Hoffmann | Mythor 52: Im Reich der Feuergöttin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 52, 64 Seiten

Reihe: Mythor

Hoffmann Mythor 52: Im Reich der Feuergöttin


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9804-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, Band 52, 64 Seiten

Reihe: Mythor

ISBN: 978-3-8453-9804-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Logghard, siebter Fixpunkt des Lichtboten und Ewige Stadt, hat auch am 250. Jahrestag der Belagerung allem standgehalten, was die Kräfte der Finsternis in einem wahren Massenangriff gegen die Bastion der Lichtwelt aufboten und ins Feld führten. Somit haben die Streiter des Lichtes auf Gorgan, der nördlichen Hälfte der Welt, trotz des Debakels von Dhuannin und anderer Niederlagen gegen die vordringenden Heere der Caer eine gute Chance, sich auch weiterhin zu behaupten. Mythor, der Sohn des Kometen, hat in der relativ kurzen Zeit, da er für die Sache der Lichtwelt kämpfte, bereits Großes vollbracht. Nun aber hat der junge Held nach seinem Vorstoß in die Schattenzone die nördliche Hälfte der Welt durch das Gorgan-Tor, das Tor zum Anderswo, verlassen. Zahda, die Zaubermutter, nimmt sich des Bewusstlosen an, der durch das unheimliche Tor in den Ozean der Dämmerzone gespült wurde, die bereits zu Vanga, der Südhälfte der Welt, gehört. Durch ein Gespräch von Geist zu Geist erfährt Zahda Mythors Geschichte - und die Zaubermutter beschließt, zu helfen. Als Mythor aus magischem Schlaf erwacht, befindet er sich IM REICH DER FEUERGÖTTIN ...

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1.


Hunderte von Fackeln erhellten das Meer rings um das Totenboot, in dem Honga seine letzte Reise machte. Frauen und Männer von Tau-Tau begleiteten den Helden von der Küste der Dämmerung hinaus aufs offene Meer. Die Frauen standen aufrecht vorne in den Booten, während die Männer an den Rudern saßen und schwitzten. Mit lauter Stimme sang Loana, die Stammesmutter, die Klagelieder, und von Zeit zu Zeit fielen die anderen in die Gesänge ein. Die völlige Finsternis der Nacht war der Dämmerung des Tages gewichen. Hier, vor der Küste von Tau-Tau wie überall auf den Inseln der Dämmerzone, kannten die Menschen keine Sonne, keinen Mond und keine Sterne – nur das gelegentliche Aufblitzen der Himmelssteine.

Die Winde des Südens bliesen ins kleine, über das Totenboot gespannte Segel und trieben es weiter hinaus ins Nebelmeer. Loana stand mit ausgebreiteten Armen, wie um den wie ein Sarg geschlossenen Einbaum vor den Mächten zu schützen, die das Wasser beherrschten. Ihre Ruderer mussten Schwerstarbeit leisten, um das prächtige, mit Fetischen und Bannern geschmückte Boot der Stammesmutter auf gleicher Höhe mit dem toten Helden zu halten.

Je dichter der Nebel wurde, desto spärlicher drang das Licht der Fackeln von den anderen Booten herüber. Alle Bewegungen schienen sich zu verlangsamen, und selbst der Wind erschlaffte. Die Küste war längst nicht mehr zu sehen. Als der Wind vollends erstarb, hob Loana eine Hand, und die Gesänge verstummten.

Nur das Schlagen der Wellen war noch zu hören. Loana schwang ihre Fackel über dem Kopf, als wollte sie den Nebel durchteilen. Dann schleuderte sie das Feuer auf den pechgetränkten Sarg. Sie blieb dort liegen, und für Augenblicke war es so, als wehrte sich der Held noch im Tod dagegen, von den Flammen verzehrt zu werden. Doch schon leckten die roten Zungen über den Einbaum und hüllten ihn in einen unwirklichen Schein.

Loana gebot den Ruderern, das Schlagen einzustellen. Wie eine Statue stand sie da, ganz in ihre mit Fetischen behangenen dicken Felle gehüllt, die die klamme Kälte nicht völlig abhalten konnten. Links und rechts von ihr schälten sich Boote aus dem Nebel, und die Frauen der Insel blickten dem brennenden, schwimmenden Sarg nach, der langsam in der Ferne entschwand, bis auch der rötliche Schein nicht mehr zu sehen war.

Eine Weile herrschte Schweigen. Dann sagte Loana mit fester Stimme:

»Mögest du ins Reich der Helden eingehen und deinen Weg zu uns zurückfinden, Honga! Mögest du die Kraft mitbringen, die du brauchen wirst, um Ramoa zu besiegen und die schreckliche Gefahr von uns abzuwenden!«

»Selbst falls er zurückkehrt«, rief von einem anderen Boot eine Frau, »wird es zu spät sein, Loana! Ramoa hat sich gegen ihr eigenes Volk gewandt! Sie wird nicht eher ruhen, bis wir alle ausgelöscht sind!«

Ausgelöscht ...

Es gab keinen treffenderen Ausdruck für das, was die Insel und all ihre Bewohner bedrohte, solange die Feuergöttin am Leben war.

»Wir werden andere Helden erwählen und sie zum Feuerberg schicken«, verkündete die Stammesmutter. »Und wir werden warten auf jenen, den das Orakel uns verheißen hat!«

Damit gab sie den Ruderern das Zeichen zur Umkehr. Nur zwei Boote blieben in den Nebeln und der Stille zurück, um die Totenwache zu halten und auf die Rückkehr des Helden zu warten.

Helden, so glaubten die Tau, hatten mehrere Leben. Honga war dazu auserwählt worden, zum Vulkan aufzusteigen und die Feuergöttin zu töten, die die glühende Asche aus dem Leib der Welt nicht länger gegen die Feinde aus der Dunkelwelt, sondern gegen jene schleuderte, die zu beschützen ihre Aufgabe war.

Honga war unter allen Männern der Insel zum Helden bestimmt worden. Und als solcher würde er den Weg zurück finden – in welcher Gestalt auch immer.

*

Tau-Tau war eine der größeren Inseln der Dämmerzone, jenes Niemandslandes, das sich vom Reich der Dämonen bis hin zur Großen Barriere erstreckte, um deren Entstehung sich abenteuerliche Legenden rankten.

Die Tau wussten so gut wie nichts über Meer und Land jenseits der Barriere. Sie fragten auch nicht danach. Sie hatten genug damit zu tun, sich gegen die Schrecken zu behaupten, die ihre eigene kleine Welt für sie bereithielt. Tau-Tau maß etwa einen mal einen Vierteltagesmarsch. Der Feuerberg lag im Westen der Insel, umschlossen von einem breiten Wassergürtel. Zwischen ihm und dem Dorf lag ein breiter Streifen Dschungel, in dem es fleischfressende Pflanzen und monströses Leben gab, dem die Tau sich ebenso fernhielten wie dem Verbotenen Land im Süden, das nur unter ganz bestimmten Vorzeichen betreten werden durfte.

Der Tag war noch jung, als Loana aus ihrer Hütte trat und prüfend die Luft einsog. Es roch nach Schwefel und Feuer. Unwillkürlich blickte die Stammesmutter in die Richtung des Vulkans, dessen in stetes Glühen gehüllter Kegel selbst durch die ewige Dämmerung zu sehen war. Fernes Rumpeln kündete von Ramoas verderblichem Wirken.

Dann wendete Loana den Blick zum Meer. Alle Boote außer den beiden im Nebelmeer gebliebenen befanden sich auf Land. An diesem Tag wurde nicht gefischt. Die Frauen blieben in ihren Hütten oder beaufsichtigten die Arbeiten der Männer, deren bis zu fünfhundert Fuß lange Häuser zwischen den Hütten der Frauen lagen. Alle Gebäude ruhten auf hohen Pfählen, so geschützt vor dem garstigen Getier, das Spring- und Sturmfluten mit sich brachten.

Loana seufzte und machte sich auf den Weg zu Manea, der Orakelleserin des Stammes, die für die Zeit des Blutnebels eine Entscheidung über die Zukunft der Tau vorhergesagt hatte. Die Last der Verantwortung lag schwer auf Loanas Schultern. Als Oberhaupt aller Tau hatte sie allein die anstehenden Entscheidungen zu treffen. Über ihr stand nur die Göttin, die nicht länger zum Wohle des Stammes wirkte, ihr zur Seite die Weisen Frauen; von denen auch Manea eine war.

Ramoa musste sterben! Und noch bevor die Schwärze der Nacht die Tagesdämmerung erneut verschlang, sollte ein neuer Held bestimmt sein.

Loana schritt aus, suchte sich ihren Weg zu Maneas Hütte, vor der eine in den Untergrund gerammte Fackel niemals erlosch. Die Tau benötigten ihren Schein nicht, um zu sehen. Ihre Augen waren an das Halbdunkel gewöhnt. Ihre Ohren hörten das leiseste Geräusch, und ihre Nasen warnten sie vor Gefahr. Nichts war zu vernehmen als das Lachen und Weinen der Kinder in den Hütten und gelegentliche Befehle der Aufpasserinnen bei den Arbeitskolonnen, die an einem neuen Männerhaus bauten.

Manea erwartete die Stammesmutter in ihrer Hütte. Loana schlug die schweren Tücher zurück, die die Kälte bannen sollten und in die magische Symbole gewebt waren. Fetische bedeckten den gesamten Rahmen des Eingangs und lagen rings um die am Boden kniende Seherin ausgebreitet.

»Du kommst spät, Loana«, sagte Manea fast flüsternd, als sie kurz von den in einem Kreis vor ihren verschränkten Beinen liegenden kleinen Knochen aufblickte. »Spät, denn schon bald werden die Dinge in Fluss kommen, und auch du wirst um deine Würde zu kämpfen haben.«

»Ich bin die Stammesmutter!«, rief Loana aus.

»Und ich neige mein Haupt vor dir.« Maneas Blicke vertieften sich wieder in das Muster der Knochen, während Loana sich setzte. »Aber es werden andere kommen und deine Worte in Zweifel ziehen.«

»Wer?«, wollte Loana wissen. »Und wann?«

»Du kennst sie. Und es wird bald geschehen.«

Loana beugte sich ein Stück vor.

»Was sagt dir das Orakel, Manea?«

Die Seherin fuhr mit der flachen Hand über die Knochen und bedeutete der Stammesmutter, zu schweigen. Ihre Stimme war schwach, als sie sagte:

»An diesem Abend sollen die Weisen Frauen sich um dich sammeln, um einen neuen Helden aus den Männern zu erwählen. Dessen bedarf es nicht, Loana. Ich sah, dass Honga zu uns zurückkehren wird, noch ehe die Dämmerung der Finsternis weicht. Aber nicht alle werden in ihm den Helden erkennen. Hüte dich vor falschem Rat und falscher Freundschaft, und sei auf der Hut vor Verrat. Es gibt viele, die dich um deine Würde beneiden.«

»Das weiß ich«, entgegnete Loana ungehalten. »Was sagt dir das Orakel über die Abtrünnige?«

»Die Feuergöttin ...« Maneas altes, runzliges Gesicht umwölkte sich. Der Schein einer Kerze zauberte gespenstisch sich bewegende Schatten auf ihre eingefallene, bleiche Haut. So wie sie jetzt vor ihr saß, das lange, schwarze Haar in Strähnen und kraus bis auf die kraftlos wirkenden Schultern fallend und in ihrem dunklen, weiten Gewand, ließ sie Loana unwillkürlich an die Hexen denken, von denen es hieß, dass sie jenseits der Großen Barriere lebten und dort große Macht besaßen.

Doch auch das waren nur Legenden und Vermutungen, abgeleitet von den wirren Erzählungen jener, die sich in der Vergangenheit hierher ins Niemandsland verirrt hatten. Kein Tau hatte je eine Hexe gesehen. Vielleicht gab es sie auch gar nicht wirklich.

»Ich sehe die Feuergöttin nicht«, flüsterte Manea. »Es ist nicht anders als bisher. Etwas umgibt sie, das sie unerreichbar macht, das sie ...«

»Sie ist von Dämonen besessen!«, rief Loana aus. »Deshalb muss sie sterben. Wird sie das, Manea? Wird Honga, wenn er zu uns zurückkehrt, sie besiegen können?«

»Die Knochen geben keine Auskunft«, sagte Manea abweisend. Ihr Gesicht wurde noch verschlossener. Loana wusste, dass sie gehen musste.

Vor der Hütte atmete sie die frische Luft, die vom Meer her kam. Die Seherin war eine geachtete Frau, doch Loana war jedes Mal froh, wenn sie ihr den Rücken kehren konnte.

Honga würde zurückkehren, noch ehe die Nacht anbrach!

Dann musste sie ihn erwarten. Die Stammesmutter holte ein Dutzend...



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