E-Book, Deutsch, 344 Seiten
Reihe: Abenteuer in Übersee
Hoffmann Crash
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6951-5417-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Abenteuer in Übersee
E-Book, Deutsch, 344 Seiten
Reihe: Abenteuer in Übersee
ISBN: 978-3-6951-5417-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Manfred Hoffmann. Geboren 1950 in Berlin. Als Seeoffizier der Bundesmarine, Freelancer in der außenpolitischen Redaktion des ZDF, weltweit eingesetzter Rechtsanwalt und Troubleshooter für einen Industriekonzern sowie schließlich dreißig Jahre in offizieller Mission für die deutsche Außenwirtschaftsförderung an wechselnden Orten in Lateinamerika und Asien stationiert, steht er für die Nomaden unserer Zeit. Zu seinen wichtigsten Aufgaben als Beobachter und Berater gehörte auch immer wieder die Berichterstattung in unterschiedlichsten Medien. Reisen und Recherchen führten ihn dazu an ungewöhnliche Plätze, gaben ihm zahllose Einblicke in spannende Ereignisse und ausgefallene Schicksale. Inspiriert von seinen Begegnungen und Erlebnissen, widmet er sich nunmehr fiktiven Geschichten, die in jenen Weltgegenden spielen, in denen er so viele Jahre verbracht hat. Er lebt heute in Berlin und Spanien, ist verheiratet und hat zwei Söhne und vier Enkelkinder.
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Alma
Sie hat sich hoffnungslos im Dschungel verirrt. Ein kaum zu erkennender Pfad führt durch dichtes, undurchdringliches Buschwerk. Sie hat keine Ahnung, wo er herkommt oder hinführt. Große Farne verdecken immer wieder die Sicht. Die Kronen mächtiger Baumriesen sorgen für ein Halbdunkel, in das sich nur selten ein Sonnenstrahl verirrt. Alles trieft und tropft. Sie droht im matschigen Boden zu versinken. Mückenschwärme fallen gnadenlos über sie her. Unzählige Blutegel kleben an ihr. Ständig bleibt sie an Dornen hängen. Der Pfad verzweigt sich. Welchen muss sie nehmen? War sie nicht sogar schon einmal hier? Ist sie womöglich im Kreis gelaufen? Unheimliche Geräusche unbekannter Tiere dringen aus dem Pflanzengewirr zu ihr. Sie hat das Gefühl, von zahllosen, Augenpaaren beobachtet zu werden.
Auf einmal reißt der Dschungel auf. Eine menschliche Siedlung liegt vor ihr. Erleichtert will sie zu den Hütten laufen, doch plötzlich taucht wie aus dem Nichts ein Mann vor ihr auf und verstellt ihr den Weg. Verfilztes Haar, ein wilder Bart, schäbige, vor Schmutz starrende Kleidung, in der Hand ein langes Buschmesser. Leere Augen mustern sie. Je länger der Mann sie jedoch betrachtet, desto mehr verwandeln sich eisige in lüsterne Blicke, die gierig und hemmungslos über ihren Körper gleiten. Dürftige von Dornen zerrissene Kleidungsfetzen verbergen kaum noch etwas von ihr. Ein zweiter, ebenso verwilderter Geselle tritt schweigend hinzu. Ein diabolisches Grinsen lässt sein Gesicht zu einer furchterregenden Grimasse werden. Aus den umliegenden Büschen lösen sich immer mehr solcher gespenstigen Gestalten. Sie kommen näher und näher, umringen sie und starren ebenfalls stumm auf ihren fast nackten Körper. Angst und Scham bringen sie fast um. Verzweifelt sieht sie sich nach ihrem Ehemann um. Er muss ihr doch helfen. Vergeblich. Ob sie ihn ermordet haben? Als einer der Kerle sie ergreifen will, wehrt sie ihn ab und stößt einen markerschütternden Schrei aus. Am ganzen Leib zitternd und schweißgebadet wacht Alma auf. Ein schrecklicher Traum. Sie benötigt einige Minuten, um sich klarzumachen, dass es tatsächlich nur ein Traum war. Auch ihr Mann neben ihr ist von dem Schrei erwacht. Doch ohne nach ihr zu sehen, dreht er sich um und schläft weiter.
„Sie hat mächtiges Glück gehabt, diesen Mann gefunden zu haben. Ein charmanter, sportlicher Typ, der blendend aussieht und einen ausgesprochen zuverlässigen Eindruck macht. Stets nimmt er seine Gesprächspartner schnell für sich ein und wird von Frauen sehr begehrt. Er wirkt besonnen und mutig. Wie man hört, soll er auch sehr vermögend sein. Allerdings mit Mitte Vierzig zehn Jahre älter als sie.“ Das Urteil der Gäste einer Abendveranstaltung des Biologen Professor Diego Fernandez über seinen Schwiegersohn könnte nicht positiver sein. Die meisten Zuhörer kennen den Professor schon viele Jahre. Eigentlich sind sie gekommen, um sich einen Bericht des Biologen über seine Arbeit am Amazonas anzuhören. Doch bei den Gesprächen im Anschluss an seine Ausführungen gilt die Neugier des Publikums auch seiner ihn begleitenden Tochter Alma und ihrem frisch gebackenen Ehemann Henry Cairns. Als artiger Schwiegersohn ist er bemüht, Interesse an der Tätigkeit des Schwiegervaters zu zeigen, doch während des Vortrags muss er heftig gegen Langeweile und aufkommende Müdigkeit ankämpfen. Erst als es zu Fragen und Diskussionen kommt, ist er wieder hellwach. „Ist es nicht sehr gefährlich in Kolumbien zu leben?“ Die Gäste bewundern den Biologen zwar für seinen Mut, in diesem wilden Land zu arbeiten, halten ihn zugleich aber für ein wenig verrückt. „Man liest immer wieder in den Zeitungen von Aktivitäten der Guerilla und Drogenmafia, Mord und Totschlag besonders in Amazonía. Wollen Sie nicht lieber wieder hier nach Madrid zurückkommen?“ „Sicher ist die Feldforschung dort nicht ungefährlich, doch die Berichte hierzulande sind sehr übertrieben.“ „Hatten Sie schon viele Kontakte mit der Guerilla oder den Drogenhändlern?“ „Mit der Guerilla schon. Die konnten wir allerdings von der friedlichen Absicht unseres Tuns überzeugen. Nachdem sie auch verstanden haben, dass es niemand gibt, der für uns Schutz- oder Lösegeld bezahlen würde, wenn sie uns entführen, haben sie uns in Ruhe gelassen.“ „Und mit der Drogenszene?“ „Mit der Drogenmafia hatten wir es glücklicherweise bislang noch nicht zu tun.“ „Wie ist Ihr Verhältnis zu den dort?“ „Sehr gut, aber lassen Sie uns bitte von sprechen. klingt sehr abwertend.“ „Leticia liegt weit ab von allem und nur wenige Flüge oder endlose Flussfahrten verbinden den Ort mit der Außenwelt. Was ist, wenn Sie einen Arzt oder Krankenhaus benötigen?“ „Sind die alten Flugzeuge dort nicht sehr unsicher?“ „Ein gewisses Risiko macht doch das Leben spannend oder nicht? Lächelnd beantwortet der Professor die Fragen der besorgten Leute. „Würden Sie Touristen raten, Ihr Camp zu besuchen?“ „Warum nicht? Wenn ich wieder zurückfliege, werden meine Tochter und ihr Mann mich begleiten und ein paar Tage dortbleiben.“ „Sie wollen wirklich ihre Tochter dorthin bringen?“ Entsetzt schüttelt eine ältere Dame den Kopf. „Mein Schwiegersohn wird schon auf sie aufpassen“. Bei der Bemerkung strahlt der Angesprochene und unterstreicht selbstbewusst noch einmal. „Ich werde nicht zulassen, dass ihr etwas geschieht, darauf kann sie sich verlassen.“ „Aber was wollen Sie denn tun, wenn irgendein kriminelles Gesindel Ihnen an den Kragen will?“ „Da wird mir schon etwas einfallen. Bisher bin ich immer mit allen Problemen fertig geworden. Ich wüsste nicht, warum das dort anders sein sollte,“ lautet seine erstaunlich selbstsichere Antwort. Stolz und geborgen lehnt Alma sich an seine muskulöse Schulter. So manche Frau im Publikum beneidet sie.
Alma ist seit ihrer Kindheit daran gewöhnt, dass der Vater über lange Zeiten irgendwo an einem fernen Ort der Erde arbeitet und sie mit ihrer Mutter allein in Madrid zurückbleibt. Geprägt hat sie jedoch vor allen die sehr mondäne und liberale Schwester ihrer Mutter aus San Diego in Kalifornien. Dort ist sie geboren und besitzt deshalb neben der spanischen auch die US - amerikanische Staatsangehörigkeit. Einen großen Teil ihrer Kindheit hat sie an der amerikanischen Westküste verbracht und schließlich in Los Angeles studiert. Die begüterte Tante hat ihr und ihrer Mutter stets ein höchst luxuriöses Leben ermöglicht. Sie hat keine eigenen Kinder und so hat Alma die Stelle eines verwöhnten Einzelkindes übernommen.
Eine vornehme Wohnung in Madrids feinem Stadtteil Moraleja, ein großes Haus mit mehreren mexikanischen Dienstboten in San Diego, ein sündhaft teures Studium an der UCLA in Los Angeles, Shopping und erstklassige Restaurants gehören für sie zu den Selbstverständlichkeiten. Mit ihrem hübschen Gesicht, der sportlichen Figur, den bis auf den Rücken reichenden, dichten, dunkelbraunen Haaren und einer geheimnisvoll sinnlichen Ausstrahlung erweckt sie viel Aufmerksamkeit und weiß darum. Ihr Charme lässt dabei ihre Eitelkeit und die oft oberflächliche Art, sich mit etwas zu befassen, übersehen oder verzeihen. Stets reizvoll gekleidet und geschminkt, vor allem aber durch ihr munteres, temperamentvolles und selbstbewusstes Auftreten versteht sie es, im Mittelpunkt jeder Gesellschaft zu stehen. So ist sie auch Henry aufgefallen. Auf einem Open-Air-Konzert waren sich beide das erste mal begegnet und haben sich ineinander verliebt. Er arbeitet in einer Werbeagentur in Santa Monica. In ihrer Freizeit besuchen sie seitdem gemeinsam ausgefallene Restaurants, modische Bars, Tanz oder Sportveranstaltungen. Auch nach Madrid zu Besuch bei der Mutter begleitet er sie, wann immer ihm das beruflich möglich ist.
Der Unterschied zwischen der Welt des Vaters und ihrem Leben in Los Angeles und Madrid kann nicht größer sein. Professor Diego Fernandez stammt aus einer traditionellen Familie in Estremadura. Er kann seine Vorfahren weit zurückverfolgen. Einige darunter sind in die spanischen Kolonien in Südamerika ausgewandert. Sein Bruder und er führen den patriarchalischen und spartanischen Lebensstil des spanischen Landadels ihrer Familie fort. Alma berührt das wenig da ihr Vater, auch wenn sie mit ihm einmal zusammen ist, mit seinen Gedanken meist völlig in seinen wissenschaftlichen Arbeiten versunken ist. Er erinnert häufig an die Karikatur eines verwirrten Professors, der weltabgewandt in seinen Forschungen aufgeht. Die materiell geprägte Welt seiner Tochter ist ihm fremd und Geld völlig gleichgültig. Dennoch hängt Alma sehr an ihrem Vater. Das gilt noch mehr, seit ihre Mutter verstorben ist. Trotz der großen Kluft zwischen ihren Lebensweisen schmiedet ein tiefes Vertrauensverhältnis die beiden fest zusammen. Er ist es, den sie liebt, verehrt, bewundert und bei großen oder schwierigen Problemen um Rat fragt. Er ist ihr Vorbild eines Mannes, wie sie ihn sich wünscht. Seine häufige Abwesenheit und seine innerliche...




