E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Howard Sardinien, die Liebe und du
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-7485-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-7485-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Unerhört, wie herablassend dieser Macho Guido Falcone sie behandelt! Ronnie ist total wütend auf den attraktiven Rennbootfahrer. Da lädt er sie zum Segeln ein. Ein Ausflug, wie für die Liebe geschaffen - vor der wildromantischen Küste Sardiniens ...
Stephanie Howard studierte Sozialwissenschaft an der Harding University im Bundesstaat Arkansas. Außerdem ist sie ein Tausendsassa: Sie ist nicht nur Autorin, sondern auch Fitnesstrainerin, Raumausstatterin und viel beschäftigte Mutter von zwei Kindern. Engagiert setzt sie sich für Frauen ein. Stephanie Howard schreibt in ihren Romanen gern über emanzipierte Frauen, die Familie, Freunde und Arbeit unter einen Hut bekommen.
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1. KAPITEL
„Donnerwetter! Wer ist denn dieser hinreißend aussehende Mann dort?“
Ronnie wandte den Blick von der Gestalt auf dem Landungssteg und drehte sich zu ihrem Bruder um, der am Außenbordmotor saß. Jeff stieß einen verächtlichen Laut aus. „Dein neuer Arbeitgeber“, erklärte er. „Ich rate dir, mit deinem Urteil abzuwarten, bis du ihn besser kennst!“
„Das ist Guido Falcone?“ Ronnie sah Jeff verblüfft an. „Du meinst, das ist dieses Ungeheuer, von dem du mir erzählt hast?“ Der Wind blies ihr das kurze blonde Haar ins Gesicht, als sie erneut zum Landungssteg hinüberblickte. Die Distanz verringerte sich rasch, und Ronnie betrachtete den beeindruckenden, hochgewachsenen Mann mit zunehmendem Interesse.
Er war etwa Anfang dreißig und sehr groß; schwarzes, gelocktes Haar umrahmte ein tief gebräuntes Gesicht mit markanten Zügen, die wirkten, als seien sie aus Stein gemeißelt. Er hatte breite Schultern, schmale Hüften und lange, muskulöse Beine, eine ungeheuer männliche Ausstrahlung ging von ihm aus.
Er stand jetzt ganz reglos da, hielt die Arme vor der Brust verschränkt, und der Blick seiner schwarzen Augen war auf das näher kommende Motorboot gerichtet. Ronnie überlegte, wie viel besser dieser Körper in Bewegung zur Geltung kommen musste. Bestimmt bewegte Falcone sich mit der geschmeidigen Anmut eines Panthers. Ein unerwartetes Prickeln überkam sie bei dem Gedanken.
Jeff steuerte das Boot mit der Längsseite zum Steg, und Ronnie lächelte ihn immer noch überrascht an. „Also, so habe ich mir Guido Falcone ganz sicher nicht vorgestellt!“ Jeffs Beschreibung nach war sie auf ein Wesen mit Hörnern und Bocksfüßen gefasst gewesen!
Jeff kam nicht dazu, zu antworten. „Du hast dich verspätet“, ließ sich der Mann auf dem Steg vernehmen.
Der Vorwurf war zwar direkt an Jeff gerichtet, aber die mit sanfter Stimme hervorgebrachten Worte klangen so gebieterisch, dass Ronnie ruckartig den Kopf hob und den Mann anstarrte. Kaum hörte sie Jeffs gemurmelte Antwort, der Blick dieser schwarzen Augen verschlug ihr den Atem. In diesem Moment wurde ihr klar, dass sie noch nie zuvor einem so aufregenden Mann begegnet war.
Jeff hob ihr Gepäck auf den Steg und half ihr dann beim Aussteigen. „Bis später, Schwesterherz“, sagte er, als sie wie benommen dastand. Er wendete das Boot und fuhr davon.
„Maledetto!“
Ronnie achtete kaum auf den leisen Fluch, sie sah dem rasch kleiner werdenden Boot ihres Bruders nach. Schließlich gab sie sich einen Ruck und drehte sich um. „Es tut mir leid, dass wir nicht pünktlich gekommen sind. Mein Flug hatte Verspätung“, entschuldigte sie sich.
Auch Guido blickte über das Meer und reagierte daher nicht sofort. Ronnie war froh, noch eine Weile von diesem durchdringenden Blick verschont zu sein, und nutzte die Gelegenheit, ihren Arbeitgeber verstohlen zu mustern. Er sah in der Tat erstaunlich gut aus, obwohl nichts Weiches oder Sanftes an ihm war. Seine Züge wirkten von Nahem noch markanter und unnachgiebiger. Der kantige Kiefer, die klassische, gerade Nase und die hohe, intelligente Stirn ließen auf einen willensstarken Charakter schließen. Das dichte, eine Spur zu lange schwarze Haar verlieh ihm ein beinahe wildes Aussehen, und in den dunklen Augen unter den langen, schwarzen Wimpern schienen sich alle möglichen Emotionen gleichzeitig widerzuspiegeln. Etwas Ruheloses, Unberechenbares ging von ihm aus, man konnte wohl nie voraussagen, was er als Nächstes tun würde.
„Was sagten Sie?“ Er hatte sich unvermittelt umgedreht und bestätigte so ihre letzte Vermutung. Wieder zuckte sie unter seinem Blick zusammen wie unter einem Stromschlag.
„Ich sagte, es täte mir leid, dass wir nicht pünktlich gekommen sind.“ Ronnie ärgerte sich, dass sie vor Verwirrung rot wurde. „Mein Flug hatte Verspätung.“
„Sie sind vor zwei Stunden gelandet.“ Seine Augen funkelten. „Selbst wenn man die Fahrt vom Flughafen bis hierher mit berücksichtigt, hätten Sie schon längst hier sein können. Es sei denn, es gab noch eine Verzögerung anderer Art?“
„Nicht direkt.“ Ronnie lächelte entschuldigend und wünschte, ihr Herzschlag würde sich endlich beruhigen. „Aber wir haben unterwegs eine Tasse Kaffee getrunken.“
„Eine Tasse Kaffee?“ Seine Miene drückte unverhohlene Missbilligung aus.
Ronnie machte ein kleinlautes Gesicht. „Ja. Verzeihen Sie, ich wusste nicht, dass Sie warteten. Wissen Sie, ich war durstig nach der Reise.“
„Hätten Sie nicht die halbe Stunde abwarten und mir so die Unannehmlichkeit ersparen können, hier über eine Stunde meiner Zeit zu vertun? Länger dauert die Fahrt von Olbia nämlich nicht!“
„Es tut mir wirklich leid.“ Ronnie fühlte sich ein wenig schuldbewusst. Sein Vorwurf kam ihr berechtigt vor, dabei war diese Kaffeepause gar nicht ihre Idee gewesen. Jeff hatte darauf bestanden. „Dabei kann ich dich dann über den Stand der Dinge informieren“, hatte er gesagt. Sie hatte keine Ahnung gehabt, dass sie ihren neuen Arbeitgeber dadurch warten ließ. Ganz im Gegensatz zu Jeff, wie sie jetzt erkannte, und sie fühlte sich auf einmal hin- und hergerissen zwischen ihrem schlechten Gewissen und dem instinktiven Bedürfnis, ihren Bruder in Schutz zu nehmen. „Ich hatte wirklich schrecklichen Durst“, beteuerte sie.
„Wenn das so ist…“ Guido lächelte plötzlich und überraschte Ronnie damit erneut. Seine makellosen weißen Zähne blitzen auf. „Wir dürfen natürlich nicht zulassen, dass unsere neue Lehrerin verdurstet!“, fügte er hinzu und bückte sich, um ihren Koffer zu nehmen. „Der Wagen steht dort drüben.“
Ronnie folgte ihm und hielt den Blick auf seinen Rücken gerichtet. Sie sah das Spiel seiner Muskeln unter dem blassblauen T-Shirt und stellte fest, dass sie recht gehabt hatte. In Bewegung kam sein Körper noch besser zur Geltung, sein Gang erinnerte an den einer Raubkatze. Hastig sah sie zur Seite. Wieder befand sie sich in einem seelischen Zwiespalt. Ihre Bewunderung für ihn, ja, sogar ihr Versuch, die Dinge mit seinen Augen zu sehen, waren doch bestimmt völlig fehl am Platz. Nach dem, was Jeff ihr über ihn berichtet hatte, hätte sie ihn eigentlich nicht mögen dürfen. Es beunruhigte sie, dass das nicht der Fall war.
Sie hatten ein leuchtend rotes Alfa-Cabrio erreicht, das im Schatten eines Feigenbaums geparkt stand. Guido warf Ronnies Gepäck auf den Rücksitz und hielt ihr dann die Tür auf. „Steigen Sie ein.“
Endlich verspürte sie erlösenden Ärger wegen seines knappen Befehlstons. Vielleicht hatte Jeff doch recht damit, dass der Mann unerträglich sei, und sie hatte sich nur von seinem fantastischen Aussehen blenden lassen. Sie warf ihm einen verstohlenen Seitenblick zu, als er sich ans Steuer setzte.
„Ist das Ihr erster Aufenthalt in Sardinien?“ Guido ließ den Motor an und fuhr los.
„So ist es. Obwohl ich natürlich schon in Italien war.“
„Natürlich?“, fragte er mit leisem Spott. „Warum natürlich?“
„Das war nur so dahergesagt.“ Ihre Verärgerung nahm noch zu. „Ich meinte damit, dass mir Ihr Land nicht vollkommen fremd ist.“
„Oh, das ist es aber doch, wenn Sie noch nie in Sardinien waren.“ Guido schenkte ihr ein entwaffnendes Lächeln. „Unsere Insel und das italienische Festland haben nur sehr wenig miteinander gemeinsam. Die Landschaft ist anders, die Menschen, die Kultur – eigentlich alles.“
Zumindest hatte er recht, was die Landschaft betraf. Ronnie sah sich interessiert um, während der Wagen auf einer staubigen Straße an ausgedörrten Feldern vorbeifuhr. Ronnie spürte es förmlich an der Luft, diese Insel war wild und anders als das üppig grüne Festland. Die schroffen Berge in der Ferne wirkten dunkel und unheimlich, die zerklüftete Küste schien Geheimnisse zu bergen. Auf einmal empfand Ronnie wieder dieselbe Aufregung wie damals, als ihr diese drei Wochen Sardinien so unvermutet angeboten worden waren. In letzter Zeit hatte sie buchstäblich die Tage bis zu ihrer Abreise gezählt.
„Wissen Sie, Sie sehen Ihrem Bruder sehr ähnlich“, sagte Guido und betrachtete sie von der Seite her. „Das gleiche blonde Haar, die gleichen blauen Augen. Ich hätte Sie überall sofort als seine Schwester erkannt. Wären da nicht gewisse reizvolle weibliche Attribute, könnten Sie ohne Weiteres als sein Doppelgänger durchgehen.“ Er ließ den Blick vielsagend über diese „weiblichen Attribute“ schweifen, die Wölbung ihrer Brust unter der dünnen Baumwollbluse, die geschwungenen Hüften, die von den Jeans gut zur Geltung gebracht wurden. Dann sah er ihr wieder in die Augen. „Sie gleichen sich wirklich wie ein Ei dem anderen.“
„Ich weiß.“ Ronnie hoffte, er möge ihr Erröten als Freude deuten. Denn sie freute sich tatsächlich immer, wenn Leute sie auf die verblüffende Ähnlichkeit mit ihrem geliebten älteren Bruder ansprachen. Im Grunde betrug ihr Altersunterschied nur neun Monate, sie waren wirklich fast wie Zwillinge. Allerdings war das nicht der Grund für ihr Rotwerden gewesen, sondern der Blick, mit dem Guido sie begutachtet hatte … Sie wandte sich ab und tat, als konzentrierte sie sich wieder auf die Landschaft. „Das haben schon viele gesagt.“
Er nickte nur und fuhr eine Weile schweigend weiter. „Wollen wir nur hoffen, dass sich diese Ähnlichkeit auf das Äußerliche beschränkt“, sagte er unvermittelt, und in seiner Stimme schwang unüberhörbar Schärfe mit.
„Wie bitte?“ Ronnie drehte sich stirnrunzelnd zu ihm um. „Verzeihung, aber ich weiß nicht, wovon Sie...




