E-Book, Deutsch, Band 1, 412 Seiten
Horn Konditorei Sternberg: Tortenliebe
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-888-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Die kleine Konditorei Sternberg 1 - Eine köstliche Liebesgeschichte zum Anbeißen
E-Book, Deutsch, Band 1, 412 Seiten
Reihe: Die kleine Konditorei Sternberg
ISBN: 978-3-98952-888-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Elizabeth Horn, geboren in den USA und aufgewachsen in Deutschland, studierte Sprachen und Literatur in Mainz. Später schrieb sie neben ihrer Lehrtätigkeit erste Geschichten und verfasste schließlich erfolgreiche Romane. Heute lebt die Autorin mit ihrer Familie im idyllischen Hessen. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre zweiteilige Reihe »Die kleine Konditorei Sternberg« sowie ihren Roman »Flohmarkt der Träume - Ein Sommer an der Schlei«, der bei SAGA Egmont als Printausgabe und Hörbuch erhältlich ist.
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Kapitel 2
Die sechzig Minuten waren Klara endlos erschienen. Von außen betrachtet sah es sicher aus, als würde man die ganze Zeit nur herumliegen, aber sie war fix und fertig. Der Weg über den Parkplatz schien furchtbar lang zu sein.
»Wenn du eine wahre Freundin bist, holst du mich hier mit dem Wagen ab. Ich bin komplett bedient. Ich bin zu fett für so was, ich kann mich kaum noch rühren.«
»Wenn es daran liegt, bin ich auch zu fett«, feixte Marion. »Mir tun Muskeln weh, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie überhaupt habe. Komm, wir setzen uns einfach hier hin und ruhen uns aus, bis wir uns erholt haben oder einer kommt und uns rettet.«
Zu Claras Entsetzen machte sie wirklich Anstalten, sich auf den Boden zu setzen. »Spinnst du? Also wirklich!«
»Na gut, schleppen wir uns zum Auto.«
In dem Moment erschien der schöne Jojo auf einem alten Fahrrad an ihrer Seite.
»Na, Mädels, alles gut? Sehen wir uns nächste Woche? Ich würde mich freuen.«
»Aber sicher doch! Da kennen wir nix! Gell, Clara?!«
Clara nickte nur gottergeben.
»Dann bis nächste Woche. Super!« Lässig winkte er ihnen zu und radelte davon.
Marion war stehen geblieben und kramte in ihrer riesigen Handtasche herum.
»Findest du etwa den Autoschlüssel nicht?« Clara wurde leicht panisch, es wäre nicht das erste Mal gewesen. Eine Zeit lang hatte Marion ein Techtelmechtel mit einem Typ von einer Autowerkstatt gehabt, der ihr mehrmals den Wagen aufgemacht hatte.
»Nein, wie kommst du denn darauf? Wir dürfen nur nicht loslaufen, bevor er außer Sichtweite ist, damit er nicht sieht, dass wir uns bewegen wie zwei altersschwache Gänse.«
Das machte absolut Sinn. Als Jojo schließlich um die Ecke verschwunden war und auch sonst keiner sie beobachtete, schlichen sie zum Wagen. Kraftlos ließen sie sich in die Polster sinken.
»Zu dir oder zu mir? Wie gerne würde ich das mal wieder von einem Kerl gefragt werden«, seufzte Marion.
»Zu mir! Bei dir müssen wir eine Etage hoch.«
»Zu mir! Bei dir gibt’s nichts zu essen. Bis wir da sind, schaffen wir die Treppen schon wieder. Ich fahre dich auch später heim.«
Clara hatte echt keine Kraft, um Widerstand zu leisten. Also machten sie sich auf in Marions Wohnung.
Diese lag im ersten Stock, und irgendwie war der Treppenaufgang viel länger und steiler als sonst.
Endlich angekommen, ließen sie sich im Wohnzimmer auf das Sofa fallen und sagten eine ganze Weile beide nichts.
Marions Heim bestand aus zwei Zimmern und einer kleinen Küche. Wenn man LSD nahm, musste die Wirkung so ähnlich sein, wie wenn man sich bei ihr umschaute. Es war unglaublich, wie viele Farben und Muster man auf kleinstem Raum unterbringen konnte. Das Schönste an der Wohnung war der verglaste kleine Balkon, der auf Hinterhöfe hinausging. Auf ihm wuchsen unzählige Blumensorten in allen erdenklichen Farben und Formen. Marion war Floristin, und Pflanzen waren ihre Leidenschaft, neben Männern. Irgendwie hatte sie für Erstere aber ein entschieden besseres Händchen. Nach unzähligen gescheiterten Romanzen war sie momentan mal wieder seit einer ganzen Weile solo.
»Sag mal, Möhrchen, wollen wir da wirklich noch mal hin?«
»Aber selbstredend! Wir wollen doch fitter werden. Wenn uns das so fertigmacht, heißt das doch, dass es effektiv ist. Außerdem ist es eine einmalige Gelegenheit, für einen minimalen Obolus eine Stunde lang einen fantastisch gebauten Kerl in spärlicher Bekleidung anschauen zu dürfen, ohne dass jemand Anstoß daran nehmen kann. Und was das Tollste ist, wenn man sich blöd genug anstellt, darf man ihn sogar mal anfassen. Ohne Aufpreis!«
»Also, Möhrchen, wirklich!«
»Hast du eine Ahnung, was eine Eintrittskarte für die California Dream Boys oder so was kostet?!«
»Nein, wirklich nicht, und ich hoffe aufrichtig, dass du es auch nicht weißt.« Misstrauisch schaute Clara Marion von der Seite an.
»Nein, weiß ich auch nicht. Du kannst gut von oben herab tun. Eine Frau hat auch Bedürfnisse. Du hast ja deinen Göttergatten. Nicht dass ich den wollte, aber besser als nix. Und ich?«
»Du sollst nicht immer so abfällig über Sebastian reden. Er ist ein toller Mann. Was hast du nur an ihm auszusetzen? Ich glaube, du bist einfach ein bisschen eifersüchtig.«
»Ich hab überhaupt nichts an ihm auszusetzen, aber dein Traumprinz findet sich selbst so toll, dass es absolute Verschwendung wäre, wenn ich ihn auch noch gut fände.«
»Ist gar nicht wahr. Basti hat einfach ein gesundes Selbstbewusstsein. Und das braucht er auch in seinem Job.«
»Na klar, er ist der Beste! So, und jetzt zu angenehmen Dingen. Ich koche uns einen Kaffee. Ich muss unbedingt meine Kraftreserven auffüllen.«
»Ich helfe dir.«
»Lieber nicht, wenn du mir umkippst, krieg ich dich nie wieder hoch. Ich mach das schon.«
Das war leider nur zu wahr. Wahrscheinlich wog Clara fast doppelt so viel wie Marion. Genau wussten sie das aber nicht. So vertraut sie auch miteinander waren, so war ihr jeweiliges Gewicht für die andere dennoch ein gut gehütetes Geheimnis.
Möhrchen schleppte eine Platte mit Negerküssen — korrekterweise wohl Schaumküssen – heran. Eigentlich war es egal, wie die Dinger hießen. Der Name – und schon gar nicht die Dinger an sich – war seit Ewigkeiten nicht mehr über Claras Lippen gekommen.
Als der Kaffee auf dem Tisch stand, schob sich Marion genüsslich einen Schaumkuss in den Mund. Sie seufzte und verdrehte die Augen. »Nichts macht so glücklich wie raffinierte Kohlehydrate. Na ja, zumindest nichts, was so günstig und einfach zu kriegen ist.«
Clara hätte schreien können.
»Immer noch nichts für dich? Wirklich nur Kaffee, nach dieser Tortur auch nicht?«
»Ich hab jetzt seit fünf Monaten keine Süßigkeiten mehr gegessen und kaum Kohlehydrate. Ich trinke morgens und abends einen Diätshake und nehme mittags eine eiweißreiche Mahlzeit zu mir.«
»Wahnsinn! Ich denke schon die ganze Zeit, du siehst einfach klasse aus, Clara!« Spontan nahm Clara Marion in den Arm und küsste sie herzhaft auf die Stirn. »Willst du wissen, wie viel ich abgenommen habe?«
»Ja, sag’s mir!«
Clara ließ die Spannung ansteigen, bevor sie verkündete: »Eineinhalb Kilo!«
»Toll! Das heißt ... das sind drei Pfund, oder? In fünf Monaten mit einer Mahlzeit am Tag? ... Sag mal, Clara-Maus, weinst du?«
Wie blöd ist das denn! Nun sitze ich hier und heule, bei Möhrchen, die alles, aber das nun ganz und gar nicht verstehen kann.
»Ach, ich bin so frustriert!«
»Gehst du nicht in so eine Art Praxis? Was sagen die denn dazu?«
»Ich weiß nicht, wer mehr leidet, die Ernährungsberaterin oder ich. Ich sehe richtig, wie ihr der Schweiß auf die Stirn tritt, jedes Mal, wenn es bei mir ans Wiegen geht. Wahrscheinlich glaubt sie mir nicht, dass ich alles so mache, wie ich soll, aber sie tut zumindest so. Ich bin doch nicht so bescheuert, dass ich denen mein Geld hintrage, heimlich esse und mich dann wundere, dass es nichts bringt. Sie meint, ich bin zu verkrampft und blockiere mich selber.«
»Klingt gut. Ich denke nie darüber nach, was ich esse. Und ich nehme nie zu, selbst wenn ich gerne würde. Iss einen Schaumkuss, das entkrampft.«
»Wenn ich das tue, verachte ich mich wieder selbst. Das einzig Gute an dieser Diät ist, dass ich nur noch frustriert bin, mich aber nicht selbst hassen muss für meine Schwäche. Ich weiß, du kannst dir das alles gar nicht vorstellen, du halbe Portion.«
»Kann ich echt nicht! Ich sehe das Problem einfach nicht. Du siehst doch prima aus, du bist charmant und schlau, du hast einen Mann, den du zumindest gut findest ...«
»Lass das, bitte!«
»Sorry! Du hast einen akzeptablen Mann, der dich liebt ... Oder nervt der dich wegen des Gewichts? Das würde mich echt nicht ...«
»Tut er nicht! Aber ich will einfach nicht mehr so aussehen.«
Und schon wieder fing sie an zu tropfen.
Marion zog sie an sich. An ihrer knochigen Schulter schniefte sie verschämt weiter. Sie kam sich vor, als wären sie wieder im Kindergarten oder hormongestörte Teenies.
»Mensch, Clara! Du weinst doch nicht etwa im Ernst, weil du nicht aussiehst wie Kate Moss?«
»Nein, ich weine nicht, weil ich nicht aussehe wie Kate Moss, ich weine, weil ich aussehe wie Cindy aus Marzahn. Ich hab sogar fast die gleiche Frisur.«
Energisch schnäuzte sie sich die Nase und versuchte sich zu fangen. Das war wirklich lächerlich. Andere Menschen hatten ganz andere Probleme.
»Du siehst überhaupt nicht aus wie die! Du bist zwar ein bisschen mollig, aber gar nicht prollig!«
Marion liebte Wortspiele. Dieses war so doof, dass Clara lachen musste.
»Die Ernährungsberaterin meint, ich sollte mal einen Kurs in autogenem Training machen, um zu lernen, mich zu entspannen. Dann schütte ich nicht mehr so viele Cortisole aus, und mein Stoffwechsel funktioniert besser. Kommst du vielleicht mit?«
»Keine schlechte Idee! Wenn ich...




