E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Reihe: HarperCollins
Hofmeister Das kleine Café der Bücherträume
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7499-5075-1
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Reihe: HarperCollins
ISBN: 978-3-7499-5075-1
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Zauberhafte Blind Dates im kleinen Büchercafé am Waldrand
Frederike will sich mit ihrem kleinen Café am Waldesrand einen Traum erfüllen. Nicht nur Wanderer, sondern auch die Leute aus dem Dorf sollen kommen, als sie zu den »Blind Dates mit einem Buch« einlädt. Nur die Vorbesitzerin Gertrude beäugt das Ganze kritisch. Stattdessen begrüßt sie es, dass der romantische, wilde Garten mit zugewachsenem Teich in der Nähe des Cafés einem Neubaukomplex weichen soll. Ausgerechnet dort hat Frederike vor ein paar Wochen den besten Kuss ihres Lebens bekommen. Natürlich ist sie auf der Seite der Protestler - und kann es kaum glauben, als sie erfährt, wer hinter dem Vorhaben steht.
Lena Hofmeister wurde 1985 geboren und lebt in Frankfurt am Main. Neben ihrer Arbeit als Lektorin und Autorin hat sie jahrelang einen ganzen Wald an Zimmerpflanzen großgezogen - bis sie beschlossen hat, fünf buddelwütigen Katzen ein Zuhause zu geben.
Autoren/Hrsg.
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Prolog
Der Mann am Ecktisch las »Vom Winde verweht«. Frederike hatte den Titel erspäht, als sie ihm seinen Kaffee brachte, und nun beobachtete sie, wie er die Stirn runzelte, als sie mit dem Stück Käsekuchen näher kam, das er bestellt hatte.
Er wirkte nicht wie der typische Leser eines solchen Romans, generell wirkte er nicht wie der typische Leser. Auch wenn die Jacke seines Anzugs derzeit über der Lehne des Stuhls neben ihm lag, verriet der perfekte Sitz, dass es sich nicht um Ware von der Stange handelte, und er hatte zumindest den Versuch unternommen, sein Haar sorgfältig zurückzukämmen. Allerdings, ein paar Strähnen rebellierten dagegen und ließen ihn weniger steif, mehr sympathisch wirken.
Und es ging sie natürlich nichts an, aber der Stelle nach zu urteilen, an der er das Buch aufgeschlagen hatte, war er noch nicht allzu weit gekommen. Sie fragte sich, was das Stirnrunzeln wohl verursacht hatte. Scarlett O’Haras Verhalten auf dem Gartenfest vielleicht?
»Bitte schön.« Sie stellte den Teller mit dem Kuchen vor ihm ab und warf ihm neugierig ein Lächeln zu.
Der Mann reagierte nicht. Stattdessen starrte er einen Moment lang weiter auf die Seiten seines Buchs, als hätten sie ihn persönlich beleidigt. Erst als Frederike sich schon wieder abwenden wollte, schaute er auf. Er hatte dunkelgrüne Augen wie die Blätter über einem schattigen Waldweg, und sein Blick traf sie wie ein Schock.
Sie glaubte nicht an Liebe auf den ersten Blick. Das war etwas für Filme mit Rosa im Titel und Jennifer Aniston in der Hauptrolle. Aber dieser Mann hatte eine Präsenz, die ihre gesamte Aufmerksamkeit forderte und ihr Herz schneller schlagen ließ.
»Verzeihung«, sagte er mit einer Stimme, bei der sie an kalte Herbsttage und gemütliche Kaminfeuer dachte. »Danke.«
Für einen Moment war Frederike hin- und hergerissen zwischen dem Bedürfnis, die Flucht zu ergreifen vor der Intensität des Blicks, und dem, irgendeinen Vorwand für ein Gespräch zu finden. Schließlich siegte ihr Wunsch, mehr über ihn zu erfahren.
Sagte Gertrude nicht immer, sie solle den Gästen ein ganz persönliches Café-Erlebnis bieten? Nun, wenn ihr Lieblingsbuch mit im Spiel war, dann sollte das nicht schwer sein.
»Spannende Lektüre?«, fragte sie.
»Ich verstehe nicht, wieso sie jemanden heiratet, den sie eigentlich gar nicht will.« Er deutete anklagend auf das Buch.
Ah, diese Stelle also. Die war durchaus frustrierend, andererseits liebte man Scarlett O’Hara auch nicht unbedingt für ihre besonnenen Entscheidungen. »Weil sie eigentlich den Mann will, der ihre Freundin geheiratet hat.« Als das keine besondere Reaktion bei dem Fremden auslöste, fügte sie schulterzuckend hinzu: »Es ist tragisch.«
Nachdenklich wiegte er den Kopf. Der Kuchen vor ihm schien vergessen. »Sie hätte sicher noch jemanden gefunden, den sie tatsächlich heiraten wollte.«
Unwillkürlich musste Frederike lachen. »Ich fürchte, Sie und Scarlett O’Hara werden keine Freunde werden.«
Fast verlegen klappte der Fremde das Buch zu und legte es neben seinen Kuchenteller. Das Lächeln, das er ihr nun schenkte, wirkte beinah schüchtern.
»Sie scheinen ja sehr belesen zu sein.«
Nun war es an ihr, verlegen zur Seite zu schauen. »Nein, Sie lesen nur zufällig mein Lieblingsbuch.«
»Ist das so?«
Dieses Lächeln war selbstbewusster und ließ Grübchen zum Vorschein kommen.
»Dann sollte ich mich wohl lieber nicht mehr allzu laut darüber aufregen.«
Eilig winkte Frederike ab. »Jeder hat doch seine eigene Meinung zu einer Geschichte. Das ist ganz normal. Aber warum lesen Sie es denn, wenn Sie sich darüber aufregen?«
»Arbeit.« Er hob die Schultern.
»Das klingt nach einem ziemlichen Traumjob, wenn ich ehrlich bin.«
»Na ja, es …«
»Verzeihung!« Eine ältere Dame am Nachbartisch lehnte sich in ihrem Stuhl nach hinten, damit sie mit einer Hand wedelnd Frederikes Aufmerksamkeit erhaschen konnte. »Wir würden dann gerne zahlen.«
»Sofort.« Frederike wandte sich wieder dem Fremden zu. »Da wir gerade über Arbeit reden …«
Er lächelte. »Natürlich.« Er zwinkerte ihr zu. »Ich bestelle nachher einfach noch einen Kaffee, dann können wir unser Gespräch fortsetzen.«
Frederike konnte gar nicht anders, als das Lächeln zu erwidern, denn er gefiel ihr von Minute zu Minute besser. Und zum Teil hoffte sie, er meinte es ernst.
Aus einem zweiten Kaffee – mit Milch, ein Würfel Zucker – wurde ein dritter und dann ein vierter. Jedes Mal, wenn Frederike ihm eine neue Tasse brachte, blieb sie für ein Schwätzchen an seinem Tisch stehen.
Beim zweiten Mal stellte er sich als David vor. Beim dritten Mal blickte Frederike sich kurz um. Abgesehen von David war nur eine Gruppe Spaziergänger da, der sie gerade erst neue Getränke gebracht hatte. Also ließ sie sich ihm gegenüber auf einem leeren Stuhl nieder.
Sie diskutierten die Kapitel, die er in der Zwischenzeit gelesen hatte. Er schimpfte zwar immer wieder über Scarlett O’Hara, aber er schien entschlossen zu sein, weiterzulesen.
Kurz darauf allerdings strömten neue Gäste ins Café, und sie musste sich entschuldigen.
Die nächste Stunde war hektisch, und Frederike schaffte es nicht an Davids Tisch. Im Vorbeilaufen sah sie einmal, wie er einen Anruf auf seinem Handy entgegennahm. Aber insgesamt wirkte er, als hätte er alle Zeit der Welt. Es musste schön sein, den Nachmittag lesend in einem Café zu verbringen.
Als sie ihn beim vierten Kaffee darauf ansprach, hob er die Schultern. »Ich kann überall arbeiten.« Er deutete auf sein Handy. »Und es ist gemütlicher hier als in meinem Gasthauszimmer.«
»Normalerweise kriegen wir hier vor allem Wandertouristen, wenn die Leute von weit genug weg herkommen und ein Zimmer in einem Gasthaus brauchen«, merkte Frederike an. Es war das erste Mal, dass jemand über so lange Zeit hinweg einen Kaffee nach dem anderen bestellte. Offenbar hatte er Lust zu reden. Vielleicht konnte sie ihn ja dazu bewegen, ein bisschen mehr über sich selbst preiszugeben.
»Das wäre sicher schön, wenn ich tatsächlich zur Entspannung hier wäre.«
Er warf seinem Handy ähnliche Blicke zu wie vor ein paar Stunden dem Buch, als es um Scarletts Heiratsentscheidung gegangen war. Dabei verwuschelte er sich geistesabwesend mit einer Hand das Haar. Frederike senkte schnell den Kopf, damit er nicht sah, wie liebenswert sie diese Geste fand. Sie ließ ihn jugendlich und frech wirken und erinnerte sie an die Helden aus ihren Lieblingsbüchern.
»Eigentlich hätte ich heute ein Meeting gehabt«, erzählte er weiter. »Aber sie haben mich erst warten lassen und schließlich abgesagt.«
»Dann hättest du ja jetzt Zeit, dir unser schönes Städtchen ein bisschen anzusehen.« Frederike bemühte sich, betont fröhlich zu klingen, und schenkte ihm ihr bestes Lächeln. Sie wollte ihn gerne aufmuntern, hatte er doch ihren heutigen Arbeitstag besonders interessant gemacht.
David lachte. »Ich will ja niemanden beleidigen, aber so viel gibt es hier nicht zu sehen.«
Damit hatte er durchaus nicht unrecht, doch gleichzeitig hatte er sie nun bei ihrem Lokalpatriotismus gepackt. »Na ja«, sagte sie und überlegte fieberhaft, was sie als interessante Sehenswürdigkeit anpreisen könnte. »Wir haben den Dorfplatz mit der Kirche, die ist immerhin um die fünfhundert Jahre alt. Und ganz in der Nähe hat letztes Jahr eine Bar aufgemacht, dort gibt es echt gute Cocktails.«
»Tatsächlich?«
Er wirkte nicht allzu enthusiastisch, aber immerhin lächelte er nun versöhnlich.
»Ich nehme alles zurück. Wenn Sagenbrühl sogar ein Nachtleben hat, was mehr könnte ich mir wünschen?«
Nun musste Frederike lachen. Weitere Worte lagen ihr auf der Zunge. Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und sprach sie aus: »Ich habe gleich Feierabend. Falls du noch jemanden suchst, mit dem zusammen du das aufregende Nachtleben von Sagenbrühl erkunden kannst …«
So viel Direktheit war normalerweise nicht ihr Stil, aber der Gedanke, ihn einfach so gehen zu lassen, verursachte leichte Panik bei ihr. Außerdem würde sie tatsächlich gleich ihre Schicht beenden. Und je mehr sie über ihn erfuhr, desto spannender fand sie David.
Sie wollte nicht riskieren, dass sie auseinandergingen und nie wieder voneinander hörten, wenn zumindest eine kleine Chance bestand, dass er mehr Zeit mit ihr verbringen wollte. Immerhin unterhielt er sich gern mit ihr, und vielleicht fühlte er ähnlich wie sie und war froh über eine Gelegenheit, ihr Zusammensein zu verlängern.
Angeblich sollte es ja auch anständige Männer geben, die wussten, dass man sich nicht an Kellnerinnen während ihrer Arbeitszeit heranmachte. Das hieß, den ersten Schritt zu machen lag an ihr. Und ihre Mutter würde ihr verzeihen, dass sie einen Abend nicht bei ihr verbrachte. Sie sagte doch immer, sie solle mehr aus dem Haus kommen. Frederike würde auf dem Heimweg schnell nach dem Rechten bei ihr sehen.
Tatsächlich hellte sich Davids Miene auf. »Wenn das so ist, wie wäre es mit einem Abendessen, bevor wir uns ins Nachtleben stürzen?«
Ein wahrer Gentleman. Frederikes Herz schlug schneller. »Sehr gerne. Ich muss nur kurz noch mal nach Hause.« Sie wollte nicht unbedingt in ihrer Arbeitskleidung in der schicken Cocktailbar sitzen.
David nickte. »Ich bin im Gasthaus Schwanen. Treffen wir uns einfach in einer Stunde dort?«
Ein Date! Sie hatte ein...




