Hornung | Ein Einbrecher aus Passion | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 218 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

Hornung Ein Einbrecher aus Passion

Kriminalgeschichten
Überarbeitete Fassung
ISBN: 978-3-96281-383-3
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalgeschichten

E-Book, Deutsch, 218 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

ISBN: 978-3-96281-383-3
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie kennen Sherlock Holmes? Natürlich! Sie kennen auch Arsène Lupin? Glückwunsch! Aber kennen Sie A. J. Raffles, den berüchtigten Gentleman-Gangster? 1900 schuf Ernest William Hornung (übrigens ein Schwager des Sherlock-Holmes-Autors Arthur Conan Doyle) einen der interessantesten Köpfe der englischen Kriminalliteratur und gleichzeitig einen frühen Antihelden. A. J. Raffles hat in Oxford studiert, hat exzellente Manieren, ist ein Mann von Welt und lebt das Leben eines reichen Dandys. Er ist der Partylöwe unter den Schönen und Reichen und nutzt deren Festivitäten, um seine Beute auszukundschaften. Erleben Sie seine spannenden und äußerst unterhaltsamen Abenteuer erstmalig als E-Book. Null Papier Verlag

Ernest William Hornung (07.06.1866-22.03.1921) war ein englischer Schriftsteller. Er war der Schwager von Arthur Conan Doyle. Inspiriert von Doyles Erfolg, begann er selbst mit dem Schreiben von Krimi-Geschichten. Hornung schuf ein Gegenstück zu Doyles Meisterdetektiv Sherlock Holmes: den smarten A. J. Raffles, der heimlich als Einbrecher und Dieb unterwegs ist.
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Erstes Kapitel. Die Iden des März


Es war eine halbe Stunde nach Mitternacht, als ich in den Albanyklub, die letzte Zufluchtsstätte, die mir meine Verzweiflung eingab, zurückkehrte. Der Schauplatz meines Verderbens war noch ziemlich in demselben Zustand, worin ich ihn verlassen hatte. Baccaratmarken lagen auf dem Tisch verstreut, und leere Gläser standen neben überfüllten Aschenschalen. Ein Fenster war geöffnet worden, um den Rauch abziehen zu lassen, aber dafür ließ es den Nebel herein. Raffles selbst hatte sich nur seines Fracks entledigt und statt dessen einen seiner unzähligen Hausröcke angezogen, und doch runzelte er die Stirn, als ob ich ihn aus dem Bette gerissen hätte.

»Etwas vergessen?« fragte er, als er mich erblickte.

»Nein«, antwortete ich, mich ohne Umstände an ihm vorbeidrängend und ihm mit einer Ungeniertheit in sein Zimmer vorausgehend, die mich selbst in Erstaunen setzte.

»Sie sind doch nicht etwa gekommen, um Revanche zu fordern? Denn die würde ich Ihnen beim besten Willen allein nicht geben können. Es tat mir selbst leid, dass die anderen …«

Wir standen uns an seinem Kamin gegenüber, als ich ihm ins Wort fiel.

»Raffles«, sagte ich, »Ihre Überraschung, dass ich so um diese Stunde zu Ihnen zurückkehre, begreife ich. Ich kenne Sie ja kaum und habe Ihr Zimmer bis heute Abend noch nie betreten. Aber ich war Ihr Leibfuchs in der Schule, und Sie sagten, Sie erinnerten sich meiner. Das ist natürlich keine Entschuldigung; aber wollen Sie mich anhören – nur zwei Minuten?«

»Gewiss, mein Lieber, solange Sie wollen. Zünden Sie sich eine Sullivan an und nehmen Sie Platz«, entgegnete er, indem er mir seine silberne Zigarettendose anbot.

»Nein«, erwiderte ich kopfschüttelnd und mit fester Stimme, »ich werde weder rauchen noch Platz nehmen, und wenn Sie gehört haben, was ich Ihnen zu sagen habe, werden Sie Ihre Einladung schwerlich wiederholen.«

»Wirklich?« antwortete er, während er sich eine Zigarette anzündete und seine klaren blauen Augen auf mich richtete. »Wie können Sie das wissen?«

»Weil Sie mir natürlich die Tür weisen werden«, rief ich bitter, »und Sie würden vollkommen recht haben, wenn Sie das täten. Aber was kann es nützen, auf den Busch zu klopfen? Sie wissen, dass ich vorhin zweihundert Pfund verloren habe.«

Er nickte.

»Und dass ich nicht so viel Geld bei mir hatte.«

»Ja, ich entsinne mich.«

»Aber ich hatte mein Scheckbuch und schrieb für jeden von euch einen Scheck dort an jenem Pulte.«

»Nun?«

»Keiner davon ist das Papier wert, worauf er geschrieben ist, Raffles. Ich habe mein Guthaben bei der Bank überschritten.«

»Doch gewiss nur für den Augenblick?«

»Nein, es ist alles fort.«

»Aber irgendjemand hat mir doch gesagt, Sie seien in ganz guten Verhältnissen und hätten geerbt.«

»Das habe ich auch – vor drei Jahren – das war eben mein Fluch, und nun ist alles hin – bis auf den letzten Heller! Ja, ich bin ein Narr gewesen, wie es keinen zweiten auf der Welt gibt oder geben wird … Genügt Ihnen das noch nicht? Warum werfen Sie mich denn nicht hinaus?«

Statt das zu tun, ging er mit sehr langem Gesicht auf und ab.

»Können denn Ihre Verwandten nichts für Sie tun?« fragte er endlich.

»Gott sei Dank!« rief ich, »Verwandte habe ich nicht. Ich war meiner Eltern einziges Kind und habe alles geerbt. Mein einziger Trost ist, dass sie dies nicht mehr erlebt haben und niemals erfahren werden.«

Bei diesen Worten warf ich mich auf einen Stuhl und verbarg mein Gesicht, während Raffles fortfuhr, auf dem reichen Teppich, der mit der ganzen Ausstattung seines Zimmers in Einklang stand, auf und ab zu gehen, ohne dass sich die Gleichmäßigkeit seiner leisen Schritte geändert hätte.

»Sie haben sich doch früher mit Literatur befasst«, sagte er endlich. »Haben Sie nicht vor Ihrem Abgang das Schulmagazin herausgegeben? Jedenfalls entsinne ich mich, dass Sie mir als Fuchs meine Verse machen mussten, und diese Art von Literatur ist ja heutigestags in der Mode. Jeder Dummkopf kann sich sein Brot damit verdienen.«

»Kein Dummkopf könnte mir meine Schulden vom Halse schreiben«, antwortete ich kopfschüttelnd.

»Sie haben aber doch irgend eine Wohnung?« fuhr er fort.

»Ja, in Mount Street.«

»Wie steht’s denn mit den Möbeln?«

In meinem Elend musste ich laut auflachen.

»Nicht ein Fußbänkchen darunter, woran nicht schon seit Monaten die Pfändungsmarke des Gerichtsvollziehers klebte!«

Als er diese Worte hörte, blieb Raffles mit emporgezogenen Augenbrauen und einem strengen Blick stehen, dem ich jetzt, wo er das Schlimmste wusste, besser begegnen konnte. Dann nahm er achselzuckend seine Wanderung wieder auf, und einige Augenblicke sprach keiner von uns ein Wort, allein in seinem schönen, starren Antlitz las ich mein Schicksal und mein Todesurteil. Mit jedem Atemzuge verwünschte ich meine Torheit und dass ich so feige gewesen war, mich überhaupt an ihn zu wenden. Weil er in der Schule als Kapitän der Cricketspieler freundlich gegen mich und ich sein Leibfuchs gewesen war, hatte ich es gewagt, auch jetzt noch auf seine Güte zu zählen; weil ich zu Grunde gerichtet und er reich genug war, den ganzen Sommer Cricket zu spielen und während des Restes des Jahres nichts zu tun, hatte ich törichterweise auf seine Nachsicht, seine Teilnahme und seine Hilfe gerechnet! Ja, ich hatte mich im Herzen trotz meiner äußerlichen Schüchternheit und Demut auf ihn verlassen, und nun geschah mir ganz recht. In seinen aufgeblähten Nüstern, der starren Kinnlade, den kalten blauen Augen, die niemals nach mir hinsahen, kam ebensowenig Milde als Teilnahme zum Ausdruck. Ich griff nach meinem Hute, erhob mich schwankend und würde ohne ein weiteres Wort gegangen sein, wenn nicht Raffles zwischen mir und der Tür gestanden hätte.

»Wo wollen Sie hin?« fragte er.

»Das ist meine Sache«, erwiderte ich. »Wollen Sie mich vorbeilassen?«

»Nicht eher, als bis Sie mir gesagt haben, wohin Sie gehen und was Sie vorhaben.«

»Können Sie das nicht erraten?« rief ich, und dann blieben wir lange einander gegenüber stehen und sahen uns in die Augen.

»Haben Sie auch den Mut dazu?« fragte er endlich in einem so cynischen Tone, dass sich der Bann, der mich umfangen hielt, löste und der letzte Tropfen meines Blutes zu kochen begann.

»Das will ich Ihnen zeigen«, antwortete ich, indem ich einen Schritt zurücktrat und den Revolver aus der Tasche riss. »Wollen Sie mich vorbeilassen, oder soll ich es hier tun?«

Die Mündung berührte meine Schläfe und der Zeigefinger den Drücker. Wahnsinnig vor Aufregung, wie ich war, zu Grunde...



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