Hoorn | Flutrache | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 393 Seiten

Reihe: beTHRILLED

Hoorn Flutrache

Ostfriesland-Krimi
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-4759-2
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ostfriesland-Krimi

E-Book, Deutsch, 393 Seiten

Reihe: beTHRILLED

ISBN: 978-3-7517-4759-2
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der vierte Fall für Kriminalkommissar Stephan Möllenkamp und die Lokaljournalistin Gertrud Boekhoff

Ein Mord erschüttert die Küste: Ein bekannter Unternehmer liegt erschossen am Fuße einer gigantischen Lenin-Statue. Sofort nehmen Kommissar Stephan Möllenkamp und sein Team die Ermittlungen auf. Offenbar erhielt das Opfer Drohbriefe und war in Konflikt mit einer Motorradgang geraten. Doch die Journalistin Getrud Boekhoff bringt eine überraschende Wendung in den Fall: Ihr Vater erkennt den Mann - damals hatte er einen anderen Namen. Wer war der Tote wirklich? Und wer wollte seinen Tod?

Heike van Hoorns packende Küstenkrimi-Reihe geht weiter! Für alle Fans von Eva Almstädt, Nina Ohlandt und Sabine Weiß.

ebooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!

»Die Autorin versteht es auf eine beeindruckende Art und Weise den Leser bei der Stange zu halten. Bravo!« (Magazin Köllefornia über »Nebelschuld«)



Heike van Hoorn wurde 1971 in Leer/Ostfriesland geboren. Die promovierte Historikerin war Referatsleiterin in der Hessischen Staatskanzlei und ist Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrsforums. Sie ist außerdem Mutter von Zwillingen und begeisterte Hobbygärtnerin. Durch die Recherchen zu ihren Ostfriesland-Krimis hat sie ihre Heimat neu kennen und lieben gelernt. Heike van Hoorn lebt mit Mann und Kindern in Berlin.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Prolog


Mittwoch, 10. Oktober 2001


Bunderhee, gegen Abend


Er steht auf der Terrasse und sieht über die Wiesen und Äcker nach Westen. Jetzt, so kurz vor seinem Abschied, muss er daran denken, wie er das erste Mal hergekommen ist und sofort wieder weg wollte. In einem klapprigen Peugeot, der ein Vermögen gekostet hatte, fuhr er durch die Gegend, in der er sich ansiedeln würde. Die Äcker waren schwarz, die Straßenbäume gekrümmt, die Wiesen vom Wind zerzaust. Rote Backsteinhäuser standen in Reih und Glied an der Straße, Gardinen verschlossen die Fenster undurchdringlich. Das passte zu den Menschen, die sich die allergrößte Mühe gaben, ihr Interesse für die Angelegenheiten anderer nicht zu zeigen. Nirgendwo hat er sich jemals so beobachtet gefühlt wie hier, bei seiner wichtigsten Mission.

Dann ist er hängen geblieben, hat ein Mädchen kennengelernt, ein Haus gekauft, das Auto ausgetauscht – nicht in dieser Reihenfolge – und die Mission war immer noch nicht zu Ende. Und dann war da noch das Unternehmen, das schlecht lief. Das Mädchen fing an, von Kindern zu sprechen, und ihm fiel ein, dass er noch ein Leben vor sich hat. Ein Leben, das er anders gestalten will. Also hat er Vorkehrungen getroffen, hat alles vorbereitet. Und morgen wird sein neues Leben beginnen. Ohne sie.

Eine Zeitenwende. Die Menschen haben es ja mit den Zeitenwenden. Er sieht in den Himmel, an dem die Sonne allmählich in rosa-gelb-orange Streifen zerfließt, das Licht aus den Kuhweiden saugt, die darüber bald dunkelgrün, dann schwarz werden. Im Fernsehen reden sie wieder davon. Vielleicht ist es so, vielleicht passiert gerade eine, vielleicht auch nicht. Vielleicht spricht in hundert Jahren keiner mehr über ein paar Flugzeuge, die in Hochhäuser geflogen sind.

Er nimmt einen Schluck Wodka und zündet sich eine Zigarette an. Die Rauchwolke wird vom Wind sofort verweht. Er schiebt die Terrassentür hinter sich zu, damit der Rauch nicht ins Wohnzimmer dringt. Annemieke mag das nicht, und den Gefallen kann er ihr noch tun.

Bei der letzten Zeitenwende vor zwei Jahren sollten alle Computer der Welt den Geist aufgeben und danach die Welt untergehen. Oder davor. Oder gleichzeitig. Aber die Welt ist nicht untergegangen und schon gar nicht am 1.?1.?2000, weil die Volltrottel nicht rechnen konnten. Und auch nicht am 1.?1.?2001.

1989 hieß die Zeitenwende noch Wendezeit und die alten Männer in Ost-Berlin jammerten, jetzt wäre alles vorbei. Das Einzige, was vorbei war, war der untaugliche Versuch, die Ausbreitung des Kapitalismus zu stoppen, indem man ein bürokratisches Monstrum erschuf, das von einer Reihe sklerotischer Dummköpfe beherrscht wurde. Gott sei Dank.

Noch einen Schluck Wodka. Lars lässt ihn genussvoll die Kehle hinunterrinnen und zieht dann an seiner Zigarette, die vorne rot aufglimmt und schnell wieder dunkel und dann zu Asche wird. So wie der real existierende Sozialismus. Er muss grinsen, weil ihm der Vergleich gefällt. Demnächst wird er keinen Wodka mehr trinken, und wenn, dann nur als Bloody Mary.

Er hebt das Glas und prostet dem Himmel zu. Auf die Zeitenwende. Auch die bärtigen Kameltreiber in den Flugzeugen haben versucht, den Siegeszug des Kapitalismus aufzuhalten – mit noch blöderen Ideen. Es ist beinahe lachhaft. Jetzt wird ein Krieg kommen und dann vielleicht noch einer. Am Ende wird das Kapital in den Händen weniger sich vermehrt haben und die Armen sind wieder einmal ärmer.

Aber zu denen wird er nicht gehören.

Über der Weite des Hammrichs breiten sich dort, wo die Sonne vor Kurzem untergegangen ist, rote Streifen aus. Es wird morgen regnen, aber das stört ihn nicht mehr. Da, wo er hingeht, ist der Regen warm und die Sonne reichlich. Er hat alles vorbereitet und spürt nur eine leichte Unruhe, vielleicht ein bisschen Lampenfieber, dem er damit begegnet, dass er sein Glas mit großer Sorgfalt in die Spülmaschine räumt, den Verschluss der Wodkaflasche kontrolliert, ob er auch zu ist, und sich vor dem Spiegel noch einmal ausführlich die Haare glatt streicht. Er nimmt das Flugticket aus der Brusttasche seines Oberhemdes, faltet es auseinander und betrachtet es eine Weile: CUN steht als Flugziel darauf, das steht für Aeropuerto Internacional de Cancún. Ein leichter Schauer der Vorfreude läuft ihm über den Rücken. Er faltet das Ticket wieder zusammen, steckt es in die Brusttasche zurück und klopft noch zweimal mit der Hand darauf, wie um es zu sichern.

Er hat seinen Koffer schon aus dem Obergeschoss geholt, als es an der Tür klingelt.

Lars sieht auf die Uhr. Es ist zu früh, der Wagen erst für später bestellt. Annemieke ist heute und morgen bei ihrer Fortbildung in Groningen. In seinem Bauch schiebt sich die Unruhe aus ihrer Ecke wie ein ungezogener Hund. Er drängt sie zurück, indem er seine Bewegungen verlangsamt und dann zur Tür geht. Vor der Milchglasscheibe der Haustür hat der Bewegungsmelder das Licht ausgelöst. Er sieht einen Schatten, der ihm bekannt vorkommt. Der Hund in seinem Bauch kriecht langsam wieder aus seiner Ecke hervor.

Er steht vor der Scheibe, der Schatten dahinter. Wenn er ein Besucher wäre, hätte er längst ein weiteres Mal geklingelt. Lars scheucht den Hund in die hinterste Ecke seines Bauches zurück. Er wird den Besuch schnell loswerden müssen. Er wird sagen, dass er zur Arbeit muss. Mit dem Fuß schiebt er den Koffer in die Garderobennische. Dann öffnet er die Tür.

»Du ...«, sagt er, dann sieht er die Mündung der Waffe und hört die vertraute Stimme, die ihn in unvertrautem Ton auffordert, mitzukommen. Er ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass er jetzt den Mund halten muss. Darum folgt er schweigend und denkt nur kurz daran, dass er sein Feuerzeug vergessen hat. Auf dem Weg zum Auto stolpert er über seine offenen Schuhbänder. »Darf ich?«, fragt er, beugt sich vor und macht mit ruhigen Bewegungen zwei Schleifen. Die Unruhe sitzt erstaunlicherweise wieder in ihrer Ecke. Sein Gehirn hat auf Krisenmodus umgeschaltet.

***

Im Auto ist es heiß, die Heizlüftung läuft auf vollen Touren. Er liegt, mit Kabelbindern an Händen und Füßen gefesselt, auf dem Rücksitz des Wagens und kann kaum atmen. Das Panzerband vor seinem Mund zieht schmerzhaft an der Haut, sobald er seinen Kopf bewegt, über den sein Entführer einen Kartoffelsack gezogen hat. Auch seine Füße stecken in einem Kartoffelsack. Zusätzlich ist eine Decke über ihn gebreitet. Das alles ist beängstigend schnell gegangen, erst jetzt hat er die Möglichkeit, seine Lage zu überdenken, soweit es die Hitze zulässt.

Er liegt mit dem Kopf hinter dem Beifahrersitz, vermutlich will der Fahrer ihn besser im Blick behalten. Durch das Sackgewebe kann Lars nicht sehen, ob er ihn wirklich beobachtet. Vorsichtig hebt er den Kopf an. Keine Reaktion.

Er ahnt, dass der Wagen auf dem Weg zur Grenze ist. Jetzt am Abend ist wenig Verkehr, das Auto wird kaum beachtet werden. Hinter der Grenze ist erst recht nichts mehr los. Wenn er versuchen will, Aufmerksamkeit zu erregen, dann muss er es in Bunde versuchen. Das ist seine einzige Chance.

Aber zuerst muss er in eine günstigere Position kommen.

Wie in Zeitlupe zieht er die Beine ein Stück an, hält inne, zieht die Beine noch weiter an, bis er wie ein Embryo daliegt. Er atmet ruhig und tief, soweit der Kartoffelsack es zulässt. Panik würde ihn in Atemnot bringen. Solche Situationen hat er trainiert, auch wenn es lange her ist.

Er versucht sich darauf zu konzentrieren, wo genau er sich befindet. Als der Wagen in eine scharfe Linkskurve biegt, weiß er, dass dies der Bunder Kirchring sein muss. Gleich werden sie an eine Kreuzung kommen, wo sie bei einem Möbelgeschäft nach rechts abbiegen und sich dem Ortskern nähern werden.

Er hat nicht mehr viel Zeit.

Vorsichtig dreht er die linke Schulter nach vorn und schiebt die linke Pobacke etwas nach oben, damit er seine Füße anheben kann. Es ist das gefährlichste Manöver. Er hält kurz inne und spürt, dass er seine Bauchmuskeln besser hätte trainieren müssen. Er muss das unbedingt nachholen. Falls er hier lebend rauskommt.

Jetzt sind sie an der Kreuzung angekommen, der Wagen biegt rechts ab. In wenigen Augenblicken werden sie die Bunder Blinke passieren, die Hauptkreuzung im Ort. Wenn überhaupt um diese Zeit noch jemand unterwegs ist, den er auf sich aufmerksam machen kann, dann dort im Ortskern.

Lars spannt den Körper an, schiebt seine Füße in dem Kartoffelsack in die Lücke zwischen den beiden Vordersitzen und stößt sie so hart er kann nach vorne.

Ein Schrei. Ein Fluch. Lars tritt noch einmal nach und versucht gleichzeitig, den Kabelbinder um seine Füße zu zerreißen. Der abrupte Ruck, der ihn mit dem Kopf gegen den Beifahrersitz schleudert, stoppt seine Bemühungen. Der Wagen ist gegen irgendetwas geprallt. Die Plastikschnüre graben sich tief in seine Handgelenke. Er keucht und ringt nach Luft, weil sich der grobe Stoff des Kartoffelsacks gegen sein Gesicht und seine Nase presst. Er schüttelt sich, um wieder atmen zu können, doch er hat sich mit dem Oberkörper im Fußraum der Hinterbank verkeilt, sodass sein Kopf nach unten hängt, was ihm das Atmen...


Hoorn, Heike van
Heike van Hoorn wurde 1971 in Leer/Ostfriesland geboren. Die promovierte Historikerin war Referatsleiterin in der Hessischen Staatskanzlei und ist Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrsforums. Sie ist außerdem Mutter von Zwillingen und begeisterte Hobbygärtnerin. Durch die Recherchen zu ihren Ostfriesland-Krimis hat sie ihre Heimat neu kennen und lieben gelernt. Heike van Hoorn lebt mit Mann und Kindern in Berlin.

Heike van Hoorn wurde 1971 in Leer/Ostfriesland geboren. Die promovierte Historikerin war Referatsleiterin in der Hessischen Staatskanzlei und ist Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrsforums. Sie ist außerdem Mutter von Zwillingen und begeisterte Hobbygärtnerin. Durch die Recherchen zu ihren Ostfriesland-Krimis hat sie ihre Heimat neu kennen und lieben gelernt. Heike van Hoorn lebt mit Mann und Kindern in Berlin.



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