Holland | Die Königin von Jerusalem | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 571 Seiten

Holland Die Königin von Jerusalem

Historischer Roman | Männer haben diesen Krieg begonnen - nur eine Frau kann ihn beenden!
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98690-944-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Historischer Roman | Männer haben diesen Krieg begonnen - nur eine Frau kann ihn beenden!

E-Book, Deutsch, 571 Seiten

ISBN: 978-3-98690-944-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die mächtigste Frau des Heiligen Landes: Der historische Roman »Die Königin von Jerusalem« von Cecelia Holland jetzt als eBook bei dotbooks. Jerusalem, 1187: Seit vielen dunklen Jahren kämpfen die Christen schon gegen Saladins Truppen um die Vorherrschaft im Heiligen Land. Der junge König Balduin ist zwar klug und furchtlos - doch eine schwere Lepra-Erkrankung wird ihm zu einem frühen Verhängnis. Plötzlich ist es an seiner Schwester Sibylle, die Krone zu übernehmen: Als Königin von Jerusalem hat sie schon bald nicht nur mit feindlichen Heeren, sondern auch mit Verrätern in den eigenen Reihen zu kämpfen. Ihren einzigen Verbündeten findet sie in dem Tempelritter Rannulf, dessen Treue allein Gott und seiner jungen Königin gilt. Mit seiner Hilfe setzt Sibylle alles daran, den Krieg zu gewinnen und den Frieden wiederherzustellen - doch Saladins Armee ist unerbittlich ... »Das überzeugende Porträt einer bewegten Zeit und das Werk einer begnadeten Erzählerin.« Booklist Jetzt als eBook kaufen und genießen: »Die Königin von Jerusalem« von Cecelia Holland wird alle Fans der Bestseller von Rebecca Gablé und Ulf Schiewe begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Cecelia Holland wurde in Nevada geboren und begann schon mit 12 Jahren, ihre ersten eigenen Geschichten zu verfassen. Später studierte sie Kreatives Schreiben am Connecticut College unter dem preisgekrönten Lyriker William Meredith. Heute ist Cecelia Holland Autorin zahlreicher Romane, in denen sie sich mit der Geschichte verschiedenster Epochen und Länder auseinandersetzt. Die Website der Autorin: thefiredrake.com/ Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre historischen Romane »Im Tal der Könige«, »Die Königin von Jerusalem«, »Die Ritterin«, »Stonehenge: Die Säulen des Himmels«, »Im Schatten der Borgias«, »California: Der Ruf der Freiheit«, sowie ihre Norsemen-Saga mit den Einzelbänden »Der Thron der Wikinger« und »Der Erbe der Wikinger«.
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Kapitel 1


Am Vormittag fing auch das zweite Pferd an zu lahmen. Rannulf, der zwei Längen hinter Markus ritt, spürte, wie das Tier zusammenzuckte und aus dem Tritt geriet. Das Hinken wurde mit jedem Schritt schlimmer, bis das Pferd schließlich aufgab und sich weigerte, auch nur noch einen Meter weiterzugehen.

Rannulf ließ sich über die Kruppe zu Boden gleiten. Der andere Ritter blieb im Sattel; mit einem unterdrückten Fluch stieß er seine sporenbewehrten Fersen heftig in die Flanken des Rosses. Das Tier antwortete mit einem langgedehnten erschöpften Stöhnen. Rannulf entfernte sich ein paar Schritte vom Weg und sah sich um.

Ausgebleicht wie ein alter Knochen breitete sich die Wüste rings um sie aus. Unter dem stechend blauen Himmel erhoben sich im Süden die schwarzen, kahlen Hügel, die von den Einheimischen als Ibrahims Amboß bezeichnet wurden. Weiter nördlich verlief die Straße in Richtung einer unregelmäßigen Erhebung, die in der Hitze flimmerte. Das Pferd stöhnte vor Erschöpfung, seine Augen wirkten glasig.

Markus, der noch immer im Sattel saß, sagte: »Der Klepper ist erledigt.« Er nahm die Kappe ab und wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht. »Genauso wie wir.«

»Wenn wir die ganze Nacht durchreiten, erreichen wir Ascalon in der Morgendämmerung«, meinte Rannulf.

»Sicher, aber wir haben keine Pferde. Doch wie ich Euch kenne, ist Euch das in Eurer neunmalklugen Art vermutlich noch gar nicht aufgefallen.«

»Vor uns auf dem Weg liegt eine Karawanserei. Wir können bis dorthin gehen und uns dann frische Tiere besorgen.«

Markus packte die Zügel kürzer, fluchte leise und peitschte Hals und Schultern des Pferdes. Rannulf schaute wieder nach Süden und überlegte, ob es sich bei dem Dunst, der zum Himmel emporstieg, um den Staub handelte, den die anrückenden Sarazenen aufwirbelten. Allerdings glaubte er nicht, daß Saladins Heer so schnell vorankommen würde. Markus ließ den Arm mit den nutzlosen Zügeln sinken. Die Beine des Pferdes knickten ein, und es brach zusammen. Der Ritter schrie laut und schrill vor Zorn und Furcht und brachte sich mit einem gewaltigen Satz in Sicherheit.

»Wir müssen den Sattel mitnehmen«, erinnerte Rannulf seinen Gefährten.

»Zum Teufel mit dem Sattel’ Direkt hinter dem Hügel dort hinten lauern bestimmt tausend und abertausend dieser sarazenischen Sandschweine!« Markus stampfte mit dem Fuß auf. Seiner erregten Stimme war nicht anzumerken, was ihn mehr beherrschte: Angst oder Wut. »Wie weit ist es bis zu dieser Herberge?«

»Der Sattel gehört dem Orden.« Rannulf beugte sich über das noch lebende Pferd und zerrte die Gurte los.

Der Bauch des Tieres hob sich, als seine Hand darüberstrich. Die Aussicht, in der Karawanserei Pferde kaufen zu können, war nicht besonders günstig, aber dort auch noch einen Sattel aufzutreiben schien ausgeschlossen.

Markus drehte sich zu ihm um. »Laßt den Sattel liegen, Heiliger. Ich bin zwar bereit, zu Fuß zu gehen, aber ich werde dabei nicht mehr tragen, als unbedingt nötig ist.«

Rannulfs Temperament drohte mit ihm durchzugehen, und in seinen Augen blitzte es auf; er bekreuzigte sich, um den aufkommenden Zorn niederzuzwingen, und wandte sich Markus zu, doch dem anderen Ritter war das Kreuzeszeichen nicht verborgen geblieben. Er wich ein paar Schritte zurück, hob abwehrend die Hände und sagte: »Schon gut. Schon gut.« Der Mann bückte sich, lockerte das Zaumzeug und streifte es dem sterbenden Pferd über den Kopf. Rannulf wuchtete sich den Sattel auf die Schulter, und sie traten ihren Fußmarsch, den Weg entlang, an.

Der Sommer war bereits vorbei, und mit ihm war auch die ärgste Hitze verschwunden, doch auf dieser weiten, trockenen Ebene schien die Sonne die Luft regelrecht zu kochen, und das Licht waberte, als würde es durch einen Schleier aus Wasser gefiltert. Hier und dort standen Sträucher wie Tupfer auf der dünnen Sandkruste. Der Weg, der bleicher erschien als das Land zu beiden Seiten, war keine richtige Straße, vielmehr eine vielleicht hundert Schritt breite Zone, bedeckt von zahllosen Fußstapfen, Hufabdrücken, sich kreuzenden Wagenspuren und alten Dunghaufen. Aufrechtstehende Steine säumten seinen Rand, zusammen mit Felshaufen, zerbrochenen Rädern und Tragegestellen, verrottenden, nicht mehr zu gebrauchenden, vor sich hin rostenden Rüstungsteilen und mit Gebeinen.

»Wie weit ist es noch bis zu dieser Herberge?« fragte Markus abermals.

Rannulf legte eine Hand an die Stirn, um die Augen vor der Sonne zu schützen. »Wir müssen vielleicht gar nicht mehr so weit laufen. Seht.« Er deutete nach vorn. Ein gutes Stück voraus und jenseits der unregelmäßigen Begrenzung aus Steinen, Schutt und Abfällen bewegte sich eine Staubfahne in Richtung der blauen Hügel. Jemand näherte sich dem Weg aus östlicher Richtung.

»Sarazenen«, entfuhr es Markus.

»Das glaube ich nicht«, entgegnete Rannulf. »Die gehören zu uns.«

»Ihr könnt doch gar nichts erkennen. Ihr ratet einfach nur.«

»Nein. Seht doch, woher sie kommen. In jener Richtung gibt es nur Krak. Das müssen unsrige sein.« Rannulf spähte zu der sich bewegenden Staubwolke und versuchte abzuschätzen, an welcher Stelle der Zug die Straße erreichen würde. »Also los«, sagte er und rannte im Laufschritt los.

»Ich wollte, Ihr würdet reiten«, sagte Sibylle. »Ihr haltet uns nur auf.« Sie zügelte abermals ihr Pferd, um sich dem Tempo des Karrens anzupassen.

Alys, ihre Base, hockte hinter den schwerfällig trottenden Maultieren in halb sitzender, halb liegender Stellung auf einem Berg von Kissen. Eine ihrer plumpen Hände umklammerte die Kante der Seitenwand des Wagens, während die andere ständig die Fliegen zu verscheuchen versuchte, die im Schatten des Sonnenschutzes umherschwirrten. »Wenn Ihr glaubt, das hier wäre bequem, dann kommt doch her und gesellt Euch zu mir, Sibylle. Aber glaubt mir, wenn ich auf einem Pferd sitzen müßte, kämen wir noch langsamer voran.«

Sibylle stieß einen Seufzer aus. Sie reisten jetzt schon seit zwei Tagen durch diesen immer gleichen, öden Landstrich, und sie sehnte sich danach, endlich sein Ende zu erreichen und irgendwo anzukommen, ganz gleich an welchem Ort. Die Pferde der fünf Ritter, die vor ihr trabten, wirbelten einen Staubschleier auf, der ihr in die Augen drang. Sie hatte Guile, der den Befehl über ihre Eskorte innehatte, erklärt, daß sie diesen Zustand zu ändern wünsche und die Männer hinter ihr zu reiten hätten, doch der Edle hatte sie höhnisch angesehen und ihr empfohlen, sich gefälligst in den Wagen zu begeben und die Vorhänge geschlossen zu halten.

»Ihr solltet ihm nicht gestatten, so mit Euch zu reden«, sagte Alys.

»Nein, sicher nicht«, meinte Sibylle. Sie wollte nicht zugeben, daß sie sich vor Guile fürchtete. Plötzlich erscholl von vorn ein Ruf. Die Ritter drängten sich vor der Herrin zusammen und hielten an.

Irgendetwas ging dort vor. Auch der Wagen kam zum Stehen. Alys beugte sich vor, spähte durch die tanzenden Fliegen und fragte: »Was geht denn da vor?« Sibylle lenkte ihr Pferd vom Karren fort und schloß zu den Rittern an der Spitze des Zuges auf.

Guile von Krak hatte sich vor seinen Männern aufgebaut und das Schwert gezogen. Er war ein stämmiger Mann und einige Jahre älter als Sibylle. Unter dem Rand des Helms wallte sein Haar knochenweiß über die Schultern hinab. »Bleibt, wo Ihr seid!« rief er.

Sibylle zügelte ihr Pferd, reihte sich hinter Guile ein, so daß sie aus seinem unmittelbaren Blickfeld verschwand, und schaute in die Richtung, der auch seine Aufmerksamkeit galt. Zwei Männer kamen über die Straße auf sie zugelaufen. So abgerissen, schmutzig und bärtig, wie sie waren, wirkten sie wie Gesetzlose. Auf Guiles Befehl hin blieb einer der beiden stehen, während der andere weiter auf ihn zukam und erklärte: »Ich nehme Euer Pferd. Und ich brauche noch eines für meinen Bruder.«

Sibylle hob überrascht den Kopf, und Guile stieß ein verächtliches Lachen aus. »Was? Geht mir aus dem Weg, oder ich schneide Euch in Stücke.« Wie um seine Worte zu unterstreichen, legte er die Klinge auf die Schulter.

Der Mann vor ihm machte keine Anstalten, nach seinem eigenen Schwert zu greifen, das in einer schwarzen Scheide an seiner Hüfte hing. Er trug einen Sattel auf der Schulter, den er zu Boden fallen ließ, als wäre er gerade heimgekommen. Dann nahm er den Helm ab und wischte sich mit dem Ärmel seines Waffenrocks über das schweißnasse Gesicht. Sein schwarzes Haar war kurz geschnitten und reichte nicht einmal bis zu den Ohren. Ruhig blickte er zu Guile hinauf und bemerkte: »Ich bin Ritter des Tempels zu Jerusalem, und ich will Euer Pferd. Also steigt ab.«

Ein erregtes Raunen ging durch Sibylles Eskorte. »Ein Templer. Hört Ihr, ein Templer.« Guile ließ sein Schwert sinken. Sibylle ritt näher heran, richtete ihren Blick auf die breite Brust des schwarzhaarigen Ritters und erkannte unter der Schmutzschicht das rote Kreuz auf seinem Wams.

Sie fuhr zu Guile herum, der reglos neben ihr saß, das Schwert quer über dem Sattelknauf hielt und die Kiefer fest zusammenpreßte, und sagte: »Nun? Worauf wartet Ihr? Händigt ihm Euer Pferd aus.«

Guile starrte sie wütend an. Noch während sie sprach, hatte der Templer, der auf der Straße gewartet hatte, zu dem Schwarzhaarigen aufgeschlossen. »Stellt fest, ob Sie etwas Eßbares dabei haben«, verlangte er.

Sibylle lenkte ihr Pferd zwischen Guile und die beiden Ritter. »Wir werden Euch helfen. Ich bin Prinzessin Sibylle von Jerusalem. König Amalrich war mein Vater, und König Balduin ist mein Bruder. Sagt mir, wie ich Euch zu Diensten sein kann.«

Sie erwartete eine gewisse Ehrerbietung, ein wenig Respekt oder...



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