E-Book, Deutsch, Band 63, 214 Seiten
Hopf Western Legenden 63: Der letzte Ritt
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-684-2
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 63, 214 Seiten
Reihe: Western Legenden (Historische Wildwest-Romane)
ISBN: 978-3-95719-684-2
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein Mädchen auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens. Ein Junge, der seine toten Eltern rächen will. Und ein alter Kopfgeldjäger. Dieses Trio reitet zusammen, um ein außergewöhnlich hohes Kopfgeld zu kassieren. Hunderte von Meilen müssen überwunden werden, um den Mörder einer Ehefrau ausfindig zu machen. Doch schnell wird klar, dass der gewöhnlicher Krimineller ist, sondern der Sohn eines mächtigen Landbarons, der eine Kleinstadt kontrolliert.
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Außenbezirke von Miles City, Gebiet Montana, 17. August 1888
Überall war Blut.
Jeder Zentimeter von Coltons geliebter Hütte war mit klebrigem Blut bedeckt. Es war an die Wände gespritzt und sammelte sich auf dem staubigen Holzboden. Auf dem Tisch lag seine tote Frau. Das blaue Kleid, in dem er sie zuletzt gesehen hatte, war blutverschmiert. Sie war also an dem Tag getötet worden, an dem er sie verlassen hatte.
Er stand da, unfähig, sich auf sie zuzubewegen. Er war zu Eis erstarrt. Unsinnigerweise hoffte er, eine Bewegung bei ihr zu sehen. Nichts. Sie war tot. Als er aus seiner Trance erwachte, eilte er zu ihr und begann laut zu weinen. „Meine Liebe, meine liebe Martha. Wer hat dir das angetan? Wer?“ Er wiegte ihren leblosen Körper in seinen Armen, alles an ihm zitterte. „Meine Martha … Oh meine wunderschöne Frau.“
Colton war am Vortag aufgebrochen, um in die Stadt zu fahren und Vorräte zu besorgen. Ein unvorhergesehenes Gewitter mit heftigem Regen und starkem Wind zog heran und zwang ihn, im Hotel zu übernachten. In diesen Stunden musste jemand gekommen sein, um seine Frau zu ermorden. Aber wer? Wer konnte so ein barbarisches Verbrechen begehen? Er hatte eine Ahnung, wer es vielleicht getan haben könnte. Aber wären die zu einem Mord fähig?
Ihre Liebe war eine besondere Art der Liebe, die in dieser Zeit ungewöhnlich war. Er war ein Weißer und sie eine Angehörige des Stammes der Cheyenne. Sie hatten sich vier Jahre zuvor kennengelernt, als er im Reservat der Cheyenne mit Waren handelte, die er aus Seattle importiert hatte. Kurze Zeit später hielt er um ihre Hand an, doch ihr Vater lehnte ab. Aus Respekt hörte er auf, sie weiter zu umwerben. Doch sie setzte ihren Willen durch. Sie lief weg und schloss sich ihm an, wohl wissend, dass sie niemals zu ihrem Volk zurückkehren konnte. Für ihn gab sie alles auf, was sie je gekannt hatte. Freunde, Familie, ihre Heimat, sogar ihren Geburtsnamen Asha. Um mit einem weißen Mann zu leben, wollte sie einen anderen Namen annehmen. Martha.
Sie hatte ihn zum glücklichsten Mann gemacht. Er wusste, dass sie ein großes Opfer gebracht hatte. Sie wollten ein neues Leben in der Stadt beginnen. Er stellte Martha seinen Freunden und Bekannten vor. Doch nicht alle waren mit Martha einverstanden. Viele stellten sich sogar offen gegen ihn. Dadurch wurde sein Geschäft beeinträchtigt, nur wenige wollten noch bei ihm kaufen. Nach einem Jahr musste er seinen Laden schließen. Gemeinsam fanden sie Zuflucht auf einem drei Hektar großen Grundstück mit einer kleinen Hütte, außerhalb der Stadt. Martha wurde schwanger. Sie brachte einen Jungen zur Welt, den sie James nannten.
Das nächste Jahr war wunderbar. Martha und Colton fühlten sich mit James vollständig, geschäftlich hatte er den Handel mit weiter entfernten Städten aufgenommen. Dafür musste er oft für längere Zeit unterwegs sein, doch Martha schaffte es problemlos, für sich und James zu sorgen. Während einer von Coltons Reisen kamen zwei Männer von der Big Circle Ranch zu seiner Hütte und belästigten Martha. Sie verjagte die Männer mit einer Schrotflinte.
Abgesehen von diesem Vorfall lief alles gut, bis James an einem Virus erkrankte. Fünf Tage später war das Kind tot. Nach seinem Tod verfiel Martha in eine tiefe Depression. Colton versuchte alles, um sie zu trösten. Vergeblich. Bis er sie eines Tages nach seiner Rückkehr von einer Geschäftsreise so vorfand, wie er sie kennengelernt hatte, fröhlich und gut gelaunt. Er wusste nicht, was während seiner Abwesenheit geschehen war, es war ihm egal, denn seine geliebte Martha war zurückgekehrt.
Und nun, sechs Monate später, hatte jemand sie ermordet. Waren es diese Cowboys? Oder ihre eigenen Leute, die sich an ihr rächen wollten? Er war sich nicht sicher, aber er war entschlossen, es herauszufinden und die Täter vor Gericht zu bringen.
Da er wusste, wie man eine Leiche für die Bestattung vorbereitet, öffnete er langsam und vorsichtig jeden Knopf, bis er ihr Kleid entfernt hatte. Dann zog er ihr die Unterwäsche aus und hielt entsetzt inne, als er die zahlreichen Wunden auf ihrem Oberkörper sah. Ihm kamen die Tränen, als er sich die Schmerzen vorstellte, die sie erlebt haben musste. Ihr Oberkörper wies acht Einstichwunden auf, die ihr mit einem Messer oder einem anderen scharfen Gegenstand zugefügt worden waren. Ein sieben Zentimeter langer horizontaler Schnitt an ihrem Unterleib war tief genug, um ihre Eingeweide freizulegen. War das die erste oder die letzte Wunde?, fragte er sich verzweifelt.
Auch ihre Hände und Arme wiesen Verletzungen auf, die zweifellos darauf zurückzuführen waren, dass sie versucht hatte, die Messerstiche des Angreifers abzuwehren. Die vermutlich letzte Wunde, die zu ihrem Tod geführt haben musste, war der tiefe Schnitt an ihrer Kehle. Er untersuchte ihr Geschlechtsteil. Es sah nicht so aus, als sei sie vergewaltigt worden. Er nahm eine tiefe Schüssel, füllte sie mit Wasser, schnappte sich Waschlappen und Seife und badete ihren Körper. Als er fertig war, zog er seiner Frau ihr Lieblingskleid an. Dann wickelte er den toten Körper in ein weißes Laken, trug sie nach draußen und legte sie auf den Boden.
Das Ausheben des Grabes erwies sich aufgrund des harten und trockenen Bodens, der im östlichen Montana üblich ist, als mühsam. Nach stundenlanger Arbeit hatte das Grab eine angemessene Tiefe. Er senkte ihren Leichnam hinein und legte dann Wildblumen und einige ihrer persönlichen Gegenstände neben sie. Als er fertig war, stand er am Grab und blickte sehnsüchtig auf sie herab. Er weinte, schlug seine Bibel auf und las ein paar Verse vor, dann sprach er Gebete in ihrer Muttersprache. Als die Zeremonie beendet war, schaufelte er das Grab zu, verankerte ein Kreuz und ging zurück zur Hütte, um seine Sachen zu holen. Er machte sich auf den Weg zurück in die Stadt, um mit dem Marshal zu sprechen. Danach würde er sich auf die Suche machen, nach dem, der für den Tod seiner geliebten Frau verantwortlich war.
*
Colton betrat das Büro von Marshal Franks. „Jemand hat meine Frau ermordet!“
Franks und einer seiner Deputys, ein Mann namens Seth Grimes, spielten Karten am Schreibtisch. Sie drehten sich um, aber als sie sahen, dass es Colton war, spielten sie weiter, als ob niemand da wäre.
Colton ging zum Schreibtisch. „Meine Frau Martha ist ermordet worden!“
Franks sah auf und fragte: „Wie kommst du darauf?“
Colton starrte ihn irritiert an. „Weil sie ermordet wurde, verdammt. Sie wurde erstochen, ihre Kehle durchgeschnitten.“
„Was soll ich denn tun?“, fragte Franks. Er legte gelangweilt eine Karte ab.
„Sie müssen die Männer finden, die das getan haben!“
„Wo wohnen Sie?“
„Das wissen Sie! Sieben Meilen außerhalb der Stadt, am Flatbush Creek.“
„Okay, außerhalb der Stadt. Siehst du, Colton, und das ist außerhalb meiner Zuständigkeit. Ich bin der Stadtmarshal. Du musst zum Countysheriff gehen, er wird sich darum kümmern." "Aber der Countysheriff ist nicht hier. Ich habe gehört, er ist bis Mitte September in Helena.“
Franks grinste. „Dann werden Sie wohl warten müssen.“
„Ist das lustig? Meine Frau wurde ermordet, und ihr rührt keinen Finger, um mir zu helfen?“
„Eine Wilde wurde getötet“, sagte Franks lapidar.
„Verdammt noch mal, Marshal!“, brüllte Colton.
„Hüten Sie Ihre Zunge, oder ich lasse Sie verhaften“, brüllte Franks zurück.
„Sie sollen verdammt sein!“ Colton zitterte vor Wut am ganzen Körper. „Wenn der Countysheriff zurückkommt, werde ich ihm sagen, dass Sie Ihren Amtseid verletzt haben.“ Colton drehte sich um und ging zur Tür.
„Stopp!“, rief Franks.
Colton verharrte. Franks warf sein Kartenspiel auf den Tisch, stand auf und ging zu seinem Schreibtisch. Hoffnungsvoll kehrte Colton zurück und stellte sich zu ihm.
Franks holte ein Papier und Stift aus der obersten Schublade. „Also, was ist passiert?“
„Ich kam heute Morgen in meine Hütte zurück, Martha war tot. Überall Blut.“
„Es war kein Selbstmord?“, fragte Franks.
„Nein, es war kein Selbstmord!“ Cottons Stimme wurde brüchig. „Sie hatte zahlreiche Stichwunden. Ihre Eingeweide hingen heraus. Nein, es war kein Selbstmord.“
„Haben Sie eine Ahnung, wer sie getötet haben könnte?“, fragte Franks.
„Meine Martha war eine liebe Frau. Ich kenne niemanden, der ihr das antun würde“, sagte Colton stockend. „Aber da waren zwei Cowboys, die sie vor ein paar Monaten vom Hof jagen musste. Vielleicht sind sie zurückgekommen, um Rache zu nehmen.“
„Zwei Cowboys? Was ist da passiert?“ Franks wirkte plötzlich aufrichtig neugierig.
„Von der Big Circle Ranch kamen zwei Cowboys zur Hütte, um zu pöbeln. Meine Martha war lieb, aber sie ließ sich von niemandem etwas gefallen. Diese Männer führten nichts Gutes im Schilde, Martha warf sie raus. Die Männer drohten ihr und verschwanden.“
„Wann war das?“
„Vor sieben, vielleicht acht Monaten“, antwortete Colton.
„Wie hießen die Männer?“, fragte Franks.
„Sie sagte, dass einer von ihnen Jed hieß. Das ist alles, woran ich mich erinnere. Das ist zumindest eine Spur. Viele Jeds kann es auf der Big Circle Ranch nicht geben.“
„Ich kenne Jed“, sagte Seth vom anderen Ende des Raumes.
Colton drehte sich um. „Wirklich?“
„Ja, aber sowas kann mir bei ihm nicht vorstellen. Er ist kein Mann, der hinter einer...




