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Holtmann / Patzelt Führen Regierungen tatsächlich?

Zur Praxis gouvernementalen Handelns
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-531-90825-0
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Zur Praxis gouvernementalen Handelns

E-Book, Deutsch, 214 Seiten, Web PDF

Reihe: Schriften der DVPW-Sektion Regierungssystem und Regieren in der Bundesrepublik Deutschland

ISBN: 978-3-531-90825-0
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Politische Führung ist in modernen Regierungssystemen unabweisbar und mit dem Demokratieprinzip vereinbar. In diesem Buch werden bestimmte Aspekte und Probleme politischen Führens anhand konkreter institutioneller Spannungslagen, zum Teil in vergleichender Perspektive, untersucht.

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Research

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Einleitung: Entscheiden unter Bedingungen von Unsicherheit — Zur Reichweite von institutionell basierter politischer Führung.- Governance- und Managementkonzepte des Regierens.- Politische Führung und Vetospieler: Einschränkungen exekutiver Regierungsmacht.- Die Praxis regierungsförmiger Steuerung.- Die Richtlinienkompetenz des Bundeskanzlers — kein Phantom?.- Richtlinienkompetenz (hierarchische Führung) oder demokratische politische Führung? Antwort an Everhard Holtmann.- Regieren mit und ohne Richtlinienkompetenz — Handlungsspielräume der Bundeskanzler in Deutschland und Österreich.- Verwaltungskultur in der Ministerialbürokratie. Ein empirischer Essay.- Richtlinienkompetenz und Governance: Regierungsführung in Hamburg 2001–2006.- Nur zweite Reihe? — Staat und Regierung in der Global Governance of Water.- Exekutive Prärogative vs. parlamentarische war powers — Gouvernementale Handlungsspielräume in der militärischen Sicherheitspolitik.


Governance- und Managementkonzepte des Regierens (S. 21)

Klaus König

1 Perzeptionen und Konzepte

Governance und Management sind beides: Begriffe der Wissenschaft und Begriffe der wissenschaftlich inspirierten Praxis. Management ist ein etablierter Wissenschaftsgegenstand, im deutschsprachigen Raum insbesondere der Betriebwirtschaftslehre. Welche Wissenschaftsansprüche die Managementbewegung von Anfang an begleiten, belegt die Formel vom „Scientific Management (vgl. Taylor 1915).

Der Managerialismus ist deswegen vielfach kritisiert worden, etwa die Managementprinzipien als „Proverbs of Administration (vgl. Simon 1946: 53 ff.). Aber bis zum heutigen Tage sind Modelle wie „Lean Management oder „Total Quality Management vom Rationalitätsverständnis einer wissenschaftlichen Zivilisation geprägt.

Der Governancebegriff ist im Wissenschaftsbereich – sieht man von einem Vorlauf ab (vgl. Neumann 1980) – durch die Transaktionskostenökonomie eingeführt worden (vgl. Williamson 1979: 233 ff.). Es war dann gerade die Institutionenökonomik, die das Good Governance-Konzept der Weltbank intellektuell anregte (vgl. Theobald 2000).

Insbesondere der Weltbankbericht „Governance and Development (vgl. World Bank 1992) und das breite Konzept der Commission on Global Governance „Our Global Neighbourhood (vgl. Commission on Global Governance 1995) haben Governance zu einem Leitbegriff der Weltpolitik, vor allem der Entwicklungs- und Transformationspolitik gemacht (vgl. König 2002).

Der Governancebegriff ist in seiner weiteren internationalen Karriere unter vielfältige intellektuelle Einflüsse geraten: aus der Politischen Wissenschaft, den Entwicklungsmanagement- Modellen, weiterhin der Institutionenökonomik, dem internationalen Recht u.a. Unter Governance ist verwiesen worden auf die Form des politischen Regimes, auf den Prozess, durch den Autorität im Management von Wirtschaft und sozialen Ressourcen eines Landes für die Entwicklung ausgeübt wird, auf die Kapazität der Regierung, Sachpolitiken zu entwickeln, zu formulieren und zu vollziehen.

Governance hat sich hiernach zu einem ubiquitären Begriff entwickelt, nämlich auf allen territorialen Ebenen – international, national, regional, lokal –, in den ausdifferenzierten sozialen Handlungssphären – Staat und Verwaltung, Marktwirtschaft und Unternehmen, Zivilgesellschaft und Nicht-Regierungsorganisationen –, in den Sektoren des öffentlichen Handelns - Umweltschutz, Friedensstiftung, Wirtschaftsordnung – usw. Governance erhält seine Bedeutung so aus Merkmalskontexten, die explizit oder implizit beigefügt werden.

Beispiele für sinngebende Adjektive sind: „Global Governance – hier geht es darum, wie trotz Fehlens einer Weltregierung gemeinsame Angelegenheiten der Weltgesellschaft geregelt und gesteuert, konfligierende Interessen ausgeglichen, kooperatives Handeln initiiert, internationale Regime angewandt werden können –, „Europäische Governance – hier handelt es sich um alle Regeln, Verfahren und Verhaltensweisen, die mit der Art der Ausübung der Befugnisse auf der Ebene der Europäischen Union zusammenhängen – (vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2001), eben „Good Governance – hier werden die Steuerungs- und Regelungsprämissen für die ökonomische, soziale, politische Entwicklung bezeichnet, und zwar vor allem im Hinblick auf die Dritte Welt, aber auch für Transformationsländer.

Will man den Managementbegriff auf das Regieren beziehen, muss man noch vor den internationalen Modernisierungsbewegungen etwa der eines Planning-Programming-Budgeting Systems (vgl. Böhret 1970, Reinermann 1975) auf Entwicklungen in den Vereinigten Staaten zurückgreifen. Dort fand der Managerialismus früh im 20. Jahrhundert erste Anerkennung, und zwar auf dem Gebiet der Budgeterstellung und des Haushaltswesens. Von augenfälliger Symbolik war dann der „Report of the President’s Committee on Administrative Management von 1937.


Dr. Everhard Holtmann ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Halle.
Dr. Werner J. Patzelt ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Dresden.



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