grimmig auf den Dorn, der sich durch meine Haut gebohrt hatte. Ich hatte geahnt, dass so was passieren würde. Mit Rosen stand ich immer auf Kriegsfuß. Genervt kramte ich in der Schublade nach einem Pflaster und wickelte es um den Finger. Die Woche fing gut an. Ich konnte nur hoffen, dies würde nicht einer dieser Tage, an denen man sich wünschte, im Bett geblieben zu sein. Doch es half nichts, in einer halben Stunde kam der Bestatter und holte den Kranz ab. Blutige Finger hin oder her.
Das Schicksal war gnädig zu mir. Ich beendete den Auftrag ohne weitere Vorkommnisse. Wie üblich öffnete ich den Laden um zehn Uhr. Die hineinströmende warme Luft war angereichert mit dem salzigen Geschmack des Meeres und dem Geruch nach frischem Fisch, den die Kutter mit in den Hafen brachten. Denn der lag unweit des schmalen Backsteinhauses, in dessen Erdgeschoss sich unser Blumenladen befand. Das Obergeschoss bewohnte ich gemeinsam mit meiner Mutter. Wir teilten uns sechzig Quadratmeter, was mir durch die vielen Dachschrägen manchmal wesentlich weniger vorkam. Andererseits war ich eh viel lieber an der frischen Luft oder saß in der geräumigen Küche meiner Freundin Alex.
Ich rollte den drehbaren Postkartenständer nach draußen und blieb einen Moment in der geöffneten Tür stehen. Gegenüber dekorierte Frau Lechner gerade das Schaufenster ihres Bekleidungsgeschäftes neu. Wir winkten uns zu. Anschließend holte ich zwei Gartenstühle und verschiedene Holzkisten, stellte alles auf die andere Seite des Eingangs und dekorierte die Sachen mit kleinen und großen begrünten Pflanzschalen. Daneben platzierte ich zwei Kübelpflanzen und hing die Blumenampel an ihren Haken. Zurück hinter dem Tresen öffnete ich den Laptop. Für heute stand nur eine weitere Bestellung auf dem Plan. Ich kontrollierte die vorrätigen Blumen. Es war genug von allem da. Zudem rechnete ich kaum mit einer Invasion von Kaufwütigen.
Wie ich geahnt hatte, zog sich der restliche Vormittag. Ein paar Touristen verirrten sich in den Laden, die wollten jedoch meist keine Blumen. Natürlich waren wir darauf vorbereitet. Wir hatten auch Dekokram und typische Ostsee-Souvenirs, aber ich stand nicht so auf Krimskrams und tat mich immer schwer mit der Auswahl. Das überließ ich in der Regel meiner Mutter. Sie liebte neben Blumen alles an Nippes. Auf diese Weise konnte sie solche Sachen kaufen, ohne unsere kleine Wohnung damit vollzustellen, und was viel wichtiger war, sie fühlte sich nützlich. Damit war uns beiden geholfen. Da fiel mir ein, wir wollten heute Abend noch ein paar neue Bestellungen besprechen.
Inzwischen war es zehn nach zwei. Ich betrachtete den üppigen Blumenstrauß, dessen zukünftiger Besitzer sich mit dem Abholen ziemlich Zeit ließ. Wehe, der kam nicht, das Ding war fünfundsiebzig Euro wert. Außerdem war ich zum Kaffee mit Alex verabredet. Ich war im Hinterzimmer, als ich endlich das kleine Glöckchen über dem Eingang bimmeln hörte.
»Oh, Gott sei Dank, Sie sind noch da. Ich hatte schon befürchtet, ich komme zu spät.«
»Kein Problem, ich hatte sowieso zu tun«, log ich und lächelte geschäftsmäßig. »Ich hoffe, der Strauß ist so geworden, wie Sie es sich vorgestellt haben.«
»Viel besser. Meine Frau wird ihn lieben. Wie viel hatten wir gesagt?«
»Fünfundsiebzig.«
»Hier, machen Sie achtzig. Der Rest ist für Ihre Geduld.«
»Das ist nett, danke. Ich wünsche Ihrer Frau viel Freude mit den Blumen.«
Nach einer weiteren Entschuldigung für seine Unpünktlichkeit verschwand der Typ, und ich schloss den Laden zu. So große Freundlichkeit kam leider immer seltener vor. Im Augenwinkel nahm ich plötzlich eine Bewegung wahr.
»Captain, du kleiner Stinker.« Ich ging in die Hocke und streichelte den schwarz-weißen Kater, der hier im Hafen schon zum Inventar gehörte. Einen offiziellen Besitzer gab es nicht. Jeder kümmerte sich um den Vierbeiner. »Fast hätte ich dich eingesperrt.« Er folgte mir nach hinten, wo ich das Katzenfutter aufbewahrte. »Nur eine Kleinigkeit, du hast ordentlich zugelegt, mein flauschiger Freund.« Ich legte ihm ein paar Krümel Trockenfutter vor den Laden, die er schnurrend auffraß. Lächelnd schloss ich hinter ihm ab, ging nach oben, zog mich um und schaute kurz bei Mama rein.
»Hey, alles klar bei dir? Brauchst du irgendwas?«
»Nein, mir geht's gut. Willst du weg?«
»Ich bin mit Alex verabredet.«
»Grüß sie lieb von mir.«
»Mach ich.«
Ich verließ das Haus und lief Richtung Marktplatz. Hier war ein ziemliches Gewusel an Menschen. Also ein ganz normaler Sommertag in Heiligenhafen. Im Eingang des Kaufhauses war ein stetiges Kommen und Gehen. Zwei Häuser weiter, auf der Terrasse des Irish Pubs, war kaum mehr ein Tisch frei. Pärchen, Familien, Rentner, Teenager, Leute mit Hund, alle waren sie vertreten. In der nächsten Straße wurde es ruhiger. Vor dem Haus meiner besten Freundin blieb ich stehen und klingelte. Durch die milchige Glasscheibe konnte ich erkennen, dass etwas Kleines auf die Tür zurannte. Ich hockte mich hin und breitete die Arme aus. Sekunden später sprang Mats hinein.
»Hey, Spatz. Mittagsschlaf schon beendet?«
»Ich bin groß, ich mache keinen Mittagsschlaf mehr«, antwortete er inbrünstig.
»Da freut sich die Mama bestimmt ganz doll drüber, oder?«
Mats nickte eifrig und rannte zurück. Ich folgte ihm und fand die beiden in der Küche. Alex hatte ein Blech mit Kuchen vor sich und schnitt gerade kleine quadratische Stücke zurecht. Mats saß auf einer Decke auf dem Fliesenboden und versuchte sich an einem Legoturm.
»Mmh, lecker. Ich liebe Schmandkuchen.«
»Ach, was ein Zufall.« Alex zwinkerte mir zu. Dann legte sie das Messer zur Seite und begrüßte mich mit einer Umarmung. Wobei das allmählich schwierig wurde, so kugelrund wie sie inzwischen war. Der errechnete Geburtstermin war in acht Wochen. Ich konnte manchmal kaum glauben, dass sie bald zweifache Mutter sein würde. Wir hatten doch eben noch nebeneinander auf der Schulbank gesessen. Andererseits war sie seit dieser Zeit nicht nur mit mir befreundet, sondern auch mit Beene zusammen. Sie war nie müde geworden zu erwähnen, dass er der Vater ihrer Kinder werden würde. Recht hatte sie damals bereits gern gehabt.
»Na, Mats hat entschieden, er ist zu groß für Mittagsschlaf?« Mein Blick wanderte zu ihm. Konzentriert stapelte er die Bausteine aufeinander.
Alex verdrehte die Augen. »Wir sind noch am Verhandeln, aber es sieht schlecht aus für mich.«
Ich grinste. »Deswegen ein ganzes Blech Kuchen?«
»Sehr witzig. Nein, wir bringen später Papa und den Jungs was zum Hafen.«
»Den Jungs? Mehrzahl?«
»Beene hat über den Sommer zur Unterstützung für sich und seinen Mitarbeiter Henning zusätzlich jemanden eingestellt, der ihnen unter die Arme greift. Noah heißt er, netter Kerl.«
»Aha, und wo kommt er so plötzlich her, dieser Noah?«
»Soweit ich weiß, hat er keinen festen Wohnsitz. Es zieht ihn mal hierhin und mal dorthin. Und da, wo es ihm gefällt, bleibt er ein paar Wochen oder Monate, sucht sich Arbeit und zieht irgendwann weiter. Furchtbare Vorstellung, ich würde verrückt.«
»Ich finde, es klingt spannend.«
»War ja klar.«
»Du kennst meine Einstellung zu dem Thema.«
»Kein Kommentar. Lass uns Kuchen essen.« Alex legte jedem ein großes Stück auf einen Teller und ging hinüber zum Esstisch. Danach schnappte sie sich ihren Sohn und platzierte ihn in seinem Hochstuhl.
Seufzend setzte ich mich zu den beiden. Alex und ich waren schon ewig befreundet, hatten viel gemeinsam, konnten über die gleichen Witze lachen, verstanden uns oft blind, nur in dieser einen Sache kamen wir nicht zusammen. Sie liebte ihr Leben und lebte für ihren Mann und ihre Kinder. Eine Familie gründen, zusammen ein Haus kaufen, diese Pläne begleiteten sie, seit sie sich damals in Beene verliebt hatte. Genau das Gleiche wünschte sie sich für mich. Doch allein die Vorstellung, mich zu binden, hier für immer festzustecken, ließ mich panisch werden. Die Welt war riesig, es gab so viel zu entdecken. Warum sollte ich das für andere aufgeben? Nein, meine Vorstellung vom Leben sah anders aus. Im Moment mochte ich feststecken, aber ich war gerade sechsundzwanzig. Meine Zeit würde kommen. Alex wurde nicht müde, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Zum Glück hatte sie heute anscheinend keine Lust dazu.
»Wie geht's Marieke?«, fragte Alex.
»Soweit okay, zumindest körperlich. Sie hat die Physiotherapeutin gewechselt. Die scheint ihren Job sehr gut zu machen. Ich soll dich lieb grüßen.«
»Danke. Vielleicht geht sie ja bald wieder öfter raus.«
»Hoffentlich. Mir ist es ein Rätsel, dass sie noch...




