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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 397 Seiten

Reihe: Haunted-Souls Reihe

Hoogen Whispering Pages


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-384-12713-6
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 1, 397 Seiten

Reihe: Haunted-Souls Reihe

ISBN: 978-3-384-12713-6
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Kannst du etwas finden, das nicht gefunden werden will? Eigentlich ist Liam Walker nach Glasgow gezogen, um sich für eine Universität zu entscheiden. Stattdessen verbringt er seine Zeit lieber in der Dunnet Library, versteckt sich zwischen den Regalen, obwohl er den Büchern nichts abgewinnen kann. Dafür begegnet er dort einem jungen Mann, der umso faszinierender ist. Kieran sorgt schnell dafür, dass Liam seine ursprünglichen Pläne vergisst. Er sucht schon seit Langem nach einem speziellen Buch, das nicht in der Bibliothek verzeichnet ist - bis Liam ihm seine Hilfe anbietet. Die alten Bücher flüstern ihm ohnehin heimlich zu. Doch dann beginnen Angestellte einer nach dem anderen zu verschwinden. Liam wird klar, dass zwischen den hohen Regalen der Dunnet Library mehr als nur Schatten lauern...

Bücher und vor allem das Schreiben begleiten Lena Hoogen schon ihr Leben lang, auch wenn man sich in der Schule dafür Ärger eingefangen hat. Denn diese Geschichten müssen erzählt werden. Dabei hat sie zwar eine Vorliebe für das Düstere und Paranormale, doch in einem einzigen Genre lassen sich ihre Werke nicht einfangen. Ganze Welten entspringen ihrem Kopf zu den ungelegensten Zeiten. Es ist unerheblich, ob Cyberpunk, Horror oder High-Fantasy: ihre Bücher leben von den Charakteren, mit all ihren Fehlern und Facetten. Dazu sind alle Welten so bunt und queer wie ihre eigene. Nach der im Selfpublishing veröffentlichten Haunted-Souls Reihe geht es Anfang 2026 mit einer Cyberpunk Dilogie im Weltenbaum Verlag weiter. Sie wurde 1992 geboren und lebt nun mit ihrer Katzenomi und einer kleinen Bibliothek in einer Stadt am Rhein, in der Nähe von Düsseldorf.
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Kapitel 2

Liam ließ sich durch die zahlreichen Menschen treiben. Es war Samstag und dementsprechend voller als an den anderen Tagen der Woche. Der einzige Tag, an dem er sich hier nicht mehr so wohlfühlte. Dabei bedeuteten mehr Besucher nicht automatisch, dass er beobachtet wurde. Er wurde nicht einmal beachtet, in der sich stetig bewegenden Masse. Sie schwammen um ihn herum wie ein Fischschwarm. Er hatte nicht erwartet, dass sich so viele von ihnen in eine Bibliothek verirrten. Aber jeder hatte nur Augen für die auf Papier gedruckten Worte. Worte, die ihnen mehr gaben, als Menschen es im Alltag ausdrücken konnten. Sie waren nicht hier, weil sie neue Bekanntschaften machen wollten.

So viele Leben, so viele Geschichten, so viele Wege umgaben ihn hier, dennoch wusste Liam nicht, was er tun sollte. So viele Ratgeber und Vorbilder, Wegweiser und Pioniere es hier auch gab, er fühlte sich allein. Er hielt inne, während die restlichen Menschen sich um ihn herum weiterbewegten. Er lächelte und schüttelte über sich selbst den Kopf.

Nein.

Er war genau dort, wo er sein wollte.

Jemand rempelte ihn von hinten an. Er schaffte es, sein Gleichgewicht zu halten, ohne vollends zu Boden zu gehen. Das würde nur unnötige Aufmerksamkeit auf ihn ziehen. Doch sobald er sich wieder aufrichtete, war niemand da, von dem er eine Entschuldigung verlangen konnte. Nur gesichtslose Fremde, die einfach weitergingen, ohne etwas von dem Vorfall bemerkt zu haben. Liam rieb sich die Schulter.

Hier im Erdgeschoss waren einfach zu viele Menschen. Darum griff er wahllos in das Regal mit den Bestsellern, das vor ihm stand, und machte sich mit seiner heutigen Beute auf den Weg. Man wurde seltener angesprochen, wenn man mit einem Buch unterwegs war. Liam ging außen an den verwirrend angeordneten Regalen vorbei, bis er zu dem Treppenhaus kam, das ihn in seinen Lesesaal führte. Er musste zwei Etagen nach oben.

Auf der Treppe zur ersten Etage kamen ihm etliche Menschen entgegen, die sicher aus dem Café kamen. Dort war Liam noch nie gewesen. Er liebte zwar Süßes und Backwaren, aber er hatte nicht genug Geld für solch einen Luxus. Darum brachte er sich besser nicht in Versuchung. Wenn sich der verführerische Duft einmal in seiner Nase festsetzte, konnte er sich nur schwer zurückhalten.

Liam eilte auch den zweiten Treppenabsatz hinauf. Hier bemerkte man nichts mehr von dem alten Charme des Bauwerks, da diese Treppen und Räume nachträglich eingefügt worden waren. Das Licht war viel zu spärlich für ein ganzes Treppenhaus. Dadurch zogen sich eigenartige Schatten über die Stufen und Wände, die ein drückendes Gefühl in seinem Magen hinterließen. Sein Nacken kribbelte unangenehm, sobald er an der letzten Stufe ankam und sich nach links wandte, um den großen Saal am Ende des Flures zu betreten. Dieser kurze Gang war nichts weiter als ein Durchgangszimmer ohne eigenen Inhalt. Etliche Türen darin führten in andere Teile der Bibliothek. Dennoch wollte er nur zu dieser einen.

Es handelte sich um eine große hölzerne Doppeltür, die über dem Eingang mit alten Schnitzereien geschmückt war. Dunkles Holz, das im schwachen Licht beinahe schwarz wirkte. Doch es bewegte sich immer nur eine der zwei Hälften, wenn er dagegen drückte. An manchen Tagen stand sie einladend offen, an anderen nicht. Liam hatte noch kein System dahinter entdeckt.

Sobald seine Hände auf das polierte Holz trafen, legte sich das unangenehme Kribbeln in seinem Nacken. Stattdessen überkam ihn Ruhe. Eine Ruhe, die das nervöse Summen seiner Muskeln dämpfte.

Die Scharniere der Tür quietschten leicht, während er sie öffnete, als würde die Tür ihn begrüßen. Der Raum dahinter lag in vertrautem Halbdunkel. Direkt vor ihm standen zwei hohe Regalreihen, die sich weit nach rechts und links erstreckten und einen Gang in der Mitte bildeten. Sie waren mindestens drei Meter hoch, an jedem fand man eine Leiter, um an die oberen Bretter zu gelangen. Wenn man sich hier nicht auskannte, konnte man die schönen Fenster und Erker an der linken Seite des Raumes leicht übersehen, die hinter diesen Regalen versteckt lagen. Die Decke erstreckte sich in endloser Entfernung über ihm. Liam konnte nicht einschätzen, wie hoch sie wirklich war. Sie war in der Mitte spitz zulaufend und mit großen Fensterflächen ausgestattet, die mehr Licht hineinließen. Heute malten die Sonnenstrahlen ihr einzigartiges Bild in die Luft. Auch wenn kaum jemand sich die Zeit nahm, einen Blick nach oben zu werfen.

Liam ging den Mittelgang entlang, bis er die ersten beiden Regalreihen hinter sich gelassen hatte. Niemand stand dort, um nach etwas zu suchen. Dabei war dieser Teil der Bibliothek so viel schöner als der Eingangsbereich. Nach der zweiten Reihe bog er nach links ab.

Ein neuer Tag zwischen den unendlichen Geschichten, die ihn umgaben. Ein weiterer Tag, an dem er keine von ihnen lesen würde. An dem er sich weigerte, den Sinn dieses Ortes zu verstehen.

Er ging weiter, bis die hohen Regale endeten. Dahinter verlief ein weiterer Gang, der den einen Bereich voller Regale von dem nächsten trennte. Während er seine Hand über das kühle Holz gleiten ließ, hörte er ein Flüstern.

Liam blieb verunsichert stehen und legte den Kopf schief. Doch er hörte es ganz deutlich, auch wenn es nur ein Hauch war. Jemand murmelte vor sich hin. Leise Worte, die nur für bestimmte Ohren gedacht waren. Es war ein vertrauter Ton, da viele Menschen sich hier nur im Flüsterton unterhielten, als wäre es verboten, normal miteinander zu sprechen. Manche schienen regelrecht den Atem anzuhalten, während sie hier waren. Langsam ging Liam um das Ende des Regals herum und linste um die Ecke, dort war jedoch keine Menschenseele. Er drehte sich sogar einmal im Kreis. Dennoch sah Liam niemanden, der hier vorbeigelaufen sein könnte. Sobald er sich wieder darauf konzentrierte, war auch das Flüstern fort.

Seine Augenbrauen schoben sich verwirrt zusammen und er rückte die Brille höher auf seine Nase. Zögernd setzte er sich erneut in Bewegung, nicht ohne einen letzten Blick zurückzuwerfen. Vielleicht waren doch mehr Menschen hier, als Liam angenommen hatte.

Er betrachtete die ledernen Soldaten, die brav nebeneinander im Regal standen. Nur selten nahm er eines der Bücher heraus. Und auch dann blätterte er nur darin herum, ohne den Inhalt zu erfassen. So wie das Buch, das er in den Händen hielt. Später würde er es wieder an seinen Platz legen. Sein Kopf war zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, um den Sinn der Worte zu entziffern.

Zu voll mit Fragen, auf die er keine Antwort wusste.

Zu sehr versteift darauf, eine Lösung zu finden.

Jedoch nicht so sehr, dass ihm die Silhouette entgangen wäre, die im Erker auf der Bank saß. Sein Herz stockte und flatterte im nächsten Moment aufgeregt wie ein kleiner Vogel. Es wurde schlimmer, als er bemerkte, dass es derselbe Typ war, dem er bereits vor ein paar Tagen über den Weg gelaufen war. Von dem er den Blick nicht hatte abwenden können.

Ein Buch lag offen auf seinem Schoß, die eine Hand blätterte abwesend in den Seiten. Die andere hatte er auf der Lehne abgestützt, um sein Kinn darauf zu betten. Seine dunklen Haare hingen ihm beim Lesen ins Gesicht, sodass Liam nicht mehr davon erkennen konnte als den Bogen einer schmalen Nase. Dabei hatte er beim letzten Mal schon zu lang auf den Rücken des Fremden gestarrt.

Und ohne dass er seinen Beinen einen Befehl dazu gegeben hatte, machten sie sich bereits auf den Weg zum Erker. Die Hand, die den Kopf des Fremden stützte, sank nun ebenfalls auf das Buch in seinem Schoß. Dann hob er den Kopf. Liam kollidierte auf seinem Weg erneut mit etwas.

Nur verlor nicht er den Halt dabei. Etwas griff nach seinem Arm, krallte sich in seine Kleidung. Jemand zog an ihm, damit er nicht stürzte. Liam hielt die Person fest, um das Gewicht auszugleichen, das er zusätzlich stemmen musste.

Erst nachdem sie beide auf sicheren Füßen standen, betrachtete er den Menschen vor sich, der ihm nur bis zur Brust reichte. Eine ältere Dame hielt sich verzweifelt an ihm fest. Die kurzen grauen Haare waren in geordneten Wellen auf ihrem Kopf drapiert, die auch der Zusammenstoß nicht durcheinandergebracht hatte. Ihre Augen waren schreckgeweitet, ihre Hand um seinen Arm verkrampft. »Du liebe Güte!«

»Es tut mir so leid.« Liam war einfach in sie hineingerannt. Das war überhaupt nicht seine Art. So gedankenlos lief er sonst nicht durch die Gegend. Er schluckte seine Scham hinunter.

Die Dame richtete lächelnd den Ärmel ihrer Bluse. »Ist alles gut gegangen, Junge.«

»Sind Sie sicher, dass alles in Ordnung ist?« Er versuchte, sie von allen Seiten zu betrachten, aber sie hielt ihn an seiner Hand zurück. Ihr penetrantes blumiges Parfüm kratzte Liam in der Nase. Es war viel zu süß, als hätte sie in Bonbons gebadet.

»Ja doch, Jungchen. Alles noch dran. Ich bin nicht aus Porzellan.« Sie rollte mit den Augen, aber es war mit einem Schmunzeln verbunden.

»Ich muss mich trotzdem entschuldigen. Das war sehr unaufmerksam von mir.« Liam trat einen Schritt vor und hob die Jacke auf, die sie fallen gelassen hatte. Der braun karierte Blazer war mit einem leuchtend violetten Futter versehen, das in den Augen stach. Sie nahm ihn entgegen und legte ihn sich über den Arm. Dann sah sie zu Liam auf.

»Dass du das einsiehst, ist genug. Sei einfach in Zukunft vorsichtiger.« Mehr Falten bildeten sich in ihren Augenwinkeln, sobald sie lächelte. Jede dieser Runzeln erzählte ihm eine unausgesprochene Geschichte. Sie legte eine Hand auf Liams Arm und drückte ihn...



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