E-Book, Deutsch, 360 Seiten
Horn Flohmarkt der Träume - Ein Sommer an der Schlei
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-69076-013-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Ein sommerlicher Wohlfühl-Liebesroman an der traumhaften Schlei
E-Book, Deutsch, 360 Seiten
ISBN: 978-3-69076-013-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Elizabeth Horn, geboren in den USA und aufgewachsen in Deutschland, studierte Sprachen und Literatur in Mainz. Später schrieb sie neben ihrer Lehrtätigkeit erste Geschichten und verfasste schließlich erfolgreiche Romane. Heute lebt die Autorin mit ihrer Familie im idyllischen Hessen. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre zweiteilige Reihe »Die kleine Konditorei Sternberg« sowie ihren Roman »Flohmarkt der Träume - Ein Sommer an der Schlei«, der bei SAGA Egmont als Printausgabe und Hörbuch erhältlich ist.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
Liebesbriefe
Heute war wirklich nichts los. Das Wetter war einfach zu schön. Da gingen die Leute lieber ans Wasser oder machten Ausflüge, statt über den Flohmarkt auf dem Rathausplatz von Skatteby zu schlendern.
Vielleicht hätte er das auch tun sollen.
Aber Leo wusste ganz genau, dass er, wäre er nicht hergekommen, weiter an Omas Häuschen gewerkelt hätte. Nächste Woche war für die Schreinerei, bei der er angestellt war, der Innenausbau eines Konferenzraums dran. Da er und seine Kollegen unter Zeitdruck standen, würde das eine anstrengende Woche werden. So war es keine gute Idee, auch noch das ganze Wochenende privat körperlich zu arbeiten. Das wusste er inzwischen.
Zwar war er ein junger, kräftiger Kerl, trotzdem hatte er schon erfahren müssen, dass sein Körper nicht unbegrenzt belastbar war.
Das Problem war, dass das Werkeln an dem kleinen Haus, das er von seiner Großmutter geerbt hatte, so befriedigend war. Um ihn davon abzuhalten, brauchte er etwas, das mindestens genauso viel Spaß machte. Daher hatte er wie so oft einen Stand auf dem Flohmarkt vor dem Rathaus aufgebaut. Doch bei dem geringen Andrang heute war es leider todlangweilig.
Er schaute sich die Leute an, die den Gang vor seinem Stand entlangkamen, und versuchte zu erraten, wer an seinem Sammelsurium stehen bleiben würde und wer nicht.
Die junge Frau mit dem honigblonden Pferdeschwanz blieb an jedem Tisch stehen, betrachtete die Auslage und lächelte die Händler freundlich an, ehe sie weiterging.
Er wünschte, er hätte etwas, das ihr Interesse wecken könnte, etwas, das ihm auch ein Lächeln bescheren würde.
Spontan bückte er sich zu den Kisten, die er unter dem Tisch stehen hatte, und holte eine geschnitzte Schatulle hervor, für die er hier eigentlich nicht die richtigen Käufer vermutete, und platzierte sie ganz vorn in seiner Auslage.
Tatsächlich blieb die junge Frau an seinem Tisch stehen, sah sich alles in Ruhe an und griff dann nach der Schatulle. Das goldbraune Holz war mit parallelen Linien, die sich in den Ecken in komplizierten Mustern ineinander verschlangen, verziert.
»Art Deco?«, fragte sie und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln.
»Das könnte gut hinkommen! Aber belegen könnte ich es nicht. Neben der Ornamentik sprechen aber auch die Scharniere, die verwendet wurden, für die Zwanziger- oder Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts.«
»Darf ich sie mal aufmachen? Ich fürchte, ich könnte sie mir ohnehin nicht leisten.«
»Ja, sicher, schau ruhig mal rein!«
Trotz des Alters ließ der Deckel sich leicht öffnen. Die Teile fügten sich noch immer perfekt ineinander. Offenbar war nichts verzogen oder aufgequollen. Innen war die Schatulle mit leicht verschossener blauer Seide ausgeschlagen. Ein Packen von etwa dreißig handschriftlichen Briefen wurde von einem rosa Bändchen zusammengehalten. Jemand hatte eine gepresste kleine Rose unter das Band gesteckt. Selbst diese war noch in gutem Zustand.
»Liebesbriefe!«, hauchte Toni.
»Bitte?«, fragte der junge Mann hinter dem Tisch.
»Da, ein Päckchen mit Liebesbriefen!« Sie hielt ihm die geöffnete Schachtel hin.
»Na sowas! Ich hatte noch gar nicht hineingesehen.« Leo nahm die Briefe heraus, um sie näher zu betrachten.
»Vorsicht mit der Rose!«, mahnte Toni und fürchtete, er würde lachen, doch er berührte die Blume behutsam mit seinem Zeigefinger. »Unfassbar, dass sie all die Zeit überstanden hat. Den Poststempel auf dem obersten Brief kann man entziffern, glaube ich.« Leo drehte das Päckchen etwas hin und her. »Wahnsinn! Der ist von 1920! Ob das wohl der jüngste oder der älteste ist?« Toni war näher an ihn herangetreten, um besser sehen zu können.
Er roch nach Sonne, Duschgel und eindeutig nach Holz.
Sehr vorsichtig blätterte er den Stapel durch, ohne das Band zu lösen.
»Alle kann ich nicht lesen. Aber sie scheinen geordnet zu sein. Der von 1920 ist der älteste, und der letzte ist von 1935. Offenbar alle vom gleichen Schreiber, aber teilweise aus verschiedenen Ländern. Wahnsinnig spannend.«
»Ich fasse es nicht! Das ist fast schon gruselig. Ich bin heute hierhergekommen, um etwas aus der Zeit zwischen den Weltkriegen zu finden, für …«
Toni spürte, wie ihre Ohren rot wurden.
»Für?«, fragte er.
»Wenn ich dir das sage, lachst du!«
»Warum sollte ich lachen?« Er sah sie richtig bekümmert an.
»Nun, ich will einen historischen Roman über die Zeit schreiben«, erklärte sie, ohne ihn anzusehen.
»Und warum sollte ich darüber lachen?«
»Nun, weil jeder und seine Tante anscheinend vorhaben, ein Buch zu schreiben.«
»Ich nicht! Ich könnte so etwas gar nicht. Aber du siehst aus wie jemand, der das kann. Also trau dich, egal wer lacht!«
»Ich traue mich ja. Ob es etwas wird, ist eine andere Frage. Was würde die Schatulle denn kosten?«
»Nun, das ist keine eigentliche Trödelware. Ich hätte schon gern hundertfünfzig Euro dafür. Aber ich würde dir einen Sonderpreis machen.«
»Das ist nett von dir. Ich glaube, die hundertfünfzig wären schon ein reeller Preis. Sie ist wunderschön. Aber im Grunde wären eher die Briefe für mich interessant. Es wäre wunderbar, sehen zu können, was sich Liebende damals geschrieben haben.«
»Ja, das stimmt. Aber offensichtlich sind nur seine Briefe vorhanden. Vielleicht hatte der Schreiber einen eigenen Stapel von Briefen irgendwo in einem Geheimfach in seinem Sekretär, was meinst du?«
»Ganz bestimmt hatte er die!« Toni sah den jungen Trödelhändler kritisch an. Er war groß und athletisch gebaut. Seine Hände, mit denen er den Packen Liebesbriefe behutsam zurück in die Schatulle legte, waren an einigen Stellen aufgekratzt, an anderen schwielig. Er sah aus wie jemand, der im Alltag mit den Händen arbeitete. Offenbar lösten die Briefe in ihm ganz ähnliche Überlegungen aus wie in Toni.
»Also, wenn die Briefe dir etwas nutzen, gebe ich sie dir. Die wenigsten würden sich für sie interessieren. Alte Schriftstücke, die nicht einer bekannten Persönlichkeit zuzuordnen sind, sind nicht sehr gefragt. Ich fürchte, wenn jemand die Schatulle kauft, schmeißt er die Briefe womöglich einfach weg.«
Toni schaute wohl bei dem Gedanken so unglücklich, dass er lachen musste.
»Deshalb gebe ich sie ja dir, damit das nicht passiert, aber nur unter zwei Bedingungen. Erstens: Solltest du feststellen, dass es sich dabei um Liebesbriefe von Bismarck an eine geheime Geliebte oder um etwas ähnlich Aufregendes handelt, dann kommst du zurück, und wir teilen uns, was sie wert sind, einverstanden?«
»Einverstanden! Aber woher willst du wissen, dass ich dann wirklich zurückkomme?«
»Ich bin ein guter Menschenkenner! Ich vertraue dir!«
Toni grinste. »Und was ist die zweite Bedingung?«
»Wenn dein Roman fertig ist, will ich ein signiertes Exemplar mit Widmung. Für Leo! Leo Stark, das bin ich!«
»Das kann aber noch eine ganze Weile dauern«, gab Toni zu bedenken.
»Ich bin noch jung, ich kann warten! Aber auf wen ich warte, würde ich gern wissen!« Er grinste sie breit an.
»Toni! Also Antonia! Also Antonia Wolfram.« Sie streckte ihm ihre Hand hin und ärgerte sich, als sie spürte, dass sie rot wurde.
»Den Namen werde ich mir merken und später jedem erzählen, dass ich dich schon kannte, ehe dein Bestseller erschienen ist.«
Toni schüttelte lachend den Kopf. »Du bist ja schlimmer als ich!«
»Na, so schlimm finde ich dich gar nicht!« Seine blauen Augen blitzten dazu, und Toni hatte das Gefühl, noch etwas dunkler anzulaufen.
»Hier, mach was draus!« Er reichte ihr die Briefe.
»Danke! Und was bekommst du nun dafür?«
»Das haben wir doch eben abgemacht, oder?«
»Aber zahlen muss ich trotzdem. Sonst ist das nicht richtig.«
»Schön, wenn es dich beruhigt, gib mir fünf Euro.«
»Zehn, und wir haben einen Deal!«
»Antonia Wolfram! Du hast da etwas total missverstanden! Auf einem Flohmarkt muss man feilschen, aber du machst das verkehrt herum. Eigentlich soll der Preis runter gehen, nicht rauf!«
»Na gut! Einigen wir uns auf acht Euro, einverstanden?«, fragte Toni und musste dann doch sehr lachen.
»Verrückte Nudel! Einverstanden! Ich bin fast jeden Samstag hier! Ich würde mich freuen, wenn du mal wieder vorbeikämst, wenn dir danach ist, Preise hochzutreiben. Ich bin dabei!«
Toni nahm die Briefe entgegen, zog einen dünnen Schal aus ihrer Riesentasche und wickelte das Päckchen behutsam darin ein. Besonders die kleine zarte Rose wollte sie nicht beschädigen.
Sie nahm die zwei Euro entgegen, die er ihr auf ihren Zehneuroschein herausgab, und verstaute sie.
»Tausend Dank, Leo! Ich verspreche, ich werde keinen Teil unserer Abmachung vergessen! Wir sehen uns sicher mal wieder. Ich stöbere hier ganz oft rum!«
»Dann bis bald, Antonia Wolfram! Schreib schön, in der Zwischenzeit!«
Sie schenkte ihm ein bezauberndes Lächeln und ging mit federndem...




