Horton | MAD MICK - WIDERSTAND | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 364 Seiten

Reihe: Mad Mick

Horton MAD MICK - WIDERSTAND

Thriller, Endzeit, Abenteuer
überarbeitete Ausgabe
ISBN: 978-3-95835-649-8
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller, Endzeit, Abenteuer

E-Book, Deutsch, Band 2, 364 Seiten

Reihe: Mad Mick

ISBN: 978-3-95835-649-8
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Conor Maguire und seine Tochter Barb lebten während der Apokalypse zurückgezogen in den Appalachen. Doch ihr Vorhaben scheiterte und Barb wurde entführt. Nachdem Conor sie in einem Blutbad, welches die Zahl der Gegner empfindlich dezimierte, befreien konnte, wurde ihm klar, dass er die vereinzelt in der Gegend lebenden Siedler vereinen muss, um ihre Sicherheit zu stärken. Aber sie müssen sich beeilen ... Denn der Anführer der Kidnapper ist nicht besonders erfreut über den Verlust seiner Männer. Entschlossen, jenen »Mad Mick« zur Strecke zu bringen, von dem alle sprechen, rekrutiert er eine Armee und marschiert den Siedlern entgegen ...  »Grundsolide Charaktere, knallharte Action und Hintergrundgeschichten, die eigene Bücher verdient hätten. Grandios ...«  Amazon.com 

Franklin Horton lebt und schreibt in der Bergwelt im Südwesten Virginias. Im Alter von dreizehn Jahren begann er mit dem Schreiben und hat seither über dreißig Science-Fiction- und Thriller-Romane verfasst. Ganz ähnlich wie eine seiner bekanntesten literarischen Figuren lebt er ein zurückgezogen auf einem abgeschiedenen Berggipfel der Clich Mountains und verbringt seine Zeit abwechselnd mit Schreiben oder tüftelnd in seiner Werkstadt.
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Kapitel 1


Bryan Padowicz nippte an seiner Tasse Kaffee und starrte aus dem halb vereisten Fenster seines Blockhauses. Draußen hatte die Strömung des Bachs auf Douthat Lake einen Halbmond aus Herbstlaub angeschwemmt und sie spülte die Blätter nach und nach über das grob gebaute Wehr aus Steinen. Es ging auf das Ende des Herbstes zu und Bryan schätzte, dass inzwischen wohl die meisten Blätter von den Bäumen gefallen waren. Bald würden die Bäume kahl sein und ein bedrückender Winter würde sich wie ein Albtraum auf sie hinabsenken.

Eine heruntergekommene Schar verdreckter Frauen in schlecht sitzender Kleidung marschierte auf einem laubbedeckten Pfad den See entlang zur Arbeit auf den Feldern. Der Winteressensvorrat der Gruppe, ihre finanzielle Sicherheit, ja, die gesamte Zukunft von Bryans rühmlichem Projekt hingen vom Arbeitsertrag dieser Frauen ab. Es war traurig, aber diese paar Frauen waren fast alle, die von seinen Zwangsarbeiterinnen übriggeblieben waren.

Zeitweilig hatte er vierzig bis fünfzig Frauen auf seiner Farm gefangen gehalten, die früher ein Naturpark gewesen war. Er hatte vorgehabt, diese Anzahl bis zum Winter zu verdoppeln, aber nichts war so gelaufen, wie er es vorgehabt hatte. Die Frauen – allesamt miese Intrigantinnen – hatten einen Plan ausgeheckt, die Wäsche der Männer mit einem Extrakt aus Giftsumach zu vergiften und die Männer durch den so verursachten juckenden Ausschlag fast in den Wahnsinn zu treiben. Einige der Männer hatten sich derartig wundgekratzt, dass ihre Haut sich entzündete und sie auf der Krankenstation behandelt werden mussten.

Als die Männer von Douthat Farms durch ihre ständigen Qualen abgelenkt waren, griffen die Frauen sie mit ihren Arbeitsgeräten an: Hacken, Schaufeln, Spitzhacken, Suppenkellen und Wäscheknüttel wurden zu Waffen, mit denen sie ihre Wächter zusammenschlugen und töteten. Dabei gelang mehr als der Hälfte der von Bryan gefangengehaltenen Frauen die Flucht. Ein paar Frauen wurden im Handgemenge erschossen. Die Übriggebliebenen waren jämmerliche, unterdrückte Verwahrloste, die keinerlei Hoffnung mehr hatten und darum beteten zu sterben. Bryan musste zugeben, dass es aussah, als würden die vereinten Bemühungen dieser armen Frauen und seiner restlichen Männer die Farm nicht durch den Winter bringen.

Nach der , wie Bryan es nannte, hatte er zwei Dutzend seiner besten Männer auf eine Reise in den Süden geschickt, um neue Frauen zu besorgen. Er wollte nicht, dass sie in der Umgebung Frauen einsammelten, da er befürchtete, es könnte seine Nachbarn gegen ihn aufbringen. Inzwischen war das mehrere Wochen her und sie waren nicht zurückgekehrt. Bryan hatte nicht mehr viele Männer übrig, die er entbehren konnte. Wenn es sich machen ließ, schickte er ab und zu einen Reiter los, um nach Spuren der Truppe zu suchen, aber sie fanden nichts. Manchmal ließ ein Anwohner verlauten, Reiter vorbeiziehen gesehen zu haben, aber was aus ihnen geworden war, wusste niemand.

Er hatte nicht genügend Männer übrig, um ein weiteres Plünderungskommando loszuschicken. Obwohl sie mehr Gefangene brauchten, hatte er kaum genügend Männer für die alltäglichen Aufgaben. Ohne Arbeitskräfte waren sie verloren. Er wusste nicht, was er machen sollte.

Ein paar Tage zuvor hatte er einen Boten in einen Nachbarort gesandt, um ein paar Männer anzuheuern. Bisher hatte er sich davor aus Angst gescheut, dass die Männer aus der Nachbarschaft Einzelheiten über die Farm ausplaudern könnten. Er wollte den Ort in Unwissenheit darüber lassen, dass er Rauschgift zum Verkauf anbaute. Und er wollte seine Nachbarn auch nicht wissen lassen, dass er das mithilfe von gefangengehaltenen Frauen tat. Aus reiner Verzweiflung stellte er zwei Männer ein, versorgte sie mit Verpflegung und setzte sie als Wachposten ein, wozu weniger Fachkenntnisse nötig waren als für viele der anderen Aufgaben.

Die beiden waren gestern verschwunden und hatten zwei der gefangenen Frauen mitgenommen. Es war möglich, dass sie anderen Leuten von den Sklavinnen auf der Farm erzählen würden. Das war eine weitere Sorge. Bryan träumte immer noch davon, dass seine Douthat Farms eine moderne Version von Monticello wurde und er selbst zu einer modernen Version von Thomas Jefferson, doch diese Hoffnung schwand mit jedem Tag weiter dahin.

Er wusste, dass das Stromnetz wahrscheinlich in naher Zukunft wieder funktionieren würde und dass der gegenwärtige Zustand zu einem Ding der Vergangenheit werden würde. Die Zeit verstrich. Er musste zuschlagen und ein Vermögen anhäufen, bevor wieder Ordnung herrschte. Die Menschen würden ihr wertloses Geld, Eigentum und noch vieles mehr für die Lebensmittel eintauschen, die er anbaute. Wenn der Strom wieder funktionierte, würden ihn das Geld und die Güter zu einem reichen Mann machen, aber ohne Sklavenarbeit konnte er nichts verdienen. Ein wirtschaftliches Defizit braute sich vor ihm wie die Dunkelheit eines herannahenden Unwetters zusammen.

Bryan trank seinen Kaffee aus, stellte die Tasse auf die leere Küchenanrichte und ging zurück ins Wohnzimmer, um das Feuer zu schüren. Da er plante, den Morgen draußen zu verbringen, zog er sich warm an und schnallte sich einen Navy Colt von 1851 um. Das war reine Theatralik, die er sich angewöhnt hatte, weil er nicht erwartete, mit seinen Waffen jemals schießen zu müssen. Sie waren Requisiten, die zu seiner Verkleidung gehörten. Er konnte nicht mal sonderlich gut schießen.

Bevor er nach draußen trat, hängte er sich eine Kalaschnikow über die Schulter. Er war noch nicht einmal bis an den Rand seiner Veranda gekommen, als er eine Gestalt in Arbeitshosen und Hoodie auf sich zulaufen sah. Es war Michael, der den Arbeitskolonnen vorstand, die sich um die Gewächshäuser kümmerten. Als er Bryan sah, hob er grüßend die Hand und verlangsamte seine Schritte. Als er an der Verandatreppe ankam, versuchte er immer noch, seinen Atem zu beruhigen.

»Schlechte Nachrichten kann ich nicht gebrauchen«, sagte Bryan. »In meiner Seele ist kein Platz mehr dafür da.«

Michael keuchte immer noch zu sehr, um reden zu können, aber so zögernd und unsicher, wie er hochsah, hatte er offensichtlich nichts Gutes zu berichten. »Das Cannabis ist weg«, keuchte Michael. »Jemand hat das Vorhängeschloss gekappt und alle Pflanzen rausgerissen. Hat alles mitgenommen.«

»Das waren über einhundert große Pflanzen«, sagte Bryan. »Die sind alle weg?«

»Überall sind Fußspuren. Es müssen mehrere Leute gewesen sein.«

Bryan seufzte. Es mussten die Männer gewesen sein, die sie im Ort angeheuert hatten und die gestern mit zwei der gefangenen Frauen weggelaufen waren. Die Gewächshäuser waren von der Außenwelt abgeschirmt; sie befanden sich in ehemaligen Garagen, die die Angestellten des Naturparks benutzt hatten. Die Lampen waren an die Solarstromanlage angeschlossen, die Bryan selbst installiert hatte.

Es war unwahrscheinlich, dass jemand die Gewächshäuser zufällig entdecken würde. Bis vor ein paar Wochen noch hatte er die Gewächshäuser nachts bewachen lassen, aber dafür hatte er jetzt nicht mehr genügend Männer. Wenn die Wachposten noch dagewesen wären, hätte sich dies nie ereignet. Jetzt hatte er kaum noch genügend Männer, um die Holzöfen in den Gewächshäusern zu schüren.

»Ist dem Mohn nichts passiert? Und dem Gemüse?«, fragte Bryan. In seiner Stimme lag ein Hauch von Verzweiflung, der ihm fast peinlich war. Er brauchte dringend gute Neuigkeiten.

»Da bin ich mir nicht ganz sicher«, antwortete Michael. »Ich glaube nicht.«

»Die haben sie auch alle mitgenommen?«

»Das nicht gerade«, sagte Michael. »Die Leute, die das Cannabis gestohlen haben, sind in die anderen Gewächshäuser eingebrochen und haben alles zerstört – haben die Pflanzen umgerissen und sie mit Macheten zerhackt. Dann haben sie die Türen aufgelassen, weshalb die Temperaturen drinnen auf unter null Grad gefallen sind. Ich glaube, dass alles, was sie nicht zerstört haben, vermutlich zu viel Frost abgekriegt hat, um zu überleben.«

Bryan widerstand der Versuchung, seine Kalaschnikow von der Veranda zu werfen, zu schreien und zu fluchen.

Er verharrte bewegungslos. Er war so nahe dran gewesen. Fast alles hatte kurz vor der Ernte gestanden. Er fühlte sich aus einer Vielzahl von Gründen wütend und verletzt. Noch schlimmer war, dass seine Träume vor seinen Augen zu Staub zerfielen. Er baute seit genügend Jahren Pot an, um von seinen gärtnerischen Fähigkeiten überzeugt zu sein. Er hatte Cannabis angebaut, um es zu verkaufen und gegen andere Güter einzutauschen. Den Mohn baute er an, um Opium für den Verkauf und Tauschhandel herzustellen.

Er baute genügend Gemüse für seine eigenen Leute und zum Tauschhandel mit Menschen an, die keine Drogen haben wollten und für das Essen anderes eintauschten, das sie auf der Farm brauchten. Jetzt würde er sich glücklich schätzen können, wenn sie noch ausreichend Gemüse hatten, um selbst durch den Winter zu kommen. Er war sich fast sicher, dass es nicht reichen würde. Seine Leute würden bald wie alle anderen dazu verdammt sein, überall nach etwas zu essen suchen zu müssen. Wie treu ergeben würden sie ihm dann noch sein? Wie sehr würden sie noch seiner Vision verschrieben sein, einen prächtigen Landsitz aufzubauen, der ihn und seine Familie auf Generationen hin reich machen und alle ernähren würde, die an ihn glaubten?

»Ist denn noch was übrig?«

»Den Kartoffeln ist vermutlich nichts passiert. Wir hatten sie in 20-Liter-Eimer gepflanzt und ich bin mir sicher, dass sie von der Erde vor dem Frost geschützt sind. Davon haben wir jede Menge, aber ob wir allein davon überleben können, weiß ich...



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