Horton | MAD MICK - EINER GEGEN ALLE | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 284 Seiten

Reihe: Mad Mick

Horton MAD MICK - EINER GEGEN ALLE

Thriller, Endzeit, Abenteuer
überarbeitete Ausgabe
ISBN: 978-3-95835-647-4
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller, Endzeit, Abenteuer

E-Book, Deutsch, Band 1, 284 Seiten

Reihe: Mad Mick

ISBN: 978-3-95835-647-4
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Für einen kampferprobten Auftragskiller und seine vorlaute Tochter ist das Überleben nach der Apokalypse keine große Sache. Sie haben genügend Essen, Waffen, erstklassige Ausrüstung und Verbindungen in die dunkelsten Winkel der Welt der Spezialeinheiten. Es sollte ihnen nur niemand in die Quere kommen, denn die Maguires kennen keine Gnade. Über fünfundzwanzig Jahre lang baute Conor Maguire im Auftrag der Regierung und zurückgezogen in seinem abgeschiedenen Anwesen in den Bergen Montanas maßgeschneiderte Waffen- und Sprengstoffsysteme. Als eine Reihe von verheerenden Terroranschlägen die Vereinigten Staaten in die Knie zwingen, wähnen sich Conor und sein Tochter Barb dort sicher. Sie haben alles, was sie zum Leben brauchen, sind bewaffnet und bestens ausgebildet. Doch dann wird Barb entführt ... Die Kidnapper wissen nicht, dass Conor früher den Spitznamen »Mad Mick« trug. Sie ahnen nichts von dem Schrecken und dem Respekt, den sein Name in der düsteren Unterwelt geheimer Kampfeinsätze einst auslöste. Und sie wissen nicht, dass nichts und niemand Conor aufhalten kann, wenn es um seine Familie geht. Aber sie werden es herausfinden ...  »Grundsolide Charaktere, knallharte Action und Hintergrundgeschichten, die eigene Bücher verdient hätten. Grandios ...«  Amazon.com 

Franklin Horton lebt und schreibt in der Bergwelt im Südwesten Virginias. Im Alter von dreizehn Jahren begann er mit dem Schreiben und hat seither über dreißig Science-Fiction- und Thriller-Romane verfasst. Ganz ähnlich wie eine seiner bekanntesten literarischen Figuren lebt er zurückgezogen auf einem abgeschiedenen Berggipfel der Clich Mountains und verbringt seine Zeit abwechselnd mit Schreiben oder tüftelnd in seiner Werkstatt.
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Kapitel 1


Es war Frühherbst und in den Bergen wurden die Nächte kühl. Elf erschöpfte Frauen wurden über taunasses Gras geführt; ihre nassen Füße waren vor Kälte fast taub. Das war allerdings ein Segen. Hinter der Wiese fing der Steilpfad voller spitzer Schiefersteine an, der zu den Gewächshäusern führte. Die Schiefersteine schnitten wie Rasierklingen in ihre bloßen Füße.

Die Männer, die sie begleiteten – ihre Entführer –, teilten keine Schuhe unter ihnen aus, da sie hofften, dass die Frauen bei einem Fluchtversuch mit bloßen Füßen nur langsam vorankommen würden. Die Frauen wussten nicht, was sie machen würden, wenn es Winter war. Sie nahmen an, dass sie dann immer noch arbeiten würden – aber würde man ihnen Schuhe geben? Sie hatten keine Zweifel daran, dass die Männer sich etwas einfallen lassen würden, um sie weiterhin zu beschäftigen. Besser, wenn man ihnen irgendeine notwendige Arbeit auftrug, als dass sie der Gnade und Ungnade der gelangweilten Männer ausgeliefert waren. Denn gelangweilte Männer kannten Gnade.

Die Eskorte der Frauen bestand aus einem Team von zwei schwerbewaffneten Männern, die jeder ein AR-15-Sturmgewehr und eine Pistole trugen. Im Lager waren genügend Menschen erschossen worden, dass die Frauen die Gegenwart der bewaffneten Wächter nicht nur als leere Drohung verstanden. Die Männer würden mit dem Schießen keinen Moment zögern, wenn es sein musste.

Kellen ging den anderen vorweg, direkt hinter dem Wächter, den sie Buster nannten. Ihr entging nicht, dass Buster sein Gewehr lose am Schultergurt baumeln ließ, während er sich fluchend mit beiden Händen wie wild den Körper kratzte. Kellen konnte Busters geröteten Nacken und einen wässernden Ausschlag sehen, der sich über seinen Hals ausgebreitet hatte. Derselbe Ausschlag bedeckte seine beiden Arme und, so nahm sie an, den Rest seines Körpers. Seine Qualen zauberten ihr ein Lächeln ins Gesicht.

Seit drei Wochen hatten Kellen und ihre Kolonne während ihrer Arbeit in den Gewächshäusern unauffällig Giftsumach und Gifteiche gesammelt. Während ihrer Pinkelpausen steckten sie die Hände in Sandwich-Beutel, streiften eine Handvoll giftiger Efeublätter von den wilden Ranken ab und krempelten die Tüten dann über den Blättern um wie eine Ärztin, die ihre Untersuchungshandschuhe auszieht. Bevor die Terroristenangriffe passiert waren und der Staat zusammenbrach, hatte eine der Frauen im Lager ihr Einkommen mit dem Verkauf von ätherischen Ölen aufgebessert. Auf ihrem Grundverständnis von der Gewinnung ätherischer Öle aufbauend hatten sie den Plan geschmiedet, Uruschiol, den chemischen Reizstoff der Pflanzen, durch Erhitzen zu extrahieren.

Kellen drehte sich zu der im Gänsemarsch hinter ihr gehenden Frau um und sagte etwas Belangloses, um den Wächter am Ende ihrer Schlange mustern zu können. Erfreut stellte sie fest, dass er ebenfalls litt: Im Kampf mit dem Ausschlag, der seinen Körper überfiel, kratzte er sich mit den Fingernägeln den Hals. Die beiden Männer waren ganz in ihren eigenen Qualen versunken. Angesichts der Leiden, die sie regelmäßig austeilten, war das nur gerecht.

Die Frauen hatten angefangen, etwas von dem gewonnenen Öl der Wäsche beizufügen. Sie mussten die Kleidung der Männer mehrmals die Woche in Zubern waschen und zum Trocknen an einer Wäscheleine aufhängen. Im Laufe von zwei Wochen hatten sie die Unterwäsche und T-Shirts fast aller Männer mit dem Öl behandelt. Jetzt begannen sie, Resultate zu sehen. Die Frauen wussten, dass das Öl die Männer nicht krank machte, hofften aber, dass das Jucken sie zumindest ablenken würde. Der Moment, in dem Kellen herausfinden würde, ob das tatsächlich der Fall war, war jetzt gekommen.

Sie verstärkte ihren Griff um die Hacke, die sie trug, und warf einen schnellen Blick hinter sich. Der hintere Wächter starrte irritiert ins Nichts, während er eine Hand in der Hose versenkte, um sich seine bläschenbedeckten, wunden Genitalien zu kratzen. Kellen hustete. Es war das Signal für die Frauen, sich auf den Kampf vorzubereiten. Die Frauen wappneten sich, packten ihre Gartengeräte und fassten ihren Entschluss.

Am Ende der Kolonne stieß die Frau, die vor dem Wächter herging, ihm den Stiel ihrer Hacke in die bereits wunde Leiste. Nach Luft schnappend, klappte er vor Schmerz zusammen. Die Frau wirbelte ihre Waffe mit einer hunderte Male geübten Bewegung herum und schlug dem Mann das scharfe Ende der Hacke mit beiden Händen auf den Kopf. Er fiel zu Boden wie ein Stein.

Um zu sehen, was los war, drehte sich der Mann am Anfang der Kolonne gemächlich um. Sein Gewehr baumelte lose von seiner Schulter, als er sich die entzündete Haut unter seinem Hemd kratzte. Kellen hatte bereits weit ausgeholt, zielte auf seinen Kopf wie auf eine Piñata aus Fleisch. Der stabile Griff der Hacke traf ihn schon, bevor er sich überrascht fühlen konnte. Es klang wie der Aufschlag eines aus dem Park geworfenen Homerun. Der Wächter kippte vornüber auf die harte Erde um.

Kellen stürzte sich auf ihn und riss dem Wächter sein Gewehr weg. Sie stand auf, entsicherte die Waffe und gab einen einzigen Schuss in die Luft ab. Der Schuss hallte in lautem Echo wider, durchdrang das Tal und rollte über den nebelverhangenen See. Eine andere Frau lief an Kellen vorbei und zog die Pistole des Wächters aus dem schwarzen Nylonholster. Andere Frauen nahmen dem hinteren Wächter die Schusswaffen ab. Eine von ihnen, die mit ihm offenbar noch eine alte Rechnung zu begleichen hatte, blieb lange genug stehen, um dem auf dem Boden liegenden Mann mehrmals den Gewehrkolben an den Kopf zu schlagen. Falls er nicht tot war, würde er vermutlich für den Rest seines Lebens durch eine Gehirnverletzung behindert sein.

Der Schuss verkündete Frauen im ganzen Lager, den wochenlang ausgebrüteten Plan durchzuführen. Sie griffen ihre mit Fieberbläschen und Wundwasser bedeckten Entführer an. Mit Messern bewaffnete Frauen stürzten aus der Küche heraus, stachen auf die Wächter ein und versenkten ihre Schlachtermesser tief in den Bäuchen der Männer, die sie aus ihrem Zuhause verschleppt hatten. Die Wäscherinnen benutzten die Knüttel, mit denen die eingeweichte Wäsche durchgewalkt wurde, als Waffen. Die Frauen in den Gärten erhoben sich und schwangen ihre Hacken und spitzen Hohlspatel.

Die Männer im Lager standen nicht tatenlos herum und ließen es einfach zu. Die bewaffneten Entführer waren deutlich im Vorteil und nutzten ihn aus: Sie rissen ihre Gewehre hoch und feuerten Schüsse ab, um die Armee kreischender Furien niederzumähen, die quer durchs Lager auf die Freiheit zurannte. Auf der Krankenstation hatte eine entführte Krankenschwester sich zwei Wochen lang bemüht, den unbekannten Ausschlag zu behandeln, der den Männern im Lager solche Probleme bereitete. Natürlich strengte sie sich nicht allzu sehr an, ihre Schmerzen zu lindern, denn sie gehörte zu den Verschwörerinnen. Die grausig stinkenden Salben, mit denen sie die am schlimmsten Betroffenen so pflichtbewusst einrieb, waren keine Heilmittel, sondern eine entzündungsfördernde Lösung aus Tierfäkalien und Vaseline.

Auf das Schussgeräusch hin nahm die Krankenschwester ein Skalpell und ging zu ihrem ersten Patienten. Er lag auf einem Feldbett, das von den anderen durch ein altes, über eine Schnur gehängtes Bettlaken getrennt war. Als er die Augen aufschlug und seinen Engel der Barmherzigkeit anlächelte, stieß sie ihm das Skalpell in den Hals und verdrehte es, bohrte eine Wunde, deren herausströmendes Blut er nicht eindämmen können würde. Dann machte sie sich schnell daran, ihre zwei anderen friedlich schlafenden Patienten umzubringen.

Deren Leiden und Sterben bereiteten ihr nach dem, wie sie im Lager behandelt worden war, keinerlei Gewissensbisse. Als sie fertig war, schnappte sie sich einen versteckten Rucksack mit gefüllten Wasserflaschen und Essensrationen, die sie von denen der Patienten abgezweigt hatte. Sie warf sich den Rucksack über die Schulter und rannte aus dem Gebäude. Sie kam nur fünfzig Meter weit, bis sie entdeckt wurde. Als sie dem Befehl stehenzubleiben nicht gehorchte, schoss ein Wächter sie in den Rücken. Sie starb auf der nassen Wiese. Winzige Samen vom hohen Gras klebten an ihren feuchten rosa Wangen.

Kellen und die anderen bewaffneten Frauen ihrer Kolonne liefen zurück zum Lager. Sie hofften, dort auf eine komplette Revolte zu stoßen, in der die brutalen Männer umgekommen waren oder gerade starben. Stattdessen sahen sie mehr gefallene Frauen als Männer. Und der Kampf schien so gut wie vorüber zu sein. Die Männer schossen nicht mehr, sondern standen herum, starrten auf die Körper der toten Frauen und versuchten sich zu erklären, was zum Teufel soeben passiert war.

Das veränderte alles. Es gab Frauen, die befreit werden mussten – aber konnten sie überhaupt zu ihnen gelangen? Kellen und ihre Komplizinnen berieten sich. Sie konnten auf die Männer Feuer eröffnen, aber es strömten immer mehr ins Lager. Sie besaßen weder genügend Waffen noch Munition, um sie alle zu erschießen.

Und was würde passieren, wenn sie zu schießen begannen und damit ihre Position verrieten? Mit Sicherheit würden die Männer auf die Pferde steigen und sie tief in die Hügel jagen, wo sie sie töten würden – oder Schlimmeres. Wenn sie entkommen wollten, mussten sie sich jetzt davonschleichen. Die Frauen, die nicht fliehen konnten, würden eine andere Gelegenheit finden müssen.

Kellen gefiel es nicht, Entscheidungen für eine ganze Gruppe fällen zu müssen. »Was tun wir jetzt?«, zischte sie.

»Wir sollten nicht zusammen weglaufen«, meldete sich eine der Frauen zu Wort. »Wir würden eine Spur wie von einer ganzen Herde Kühe hinterlassen.«

Kellen nickte...



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