Holz / Schlaf | Die Familie Selicke | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 116 Seiten

Reihe: Reclams Universal-Bibliothek

Holz / Schlaf Die Familie Selicke

Drama in drei Aufzügen - Holz, Arno; Schlaf, Johannes - Deutsch-Lektüre, Deutsche Klassiker der Literatur - 19655
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-15-961977-4
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Drama in drei Aufzügen - Holz, Arno; Schlaf, Johannes - Deutsch-Lektüre, Deutsche Klassiker der Literatur - 19655

E-Book, Deutsch, 116 Seiten

Reihe: Reclams Universal-Bibliothek

ISBN: 978-3-15-961977-4
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit schonungslosem Blick beschreiben Arno Holz und Johannes Schlaf in ihrem Stück die ökonomische Verelendung und Bindungslosigkeit einer Berliner Kleinbürgerfamilie. Seit seiner Uraufführung im Jahr 1890 gilt das Drama des Autorenduos als Mustertext des Naturalismus. Hier kommen Verfahrenstechniken und Schreibweisen zur Anwendung, die Theodor Fontane bewundernd als dramatisches »Neuland« bezeichnete. Die Ausgabe enthält Anmerkungen und ein neues Nachwort. E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden.

Ingo Stöckmann ist Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Bonn.
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[7]Erster Aufzug


I i d d

[8]FRAU SELICKE . Ach Gott ja!

WALTER . Mamchen?!

FRAU SELICKE .

WALTER . Mamchen? Darf ich mir noch schnell ’ne Stulle schneiden?

FRAU SELICKE . Ach, geh, du ungezogner Junge! Erschrick einen doch nich immer so! Kannst du denn auch gar nich ’n bisschen Rücksicht nehmen?! Siehst du denn nich, dass das krank ist?

WALTER n. Aber ich hab doch noch solchen Hunger, Mamchen?

ALBERT . Ach was, Mutter! Jieb ihm lieber ’n Katzenkopp un denn is jut!

FRAU SELICKE . Na, du, Großer, sei doch man schon ganz still! Du verdienst ja noch alle Tage welche! Ich denk, ihr seid überhaupt schon lange weg?

ALBERT . Ja doch! Gleich! Aber ich wer’ mir doch wohl noch erst den Rock abbürschten können?

FRAU SELICKE. Na ja, gewiss doch! Steh du man immer recht vorm Spiegel und vertrödle recht viel Zeit! Da [9]werd’t ihr ja euern lieben Vater sicher noch finden! Der wird heute grade noch auf ’m Kontor sitzen!

ALBERT. Ach Jott! Nu tu doch man nicht wieder so! Vor sechs kann er ja doch heute sowieso nich aus ’m Geschäft!

FRAU SELICKE. So! Na! Und wie spät denkste denn, dass es jetz’ is? Jetz’ is gleich drei Viertel!

ALBERT. Ach, Unsinn? Die jeht ja vor!

FRAU SELICKE . Hach nee! Ich sag schon! Sicher is er nu wieder weg, und vor morgen früh wer’n wir ’n ja dann natürlich nich wieder zu sehn kriegen! Nein, so ein Mann! So ein Mann! …

ALBERT . Hurrjott, Mutter! Räsonier doch nicht immer so! Du ja noch gar nich!

FRAU SELICKE. Ach was! Lass mich zufrieden! Beruf mich nich immer! Ich schon, was ich weiß! Da – haste! Klapp se dir zusammen und dann macht, dass ihr endlich fortkommt! Aus euch wird auch nischt!

FRAU SELICKE . Na? Machste nu auf, oder nich?

[10]ALBERT d . Nanu? Das kann doch unmöglich schon der Vater sein?

FRAU SELICKE . Ach wo!

h u

ALBERT .

Ach, alte Quacksalber?!

FRAU SELICKE. Na, du Großmaul, wirst doch nich immer gleich das Geld für ’n Dokter!

ALBERT . Ach, Blech! Nich wahr? Nu fang wieder an! …

WALTER . Au, Mamchen, sieh mal! ’n Hampelmann! Mamchen, ’n Hampelmann! Wah? Den schenken Se mir?

KOPELKE . Sachteken! Sachteken!

ALBERT . Ah, gut’n Abend, Herr Kopelke!

KOPELKE. ’n Abend! ’n Abend, junger Herr! ’n Abend! Na? Und meene kleene Patientin? Ick muss doch mal kommen?

FRAU SELICKE . Ach Gott ja! Na, ich kann wohl schon sagen!

KOPELKE . Ach wat, wissen Se! Det … det … e …

WALTER. Olle Kopelke! Olle Kopelke!

KOPELKE . Ach, nich doch, Kind! Det ’s jo unjezogen! Du musst nich immer Olle Kopelke sagen! Det jeheert sick nich!

WALTER . Oh …! Olle Kopelke! …

ALBERT . Hörst du denn nich, du Schafskopp? Du sollst still sein!

WALTER . Nanu? Du hast mir doch jar nischt zu sagen?

ALBERT .

FRAU SELICKE . Nein! Nein! Nun sehn Sie doch bloß! Die reinen Banditen! Das Kind! Das Kind! Nehmt doch wenigstens auf das Kind Rücksicht!

[12]ALBERT . Natürlich! So is recht! Bestärk ihn man noch immer! Dem lässt du ja...



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