Hoorn | Nebelschuld | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Reihe: beTHRILLED

Hoorn Nebelschuld

Ostfriesland-Krimi
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-0181-5
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ostfriesland-Krimi

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Reihe: beTHRILLED

ISBN: 978-3-7517-0181-5
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die stadtbekannte Querulantin Minna Schneider stirbt beim Brand ihres Hauses in den Flammen. Haben es die Jugendlichen, die Minna als Hexe beschimpft und gehänselt haben, etwa zu weit getrieben mit ihren Streichen?
Während die Ermittlungen von Kommissar Möllenkamp und seinen Kollegen von der Kripo Leer gerade anlaufen, verschwindet Pfarrer Hermann Vrielink spurlos. Mit Hilfe der Lokalreporterin Gertrud Boekhoff machen sich der Kommissar und sein Team zusätzlich auf die Suche nach dem Verschwundenen. Doch dann tauchen immer mehr Hinweise auf, dass der Pfarrer ein dunkles Geheimnis hat ...

Nach DEICHFÜRST und STURMFLUCH ermittelt Kommissar Möllenkamp im dritten Band von Heike van Hoorns packender Küstenkrimi-Reihe! Für alle Fans von Eva Almstädt, Nina Ohlandt und Sabine Weiß.
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung



Heike van Hoorn wurde 1971 in Leer/Ostfriesland geboren. Die promovierte Historikerin war Referatsleiterin in der Hessischen Staatskanzlei und ist Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrsforums. Durch die Recherchen zu ihren Krimis hat sie ihre Heimat neu kennen und lieben gelernt. Heike van Hoorn lebt mit Mann und Kindern in Berlin.

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Die Osternacht


Samstag, 14. April 2001, Wymeer

Die Freiwillige Feuerwehr war nun auch endlich da. Es konnte losgehen. Stolz entstiegen die Feuerwehrmänner in Zeitlupe dem nagelneuen Löschfahrzeug, das die Gemeinde kürzlich angeschafft hatte. Dieselben Männer, denen noch vor einer halben Stunde Sätze wie »Schatz, halt dich heute Abend zurück. Du weißt, was letztes Jahr passiert ist ...« hinterhergerufen worden waren, fühlten sich nun als Mitglieder des A-Teams. Und aus einem Mann mit Bauch wurde in einer Feuerwehruniform sofort ein stattlicher Kerl. Natürlich wussten sie, dass einige Wymeerer Bürger die Gelegenheit genutzt hatten, schnell noch ein paar zerhauene Resopalmöbel oder carbolineumgetränkte Gartenstühle unter den großen Haufen zu schmuggeln. Heutzutage war ja sowieso bereits alles verboten, aber wenn es in Ostfriesland schon keinen Karneval gab, an dem man Verbote übertreten durfte, dann war das ja wohl wenigstens beim Osterfeuer erlaubt!

Bernhard Pohl hatte seine Bude aufgebaut und machte gute Geschäfte. Dass die meisten Jugendlichen schon vorgeglüht hatten, störte ihn nicht weiter. Erstens erhöhte Alkohol erfahrungsgemäß den Appetit auf weiteren Alkohol und trieb ihm die jungen Leute von allein zu, wenn deren eigene Vorräte aufgebraucht waren. Zweitens geschah das aber erst, wenn die Väter und Mütter selbst so stramm waren, dass sie nicht mehr merkten, wie neben ihnen an der Bude ihre eigenen Kinder und deren Kumpels in ihre Fußstapfen traten.

Endlich begann das Feuer zu knistern. Und während allerhand Kleintiere sich in Sicherheit zu bringen versuchten, hefteten sich die Augen der Menschen auf die Flammen, streckten sich Hände der Wärme entgegen und saugten sich Lungen voll mit warmer, rauchgeschwängerter Luft, die nur ein bisschen nach Plastik roch, dafür aber ein ungemein heimeliges Gefühl in den Seelen auslöste. »Wat för'n mooi Füür«, sagten die Leute zueinander und umklammerten ihre kalten Biergläser.

Pohl suchte mit schmalen Augen das Gelände ab und runzelte die Stirn. Es konnte doch nicht sein, dass diese Taugenichtse nicht da waren. Er hatte sich vorgenommen, eine Gruppe Halbwüchsiger, die ihm vergangenes Jahr reichlich Ärger gemacht hatten, diesmal genau im Auge zu behalten. Kaum im Konfirmandenalter, war das halbe Dutzend pickliger Jungen selbstbewusst aufgetreten und hatte Alkohol verlangt, noch bevor das Feuer angezündet war. Dass Pohl einer solchen Bitte zu diesem frühen Zeitpunkt unmöglich nachkommen konnte, wo noch alle Erwachsenen ihre sieben Sinne beisammenhatten, hatte sie erbost. Das Ergebnis waren wüste Beschimpfungen gewesen, und sie hatten doch tatsächlich in seinen Transporter uriniert!

Der Wagen war jetzt abgeschlossen, und bisher hatte niemand bei ihm Apfelkorn verlangt, dessen Leber noch im Wachstum war – wobei: Lebern im Wachstum hatten sie alle. Na ja, egal. Aber wo waren die Jungs? Vielleicht, so dachte sich Pohl, waren sie auch in Boen oder Stapelmoorerheide zum Osterfeuer gegangen. Sein Konkurrent Pruin hatte seine Bude in Boen. Pohl wusste, dass der es mit der eisernen Regel, vor Einbruch der Dunkelheit keinen Alkohol an Kinder auszuschenken, weniger genau nahm.

Aber dass sie nicht da waren, beunruhigte ihn doch irgendwie. Er beschloss, das Gelände zur Sicherheit einmal zu umrunden. »Tini«, rief er seiner Tochter zu, »halt du hier mit Jasmin die Stellung. Ich muss mal austreten.«

Auf dem Weg über das Gelände begegnete ihm nichts Verdächtiges. Er mischte sich unter die Menschenmenge, die um das Osterfeuer stand, und starrte versonnen in das Feuer. Tiefer Frieden breitete sich in ihm aus.

Plötzlich ging ein Raunen durch die Menge. Einzelne Schreie waren zu hören. Pohl schreckte auf, aber es war nur ein brennender Hase, der aus dem Feuer gesprungen war, und von einigen Leuten fotografiert wurde. Der Hase schrie. Er hatte gar nicht gewusst, dass Hasen überhaupt Laute von sich geben können. Pohl fand es unangebracht, das gequälte Tier zu fotografieren. Er überlegte kurz, einen Eimer Wasser zu holen, um es zu löschen. Aber für den Hasen kam die Hilfe sicher zu spät.

Wo waren die Jungs?

Achselzuckend wandte sich Pohl vom Feuer ab und blickte noch einmal in die Ferne. Er sah das Orange des Osterfeuers in Stapelmoorerheide. Drehte er sich nach links, konnte er es in Boen rot leuchten sehen, eine Drehung weiter ... das musste das Orange von Bellingwolde sein. Obwohl, Bellingwolde konnte man von hier aus gar nicht sehen. Und das Orange war auch ziemlich nahe. Hatten sie in Dünebroek was aufgeschichtet? Da wohnte doch kaum einer. Waren diese Halbstarken dort und machten ihr eigenes Ding? Pohls staatsbürgerliches Pflichtgefühl war nicht besonders ausgeprägt. Also unterließ er es, die Feuerwehrleute darauf aufmerksam zu machen, dass es einen Feuerschein am Horizont gab, wo eigentlich keiner sein sollte.

Erst viel später am Abend, als das Osterfeuer nur noch glomm, die Kälte zurückgekehrt und der Hase längst verendet war, sollte sich das Rätsel auflösen. Da brannte die Wymeerer Alte Schule nämlich immer noch lichterloh. Die frierenden Bürger, die sich nach ihren warmen Betten sehnten, wankten staunend auf den nächsten Feuerschein zu, starrten und konnten sich nicht erklären, was dort vor sich ging. Ebenso gebannt wie vorhin vor dem Osterfeuer standen sie vor den Flammen, die aus der Alten Schule schlugen. Auch dieses Feuer zog sie in ihren Bann, aber es machte ihnen Angst. Keine wohltuende Behaglichkeit breitete sich in ihnen aus. Denn dieses Feuer hier war nicht geplant, war nicht sorgfältig aufgeschichtet, absichtsvoll entzündet und aufmerksam bewacht worden. Es hatte einen bösen Ursprung, ob es nun durch Menschenhand gelegt oder aufgrund eines kaputten Kabels, einer Unachtsamkeit oder sonst einer Verrottung von Geist oder Material entstanden war. Und in diesem Feuer verbrannte nicht nur ein Hase, sondern vielleicht die Frau, die dort wohnte und die sie alle kannten und die doch nicht zu ihnen gehörte.

Der eine oder andere dachte bei sich: War ja nur eine Frage der Zeit, bis die verwirrte Alte sich selbst die Hütte über dem Kopf anzündet. Andere wiederum, die Kinderbanden ums Haus hatten schleichen sehen und denen das Splittern der Scheiben noch in den Ohren klirrte, hatten eine Ahnung, dass dies nicht die ganze Wahrheit sein mochte.

Das A-Team war erstaunlich schnell zur Stelle. Obwohl einige der Feuerwehrleute sich nicht an die Ermahnungen ihrer Ehefrauen gehalten hatten, rollten sie professionell ihre Schläuche aus und spritzten, was das Zeug hielt. Und die Bürger von Wymeer raunten einander verstört und verwirrt zu: »Wat is mit Swart Minna?«

In der Nacht, Esklum

Das Telefon klingelte mitten in der Nacht. Es dauerte eine Weile, bis sich Stephan Möllenkamp zwischen Traum und Realität zurechtgefunden hatte. »Geh ran. Mach, dass es aufhört«, knurrte Meike von der anderen Seite des Bettes. Er tastete nach dem Hörer. Immer noch roch es nach frischer Farbe, und er hatte irgendwie das Gefühl, in einem Krankenhausbett zu liegen. Aber das war wohl nur der Geruch, denn das Bett war antik, quietschte seinem Alter entsprechend und hatte so hohe Kopf- und Fußteile, dass er sich mitunter vorkam, als stiege er in eine Kiste und müsste gleich den Deckel über sich ziehen.

»Hier Möllenkamp«, brachte er hervor.

»Es brennt in Wymeer«, informierte ihn sein Kollege Johann Abram. Abram klang so frisch, als wäre er den ganzen Abend wach gewesen, um darauf zu warten, dass etwas passierte.

»Johann, es ist Ostersamstag. Es brennt überall.« Der Leiter des Fachkommissariats 1 griff nach einem Wasserglas und trank einen großen Schluck.

»Nein, nein, in Wymeer brennt die Alte Schule.«

»Ja, schade drum. Ist die Feuerwehr da?« Möllenkamp fuhr sich mit der freien Hand durchs dunkle Haar und rieb sich dann über die Augen, während er ins Badezimmer ging, damit er seine Frau nicht störte. Natürlich wusste er, was jetzt kam. Dieses Frage-und-Antwort-Spiel war seine Art der Realitätsverweigerung. Es würde schon jemand tot im Feuer liegen, sonst hätte sein überkorrekter Stellvertreter ihn nicht aus dem Bett geholt. Er stellte das Telefon auf Lautsprecher und ließ sich Wasser aus dem Hahn über Kopf und Nacken laufen.

»Es wurde eine verbrannte Leiche gefunden. Nach Meinung der Zeugen hier vor Ort müsste es sich dabei um die alleinstehende Frau handeln, die in der Alten Schule wohnte.«

»Müsste?«

»Es ist nicht mehr viel von ihr übrig.«

»Keine Chance, dass es ein Unfall war?« Ein Funken Hoffnung glomm noch in Hauptkommissar Möllenkamp.

»Das ist nicht genau zu sagen. Besser, wir sehen es uns an. Sonst war es am Ende auf jeden Fall ein Unfall.«

Er fluchte innerlich, während er versuchte, sich so leise wie möglich anzuziehen. Natürlich waren die Hosenbeine verdreht, und während er herumhüpfte und sich bemühte, sein Bein in die Hose zu treten, stieß er gegen den Badhocker, auf dem die Lampe lag, die er schon seit vier Wochen an die Badezimmerdecke schrauben wollte. Es gelang ihm, die Lampe mit beiden...


Hoorn, Heike van
Heike van Hoorn wurde 1971 in Leer/Ostfriesland geboren. Die promovierte Historikerin war Referatsleiterin in der Hessischen Staatskanzlei und ist Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrsforums. Durch die Recherchen zu ihren Krimis hat sie ihre Heimat neu kennen und lieben gelernt. Heike van Hoorn lebt mit Mann und Kindern in Berlin.

Heike van Hoorn wurde 1971 in Leer/Ostfriesland geboren. Die promovierte Historikerin war Referatsleiterin in der Hessischen Staatskanzlei und ist Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrsforums. Durch die Recherchen zu ihren Krimis hat sie ihre Heimat neu kennen und lieben gelernt. Heike van Hoorn lebt mit Mann und Kindern in Berlin.



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