Hornung | Ein Dieb in der Nacht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 206 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

Hornung Ein Dieb in der Nacht

Neue Abenteuer aus der Einbrecherlaufbahn des A. J. Raffles
Überarbeitete Fassung
ISBN: 978-3-96281-380-2
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Neue Abenteuer aus der Einbrecherlaufbahn des A. J. Raffles

E-Book, Deutsch, 206 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

ISBN: 978-3-96281-380-2
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie kennen Sherlock Holmes? Natürlich! Sie kennen auch Arsène Lupin? Glückwunsch! Aber kennen Sie A. J. Raffles, den berüchtigten Gentleman-Gangster? 1900 schuf Ernest William Hornung (übrigens ein Schwager des Sherlock-Holmes-Autors Arthur Conan Doyle) einen der interessantesten Köpfe der englischen Kriminalliteratur und gleichzeitig einen frühen Antihelden. A. J. Raffles hat in Oxford studiert, hat exzellente Manieren, ist ein Mann von Welt und lebt das Leben eines reichen Dandys. Er ist der Partylöwe unter den Schönen und Reichen und nutzt deren Festivitäten, um seine Beute auszukundschaften. Erleben Sie seine spannenden und äußerst unterhaltsamen Abenteuer erstmalig als E-Book. Null Papier Verlag

Ernest William Hornung (07.06.1866-22.03.1921) war ein englischer Schriftsteller. Er war der Schwager von Arthur Conan Doyle. Inspiriert von Doyles Erfolg, begann er selbst mit dem Schreiben von Krimi-Geschichten. Hornung schuf ein Gegenstück zu Doyles Meisterdetektiv Sherlock Holmes: den smarten A. J. Raffles, der heimlich als Einbrecher und Dieb unterwegs ist.
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Erstes Kapitel. Aus dem Paradies verstoßen.


Wenn ich noch weitere Geschichten von Raffles erzählen soll, kann ich nichts Besseres tun, als auf die ersten Tage unsres Zusammentreffens zurückgreifen und die aus Zartgefühl leergelassenen Blätter der vorhandenen Annalen füllen. Indem ich dies tue, fülle ich aber trotz allem nur einen kleinen Teil jener großen Leere aus, über die ich jetzt sozusagen meine Leinwand für das erste lebenswahre Porträt meines Freundes gespannt habe. Eine vollkommen getreue Darstellung kann ihm jetzt ja nicht mehr schaden. Jede Warze will ich hineinzeichnen. Raffles war, wenn man alles in Betracht zieht, ein Schurke; es könnte seinem Andenken nur schaden, wollte man diese Tatsache beschönigen. Trotzdem habe ich selbst dies bis auf den heutigen Tag getan. Viele hässliche Episoden habe ich übergangen und mich dafür ungebührlich bei der die Scharten auswetzenden Seite aufgehalten. Und wer weiß, ob ich das nicht wieder tue, geblendet, selbst während des Schreibens, von dem Zauber seines Wesens, das mir meinen Schurken lieber machte als jeden anderen Helden. Trotzdem aber will ich jetzt jede Zurückhaltung aufgeben und als Beweis dafür nicht länger ein Geheimnis aus dem größten Unrecht machen, das Raffles selbst mir je angetan hat.

Mit peinlicher Vorsicht wähle ich meine Worte, denn ich möchte meinem Freunde noch immer treu bleiben und muss doch an jene Iden des März zurückdenken, wo er mich mit verbundenen Augen in Versuchung und Verbrechen führte. Dies war allerdings eine hässliche Tat und doch moralisch nur eine Bagatelle im Vergleich zu dem heimtückischen Streich, den er mir persönlich einige Wochen später spielte. Das zweite Vergehen erwies sich zwar, wenigstens der Gesellschaft gegenüber, als das weniger schwerwiegende und hätte schon vor Jahren veröffentlicht werden können. Persönliche Gründe hatten mir indes Schweigen auferlegt. Die Angelegenheit ging nämlich nicht nur mich ganz speziell an und warf ein allzuschimpfliches Licht auf Raffles, sondern eine dritte Person war darein verflochten, die mir noch näher am Herzen lag als Raffles selbst, und deren Name durch die Verbindung mit dem unsrigen auch jetzt nicht besudelt werden soll.

Es genüge, dass ich schon vor jener tollen Märztat mit der Betreffenden verlobt gewesen war. Ihre Angehörigen nannten es allerdings nur ein »freundschaftliches Verhältnis« und sahen selbst das mit scheelen Blicken an, wozu sie übrigens auch alles recht hatten. Allein wir standen nicht direkt unter deren Autorität, sondern beugten uns ihr nur aus einer gewissen politischen Rücksicht. Zwischen uns beiden aber war alles im reinen – meine Unwürdigkeit abgerechnet. Dies kann indes nur richtig ermessen werden, wenn ich gestehe, wie weit die Sache schon gediehen war, als ich an jenem Abend einen wertlosen Scheck für meine Verluste beim Bakkarat ausgestellt und mich in meiner Not dann an Raffles gewandt hatte. Sogar nachher sah ich »sie« zwar noch manchmal, doch ließ ich durchblicken, dass mehr auf meiner Seele laste, als sie je mit mir teilen dürfe, und schließlich schickte ich ihr eben doch den Abschiedsbrief. Wie lebhaft steht jene Woche vor mir! Es war gegen Ende eines solch herrlichen Mai, wie wir ihn seither nicht mehr erlebt haben, und ich fühlte mich so unglücklich, dass ich nicht einmal die aufregenden Kricketberichte in den Zeitungen verfolgen mochte. Raffles war nämlich der einzige, der damals auf den »Lordsgrounds«, dem Hauptkricketplatz von London, einen »« schlug, und doch ging ich niemals hin. Gegen den Yorkshireklub gewann er außerdem hundert »Runs«, und dies veranlasste Raffles, auf seinem Heimweg zum Albanyklub bei mir vorzusprechen.

»Wir müssen miteinander dinieren und das seltene Ereignis feiern«, sagte er. »Hundert solche Schläge können in unsrer Zeit einen wohl etwas auf den Hund bringen, und auch du, Bunny, siehst ganz so aus, als brauchtest du deinen Teil an einer anständigen Flasche. Wie wär’s, wenn wir sie uns im Café Royal Punkt acht Uhr zu Gemüt führten? Ich werde dann schon etwas früher dort sein, um Tisch und Wein zu bestellen.«

Im Café Royal erzählte ich ihm denn auch unverzüglich von der Herzensnot, in der ich mich befand. Es war das erste Mal, dass er überhaupt etwas von meinem Liebeshandel erfuhr, und ich gestand ihm alles, wenn auch erst, nachdem unsrer Flasche noch eine zweite von derselben vortrefflichen Marke gefolgt war. Raffles hörte mir mit ernster Aufmerksamkeit zu, und seine Teilnahme war umso wohltuender durch die taktvolle Kürze, womit er sie mehr andeutete als ausdrückte. Er wünschte nur, ich hätte ihn gleich von Anfang an in diese Verwicklung eingeweiht. Da ich es nicht getan, stimmte er mit mir überein, dass der einzige Ausweg ein offener und vollständiger Verzicht sei. Meine Angebetete hatte übrigens ja auch keinen Pfennig, und ich konnte auf ehrlichem Wege keinen verdienen. Ich hatte Raffles auseinandergesetzt, dass sie eine Waise sei, die den größten Teil des Jahres bei einer aristokratischen Tante auf dem Lande und den übrigen unter dem »despotischen« Dache eines aufgeblasenen Politikers in Palace Gardens verbringe. Die Tante empfand, wie ich glaube, noch immer eine heimliche kleine Schwäche für mich, wogegen ihr berühmter Bruder sich mir von Anfang an feindlich entgegengestellt hatte.

»Hektor Carruthers«, murmelte Raffles, den verhassten Namen wiederholend, während sich seine klaren, kalten Augen auf die meinigen hefteten. »Du hast wohl nicht viel von ihm zu sehen bekommen?«

»Nichts, seit einer Ewigkeit«, antwortete ich. »Ich war zwar vergangenes Jahr ein paarmal im Hause, seither aber bin ich weder zum Wiederkommen aufgefordert, noch angenommen worden, wenn ich dort Besuch machen wollte. Das alte Scheusal scheint ein Menschenkenner zu sein!«

Und bitter lachte ich in mein Glas hinein.

»Hübsches Haus, was?« sagte Raffles, sich in seiner silbernen Zigarettendose betrachtend.

»Tip top«, antwortete ich. »Du kennst doch die Häuser in Palace Gardens?«

»Nicht so gut, als ich gerne möchte, Bunny.«

»Nun, seines ist das schönste von allen – im Innern ein wahres Museum. Der alte Grobian ist ein Krösus mit einem wahrhaft fürstlich eingerichteten Haus.«

»Wie steht es mit den Fensterriegeln?« fragte Raffles so nebenher.

Ich aber prallte von der offenen Zigarettendose, die er mir während des Sprechens hinhielt, zurück. Unsre Augen begegneten sich, und in den seinigen...



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