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E-Book, Deutsch, Band 2293, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Hoffmann Perry Rhodan 2293: Ein Held für alle Fälle
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-2292-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Der Sternenozean"
E-Book, Deutsch, Band 2293, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2292-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
HORST HOFFMANN Der ehemalige PERRY RHODAN-Redakteur wurde 1950 in Bergheim geboren, wo er heute auch lebt. Nach dem Abitur begann er zunächst ein Studium der Kunstgeschichte, dann der Volkswirtschaft. Das Studium brach er ab, da er Profiautor werden wollte. Seine erste Begegnung mit der SF hatte Horst Hoffmann mit Comics 'Nick der Weltraumfahrer' und im Kino. Er schloß sich SF-interessierten Leuten an, die eine eigene Zeitschrift publizierten. Dort veröffentlichte Hoffmann mehrere Kurzgeschichten, die jedoch im Gegensatz zu seinen Zeichnungen und Grafiken nicht so gut bei den Lesern ankamen. Horst Hoffmann kannte die SF-Serien PERRY RHODAN und ATLAN und kam der Aufforderung des damaligen Redakteurs Willi Voltz nach, Kurzgeschichten für die Leserkontaktseiten einzusenden, die dann auch veröffentlicht wurden. 1974 startete er sein eigenes Fanzine 'Watchtower', ein satirisches Fan-Magazin. Sein richtiger Durchbruch als Schriftsteller erfolgte 1976 mit seiner ersten Romanveröffentlichung in 'Gemini 5' 'Sie kamen von jenseits der Sterne'. Dieser Roman erschien unter dem Pseudonym Neil Kenwood, ebenso zwei weitere Romane, die der Autor über eine Agentur an den Kelter Verlag verkaufte. In diesem Jahr erhielt er die Chance, bei 'Terra Astra' mitzuschreiben. Nachdem Hoffmann sein erstes Manuskript umgeschrieben hatte, erschien der Titel 'Entscheidung auf Hades' innerhalb dieser Reihe. Weitere Romane folgten, dann kam für den SF- und Fantasy-Autor der Einstieg in die Serien ATLAN und 'Orion'. Vier Jahre später schrieb er dann bei der PERRY RHODAN-Serie mit. Nach dem Tod von Willi Voltz übernahm Horst Hoffmann in der Zeit von 1984 bis 1987 die PERRY RHODAN-Redaktion. Nach seinem berühmten Roman 'Die Macht der Elf' (1111) stieg er vorläufig als aktiver Autor aus der Heftserie aus. Horst Hoffmann kehrte aber wieder ins Autorenteam zurück und zählt seit vielen Jahren zu den Stammautoren der PERRY RHODAN-Heftromane.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Prolog
4. Mai 1333 NGZ
Das bist du? Wirklich du?
Carlosch Imberlock sah sein Gesicht in dem Spiegelfeld. Dieses so unfassbar fremde Gesicht! Voller Entsetzen wich er einen Schritt zurück. Er hatte Mühe, sein Gleichgewicht zu halten. Die Beine schienen ihm nicht mehr gehorchen zu wollen.
Wer bist du? Wer?
Das Gesicht starrte ihn an. Die dunklen Augen lagen tief in ihren Höhlen, zwei schwarze Löcher, aus denen Verzweiflung und tiefes Unverständnis schrien. Sie schienen ihn anspringen zu wollen, heraus aus dem eingefallenen, bebenden Schädel, der nicht seiner sein konnte.
»Nein!«, schrie Imberlock und desaktivierte das Feld mit einem heiser gebellten Befehl. »Ich will es nicht mehr sehen! Hörst du? Ich will nicht! Du bist nicht ich!«
Er hatte es immer noch vor sich, die unheimlichen, düsteren Augen, die scharfrückige Nase, den halb aufgerissenen Mund und die eingefallenen Wangen im Schatten des dunklen Vollbarts und des schulterlangen Haars, das sein Gesicht umrahmte wie eine düstere Aura.
Die spröde gewordene Haut glänzte von Schweiß. Kaltem Schweiß. Schweiß der Angst.
Das war nicht er!
Carlosch Imberlock taumelte zu einem Sessel und ließ sich ächzend hineinfallen. Er zitterte am ganzen Leib. Er hob die Hände und starrte sie an. Er versuchte, ruhig zu atmen und das Hämmern des Blutes in seinem Kopf zu ignorieren. Er konnte es nicht.
Das Medium eines schweigenden Gottes stieß einen Schrei aus und presste beide Fäuste gegen die Schläfen. Der mentale Druck auf seinen Geist schien kein Ende nehmen zu wollen. Es war, als wolle etwas sein Gehirn zermahlen, langsam ausquetschen, ausbrennen! Imberlock stieß ein fast tierisches Krächzen aus. Er wollte kämpfen, sich noch einmal aufbäumen, aber es war stärker als er. Es kam von allen Seiten. Es war überall. Es gab kein Entrinnen.
»Was ist das?«, entrang es sich seiner brennenden Kehle. »Was geschieht mit mir?«
Plötzlich begann sich alles um ihn zu drehen. Er klammerte sich an den Lehnen des Sessels fest, weil er das Gefühl hatte, aus ihm herausgerissen und in die Höhe gewirbelt zu werden. Für einige schreckliche Momente schien es kein Oben und Unten mehr zu geben. Die Welt, seine Welt, war aus dem Gleichgewicht geraten. Alles um ihn herum löste sich auf. Ein starker mentaler Sog ergriff ihn, zerrte an ihm, tobte und ...
... erlosch.
Carlosch Imberlock sank in sich zusammen. Er lag halb im Sessel. Mit geschlossenen Augen wartete er auf das, was als Nächstes geschehen würde. Aber da war nichts mehr. Plötzlich gab es nur noch die Ruhe und das Gefühl, aus einem tiefen Morast aufgetaucht zu sein.
Stille.
Doch was nicht nachließ, war dieser furchtbare Druck ...
Es war wie Schweben über dichten Wolken, aus denen er emporgestiegen war; die seinen Geist verdunkelt hatten – bis jetzt. Ein langer, böser Traum, aus dem er erwacht war.
Er schlug die Augen wieder auf. Die Umgebung, seine Wohnkabine, erschien ihm fremd. Die Kabine im ... Tempel der Degression!
Der Gott – Gon-O ...
Neapel, Terra, ein ganzer Planet, den er verwaltet hatte, er und die anderen Jünger des Gottes Gon-O ...
»Nein«, murmelte er. »Kein Traum ...«
Es war Wirklichkeit. Er, seine vierzehn Adjunkten und all die vielen tausend Jünger, sie hatten die Macht an sich gerissen, im Auftrag ihres Gottes. Sie hatten Gon-Os Wort verkündet, viele Monate lang.
Und nun? Wieso konnte er daran, an seine Arbeit, an das, was sein Leben ausgemacht hatte, auf einmal so denken, als wäre es nur eine Erinnerung aus weiter Ferne?
Imberlock beugte sich vor und legte den Kopf in die Hände. Alles drehte sich. Die ganze Welt schien zu explodieren und in Millionen winziger Stücke zu zerspringen.
Was bedeutete das alles? Was passierte mit ihm? War vielleicht alles doch nur ein Traum gewesen? Und falls ja – wollte er daraus erwachen?
Durfte er es?
Sein tiefer Glaube an Gon-O, seinen Gott, dessen gewaltiger Geist das Universum ausfüllte – es konnte nicht nur Illusion gewesen sein! Es war alles, wofür er gelebt hatte.
Doch auf der anderen Seite fühlte er sich merkwürdig frei. Als ob eine Zentnerlast von seiner Seele gefallen wäre.
Konnte es sein, dass er gar nicht mehr er selbst gewesen war?
Gon-O, sprich zu mir!
Dass alles ein fremder Zwang gewesen war? War er unterjocht gewesen?
Von Gon-O? War er ein falscher Gott?
Er hörte ein Signal, hob den Kopf und sah das helle Blinken der Rufanlage. Er aktivierte sie mit einem Krächzen. Ein Holofeld baute sich vor ihm auf. Einer seiner Adjunkten sah ihn mit schmerzverzerrtem Gesicht an und schrie etwas. Imberlock konnte es kaum verstehen. Er musste es sich mehr zusammenreimen.
»Die Jünger sind außer Kontrolle! Es herrscht das Chaos!«
Imberlock riss sich zusammen. Er desaktivierte die Verbindung und stemmte sich aus dem Sessel.
Er musste zu sich kommen. Er hatte keine Ahnung, welch teuflisches Spiel hier im Gange war, aber er musste sich ihm stellen, was immer es war. Und wenn etwas ihn geistig manipuliert hatte, vielleicht sogar versklavt, dann wollte er das wissen! Er würde dagegen kämpfen. Er war immer ein Kämpfer gewesen, auch bevor ...
Bevor was? Er wusste es nicht mehr. Es quälte ihn und ließ sein Herz noch schneller rasen. Wenn er jetzt nichts tat, was ihn ablenkte, dann würde er den Verstand verlieren.
Carlosch Imberlock verließ seine Kabine und trat hinaus auf den Korridor. Er hörte die Schreie sofort. Irgendwo wurde gekämpft. Und er fühlte in sich den Drang, selbst irgendwo hineinzuschlagen. Er konnte es kontrollieren, aber die Aggression war da. Sie lauerte wie ein zum Sprung bereites Raubtier.
Er war immer noch willensstark, aber weniger robuste Menschen konnten dem Drang schnell erliegen und sich auf alles stürzen, was ihnen im Weg war.
Selbst auf andere Menschen, die eben noch wie Schwestern und Brüder gewesen waren.
Imberlock schritt entschlossen aus, den Schreien entgegen. Er suchte immer noch nach einem geistigen Halt, etwas, an das er sich klammern konnte. Vielleicht sein wirkliches Ich. Mit dem Gedanken, von etwas Fremdem beherrscht worden zu sein, wuchs in ihm der Wunsch, sich ganz davon zu befreien.
Gon-O, der Mittelpunkt seines Seins. Plötzlich wirkte der Gott nicht mehr wie ein strahlendes, helles Licht, sondern wie ein düsterer Schatten.
Die ersten Kämpfenden tauchten vor auf. Er kannte sie. Sie waren Jünger oder vielmehr solche gewesen. Nun stürzten sie sich aufeinander wie wilde Tiere. Sie brüllten einander an und gingen mit den Fäusten aufeinander los.
Imberlock trat entschlossen dazwischen und versuchte, sie zu trennen. Dabei spürte er, dass die Aggression allgegenwärtig war. Es musste mit dem mentalen Druck zusammenhängen, den sie alle spürten. Er wirkte sich offenbar direkt auf das Aggressionszentrum aus. Wer zu schwach war, unterlag ihm und wurde zur Bestie. Wer stark genug war, konnte den Zwang besiegen. Er selbst vermochte es noch, aber es kostete Kraft.
Carlosch Imberlock musste mehr sehen. Er überließ die Kämpfenden sich selbst und ging weiter, zielstrebig auf die nächste Nebenzentrale zu.
Er begegnete Menschen, Männern und Frauen fast jeden Alters, die, wirr vor sich hin stammelnd, mit leeren, fiebrigen Augen durch die Gänge taumelten und offenbar Halt suchten. Andere wanden sich wie unter Krämpfen. Und wieder andere waren ruhig und kamen zu ihm, um ihn mit Fragen zu bestürmen, auf die er noch keine Antwort wusste.
Es waren anscheinend die weitaus meisten.
In dem Schaltraum saßen Jünger völlig emotionslos an ihren Terminals und arbeiteten – scheinbar völlig normal. Erst ein Blick in ihre Augen verriet, dass sie wie weggetreten waren.
Andere Plätze waren verlassen. Jene, die dort gesessen hatten, waren draußen und kämpften, rannten gegen Wände oder tobten ihre Aggressionen anderswie aus.
Carlosch Imberlock erkannte den Adjunkten, der ihn gerufen hatte, und ging auf ihn zu. Der Mann war vollkommen verstört. Erst als er seinen Meister erkannte, beruhigte er sich etwas.
»Was geschieht mit uns?«, fragte er stockend. »Ich spüre, dass ich frei bin. Alles, was vorher war ...«
Imberlock konnte ihm keine Antwort auf die Frage in seinem Blick geben. Er verließ den Schaltraum und sah sich weiter in seinem Tempel um, hin und her gerissen zwischen widersprüchlichen Gefühlen. Dabei verfestigte sich der Eindruck, dass die meisten der Jünger ganz ruhig geblieben waren und nicht verstanden, was um sie herum vorging. Sie spürten auch die gesteigerte, ziellose Aggressivität, aber sie konnten sie kontrollieren – und standen in Festigkeit zu ihrem Gott. Sie agierten weiterhin in dessen Sinn.
Andere, wie der Adjunkt, fühlten wie er und bestürmten ihn mit Fragen. Er hatte inzwischen keine Zweifel mehr, dass er sich aus einem geistigen Zwang hatte befreien können – oder befreit worden war.
Nur, wenn er es zeigte ...
Es war gefährlich, begriff er. Denn mit einem Mal wurde ihm klar, in welcher Gefahr er schwebte. Wenn die anderen, Gon-O treu ergebenen Jünger begriffen, dass er frei war, ausgerechnet er, ihr Meister, würden sie nicht zögern, sich gegen ihn zu stellen und ihn zu bestrafen – so, wie Verräter an Gon-O bestraft werden mussten: mit dem Tod.
Carlosch Imberlock wollte nur noch aus dem Tempel der Degression heraus. Er konnte nicht warten, bis er...




