E-Book, Deutsch, Band 115, 64 Seiten
Reihe: Mythor
Hoffmann Mythor 115: Die magische Fessel
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9867-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 115, 64 Seiten
Reihe: Mythor
ISBN: 978-3-8453-9867-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Mythor, der Sohn des Kometen, begann seinen Kampf gegen die Mächte des Dunkels und des Bösen in Gorgan, der nördlichen Hälfte der Welt. Dann, nach einer relativ kurzen Zeit des Wirkens, in der er dennoch Großes vollbrachte, wurde der junge Held nach Vanga verschlagen, der von den Frauen beherrschten Südhälfte der Lichtwelt. Und obwohl in Vanga ein Mann nichts gilt, verstand Mythor es nichtsdestoweniger, sich bei den Amazonen Achtung zu verschaffen und den Hexenstern zu erreichen, wo er endlich mit seiner geliebten Fronja zusammenkam. Gegenwärtig befinden sich der Sohn des Kometen und seine Gefährten, zu denen inzwischen auch Fronja, die ehemalige Erste Frau von Vanga, zählt, inmitten der Schattenzone, wo sie mehr als einmal nur mit knapper Mühe einem schrecklichen Schicksal entgingen. Nachdem selbst Darkon, der Herr der Finsternis, mit seinem Plan, den Sohn des Kometen ermorden zu lassen, gescheitert ist, hat Mythor mit seiner Schar Carlumen betreten, die fliegende Stadt des legendären Caeryll. Dieses einstige Gefährt des Lichts ist jedoch zum Spielball dunkler Kräfte geworden und hat eine Irrfahrt in phantastische Bereiche angetreten. Dieser Fahrt ins Verderben ein baldiges Ende zu setzen, ist Mythors Bestreben. Er will das unmöglich Erscheinende bewerkstelligen durch DIE MAGISCHE FESSEL ...
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1.
Das Licht erlosch, kaum dass einer der Gefährten die Zeit gehabt hätte, zum zweiten Mal hinzusehen. Und es war ein weiteres Glied in einer Kette von bitteren Enttäuschungen – unerfüllte Hoffnung, die neue Flamme von Logghard zu finden und sie festzuhalten.
Bis das Licht Carlumen einen Weg aus dem vielfach verschlungenen Körper der Schlange heraus wies! Bis sich die Fliegende Stadt an diesen Rettungsanker klammern und befreien konnte!
Carlumen befand sich in jenem Korridor, der auf Caerylls Weltkarte als »Straße ins Nirgendwo« eingetragen war. Sie raste weiter in die Finsternis, die kein Ende hatte. Nur ab und an blitzten kleinere Lichter auf, in Vorausrichtung und seitlich, wie weit entfernte Öffnungen in den Tunnelwänden. Weder Caeryll noch die Magiekundigen an Bord vermochten die Stadt auf einen der Punkte zuzusteuern, die viel zu schnell wieder vorbei waren.
Und Mythor, der Sohn des Kometen, war noch der Zauberlehrling, der mit Hilfe der kundigen Freunde die ersten Schritte tat, um in die Geheimnisse der Weißen Magie einzudringen, die allein Carlumen noch zu retten vermochte. Er besaß nun vier Kristalle des DRAGOMAE, des Zauberbuchs der Weißen Magie. Von den Gefährten gewarnt, widerstand er der Versuchung, die ganze in den Steinen wohnende Macht herauszufordern. Er begnügte sich notgedrungen mit den dreien, die ihn Caerylls Karte lesen und ihn auch die Eintragungen erblicken ließen, die dem Auge sonst verborgen blieben. Er konnte sie zum Teil sogar deuten. Dabei ging sein ganzes Trachten danach, alles daranzusetzen, Carlumen der Schlange Yhr zu entreißen, die sich durch viele Bereiche wand und bisher vergeblich versucht hatte, die Fliegende Stadt und ihre Passagiere auf ihrer Irrfahrt verderben zu lassen.
Manchmal geschah es, dass sich violettes Leuchten um die einhundert Schritt lange, vierzig Schritt breite und rund fünfzig Schritt hohe Schwammscholle legte, die jedoch durch ein kristallines Skelett verstärkt und leichter als Luft war. Dann hielten die Krieger und Amazonen den Atem an und verfolgten gebannt das Spiel der Irrlichter, die den Widderkopf mit der Kommandobrücke, die 21 Segel, den Bauch mit seinen bis zum Turm über der Pueblostadt reichenden Aufbauten und das mächtige Windhorn im Heck umspielten. Es waren flackernde, tanzende Feuergeister, die so schnell wieder verschwanden, wie sie gekommen waren.
»Trugbilder!«, sagte Robbin, der Pfader. »Yhr spielt mit uns, und wenn wir Carlumen nicht bald aus ihr herausführen können, wird die Stadt noch viele Menschenalter lang ihre Irrfahrt fortsetzen, ohne jemals ein Ziel zu erreichen.«
Sie standen im ausgehöhlten Kopf der riesigen Galionsfigur, die zugleich Rammbock war, und starrten durch die beiden Fensteraugen des Widderkopfes hinaus in die endlose Schwärze – Mythor, Fronja, die beiden Aasen, Nadomir, Robbin und Sadagar, der sich einen Nykerier nannte. Der Steinmann jedoch zeigte sich ebenso wenig bereit, über seine wahre Herkunft zu sprechen, wie Cryton, der Götterbote, der selbst auf Mythors Fragen nach der geheimnisvollen Sucherin Shaya schwieg. Es mochte damit zu tun haben, dass Cryton, dessen Körperbemalungen durch einen Umhang verdeckt waren, schon zu weit gegangen war. Er hatte Mythor eine Welt der zu Halbgöttern gewordenen Helden schauen lassen und ihm angeboten, dort seinen Platz einzunehmen. Nachdem der Gorganer ihn seine Ablehnung spüren ließ, war Cryton bei ihm geblieben, um an seiner Seite gegen die Mächte des Bösen zu kämpfen. Allein dies mochte die Götter zürnen gemacht haben. Cryton erweckte den Anschein, als rechnete er früher oder später mit einer Bestrafung, denn wie sonst sollte sich sein Fernbleiben von den anderen und sein eisernes Schweigen wohl deuten lassen?
Mokkuf und sein Waffenträger Hukender hielten sich wie die sieben Wälsenkrieger bei den Befestigungen der Stadt auf. Die Amazonen unter Tertishs Führung hatten ihre Quartiere unter dem Turm aufgeschlagen. Wieder in einem anderen Bereich von Carlumen warteten die Hexe Glair und der Tatase Tobar auf die Dinge, die da kommen mochten. Joby, der kleine Meisterdieb von Anagon, spielte für Mythor den Kurier, der die Krieger und Kriegerinnen darüber unterrichtete, was auf der Kommandobrücke beschlossen wurde. Und nicht selten geschah es, dass der Zwölfjährige mit den roten Haaren zurückkam und von zunehmender Ungeduld der Söldner zu berichten wusste.
Denn zwischen Mythor und den Magiekundigen herrschte Uneinigkeit. Der Sohn des Kometen strotzte vor Tatendrang, nachdem sein Geist nun frei war von all dem, was ihn so lange gequält hatte. Der Liebeszauber der Ambe war aufgehoben. Fronja hatte keinen Grund mehr, an Mythors Liebe zu zweifeln. So war Mythor darangegangen, von Robbin eine neue, größere Karte zeichnen zu lassen, auf der alle Orte eingetragen waren, zu denen Yhr Carlumen gebracht hatte. Robbin musste sie alle miteinander verbinden, und die dicken Linien zeigten nun an, wie sich Yhrs Körper bislang geschlängelt hatte.
Mythor kniete abermals vor der Karte und fuhr den Weg mit dem Zeigefinger nach.
»Von stong-nil-lumen in Gorgan zum Fuß der Dämonenleiter«, sagte er unbeirrt, »dann zum Totenfluss Syx, in die Welt der Tauren, über den Zeitstrom in die Vergangenheit, nach Ganzak in Vanga und ...« Er zählte die Stationen auf, bis sich die Linie in unbekannten Bereichen verlor. »Yhr ist so verschlungenen Pfaden gefolgt, dass ihr Körper ein schier unentwirrbares Knäuel bilden muss, und nun windet sie sich auf der noch verschlungeneren Straße ins Nirgendwo. Ich sage es noch einmal: Yhr wird sich am Ende selbst so verstricken, dass sie nicht mehr weiß, wo ihr Weg endet und wo er begann.«
Sadagar lachte trocken.
»Und ich sage dir noch einmal: vergiss es, Mythor! Es ist eine kindische Vorstellung, dass Yhr sich selbst fesselt. Und selbst wenn es geschähe – wie lange müssten wir darauf warten? Nein, Robbin hat einen anderen Vorschlag gemacht, dessen Aussichten auf Erfolg vielleicht gering sind, doch auf jeden Fall größer als die eines Planes, von dem du noch nicht einmal weißt, wie er auszuführen wäre. Wir vermögen die Schlange nicht zu beeinflussen, also wird sie sich keine Fesseln anlegen.«
Mythor blickte die anderen der Reihe nach an.
»Ihr seid auch immer noch dieser Meinung?«
»Daran hat sich nichts geändert«, sagte Nadomir, doch er schien plötzlich sehr nachdenklich geworden. Er sah Mythor seltsam an und fragte: »Du hast also vom Tillornischen Knoten gehört?«
Der Gorganer musste verneinen.
»Oh«, gab sich der Königstroll überrascht. »Und ich dachte, du kennst ihn, weil ...«
Er unterbrach sich, als hätte er bereits zuviel gesagt und an ein Geheimnis gerührt, das besser unangetastet blieb.
Mythor ballte die Fäuste.
»Ich kann euch nicht meinen Willen aufzwingen. Also werden wir das tun, was ihr als erfolgversprechender anseht. Robbin?«
Der Pfader hörte damit auf, an seinen Körperbandagen herumzuwickeln.
»Ich nannte euch zwei Möglichkeiten, der Schlange Herr zu werden. Du hast mit Hilfe der DRAGOMAE-Bausteine das geheimnisvolle Ankerzeichen auf Caerylls Karte entdeckt, Mythor, und Tinkers Ruh. Das Ankerzeichen liegt näher. Falls es das zu bedeuten hat, das ich mir darunter vorstelle, finden wir dort vielleicht endlich die Möglichkeit, aus der Straße ins Nirgendwo und somit aus Yhrs Leib auszubrechen, um die Schlange dann von außen zu bezwingen. Doch dazu muss Caeryll sich erinnern, wie wir das Zeichen für uns nutzbar machen können.«
Mythor zuckte resignierend die Schultern.
»Also versucht es. Bringt ihn zum Reden.«
Er zog sich zu Fronja zurück, die sich sanft in seinen Arm schmiegte. Sie war wahrhaftig wie verändert, seitdem sie sich seiner Gefühle gewiss sein durfte. Nur ab und an wanderte ein Schatten über ihr Antlitz, und dann wusste Mythor, dass sie an Shaya dachte.
»Du hältst nicht viel von Robbins Ideen?«, flüsterte Fronja.
»Er ist der Pfader«, wich Mythor aus. »Doch etwas anderes macht mir mehr Kopfzerbrechen. Was ist unter dem Tillornischen Knoten zu verstehen?«
Robbin sprach auf Caeryll ein, dessen Gestalt hinter Kristallen eingeschlossen war, die sie durch die fortgesetzte Brechung des Lichtes auf wundersame Weise beweglich erscheinen ließen. Die Zeit zog sich quälend langsam dahin, bis der Albtraumritter endlich antwortete.
»Ja«, klang die Stimme des Helden mit dem brustlangen Bart und dem ebenso lang herabfallendem Haupthaar. Es waren wiederum die Kristalle, die Caerylls Worte hörbar machten. »Ja, das Ankerzeichen. Es war vor mehr als viereinhalbhundert Jahren, als ich mit Carlumen schon einmal in den Tunnel ins Nirgendwo geriet. Damals waren meine Krieger und ich so hilflos wie heute ihr, bis eine fremde Macht Carlumen ergriff, aus dem Korridor riss und ...«
Caeryll machte eine Pause. Wieder musste er sich besinnen, und wieder hatte Mythor das Gefühl, dass Carlumen viel zu schnell auf das Ankerzeichen zuraste und es passiert haben würde, bevor von Caeryll ein brauchbarer Hinweis kam.
Caeryll fand weitere Bruchstücke der verschütteten Erinnerung, und während die Gefährten ein vages Bild erhielten, begann sich an einem anderen Ort bereits das Unheil zusammenzubrauen.
*
Das Eiland am Rand des Nichts war kaum größer als zweitausend Schritte in jede Richtung, ein gedrungener Klumpen Land in einer Zone dicker, schwerer Luft, die es mit blutrotem Wabern umgab. Nur die Oberseite, als solche zu erkennen an den bizarren, uralten Tempelanlagen in ihrer Mitte und den ringförmig um die...




