E-Book, Deutsch, Band 1891, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Hoffmann Perry Rhodan 1891: Das Mädchen Siebenton
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-1890-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Die Heliotischen Bollwerke"
E-Book, Deutsch, Band 1891, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-1890-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
HORST HOFFMANN Der ehemalige PERRY RHODAN-Redakteur wurde 1950 in Bergheim geboren, wo er heute auch lebt. Nach dem Abitur begann er zunächst ein Studium der Kunstgeschichte, dann der Volkswirtschaft. Das Studium brach er ab, da er Profiautor werden wollte. Seine erste Begegnung mit der SF hatte Horst Hoffmann mit Comics 'Nick der Weltraumfahrer' und im Kino. Er schloß sich SF-interessierten Leuten an, die eine eigene Zeitschrift publizierten. Dort veröffentlichte Hoffmann mehrere Kurzgeschichten, die jedoch im Gegensatz zu seinen Zeichnungen und Grafiken nicht so gut bei den Lesern ankamen. Horst Hoffmann kannte die SF-Serien PERRY RHODAN und ATLAN und kam der Aufforderung des damaligen Redakteurs Willi Voltz nach, Kurzgeschichten für die Leserkontaktseiten einzusenden, die dann auch veröffentlicht wurden. 1974 startete er sein eigenes Fanzine 'Watchtower', ein satirisches Fan-Magazin. Sein richtiger Durchbruch als Schriftsteller erfolgte 1976 mit seiner ersten Romanveröffentlichung in 'Gemini 5' 'Sie kamen von jenseits der Sterne'. Dieser Roman erschien unter dem Pseudonym Neil Kenwood, ebenso zwei weitere Romane, die der Autor über eine Agentur an den Kelter Verlag verkaufte. In diesem Jahr erhielt er die Chance, bei 'Terra Astra' mitzuschreiben. Nachdem Hoffmann sein erstes Manuskript umgeschrieben hatte, erschien der Titel 'Entscheidung auf Hades' innerhalb dieser Reihe. Weitere Romane folgten, dann kam für den SF- und Fantasy-Autor der Einstieg in die Serien ATLAN und 'Orion'. Vier Jahre später schrieb er dann bei der PERRY RHODAN-Serie mit. Nach dem Tod von Willi Voltz übernahm Horst Hoffmann in der Zeit von 1984 bis 1987 die PERRY RHODAN-Redaktion. Nach seinem berühmten Roman 'Die Macht der Elf' (1111) stieg er vorläufig als aktiver Autor aus der Heftserie aus. Horst Hoffmann kehrte aber wieder ins Autorenteam zurück und zählt seit vielen Jahren zu den Stammautoren der PERRY RHODAN-Heftromane.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
Siebenton, 45 Jahre
Die Kolonne
Sie wusste genau, wann es kam. Dennoch überraschte es sie immer noch aufs neue. Auch wenn sie die Minute ahnte und darauf wartete, wenn sie sich schon zum Gebet niedergekniet hatte – es traf sie immer wieder bis ins Allerinnerste, in die Seele, in den Kern allen Denkens.
Es fuhr mitten in sie hinein. Ihr wurde heiß und kalt. Es berührte sie, und sie hatte das Gefühl, dass das Licht bis in ihre letzte Zelle drang und sie bis zum tiefsten Gedanken durchleuchtete.
Es dauerte nur einen Augenblick, aber für Siebenton war es wie eine kleine Ewigkeit. Als es bereits längst vorbei war, hörte sie sich ihre Gebete murmeln und um Vergebung für alle bösen Taten flehen, die sie seit dem letzten Licht getan hatte oder auch nicht. So genau konnte das kein Mönch wissen. Auch wer sich streng an alle Gebote hielt und versuchte, in Tun und Denken nicht zu sündigen, konnte fehlen.
»Was ich an Gutem getan habe, dafür danke ich dir, Sternlicht«, sprach sie die gängige Formel, die jeder für sich in Einzelheiten abwandeln konnte. »Und was ich Schlechtes getan haben mag, dafür bitte ich demütig um Vergebung.«
Sie hielt noch einige Momente lang den breiten Kopf gesenkt, der so flach war wie der gesamte Körper. Dann richtete sie sich auf und lächelte glücklich.
Das Shaogen-Sternlicht hatte sie erfasst und geprüft. Dies geschah alle siebzig Stunden, und solange dies so war, war ihre Welt in Ordnung. Keine Arbeit, keine Krankheit konnte so schlimm sein, um nicht vom Bewusstsein erhellt zu werden, Teil des Großen Ganzen zu sein, des Sternlichts, und eines Tages ins Tod-Erleben einzugehen.
»Genug gefaulenzt!«, rief sie ihren beiden Gefährtinnen zu, die noch im Staub des Ackerbodens knieten. »Die Arbeit muss getan werden. Wir sind noch immer hinter dem Plan zurück. Bevor es dunkel wird, muss diese Fläche bepflanzt und bewässert sein.«
»Warum, Siebenton?«, fragte Oriwad. »Wird es denn nicht regnen? Es regnet fast jede Nacht.«
»Es hat seit dreiundzwanzig Tagen nicht mehr geregnet«, erwiderte Siebenton geduldig, während sie mit ihren dreifingrigen Händen in den Kleincontainer griff und zwei Towambur-Pflanzen herausnahm.
»So lange ist das schon her?«, wunderte sich Greine, mit 98 Jahren die jüngere ihrer Freundinnen. Oriwad war bereits 127 Jahre und wartete eigentlich täglich darauf, dass sich ihr Geschlecht änderte.
Siebenton dachte, auch wenn sie sich über die Einfältigkeit der Frauen manchmal ärgerte, traurig daran, dass sie ihr als Gefährtin dann fehlen würde. Was hieß Gefährtin? Sie war, mit Greine zusammen, wie eine Mutter zu ihr gewesen, in ihren Kinderjahren. Die beiden Mönchinnen hatten sie in dem Abfallbehälter am Raumhafen im Norden der Hauptstadt Bleuht entdeckt, als sie noch ein Neugeborenes gewesen war. Niemals hatte man herausgefunden, wer Siebentons Eltern waren, doch Oriwad und Greine, damals als Lagerarbeiterinnen auf dem Hafen beschäftigt, hatten ihre Schreie gehört und sie davor gerettet, mit dem Müll in den insgesamt mehr als hundert Containern auf ein Mondschiff verladen zu werden, das den Abfall auf einen eigens dafür vorgesehenen Planeten brachte.
»So lange?«, fragte auch Oriwad. »Aber wer sagt uns, dass es diese Nacht dann nicht regnen wird?«
»Ich sage das«, antwortete Siebenton. »Und es wird auch die nächsten Tage und Nächte noch trocken bleiben.«
»Was du nicht alles weißt …«, seufzte Greine und griff nach neuen Pflanzen, um sie danach mit ihren bloßen Händen in die vorbereiteten Löcher in der Erde zu stecken und anzuhäufeln. »Wir Frauen sollten nicht soviel wissen.«
»Ja«, meinte Siebenton nur.
»Und du machst dir trotzdem andauernd Gedanken?«, fragte Oriwad. »Das ist nicht gut.«
»Ebenfalls ja«, antwortete Siebenton und pflanzte die nächsten Setzlinge ein.
»Irgendwann kommt ein Aufseher und nimmt dich uns weg«, sagte Greine. »Du wirst es erleben, wenn du so weitermachst.«
Siebenton atmete tief aus ihren vier Atemöffnungen aus, die quer unter den beiden gelben, runden Augen in einem Gesicht saßen, das breiter als hoch war. Unter dieser »Nase« befand sich die eigentliche Atemöffnung, ein durch eine innensitzende Membran verschließbarer Kreis. Der zahnlose Mund fand sich links an dem achtzig Zentimeter breiten und dreißig Zentimeter hohen Kopf und führte direkt zur Speiseröhre, links am dünnen Hals und ebenso äußerlich sichtbar wie die vorne verlaufende Luftröhre.
Sie trieb ihre beiden Gefährtinnen an, bis es zu dämmern begann. Greine warf ihr vor, dass sie die beiden scheuche wie ein Mann. Aber dieses Gemecker kannte sie wie die ewig gleichen Fragen, woher sie dies oder jenes wisse oder weshalb sie sich für dieses und jenes interessiere.
Es war einfach so.
Sie wusste, dass es ihr als – noch dazu junger – Frau nicht zustand. Nur die männlichen Mönche hatten Fragen zu stellen und überhaupt zu denken. Die kräftigeren Frauen waren für die einfachen Arbeiten bestimmt. Wenn Siebenton aber so lange warten wollte, dann hatte sie noch rund achtzig Lebensjahre vor sich. Erst mit 120 bis 130 Jahren wechselten die Mönche ihr Geschlecht.
Der Gedanke, so lange zu warten, war für sie unerträglich.
Endlich kam der Abend, und die Mönchinnen zogen sich von den Feldern zurück. Überall traten die Berieselungsanlagen in Aktion und versorgten die ausgedörrte Erde mit dem so sehr benötigten Wasser. Es war natürlich nicht das gleiche, als ob ein langer und kräftiger Regen fallen würde. Aber es konnte helfen, die diesjährige Saat wenigstens anwachsen zu lassen.
»Kommt!«, sagte Siebenton zu Greine und Oriwad. »Wir gehen in die Unterkunft. Es ist Zeit für das Abendessen. Wir haben es uns wieder einmal verdient.«
»Irgend etwas stimmt nicht mit dir«, sagte Greine. »Du sprichst wirklich wie ein Mann.«
Aber das hatte sie schon hundertmal gesagt.
*
Die Mönchinnen schlürften ihr Essen mit Hilfe von weichen Schläuchen aus großen Bechern, aus denen es warm dampfte. Mönche nahmen nur flüssige und breiige Nahrung zu sich. Von überall her waren schmatzende und schlürfende Laute zu hören. In dem Großhaus saßen und standen rund hundert Frauen. Insgesamt gab es sechs Großhäuser im Zentrum der Landwirtschaftlichen Kolonne, der Siebenton seit drei Jahren angehörte.
Als sie gesättigt war, brachte Siebenton den leeren Becher zurück zur Essensausgabe, bedankte sich mit einem Kompliment bei der Köchin, wünschte ihr eine angenehme Nacht und kehrte um zu ihrer Decke an der Innenseite der mit warmem Material isolierten Mauer des Hauses. Trennende Wände gab es im Inneren nicht, nur diesen einzigen großen Raum, wo jede Mönchin ihren Platz für die Nacht hatte oder für die schlechten Tage, an denen nicht auf den Feldern gearbeitet werden konnte.
Natürlich gab es in diesem Bereich auch keine Männer. Nur einmal am Tag erschien einer der Verwalter, um den Arbeitsplan für den nächsten Tag vorzulegen und kurz zu besprechen, was meist sehr einseitig war. Der Besuch erfolgte in der Regel eine Stunde nach der Nahrungsaufnahme. Selten geschah es, dass ein Shaogen-Hüter, ein Priester des Shaogen-Kults, ein Großhaus betrat und die Allmacht des Sternlichts lobte oder jenen, die gesündigt hatten, die Beichte abnahm.
Auch das geschah öffentlich. Der einzige Raum, in welchem die Mönchinnen der Kolonne nur für sich waren, war der Innere, war ihre Seele.
Siebenton ließ sich wieder auf ihrer Decke nieder, was für einen Menschen der Erde einigermaßen grotesk ausgesehen hätte. Sie ging zuerst in die Knie, dann lehnte sie sich vorsichtig nach hinten, stützte sich mit ihren durchgestreckten Armen ab, bis das Gesäß den Boden berührte. Dann erst bog sie ihren Körper nach vorn und ließ die Arme über die Knie baumeln, bis sie völlig im Gleichgewicht war. Die Körper der Mönche waren etwa 1,40 Meter hoch, und ihre Schulterbreite betrug rund achtzig Zentimeter. Dies war gleichzeitig die Breite des dreißig Zentimeter hohen Kopfes. Unterhalb des dünnen, sehnigen Halses boten die Mönche einen zwar etwas eckigen, aber durchaus humanoiden Anblick – nur wenn man sie von der Seite sah, wurde man überrascht.
Die Mönch-Körper waren nur zehn Zentimeter flach, und das an der dicksten Stelle. Sah man sie von vorne und dann sich drehen, konnte man an eine optische Täuschung glauben.
Siebenton lehnte sich mit dem Rücken gegen die behagliche Wand und zog langsam ihre Soukas aus, die enganliegenden Handschuhe, die während des Tages über die dreifingrigen Hände und dreizehigen Füße gestreift waren. Mönche waren Reinlichkeitsfanatiker und hatten dauernd Angst, sich mit irgendeinem Erreger zu infizieren. Bei der Feldarbeit war dieses Risiko natürlich größer als im Stadtleben. Aber auch dort trugen die Mönche Soukas.
Unter ihnen zeigte sich wie am ganzen Körper eine weißblaue Schuppenhaut. Kleidung im herkömmlichen Sinn kannten die Angehörigen des größten Intelligenzvolks der Galaxis Shaogen-Himmelreich nicht; sie besprühten sich in wöchentlichen Abständen mit einem saugenden, milchigweißen Kunststofffilm, der den Körper wie eine zweite Haut umschloss. Dazu trugen sie eben nur die Soukas und, um die Schultern geschlungen, Schärpen aus feinem Tuch, die sich wie Patronengurte kreuzten. In diesen Schärpen gab es Taschen für wichtige Utensilien.
In eine solche Tasche griff Siebenton und holte einen kleinen Beutel daraus hervor. Mit der anderen Hand nahm sie die weiße Dozz-Pfeife, die sie immer an einem geflochtenen Band um den Hals...




