Horowitz | Die fünf Tore (Band 4) - Höllenpforte | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 4, 448 Seiten

Reihe: Die fünf Tore

Horowitz Die fünf Tore (Band 4) - Höllenpforte

Actionroman für Jungen und Mädchen ab 12 Jahre
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7320-0341-9
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Actionroman für Jungen und Mädchen ab 12 Jahre

E-Book, Deutsch, Band 4, 448 Seiten

Reihe: Die fünf Tore

ISBN: 978-3-7320-0341-9
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dann stürzte sich die Dunkelheit mit der Wucht eines Expresszuges auf sie und in diesem Moment passierte es. Sie spürte, wie sich etwas in ihr löste. Es war, als würde ein Fenster eingeschlagen, und sie wusste, dass sie nie wieder so sein würde wie vorher. Exotische Schauplätze, faszinierende Figuren und Action nonstop: Erfolgsautor Anthony Horowitz beweist einmal mehr, dass er ein absoluter Meister seines Fachs ist. In Horowitz' Reihe Die fünf Tore lauern Dämonen und Monster aus anderen Dimensionen hinter jedem der Portale. Fünf Jugendliche sind die einzigen Torwächter, die sie beschützen können, ohne davon zu wissen. Matt ist einer von ihnen und muss nun mit Hilfe seiner übernatürlichen Kräfte die anderen finden, um gemeinsam mit ihnen die Tore zu zerstören. Eine explosive Mischung aus Spannung, Action und Fantasy für Leser ab 12 Jahren. 'Höllenpforte' ist der vierte Band der Die Fünf Tore-Reihe. Die drei Vorgängertitel lauten 'Todeskreis', 'Teufelsstern' und 'Schattenmacht'.

Anthony Horowitz wurde 1956 in Middlesex, England geboren. An seine Schulzeit denkt er nur ungern zurück: mit acht Jahren wurde er von seinen Eltern in ein Internat geschickt. Die dort herrschenden strengen und brutalen Erziehungsmethoden ließen ihn in Geschichten Zuflucht suchen. Er begann, sich Geschichten auszudenken und erzählte diese auch seinen Mitschülern. Daran fand er Gefallen und fasste den Entschluss, Schriftsteller zu werden: Sein erstes Buch erschien 1979 in Großbritannien auf dem Markt. Anthony Horowitz schafft es die Erfahrungen seiner problematischen Kindheit dafür zu nutzen, sich neue Geschichten auszudenken und arbeitet nun als freier Autor. Er zählt im englischsprachigen Raum zu den erfolgreichsten und fleißigsten Schriftstellern. Seine Bücher erscheinen in mehr als dreißig Ländern. Neben Romanen für Erwachsene und Jugendliche schreibt er auch Drehbücher für Film und Fernsehen und führt ein Tagebuch auf seiner Homepage www.anthonyhorowitz.com über seine literarischen Tätigkeiten. So bietet er seinen Lesern immer wieder interessante Einblicke in das Leben eines Schriftstellers. Anthony Horowitz lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in London. 2003 wurde Anthony Horowitz der renommierte Red House Children's Book Award verliehen. Hier geht es zur englischsprachigen Webseite von Anthony Horowitz
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RETTUNG IN LETZTER SEKUNDE

Das Mädchen schaute nicht, bevor es die Straße überquerte.

Das sagte der Fahrer später aus. Sie hatte nicht nach links und rechts gesehen. Sie hatte auf der anderen Straßenseite einen Freund entdeckt und war einfach losgelaufen, ohne zu merken, dass die Ampel wieder grün war, und ohne daran zu denken, wie viel Verkehr auf dieser Kreuzung herrschte und dass um vier Uhr nachmittags alle Leute schnell von der Arbeit nach Hause kommen wollten. Das Mädchen lief einfach los, ohne nachzudenken. Es warf nicht einmal einen Blick auf den weißen Lieferwagen, der mit fast achtzig Sachen heranraste.

Das war typisch für Scarlett Adams. Sie hatte schon immer zu den Leuten gehört, die erst handeln und dann nachdenken – wenn es längst zu spät ist. Der Hockeyball, den sie über das Schulgebäude hatte schlagen wollen, der aber ausgerechnet ins Fenster der Schulleiterin geflogen war. Der Hausmeister, den sie voll angekleidet in den Swimmingpool geschubst hatte. Es wäre cleverer gewesen, zuerst herauszufinden, ob er schwimmen kann. Der 20-Meter-Baum, auf den sie geklettert war, nur um dann zu merken, dass sie nicht wieder hinunterkam.

Zum Glück war man an ihrer Schule nachsichtig. Es half, dass Scarlett allgemein beliebt war und dass die meisten Lehrer sie mochten. Und auch wenn sie keine Musterschülerin war, gehörte sie doch nicht zu den Schlusslichtern ihrer Klasse. Richtig gut war sie in Sport. Sie war Kapitän der Hockeymannschaft (trotz der gelegentlichen Fehlschläge), eine starke Tennisspielerin und bei den Sommerwettkämpfen war sie in Leichtathletik immer die Beste. Einer Schülerin, die die Trophäen holt, macht keine Schule zu viel Ärger und Scarlett hatte ihrer Schule schon eine ganze Sammlung eingebracht.

Ihre Schule hieß St.Genevieve und von außen betrachtet hätte sie genauso gut ein vornehmer Herrensitz oder vielleicht ein Privathospital für die Superreichen sein können. Sie stand auf einem großen Grundstück, ein paar Meter von der Straße entfernt, war von Efeu überwuchert und hatte einen Glockenturm auf dem Dach.

St.Genevieve war eine Privatschule, eine der vielen, die sich im Zentrum von Dulwich im Londoner Süden zusammendrängten. Dulwich war ein merkwürdiger Stadtteil: Im Westen lag Streatham und im Osten Sydenham, beides Viertel mit Hochhäusern, Drogen- und Gewaltkriminalität. Aber in Dulwich war alles grün. Hier gab es altmodische Teestuben und an den Laternenpfählen hingen Blumenkörbe. Die meisten Autos waren Geländewagen und die Mütter, die sie fuhren, sprachen sich alle mit dem Vornamen an.

Scarlett war auf den ersten Blick anzusehen, dass sie nicht in England geboren worden war. Ihre Eltern mochten zwar typische Bewohner von Dulwich sein – ihre Mutter groß, blond und schick, ihr Vater ein Rechtsanwalt mit ergrautem Haar, einem rundlichen Gesicht und einer Brille –, aber sie sah ihnen kein bisschen ähnlich. Scarlett hatte lange schwarze Haare, merkwürdig braun-grüne Augen und die hellbraune Haut eines Mädchens, das aus China, Hongkong oder einem anderen Teil Ostasiens stammte. Sie war klein und schlank und ihr strahlendes Lächeln hatte sie schon aus so mancher peinlichen Lage gerettet. Sie war nicht die richtige Tochter der Adams. Das wusste jeder. Auch sie hatte es schon von frühester Kindheit an gewusst.

Sie war adoptiert. Paul und Vanessa Adams konnten keine eigenen Kinder bekommen und hatten sie in einem Waisenhaus in Jakarta entdeckt. Niemand wusste, wie sie dorthin gekommen war. Niemand kannte ihre leibliche Mutter. Scarlett versuchte, möglichst nicht an ihre Vergangenheit zu denken und daran, woher sie kam, aber sie fragte sich doch öfter, was passiert wäre, wenn das Paar, das den weiten Weg aus London gekommen war, das Baby in Bett sieben oder neun genommen hätte statt das in Bett acht. Würde sie dann jetzt irgendwo in Indonesien Reis pflanzen oder in einem Ausbeuterbetrieb Nike-Turnschuhe zusammennähen? Allein der Gedanke ließ sie schaudern.

Aber dazu war es nicht gekommen und sie lebte mit ihren Eltern in einer ruhigen Straße in der Nähe des Bahnhofs North Dulwich, von dem es bis zu ihrer Schule nur fünfzehn Minuten Fußweg waren. Ihr Vater Paul Adams war auf internationales Firmenrecht spezialisiert. Ihre Mutter Vanessa hatte ein Reisebüro und organisierte Reisen nach China und andere Länder im Fernen Osten. Die beiden waren so beschäftigt, dass sie kaum Zeit für Scarlett hatten – oder füreinander. Seit Scarlett fünf war, hatten sie deshalb eine Haushälterin, die sich um alles kümmerte. Christina Murdoch war klein und dunkelhaarig und hatte nicht den geringsten Sinn für Humor. Sie war aus Glasgow nach London gekommen und ihr Vater war Vikar. Davon abgesehen wusste Scarlett kaum etwas über sie. Die beiden kamen zwar ganz gut miteinander aus, aber ohne es laut auszusprechen, waren sie längst übereingekommen, dass sie nie Freundinnen sein würden.

Einer der Vorteile des Lebens in Dulwich war, dass Scarlett viele Freunde hatte, die alle in der Nachbarschaft lebten. Zwei Mädchen aus ihrer Klasse wohnten sogar in derselben Straße und ein Junge – Aidan Ravitch – nur fünf Minuten entfernt. Es war Aidan, wegen dem sie auf die Straße gelaufen war.

Aidan besuchte nun schon das zweite Jahr The Hall, eine andere Privatschule in Dulwich. Er war aus Los Angeles nach London gekommen, war groß für sein Alter und sah mit seinen struppigen Haaren und der leicht schlaffen Haltung auf eine entspannte Weise gut aus. Er trug tagein, tagaus dasselbe Kapuzenshirt, dieselben Jeans und Turnschuhe. Aidan konnte die Engländer nicht verstehen. Er behauptete, Dinge wie Fußball, die Teestunde und Doctor Who nicht zu kapieren. Aber vor allem die englischen Polizisten hatten es ihm angetan. „Warum müssen die diese dämlichen Hüte tragen?“ Er war Scarletts bester Freund, obwohl sie beide wussten, dass sein Vater, der für eine amerikanische Bank arbeitete, jederzeit wieder nach Hause geschickt werden konnte. Aber bis es so weit war, verbrachten sie so viel Zeit miteinander, wie sie konnten.

Der Unfall passierte an einem warmen Sommernachmittag. Scarlett war zu dieser Zeit dreizehn.

Es war kurz nach vier und Scarlett war auf dem Heimweg von der Schule. Allein die Tatsache, dass sie ohne Begleitung nach Hause gehen durfte, bedeutete ihr sehr viel. Ihre Eltern hatten erst an ihrem letzten Geburtstag endlich nachgegeben. Bis dahin hatten sie darauf bestanden, dass MrsMurdoch sie jeden Tag am Schultor abholte, obwohl es viel jüngere Mädchen gab, die den Gefahren der Dulwich High Street ganz allein und ohne bewaffnete Eskorte trotzen durften. Scarlett hatte nie begriffen, wieso ihre Eltern so besorgt waren. Sie konnte sich nicht verlaufen. Ihr Weg führte vorbei an einem Blumengeschäft, einem Bioladen und einer Kneipe, wo sie möglicherweise ein paar alte Männer sehen konnte, die mit ihrer Mischung aus Bier und Limonade in der Sonne saßen. In der unmittelbaren Nachbarschaft gab es keine Drogenhändler, keine Kindesentführer und keine Axtmörder. Außerdem war es ja nicht so, als wäre sie allein auf weiter Flur gewesen. Von halb vier an waren die Straßen voller Mädchen und Jungen, die auf dem Weg nach Hause in alle Richtungen unterwegs waren.

Sie war an einer Ampel angekommen, wo fünf Straßen aufeinandertrafen, als sie Aidan entdeckte. Er war allein und hörte Musik. Sie konnte die weißen Kabel sehen, die von seinen Ohren herunterhingen. Er sah sie, lächelte und rief ihren Namen. Ohne nachzudenken, lief sie auf ihn zu.

Der Fahrer des Lieferwagens war ein fünfundzwanzigjähriger Kurierfahrer namens Michael Logue. Die Polizei würde später seine Personalien aufnehmen. Er transportierte Ersatzteile für eine Nähmaschinenfabrik in Bickley und hatte es dem Londoner Verkehr zu verdanken, dass er schon jetzt Verspätung hatte. Er war ganz sicher zu schnell, als er auf die Kreuzung zufuhr, aber andererseits war die Ampel eindeutig grün.

Scarlett war schon mitten auf der Straße, als sie ihn sah, und da war es viel zu spät. Sie sah, wie Aidan erschrocken die Augen aufriss, und drehte erst da den Kopf, weil sie wissen wollte, was er gesehen hatte. Sie erstarrte. Der Lieferwagen war schon fast über ihr. Sie konnte den Fahrer sehen, der sie über das Lenkrad hinweg anstarrte, voller Entsetzen, weil er genau wusste, was gleich passieren würde, und nichts dagegen tun konnte. Der Lieferwagen schien größer und größer zu werden, je näher er Scarlett kam. Schließlich füllte er ihr ganzes Gesichtsfeld aus.

Und dann passierte alles auf einmal.

Aidan schrie auf. Der Fahrer riss hektisch das Lenkrad herum. Der Lieferwagen geriet in gefährliche Schräglage. Und Scarlett wurde vorwärtsgestoßen, denn etwas – oder jemand – rammte mit unglaublicher Wucht ihren Rücken. Sie wollte aufschreien, aber der Schlag hatte ihr den Atem genommen und ihre Knie gaben unter ihr nach. Irgendwo in ihrem Gehirn registrierte sie, dass ein Passant vom Bürgersteig gesprungen war und sie zu retten versuchte. Sein Arm lag um ihre Taille, sein Kopf und seine Schulter pressten sich in ihren Rücken. Aber wie war er so schnell zu ihr gekommen? Selbst wenn er den Lieferwagen hatte kommen sehen und sofort losgesprintet war, hätte er sie kaum rechtzeitig erreichen können. Es war beinahe, als hätte er schon vorher gewusst, was passieren würde.

Der Lieferwagen schoss vorbei und verfehlte sie nur um Zentimeter. Sie spürte sogar den warmen Luftzug im Gesicht und konnte die Abgase riechen. Sie hatte zwei Bücher unter dem Arm gehabt, ein französisches Wörterbuch und das Mathebuch, denn in diesen Fächern standen ihr noch anderthalb Stunden Hausaufgaben bevor. Doch als sie nach vorn gestoßen wurde, flogen ihre Arme...



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